Ry Cooder & Manuel Galban: Drume Nigrita (2003)

Mit dem 1997er Album Buena Vista Social Club gelang es Ry Cooder das Ohr der Musikwelt auf eine kleine Karibikinsel zu lenken, das einen ungeheueren Reichtum an Rhythmus und Musik in sich birgt: Kuba. Viele der alten Recken, die Cooder damals auf die Weltbühne stellte, sind inzwischen verstorben. Sechs Jahre später im Jahr 2003 begab sich Cooder noch einmal nach Kuba, um mit Manuel Galban, dem Telecasterfan und Orgelspieler, die Scheibe Mambo Sinuendo aufzunehmen. Das Ergebnis ist zwar weniger sensationell und publikumsträchtig ausgefallen, dafür aber noch einen Tick authentischer.

Stilistisch ist „Mambo Sinuendo“ ein Combo-Sound, so wie er in der Vor-Castro-Ära der 50er Jahre populär war. Im Gegensatz zum „Buena Vista Social Club“ hat sich Cooder diesmal für eine betont kleine Besetzung entschieden, ohne Bläser und ohne Gesang. Der instrumentelle Schwerpunkt des Albums liegt auf der Gitarre und dem Schlagzeug (eigentlich zwei Schlagzeugen). Die Lead-Gitarre, wenn man das überhaupt so bezeichnen kann, spielt Manuel Galbán, Mitglied der vermutlich populärsten Gruppe des Landes, den Los Zafiros, die eher harmonischeren Teile übernimmt Ry Cooder.

Das Ergebnis ist eine nicht mehr so glatt gebügelte und daher von vielen konsumierbare Kuba-Folklore wie Buena Vista (so sehr mir diese Musik auch gefällt). Mit „Mambo Sinuendo“ hat Ry Cooder für uns neues, altes Terrain aufgetan, den Mambo der Fifties. Weg vom trägen Charme der Karibikfolklore führt der Weg zurück, als in den 50ern auch in Kuba die ersten Stromgitarren eingestöpselt wurden.

Und das ist das Schöne an dem Album. Ungeschliffen, spontan und verdorben kommen die Stücke daher. Entspannt, ohne Blick auf die Charts, voll aufeinander eingespielt agieren die Musiker, zu denen auch Jim Keltner, Joachim Cooder und Angá Diaz zählen. Fast verwunderlich erscheint es mir, dass dieses Album 2003 mit dem Grammy als Bestes Pop Instrumental Album ausgezeichnet wurde. Vielleicht ein Tribut an die wachsende Anzahl lateinamerikanischer Mitbürger in den USA.

Hörbeispiele: Ry Cooder, Manuel Galban – Mambo Sinuendo [2003]


Ry Cooder & Manuel Galban: Drume Nigrita (2003)

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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