Krebs-Tagebuch eines Angehörigen (4)

Gestern wurde meine Frau im Krankenhaus Buchholz am Nachmittag operiert. Kurz nach 16 Uhr 30 kam sie auf die Station zurück – sie hat also die Operation überstanden und es geht ihr ‚den Umständen entsprechend’ gut. Eigentlich mag ich diese Phrase überhaupt nicht, weil sie so nichtssagend ist. Aber zusammen mit dem primären Adjektiv und der Tatsache, dass sie wieder auf der ‚normalen’ Station ist, so lässt sich auch aus dieser Floskel Positives ziehen.

Gestern haben wir meine Frau noch in Ruhe gelassen. Heute Abend werde ich sie zusammen mit unseren Söhnen und ihrer Mutter besuchen. Dann wissen auch wir Angehörige, wie es ihr wirklich geht. Und in etwa drei Tagen werden wir dann auch wissen, wie die weiteren Befunde sind, nachdem der Wächterlymphknoten näher untersucht sein wird. Dieser Befund gibt Aufschluss darüber, ob sich das Krebsgeschwür im Körper gestreut hat. Alle Anzeichen sprechen aber dagegen. Dann werden wir auch wissen, welcher weiteren Therapie sich meine Frau unterziehen muss (Chemotherapie oder Strahlentherapie)

In den ersten Tagen, nachdem wir die fatale Nachricht von der Erkrankung meiner Frau erfahren hatten, fiel es mir als ihr Mann schwer, andere Menschen in unserem Umfeld von ihrer Krankheit zu informieren. Mir standen Tränen in den Augen. Sicherlich saß der Schock nicht nur bei meiner Frau, sondern auch bei mir zunächst tief. Aber ich denke, dass es etwas anderes ist, ob man selbst betroffen ist oder ‚nur’ als naher Angehöriger oder Lebenspartner. Dem Leid gesellt sich gern Selbstmitleid zu. Im ersten Schock denkt man auch an das Schlimmste, was kommen könnte, den Tod! Und damit stellt sich die Frage nach dem Danach und dem, was man (ich) ohne seinen Lebenspartner macht.

Heute, mit dem Abstand von zehn Tagen, erkennt man den eigenen Egoismus, der sich hinter diesem Selbstmitleid verbirgt. Es kann nicht darum gehen, was aus mir wird, es kann nur darum gehen, wie es meiner Frau geht. Es kann nur um sie gehen, nicht einmal um die Krankheit, die zunächst alles verdunkelt.

Krebs lässt sich bekämpfen. Aber nicht allein mit Messer, Medikamenten oder ionisierenden Strahlen. Der Kampf muss auch von innen geführt werden – mit der eigenen positiven Einstellung. Jede Hilfe von außen, jeder Zuspruch verstärkt diese innere Energie. Diese Erkenntnis hilft auch den Angehörigen, dem Ehepartner oder den Kindern.

Der Weg ist noch lang. Aber die ersten Schritte sind getan. Gemeinsam werden wir als Familie den schweren Weg meistern.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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