Das Ende einer großen Band

Ach, wie werde ich sie vermissen, meine monatliche Jethro Tull-Kolumne. Und obwohl sich Herr Anderson, Mastermind der Gruppe, in Vielem rührig zeigt – mit seinen vielen ‚big surprises’ kam auch noch ein neues Design der Gruppen-Website daher (eigentlich wurde nur mit Farbe gespielt, statt olivgrün jetzt ein bordeauxrot oder so: Hare In The Winecup – auch das Banner wurde ausgetauscht und glänzt jetzt in einem ausgewaschenen Orange-Braun – neben dem Schriftzug des Bandnamens erstrahlt jetzt auch des Meisters Name – dieser hat sich ja nicht nur die Domain www.jethrotull.com gesichert, sondern auch www.iananderson.com).

www.iananderson.com

Nein, trotz aller Rührigkeit: Es ist Schluss mit lustig. Alle wissen es längst: Die Gruppe Jethro Tull ist wie ihr Namensgeber TOT, verstorben – diese an den Querelen zwischen den Herren Musikern. Wer nun wem nicht mehr so ganz gewogen ist, selbst die unendlich vielen Interviews geben keine klare Auskunft. Ich lese so etwas schon nicht mehr. Die bereits sorgfältig geplante Thick As A Brick-Tour 2012 firmiert unter dem Namen Ian Anderson – wie bereits die laufende Tour schon vom Gruppennamen Jethro Tull nichts mehr wissen will.

Ian Anderson hält Wort: Sollte Martin Barre nicht mehr Stage Left an seiner Seite zu finden sein, dann ist Jethro Tull gestorben. Es bleiben uns nur noch einige nette Erinnerungsfotos aus London

Sollte uns nun wirklich nur noch dieser Herr A samt dieser zwei Herren O bleiben: Ian Anderson samt John O’Hara und Florian Opahle?

Ian Anderson Combo 2010 ff.
Ian Anderson Combo 2010 ff.

Was uns erwartet, wenn wir es wagen sollten, im nächsten Jahr die TAAB-Tour zu besuchen, lässt ein Konzertmitschnitt aus der Guildhall in Gloucester vom 04.09. erahnen, der im Internet kursiert. Da versucht sich die IA Combo (oder heißen die jetzt Trio, Band oder gar Ensemble) an der „The Poet & The Painter Sequence“ aus Thick As A Brick. Dass ein Trio nicht diese orchestrale Gewalt eines Sechs-Mann-Klangkörpers (wie ehemals Jethro Tull: neben IA die Gitarre von Martin Barre, Schlagzeug und Bass sowie zwei Mann an den Keyboards) erzeugt, ist verständlich, aber allein schon durchs fehlende Schlagzeug klingt das so, als spielte eine Damenkapelle Altherrenkapelle zum Schwof auf. Überhaupt fehlt die Dynamik in den Stücken. Und ausschweifende Improvisationen mit viel Firlefanz machen die Musik auch nicht besser. Manche Passage ist außerdem schlecht arrangiert. Nein, kein Wort zu dem von Herrn Anderson, das man bei anderen als Gesang bezeichnet. Als Trio aufzutreten spart dem Knauser Personalkosten. Eine Rockband ist das dann aber nicht mehr. Hier ein kurzer Zusammenschnitt:


Ian Anderson: Thick as a Brick (The Poet & The Painter Sequence) / Gloucester 04.09.2011

Es bleibt dabei: Wir erinnern uns gern an alte Zeiten. Das gilt jetzt auch für die Musik von einer wirklich tollen Gruppe namens Jethro Tull. Wie heißt es in einem Abschiedsspruch (von unbekannt): Alles hat seine Zeit, die Zeit der Liebe, der Freude und des Glücks, die Zeit des Sorgens und des Leids. Es ist vorbei. Die Liebe bleibt. – Immerhin …

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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