Zlatá Praha (2): Hinfahrt nach Prag 1982

In der Vorosterzeit 1982, also vor genau 30 Jahren, fuhr ich mit einem Freund über Würzburg, Nürnberg, Karlsbad (Karlovy Vary) und Pilsen (Plzeň) nach Prag. Auf der Rückreise machten wir in Marktredwitz Halt. Das war eine ganz schön ‚harte’ Tour, aber auch sehr interessant und heute so nicht mehr möglich.

Die Reise könnte man als eine Tour auf den Spuren trinkbarer Erzeugnisse Pilsener Brauart bezeichnen. Auch wandelten wir in Prag auf Kafkas Spuren. Von Bremen kommend, am Freitag, den 2. April 1982 ging es mit dem Zug um 16 Uhr 08 los, machten wir zunächst Halt in Würzburg, um in der dortigen Bahnhofsgaststätte im Hauptbahnhof (es muss sich wohl um das Restaurant „Bürgerstuben“ gehandelt haben, das es heute nicht mehr gibt) ein „Würzburger Hofbräu“ zu genießen. Da wir in Würzburg erst kurz vor 21 Uhr ankamen, entschlossen wir uns, in der Stadt eine Unterkunft zu suchen.

Am nächsten Tag (Samstag, den 3. April 1982) ging er dann kurz vor Mittag weiter nach Nürnberg, wo wir etwas außerhalb der Stadtmitte ein Zimmer suchten und in der Pillenreuther Straße (Gasthof Cramer-Klett) preiswert findig wurden. Heute gibt es den Gasthof auch schon nicht mehr, dafür hat sich ein Cafe mit Billard in der Gaststube breit gemacht. Den späten Nachmittag verbrachten wir im Biergarten des Restaurant Burgwächter gleich bei der Nürnberger Burg. Dort kamen wir auch gleich ins Gespräch mit ‚Einheimischen’ (u.a. an Tina und Hubert kann ich mich erinnern), die uns dann zum Essen und später sogar zu sich nach Hause in die Meuschelstraße einluden. Das Ganze wurde dann doch etwas sehr feucht-fröhlich, sodass wir uns am nächsten Tag entschieden, noch eine Nacht in Nürnberg zu bleiben.

Leider hatte man in dem Gasthof wegen einer großen Familienfeier kein Zimmer für die kommende Nacht frei. So suchten wir in der Nähe eine andere Unterkunft in der gleichen Straße in der Pension Gerhard (heute Gasthof und Hotel). Den Tag über (Sonntag, den 4. April 1982) ernährten wir uns von Jägerbraten, Zwiebelsuppen, Nürnberger Bratwürsten und Bajuvator, dem dunklen Doppelbockbier der Nürnberger Tucher Brauerei. Ja, es war ja Starkbierzeit (nur zur Info: Die Starkbierzeit 2012 ist, wenn ich das richtig sehe, vom 25.02. bis 31.03. 2012 – geht also immer bis eine Woche vor Ostern – und ich so gönne mir in diesen Tagen ab und wann ein besonders kräftig-malziges Paulaner Salvator). Trotz der Nase im Bierglas ging das Weltgeschehen nicht ganz an uns vorbei: Inzwischen wurde vermeldet, dass argentinische Truppen auf den Falkland-Inseln gelandet wären. Damit begann der Falkland-Krieg.

Endlich am Montag, den 5. April 1982 ging es über die deutsch-tschechoslowakische Grenze. In Nürnberg fuhren wir um 11 Uhr 12 los. In Cheb (deutsch: Eger) kamen wir zum ersten Mal auf den Boden der ČSSR; bis zum Ende 1992 waren Tschechien und die Slowakei ja noch ein Staat (und bis 1990 auch sozialistische Republik). An der Grenze mussten wir pro 30 DM in Kronen tauschen; da wir sechs Tage bleiben wollten, bekamen wir für 180 DM pro Person 778 tschechoslowakische Kronen (Kcs.). Zwangsumtausch nannte man das damals.


Größere Kartenansicht
Nürnberg (A) – Prag (E) über Marktredwitz (B), Karlsbad (C) und Pilsen (D)

Bevor wir nach Prag fuhren, wollten wir auf jeden Fall einen Halt in Pilsen, der Mutter aller Pilsner Biere resp. Biere Pilsener Brauart, machen. Die Stadt ist zunächst eine Industriestadt. Denn hier wird nicht nur das berühmte Pilsner Urquell gebraut, sondern es befinden sich hier auch u.a. die Škoda-Werke. In der Ferne sah man schon sich die Schornsteine gen Himmel recken. Gegen 16 Uhr 30 kamen wir an. Die Innenstadt entpuppte sich als nicht allzu attraktiv.

Irgendwie erinnere ich mich an Lautsprecher an Straßen und Plätzen, die sozialistische Propaganda unters Volk brachten. Wir fühlten uns leicht befremdlich – wie in einem falschen Film. Die Suche nach einer preiswerten Unterkunft gestaltete sich schwierig. Aber um es gleich zu sagen: Nirgendwo sonst habe ich so viele hilfsbereite Menschen erlebt, die uns förmlich an Pilsen binden wollten und sich um eine Unterkunft für uns bemühten. Wir sprachen Polizisten an, zu denen sich schnell eine Verkäuferin gesellte, Angestellte der Bahn kamen hinzu; man ging zum nahegelegenen Postamt und telefonierte. Aber für die zwei jungen Typen mit Rucksäcken wollte sich keine günstige Schlafgelegenheit auftun. Dann wurden wir mit einem Auto zu einer Unterkunft der Bahn gebracht; im Foyer hätten wir auf Sesseln die Nacht kostenlos verbringen können, aber das wollten wir weder den Leuten hier, noch uns antun. Am Ende empfahl man uns das Hotel Škoda, ein Zimmer war für uns vorgemerkt – wir mussten nur noch mit der Straßenbahn der Linie 1 ein kurzes Stück fahren, um es am náměstí Českých bratří („Platz der tschechischen Brüder“ oder so – ist zumindest der heutige Name des Platzes) zu finden. Ein Hochhaus, nicht ganz billig, aber okay. So machten wir uns zunächst frisch und dann auf den Weg nach einem trinkbaren Pilsner. Wir fanden bald eine halbwegs gemütliche Kneipe, in der der halbe Liter umgerechnet 50 Pfennige kostete (was auch vor 30 Jahren schon spottbillig war), trinkbares Bier, wenn’s auch kein Pilsner Urquell war. Und der Hammer: Der Wirt wollte uns mit zwei Mädels verkuppeln. Das war uns fürs erste dann doch zu viel der ‚Gastfreundschaft’. Wir waren ja hier nicht als Sextouristen angereist, sondern wegen des Bieres (und auch, um auf Kafkas Spuren zu wandeln). Im Hotel spielte dann noch eine Tanzkapelle, nur tanzte keiner, dafür wir … nämlich bald ab ins Bett, nachdem wir aber noch unser Pilsner Urquell bekommen hatten (das Bier für nicht mehr ganz so preiswerte 5 Kcs.).

Am Dienstag, den 6. April 1982 war es dann endlich soweit. Nach einem guten Frühstück liefen wir zu Fuß zum Hauptbahnhof von Pilsen (Plzeň hlavní nádraží) zurück. Mit unseren Rucksäcken auf den Buckeln waren wir gewissermaßen die große Sensation in Pilsen an diesem Tag. Dann ging es mit einem Bummelzug endlich Richtung Prag, wo wir gegen 14 Uhr am Prager Hauptbahnhof ankamen. Die Gegend unterwegs gefiel uns schon einmal ganz gut, besonders Karlštejn mit seiner Burg.

Fortsetzung folgt: Zlatá Praha (3): Prag 1982 – Bier und Kafka

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.