Flohmarkt in Tostedt und ‚Wetten, dass ..?’

Der Flohmarkt in Tostedt, der größte in Norddeutschland, findet jedes Jahr am ersten Samstag im Oktober statt. Und am diesen Samstagabenden gibt es fast immer auch ‚Wetten, dass ..?’ im Fernsehen.

Nun, dieses Jahr fiel der Flohmarkt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Meine Frau, die gewissermaßen zum Inventar des Flohmarktes gehört, stand zwar noch in den Startlöchern, hoffte auf ein Nachlassen des Dauerregens, der vom frühen Morgen an auf Tostedt niederprasselte. Aber gegen 10 Uhr gab sie es auf und war nach 1993, als sechs Tage später der jüngere unserer beiden Söhne geboren wurde, wieder einmal nicht mit ihrem Stand auf dem ‚Töster Markt’, wie man den Flohmarkt hier nennt, vertreten. Erst nach 13 Uhr hörte der Regen dann auf.

Und am Abend gab es dann tatsächlich wieder „Wetten, dass ..?“. Nach Gottschalks letzter Sommerparty im Mitte Juni 2011 stieg nach langer Nachfolgersuche Markus Lanz in den freigewordenen Ring. 13,62 Millionen Zuschauer schalteten die 200. „Wetten dass ..?“-Ausgabe ein, der Marktanteil lag bei sehr starken 43,7 Prozent. Viele Zuschauer waren einfach gespannt, wie sich der Gottschalk-Nachfolger schlagen wird. Diese Quote dürfte die Sendung wohl so schnell nicht wieder erreichen. Der RTL-Konkurrent „Das Supertalent“, bei dem sich Gottschalk nach einem erfolglosen Intermezzo im ARD-Vorabendprogramm und seine frühere „Wetten, dass ..?“-Assistenten Michelle Hunziker inzwischen wiedergefunden haben, hatte dagegen nicht mal beim Anteil der jungen Zuschauer etwas zu melden.

    Wetten, das ..?

Markus Lanz selbst war es, der Gottschalk einmal kurz erwähnte („Ich habe das hier nicht gewollt. Von mir aus hätte das Thomas Gottschalk bis ins Rentenalter machen können.“), ansonsten wurde er erfolgreich verdrängt. Auch dass es die 200. Sendung war, wurde nicht weiter angesprochen. Im Vorfeld der Sendung war von gewissen Neuerungen gesprochen worden, die dann aber doch nur marginal ausfielen: Ein neues, jetzt sogar fahrbares Sofa. Die Gäste kamen gleich zuhauf händchenhaltend mit ihren Wettkämpfern zu Beginn der Sendung auf die Bühne und durften zugunsten der Kandidaten bei jeder Wette mittippen. Dafür gab es keine Gummibärchen, aber eine rund 40 minütige Überziehung der Sendung.

Markus Lanz, der mir bisher völlig unbekannt war, wirkte von Anfang an ziemlich angespannt. Um die Sendung entsprechend aufzupeppen, gab man ihm gleich drei so genannte Comedian zur Seite: Michael Kessler als Günther-Jauch-Parodie wirkte dabei ziemlich blass. Die Unterschichtsikone Cindy aus Marzahn fungierte als Komoderatorin, was nicht gerade dazu beitrug, das Niveau der Sendung zu heben. Und Bülent Ceylan, der mit den viele Haaren, gab sich bescheiden als Wettpate aus. Viel zu lachen gab es aber nicht. Ansonsten war alles eigentlich wie gehabt: Belanglose Interviews mit den Promis, obwohl sich Lanz sichtlich bemühte, seinen Gästen auf den Zahn zu fühlen. Und Wetten, die entgegen der Ansicht von Herrn Lanz (ein wiederholter Ausruf: „… sensationelle Wette!“) dann doch nicht allzu aufsehenerregend waren. Besonders bei der Hundehaarwette dauerte es, bis die Kandidatin nach gefühlten 12 Stunden mit ihrer ersten Antwort, natürlich einer falschen, herausrückte. Am Schluss verabschiedete sich ein sichtlich erschöpfter Moderator von seinen Zuschauern.

Nichts gegen Markus Lanz. Er ist mir um Längen sympathischer als dieser Egomane Gottschalk. Aber für mich bleibt es dabei: Die Sendung hat längst ihren Zenit überschritten, das Konzept der Sendung ist schlicht und einfach verbraucht. Ähnlich wie Herr Gottschalk selbst gehört die Sendung in die Requisitenkammer der deutschen Fernsehgeschichte. Aber solange die Zuschauerquoten halbwegs stimmen werden, wird es die Sendung geben. Dann eben doch auch lieber mit Markus Lanz als mit einem alternden Thomas Gottschalk.

siehe auch meine Beiträge:
Wetten, was ..?!
Dauerwerbesendung

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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