(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 32

Hoeneß, Wulff und das Ketchup der Populisten

„Am unerträglichsten sind nicht die vermuteten Rechtsverstöße, am unerträglichsten sind die selbstgerechte Sentimentalität der Beschuldigten und der klebrige Moral-Ketchup, den das gaffende Volk und die sich am Schmerz der Ertappten labende Medienmeute über den Hackbraten kleckert.“

So kommentiert überanstrengt Wolfgang Herles den sicherlich „aufwändige Superprozess um eine geringfügige Summe“ gegen Christian Wulff und das Geheule eines Uli Hoeneß, dessen „pathetische Geste jedoch, das Vereinsvolk über seine Bayern-Zukunft urteilen zu lassen, eher … peinlich“ wirkte.

„Wir verlangen Büßer in Sack und Asche“, schreibt Herles weiter und „Der Promi, der Fehler gemacht hat, wird in den Zirkus Maximus getrieben, wo das Volk die Daumen senkt, weil es Blut sehen will. Nicht nur aus Gerechtigkeit – sondern auch aus niederen Instinkten.“

Sicherlich gab und gibt es wieder eine Medienhetze gegen Wulff, Hoeneß und den „spätabsolutistische Bischof von Limburg“. Das ist nicht in Ordnung. Man muss es aber auch so sehen: Der Normalbürger hat die Schnauze voll von Politikern und Prominenten, die glauben, sich alles leisten zu können, die sich für unbestechlich halten und doch die Hand offen halten, um einzusacken, was einzusacken geht. Es geht beim Prozess gegen Wulff nicht um wenige Hundert Euro, es geht um die rechtlich schwer erfassbare Grauzone zwischen Großzügigkeit, Kungelei, Lobbyismus und Käuflichkeit unserer Politiker. Und Hoeneß, Herr Herles, ist sicherlich kein Schwerverbrecher, aber in seiner Geldgier, in seiner Sucht entblößt er sich als asoziales Element, der in seiner Selbstherrlichkeit den Volkeszorn geradezu herausfordert. Jetzt hat er ihn und heult …

    (Fast) unterschlagene Beiträge

Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD

Ich verstehe sehr gut die Skepsis mancher SPD-Mitglieder, wenn sie fürchten, bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union ausgetrickst bzw. über den Tisch gezogen zu werden. Ohne Kompromisse wird’s aber nicht gehen. Immerhin hat man sich jetzt auf eine Frauenquote in Aufsichtsräten geeinigt. Es soll ein „Elterngeld Plus“ geben, das die Kombination vom Bezug von Elterngeld während einer Teilzeitbeschäftigung verbessern soll.

Weiter strittig bleiben die Themen Betreuungsgeld und Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Die SPD kann sich mit ihrer Position, das Betreuungsgeld für Qualitätsverbesserungen für Kitas zu verwenden, nicht durchsetzen. Der Mindestlohn wurde dagegen auf die lange Bank geschoben (mindestens bis 2016). Bei zentralen Fragen zur Finanzierung der Kranken- und Pflegeversicherung tun sich weiterhin tiefe Gräben zwischen Union und SPD auf.

Unionsfraktionschef Kauder rechnet damit, dass die Sozialdemokraten in den Koalitionsverhandlungen der nächsten Wochen aggressiver auftreten. Das habe sich bei dem SPD-Parteitag in Leipzig abgezeichnet. Das ist auch gut so.

„Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“

Der Sprecher der Linkspartei in NRW, Rüdiger Sagel, hat sich für eine Umbenennung des Martins-Fests in ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ ausgesprochen. Auch Weihnachtsmärkte und Weihnachtsbeleuchtung stehen auf dem Prüfstand. Und das alles, um nur niemanden zu diskriminieren.

Ich bin nicht katholisch. Der Martinstag ist mir eher bekannt dafür, dass es den Gänsen an den Kragen geht. Es gibt aber nun einmal Feste und Feiern, die ihren Ursprung im Christentum haben und auch behalten sollen. Herr Sagel mag ja das Weihnachtsfest mit Jahresendflügelfiguren statt mit Weihnachtsengeln feiern und statt die Türchen an einem Adventskalender an einem Jahresschlusskalender (für sogar 31 Tage) öffnen. Seine Traditionen, das ist klar, liegen nicht im christlichen Brauchtum sondern in einem abgewirtschafteten sogenannten Sozialismus.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Ein Gedanke zu „(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 32

  1. zu Herrn Sagel und der St.Martins-Tradition:
    Ich denke, Herr Sagel gehört zu jenen Zeitgenossen, die im Volksmund salopp als „Gutmenschen“ bezeichnet werden. Diese Mitbürger wetteifern untereinander darum, wer die meisten Verdienste um Muslime, HartzIV-Empfänger und andere Minderheiten erwirbt (Raucher zählen leider nicht dazu).
    Auch Herrn Sagel unterstelle ich Profilsucht, wenn er in der Hoffnung auf orientalischen Beifall das Ende einer christlichen Tradition fordert.
    In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Muslimverbände verständnislos auf diese Forderung reagiert haben.
    Einen Versuch war es wert, aber: setzen, sechs !

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