Mit bengalischer Beleuchtung

Am Montag fuhr ich in einem Zug des metronom von Hamburg Richtung Bremen, der nach Aussage dieser Eisenbahngesellschaft zum ‚neuen Standard’ werden soll und bisher etwas mehr als ein Jahr auf der Strecke Uelzen-Hannover-Göttingen im normalen Linienverkehr unterwegs war: der „Zug der Ideen“. Schon aus der Ferne ist dieser Zug an seinen großflächigen Kennzeichnungen bestimmter Wagen von außen zu erkennen: „Ruhe-Wagen“ – „Fahrrad-Wagen“ und „Snack-Wagen“ (warum eigentlich mit Bindestrich?).

ME Metronom: Ruhe-Wagen mit bengalischer Innenbeleuchtung

„Der Ruhe-Wagen bietet den Reisenden eine entspannte Fahrt. Gewährleistet wird das unter anderem durch warmes Licht und eine reduzierte Lautsprecheranzahl.“

Vor mir hielt ein „Ruhe-Wagen“. Gleich neben dem Eingang, dort wo sich der Weg nach oben und unten verzweigt, klebte eine Tafel mit näheren Erläuterungen zur Bedeutung dieses „Ruhe-Wagens“: ein ellenlanger Text mit viel Bla-Bla, den zu lesen ein Fahrgast erst einmal keine Zeit haben dürfte. Ich sah nur einige Piktogramme, die sicherlich verdeutlichten, dass die Benutzung von Handys/Smartphones, MP3-Playern u.ä. in diesem Wagen untersagen sein soll.

Kaum war ich in den unteren Teil des Waggons eingetreten, fiel mir die seltsame Beleuchtung auf.: bengalische Beleuchtung – kam mir gleich in den Sinn, wie im Puff. Wer unter einem solchen Beleuchtungskörper saß, bekam orangenfarbenes Haar. Als ‚warm’ empfand ich dieses Licht nun nicht gerade.


metronom – „Zug der Ideen“

Eigentlich neu an diesem „Zug der Ideen“ ist ja nur der „Ruhe-Wagen“. Sicherlich ist diese „Idee“ gar nicht so schlecht. Nur bringt die Reduzierung der Lautsprecheranzahl um 50% nicht viel, wenn man unmittelbar unter einem solchen sitzt. Vielleicht sollte man sich bei den Durchsagen auf das Nötigste beschränken und Ansagen nicht wie am Montag geschehen mehrmals wiederholen. Allein die Lautstärke zu reduzieren wird man wohl nicht schaffen. Bimmelnde Handys mit absonderlichen Klingeltönen, dumpf und basstonig dahin wabernde Kopfhörer oder über Maß daherschwatzende Labertaschen – wen stört das nicht. Aber meine Damen und Herren vom metronom: Wir sind hier nicht in der Kirche, sondern in einem Zug des Öffentlichen Personennahverkehrs (auf längeren Strecken würden solche „Ruhe-Wagen“ durchaus Sinn machen), der werktags vor allem von Pendlern genutzt wird. Wollen Sie nun nach Rauch-, Alkoholkonsum- und –bereitstellungsverbot auch den Gebrauch von Handys u.ä. untersagen, wenn auch nur im „Ruhe-Wagen“?

Nett, wenn auch ziemlich weit hergeholt finde ich die weiteren „Ideen“, die sich ausgedacht wurden: z.B. der Verkauf von Kondomen am Automaten (daher auch die Puff-Beleuchtung im „Ruhe-Wagen“?). Der Schwangerschaftstest hat’s wohl nicht ins Sortiment geschafft. Schade finde ich dagegen, dass es zukünftig keinen Walgesänge auf der Toilette geben wird. Damit ließe sich so manches ungewöhnliche Geräusch übertönen. Und klar – aus Kostengründen natürlich – wurde gegen das viel geforderte WLAN entschieden.

Aber das ist wohl nur der Anfang: „Natürlich können wir nicht plötzlich schneller als 160 km/h fahren oder alle Wagen mit Massagesitzen ausstatten. Aber wir haben viele Ideen und Anregungen erhalten, welche wir 2015 in einer zweiten Phase des Zug der Ideen vorstellen und testen werden.“, so Jan Görnemann, technischer Geschäftsführer des metronom.

Übrigens: Ich wurde bisher nicht gefragt, ob ich diese ‚tollen’ Ideen gutheiße. OK, man kann nicht jeden fragen. Zwei Ideen habe ich allerdings nebenbei bemerkt auch in den großen Topf zu werfen. Zum einen ist es die Frage, ob man den Konsum von Pommes und Hamburger, die nach ranzigem Frittenfett stinken, u.ä. nicht mit einem Verzehrverbot belegen sollte (siehe hierzu etwas ausführlicher meinen Beitrag Verzehrsituationen). Oft genug stinkt es wirklich unerträglich im Zug. Nun gut, das ist eine negativ geprägte Idee. Ich habe aber noch etwas Positives (aus Sicht der Reisenden): Wie wäre es mit mehr Pünktlichkeit?!

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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