Helmut Schmidt gestorben

Der Nachlässe gibt es heute sicherlich eine unübersehbare Menge. Trotzdem seien mir einige Worte erlaubt, denn immerhin ist der Mann, der gestern in Hamburg verstarb, einer, der in gewisser Hinsicht mein Leben mitgeprägt hat: Helmut Schmidt.

Er galt als ‚moralische Instanz‘ in Deutschland. Von welchem anderen Politiker kann man das schon behaupten. Er war der ‚Macher‘. Als Senator der Polizeibehörde der Freien und Hansestadt Hamburg erlangte er als Krisenmanager bei der Sturmflut 1962 an der deutschen Nordseeküste in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 Popularität und sehr hohes Ansehen. Er koordinierte den Großeinsatz von Rettungsdiensten, Katastrophenschutz und THW. Und er war einer der letzten Politiker, die nicht durch leeres Phrasendreschen, sondern durch Sprachfertigkeit auffielen.

Gestern verstarb Helmut Schmidt, Bundeskanzler von 1974 bis 1982, im Alter von 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg. Bis zuletzt meldete er sich als streitbarer Mitherausgeber der „Zeit“ zu Wort.

‚Bundesarchiv B 145 Bild-F048646-0033, Dortmund, SPD-Parteitag, Helmut Schmidt‘ von Bundesarchiv, B 145 Bild-F048646-0033 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons

Sicherlich konnte man nicht immer mit seiner Politik zufrieden sein. Ich erinnere an den NATA-Doppelbeschluss, der 1979 unter Schmidt vom Bundestag verabschiedet wurde und neben Verhandlungen der Supermächte die Stationierung von neuen mit Atomsprengköpfen bestückten Raketen und Marschflugkörper vorsah. Gegen diesen Beschluss gab es massive Proteste der Friedensbewegung.

Auch war sein unnachgiebiges Vorgehen gegen die RAF im Herbst 1977 nicht unumstritten. Viele erlebten diese Zeit als „nicht-erklärten Ausnahmezustand“.

Als am 1. Oktober 1982 Helmut Kohl durch ein konstruktives Misstrauensvotum mit den Stimmen von CDU, CSU und der Mehrheit der FDP-Fraktion zum Nachfolger von Helmut Schmidt im Amt des Bundeskanzlers gewählt wurde, begann ein Zeitalter des Schwafelns und des Aussitzens von Problemen, das bis heute kein Ende gefunden hat.

Ich erinnere mich an eine Fernsehsendung aus dem Jahr 2009 vom Kirchentag in Bremen. Es war eine Podiumsdiskussion mit Helmut Schmidt. Helmut Schmidt war durch und durch Hamburger. Und Hamburger sind in Bremen eigentlich nicht wohl gelitten. Aber es dürfte zuvor keinen Hamburger gegeben haben, der so freundlich und herzlich vom Bremer Publikum, meist junge Menschen, in Bremen begrüßt wurde.

Besondere Kennzeichen von Helmut Schmidt waren seine geschwungene Locke. Außerdem machte er die Elblotsen-Mütze in Deutschland populär, die häufig mit der Prinz-Heinrich-Mütze verwechselt wird. Beim politischen Gegner wurde er gern ‚Schmidt-Schnauze‘ genannt – seiner eloquenten Art wegen. Und Schmidt war Raucher von Menthol-Zigaretten. Dabei setzte er sich über jedes Rauchverbot hinweg, was man allgemein stillschweigend duldete. 68 Jahre war er mit seiner Frau Loki verheiratet, die bereits vor fünf Jahren starb.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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