Putin und die Hooligans

Die offensichtlich gut organisierten russischen Hooligans bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sind extrem nationalistisch, also ganz im Sinne von Präsident Putin. Mit Sport wird in Russland Außenpolitik betrieben – entsprechend eng sind die Verbindungen zwischen der Szene und der Politik. (Quelle: tagesschau.de)

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Da gibt es das staatlich gesteuerte Doping, sodass Überlegungen angestellt werden, Russland bei der im August d.J. in Rio stattfindenden Olympiade auszuschließen. Und bei der Vergabe der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft 2018 an Russland dürfte die Korrumpierbarkeit einige FIFA-Offiziellen ausgenutzt worden sein.

Zurück nach Frankreich: Etwa 150 russische Hooligans waren an den Ausschreitungen zwischen Fangruppen in Marseille beteiligt. „Sie sind gekommen, um sich zu schlagen“, sagte Staatsanwalt Brice Robin über die „extrem trainierten“ ‚Fußballanhänger‘. Die Polizei konnte keinen von ihnen festnehmen. Sie hätten extrem schnell gehandelt und seien dann wieder verschwunden. (Quelle: sportschau.de)

Russische Hooligans hatten sich am Samstag in der französischen Hafenstadt Marseille vor einem EM-Spiel einen brutalen Straßenkampf mit überwiegend englischen Fußballfans geliefert, es gab mehrere Schwerverletzte. Inzwischen wurden drei der beteiligten russischen Hooligans identifiziert und am Donnerstag im Schnellverfahren in Frankreich zu Haftstrafen verurteilt.

Sechs weitere russische Hooligans haben auf ihrer Rückreise aus Marseille in Köln spanische Touristen angegriffen und einen von ihnen schwer verletzt. Die gewalttätigen Fußballfans seien daraufhin in Polizeigewahrsam genommen worden, teilte die Polizei Köln mit. Die 26 bis 30 Jahre alten Männer seien am Donnerstagabend gegen 19 Uhr „äußerst aggressiv und brutal“ auf die Touristen losgegangen. (Quelle: heute.de)

Für Empörung hatte die Äußerung des russischen Parlaments-Vizepräsidenten Igor Lebedew gesorgt, der nach den Ausschreitungen rund um das EM-Spiel zwischen Russland und England in Marseille erklärt hatte, er könne nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden: „Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so“, hatte Lebedew bei Twitter geschrieben. (Quelle: heute.de)

Natürlich sind auch ‚Anhänger‘ anderer Nationalmannschaften an Ausschreitungen beteiligt. So deutsche ‚Fans‘ von Dynamo Dresden, denen die Einreise nach Frankreich verweigert wurde. Dresden? Warum kommt mir das so bekannt vor?

Es ist nicht das erste Mal, dass deutsche ‚Fans‘ unrühmliche Fußballgeschichte geschrieben haben. So wurde bei der Weltmeisterschaft 1998 – ebenfalls in Frankreich – im nordfranzösischen Lens der Polizist Daniel Nivel durch deutsche Hooligans zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Er überlebte den Vorfall, ist heute aber schwerbehindert und kann sich an nichts mehr erinnern. (Quelle: de.wikipedia.org)

Und bereits knapp zwei Jahre zuvor bei einem Testspiel am 4. September 1996 in Zabrze zwischen Deutschland und Polen interessierten die Tore von Oliver Bierhoff und Jürgen Klinsmann niemanden – es wurde einer der dunkelsten Tage in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Denn ein Teil der Fans, die die Mannschaft begleiteten, fielen mit antisemitischen Gesängen und Plakaten auf. „Schindler-Juden, wir grüßen Euch“, war zu lesen – „Wir sind wieder einmarschiert“, war zu hören. Ausschreitungen auf den Rängen gab es ebenfalls. „15 Jahre hat es gedauert, ehe Deutschland mal wieder ein Länderspiel in Polen ausgetragen hat, von uns aus darf es nun wieder 15 Jahre dauern“, wurde später ein polnischer Polizist in Medien zitiert. Er sollte Recht behalten. Außenminister Klaus Kinkel schrieb der polnischen Regierung: „Ich schäme mich.“ (Quelle: sportschau.de)


Deutschland – Polen in 1996 Zabrze

Natürlich gibt auch eine sportliche Seite der Fußball-Europameisterschaft. So taten sich Frankreich gegen Albanien und England gegen Wales bei ihren knappen Siegen äußerst schwer, die erst in der Nachspielzeit klar gemacht werden konnten. Und dem deutschen Team ging es nicht besser: Gestern reichte es nur zu einem 0:0 gegen Polen. Bereits zuvor hatten die Nordiren überraschend 2:0 gegen die Ukraine gewonnen, so wie schon am Dienstag Ungarn die Österreicher und am Mittwoch die Slowakei die Russen aus ihren EM-Träume rissen.

Es ist eine EM der wenigen Tore, die zudem oft erst in der Nachspielzeit fallen. Und weiterhin wird viel Beton angerührt. Ich denke, dass es keine so gute Idee war, die EM von 16 auf 24 Mannschaften aufzustocken.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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