Der gekaufte Fußball

Gestern machte ich mir Gedanken über den Fußball in Spanien, der mit Real Madrid und FC Barcelona zwei der größten Fußballvereine der Welt stellt – und trotzdem durch eine wirtschaftliche Krise abzustürzen droht. Natürlich ist Fußball in erster Hinsicht ein Geschäft. Es geht längst nicht mehr um Millionen, es geht längst um ein Milliardengeschäft. Schon aus diesem Grund wollen viele nichts mit Fußball zu tun haben.

Für mich ist Fußball aber immer noch eine attraktive Sportart. Und um das zu bleiben, müssen sich die Verantwortlichen in den Vereinen und Verbänden Gedanken machen. Horrende Ablösesummen und für viele unangemessen hohe Spielergehälter haben eine Kluft zwischen den Vereinen entstehen lassen, die zwischen reich und arm scheidet. Wer im Chor der Besten mithalten will, muss investieren. Und für viele Vereine geht das bis zum finanziellen Ruin.

Da kam ein neues Geschäftsmodell ist Spiel, dass vielleicht manchen Verein vor dem Konkurs bewahrt, im Ergebnis dann aber wenig zuträglich für den Fußball ist. Ich meine die Ölscheichs und Oligarchen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld und sich Fußballvereine kaufen, um sich unverdiente Lorbeeren an ihr parvenü’sches Haupt zu heften.

gekaufte Fußball-Clubs in Europa

Im besagten Beitrag über die Fußballkrise in Spanien hatte ich den FC Málaga angesprochen, der 2010 von Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar für 25 Millionen Euro aufgekauft wurde. Inzwischen will er den Verein wieder los werden, obwohl er sportlich eigentlich durchaus erfolgreich ist (steht im Achtelfinale der Champions League).

Bekannter ist ein Verein wie der FC Chelsea, immerhin im letzten Jahr Gewinner der UEFA Champions League. „2003 hatte sich der russische Milliardär Roman Abramowitsch entschlossen, einen Fußballclub zu kaufen, nachdem er bei der WM 2002 Interesse am Fußball entwickelt hatte. Neben Lazio Rom, Chelsea, Tottenham Hotspur und Arsenal war auch Manchester United eine mögliche Option, die Abramowitsch aber aufgrund des Kaufpreises in Höhe von etwa 700 Millionen Pfund verwarf.“ Inzwischen dürften Kaufpreis, die damaligen Vereinsschulden des FC Chelsea und alle Investitionen in neue Spieler diese Summe eher überschritten haben (von 970 Millionen € ist die Rede). Trotz der großzügigen Investitionen ist der Verein bereits als erster Titelverteidiger in der Gruppenphase der Champions League gescheitert und hat kaum noch Chancen auf den Titel des englischen Meisters.

Etwas anders sieht es beim FC Liverpool aus. 2010 bekundete der chinesische Geschäftsmann Kenny Huang ernsthaftes Interesse am Kauf des Vereins, zog sich dann aber doch schnell aus den Kaufverhandlungen zurück. Nach längerem Rechtsstreit ging der Verein dann für 300 Millionen britische Pfund an New England Sports Ventures (NESV), ein in der Sportvermarktungsbranche tätiges US-amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Boston, dem u.a. auch der amerikanische Profi-Baseballclub Boston Red Sox gehört. Es handelt sich dabei um ein Konsortium um den Börsenhändler John W. Henry, dem Medienunternehmen The New York Times Company (The New York Times, The Boston Globe, etc.) und weiteren Geldgebern. Liverpool ist inzwischen an Zenit St. Petersburg in der Europa League gescheitert. Und in der englischen Premier League hinkt der Verein bisher hinter den anderen Spitzenvereinen deutlich hinterher.

Zenit Sankt Petersburg gehört übrigens Gazprom, dem weltweit größten Erdgasförderunternehmen und mit 110 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung eines der größten Unternehmen Europas – und ist bekanntermaßen so nebenbei Hauptsponsor des FC Schalke 04.

Damit sind wir in der russischen Premjer-Liga angelangt. Mit Anschi Machatschkala hat ja Hannover 96 im der Europa League unliebsame Bekanntschaft gemacht. Der FK Anschi Machatschkala ist ein 1991 gegründeter russischer Fußballverein aus Machatschkala, der Hauptstadt Dagestans, der seit 2010 in der Premjer-Liga spielt. Im Januar 2011 übernahm der russische Milliardär Suleiman Kerimow den Club. Bisher bekannteste Verpflichtung ist Samuel Eto’o, der im August 2011 von Inter Mailand für ca. 27 Millionen Euro verpflichtet wurde. Cheftrainer ist seit dem 17. Februar 2012 der bekannte holländische Trainer Guus Hiddink.

Aus Tschetschenien stammt der 1946 gegründete Verein FK Terek Grosny, der bis zu dessen Tod vom tschetschenischen Präsidenten, dem Moskau-Treuen Achmat Kadyrow, geleitet und von Moskau großzügig finanziert wurde. Bis November 2011 war der tschetschenische Republikspräsident Ramsan Kadyrow, Sohn und Nachfolger von Achmat Kadyrow, Präsident des FK Terek Grosny. Sein Nachfolger ist der tschetschenische Vize-Republikspräsident Magomed Daudow. Bekannt wurde der Verein im Januar 2011 durch die Verpflichtung von Ruud Gullit als Trainer. Die ‚Ehe’ hielt allerdings nur fünf Monate. Die Kadyrows sind u.a. dafür bekannt, nicht gerade zimperlich mit ihren politischen Gegner umzugehen.

Da wir schon im Osten Europas sind. Mit Schachtjor Donezk aus der Ukraine verbinden sich für den SV Werder Bremen weniger gute Erinnerungen: Im letztmalig ausgespieltem UEFA-Pokal in der Saison 2008/2009 verloren die Bremer das Endspiel gegen die Osteuropäer. Der Verein wurde am 11. Oktober 1996 durch den aus Donezk stammenden Milliardär Rinat Achmetow übernommen und seitdem mit großzügigen Geldzuwendungen konsequent aufgebaut. Allerdings war Borussia Dortmund für die Ukrainer am Dienstagabend eine Nummer zu groß. Sie verloren in Dortmund das Achtelfinalspiel doch deutlich mit 3:0 und sind damit aus der Champions League ausgeschieden.

Komme wir zurück in westlichere Gefilde und nach Paris. Paris Saint-Germain Football Club (PSG) wurde bereits ab 1973 durch den Modeschöpfer Daniel Hechter als Mäzen und von 1974 bis 1978 als Präsident unterstützt. 2006 übernahm das US-amerikanische Unternehmen Colony Capital den Verein vom französischen Fernsehsender Canal+, der seit 1991 im Besitz von PSG war. Im Mai 2011 verkaufte Colony Capital 70 % seiner Aktienanteile an die Investorengruppe Qatar Sport Investment (QSI) aus Katar. Der Katarer Nasser Al-Khelaifi ist Präsident des Vereins, der wohl im Auftrag des Multi-Milliardärs und Kronprinzen von Katar, Tamim bin Hamad Al-Thani, die Abermillionen ausgeben darf (den Namen Al-Thani haben wir bereits weiter oben im Zusammenhang mit dem FC Málaga gehört).

Vor der Saison 2012/13 verstärkte der PSG seinen Kader: Für ungefähr 130 Millionen Euro wurden unter anderem Ezequiel Lavezzi, Thiago Silva, Zlatan Ibrahimović und Lucas geholt, denen sich neuestens auch David Beckham dazugesellte. Paris SG spielt durchaus erfolgreich in der Champions League und hat seit gestern Abend das Viertelfinale nach einem Unentschieden gegen den FC Valencia erreicht.

Und die Geschichte der TSG 1899 Hoffenheim dürfte ich als bekannt voraussetzen. Gefördert wird der Verein durch den SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, der in seiner Jugend selbst für die TSG Hoffenheim spielte und dessen finanzielle Unterstützung dem Verein bzw. der Profi-Fußballabteilung zwischen 1990 und 2008 den Aufstieg aus der Kreisliga A bis in die Bundesliga ermöglichte. Auch das im Januar 2009 eröffneten Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim (derzeitiger Name: Wirsol Rhein-Neckar-Arena) wurde mit großzügiger Unterstützung von Herrn Hopp gebaut. Die Hoffnungen, den Namen Hoffenheims auch international bekannt zu machen, erfüllten sich leider nicht. Jetzt droht sogar der direkte Abstieg in die Zweitklassigkeit. Allein Geld macht es also nicht (siehe auch meinen Beitrag: Der Milliardär und der Dorfverein)

Es hat natürlich schon etwas Perverses, wenn sich neureiche Milliardäre Fußballvereine wie Spielzeug halten. Und mit ihrem vielen Geld verderben sie die ‚Preise’. Wenn sie einen Spieler oder Trainer unbedingt haben wollen, so brauchen sie nur mit dem Scheckbuch zu wedeln. Die ohnehin schon anrüchige Praxis der Spielertransfers bekommt so noch eine besonders pikante Note.

Siehe hierzu auch: PSG investiert 100 Millionen: Ein offener Brief an Mäzen Nasser Al-Khelaifi (11freunde.de)

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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