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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Habemus papam: Franziskus

Die katholische Kirche hat einen neuen Papst: Der 76 Jahre alte Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, wird als Franziskus Oberhaupt von 1,2 Milliarden Gläubigen. Die Wahl Bergoglios ist eine faustdicke Überraschung. Er hatte wegen seines Alters und seiner seit 2010 angeschlagenen Gesundheit eher als Außenseiter bei der Papstwahl gegolten. 2005 bei der Wahl Joseph Ratzingers (Habemus papam: Benedikt XVI), der zum 28. Februar aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, war er noch dessen Gegenkandidat.

Der neue Papst gilt als „sozial engagiert, theologisch aber konservativ. Er liebt nicht die großen Auftritte, gilt als wortkarg und medienscheu. Zur Tagespolitik hält er möglichst Distanz. Trotzdem geißelt er mit klaren Worten soziale Ungerechtigkeit und Korruption. Man nennt ihn auch den ‚Kardinal der Armen’; er besucht Gefängnisse und Armenviertel. Sein persönlicher Lebensstil gilt als prophetisch: bescheiden, volksnah, ökologisch.“
(Quelle: blog.zdf.de)

Bergoglio hat die bisherige kirchliche Lehre in der Frage der Homosexualität bekräftigt. Er kritisierte im Jahr 2010 in einem Brief an die argentinische Regierung mit deutlichen Worten die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Auch sein Handeln während der argentinischen Militärdiktatur werfe Fragen auf.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann ist „sehr zufrieden und sehr glücklich“ über den neuen Papst. Kardinal Jorge Mario Bergoglio habe sich als Seelsorger und durch sein enges Verhältnis zu den Armen ausgezeichnet, sagte Lehmann in den ARD-Tagesthemen. Der Kirche tue es gut, dass jetzt ein Nichteuropäer Papst sei. Der neue Papst habe nach seiner Wahl beim Essen mit den Kardinälen einen sehr unbefangenen und gelassenen Eindruck gemacht. Er verfüge über viel Humor. Nach Darstellung Kardinal Lehmanns spricht Bergoglio sehr gut Deutsch. Er studierte in Deutschland und ging in den 80er Jahren für einen Forschungsaufenthalt nach Frankfurt am Main.

Der neue Papst gilt als dialogbereit und trotz des Alters als aufgeschlossen auch gegenüber den neuen Medien. Zu Änderungen und Erneuerungen innerhalb der katholischen Kirche wird es aber nach meiner Meinung auch unter Franziskus nur in kleinen Schritten kommen.

„Sexistische Kackscheisse“

Hätte Herr Brüderle nur seinen Mund gehalten. Aber, wie es nun einmal seine Art ist, er musste der jungen „Stern“-Reporterin dieses Kompliment machen, wie er es nennt. Natürlich ist die Anzüglichkeit nicht zu überhören. So sind ältere Männer nun einmal. Eigentlich meinen sie es gar nicht so. Oder doch?

Sicherlich kann man diese verbale Entgleisung nur als dumm bezeichnen. Bei einem Gläschen Wein zuviel gesagt. Aber im Endeffekt diskreditiert sie einen Mann wie Herrn Brüderle, der es doch eigentlich besser wissen müsste, bis in sein letztes Handeln. Und dieser Mann führt nun die FDP in den Bundestagswahlkampf.

Natürlich frage ich mich, was besser ist: Wenn sich einer seinen Teil denkt („Die kann ein Dirndl auch auffüllen.“) oder es offen ausspricht, weil’s ihm gerade dazu zumute ist. –

Sex sells – das besagt, dass sich ein Produkt besser verkauft, wenn es in einem Kontext mit sexuellen Inhalten dargestellt wird. Leicht bekleidete Frauen dienen als Blickfang und sollen besonders die männliche Kundschaft zum Kauf locken. Männliche Hormone bestimmen die Kaufentscheidung?

Längst wird es Zeit, dass die Werbeagenturen diese sexistische Werbung, die eine Degradierung von Frauen zu Sexobjekten ist, unterlassen. Ein unrühmliches und in meinen Augen widerlich, da primitives Beispiel ist die aktuelle Plakatwerbung für ein Deo-Spray, die sich mit anzüglichen Doppeldeutigkeiten („Astronauten regeln das mit dem Verkehr“) selbst übertrifft. Kein Wunder, wenn solche Plakate mit Aufklebern wie „Sexistische Kackscheiße“ überklebt werden. –

    Sexistische Kackscheiße

Wie es aussieht, gehören sexistische Übergriffe von Männern auf Frauen – ob im Beruf oder privat – dem Alltag an. Meist sind es nur verbale Attacken, die aber schnell auch in körperliche Übergriffe übergehen. Wer sind diese ‚Herren der Schöpfung’, die meinen, sich jedes Recht gegenüber Frauen herausnehmen zu können? Wie erbärmlich muss ich sein, um Frauen ständig zu belästigen oder ihnen Gewalt anzutun.

Es ist kein Wunder, wenn die durch Herrn Brüderle ins Rollen gekommene Sexismus-Debatte daher sehr emotional geführt wird. Den betroffenen Frauen kann man es nicht verdenken, dass sie aufschreien.

Trotzdem ist eine Versachlichung notwendig. Leider hat unser Bundespräsident mit seinem Schlagwort ‚Tugendfuror’ zunächst den falschen Ton angestimmt. Inzwischen ist er eines Besseren belehrt worden. Es muss endlich auf den Tisch und die Machos an den Pranger.

Nicht außer Acht lassen sollte man dabei allerdings, dass es mit Sicherheit auch zu Missverständnisse kommen kann. Nicht jede Freundlichkeit ist eine sexistische Attacke. Und nicht jeder Mann ist ein Sexist, nur weil er ein Mann ist.

Sicherlich ticken Männer anders als Frauen, gerade in ‚sexueller Hinsicht’. Aber das kann und darf kein Freibrief für manchen Mann sein, seine sexuelle Hetze gegen Frauen weiterhin legal betreiben zu dürfen. Eigentlich müssen wir Herrn Brüderle dankbar sein. Endlich ist eine Debatte eröffnet, die lange genug verhindert wurde. Endlich werden die Probleme öffentlich diskutiert.

Wortschatz

Wie viele Wörter der deutschen Sprache ein durchschnittlicher Deutscher kennt und verwendet, lässt sich noch erahnen. Angeblich umfasst der Wortschatz der deutschen Standardsprache ca. 75.000 Wörter. Wie groß der Wortschatz der deutschen Sprache insgesamt ist, dürfte dagegen kaum auszumachen sein, da dann sicherlich auch „Fachwortschätze“, also Wörter der Fachsprachen, hinzuzurechen wären.

Immer wieder haben sich Sprachwissenschaftler daran gemacht, den deutschen Wortschatz zu erfassen. Das bekannteste Beispiel ist das der Brüder Grimm und ihr deutsches Wörterbuch. Die Fertigstellung benötigte über 120 Jahre und enthält ‚lediglich’ ca. 320.000 Stichwörter, die auf 34.824 Seiten mit 67.744 Textspalten in 33 Bänden (Gesamtgewicht 84 kg) erläutert werden.

    Wortschatz

Für Philologen und Liebhaber der deutschen Sprache ist dieses Wörterbuch eine geradezu unendliche Fundgrube. Für den Hausgebrauch eignet es sich aber weniger. Da sind uns Duden, Wahrig u.a. hilfreicher.

Natürlich sind Wörterbücher dem Wandel unterlegen. Täglich kommen neue Begriffe, also Wörter, hinzu, die dann erst in einer Neuauflage eines ‚Buchs’ berücksichtigt werden können. Was bietet sich da Besseres an – als das Internet.

Zum einen erspart uns das Internet das Wälzen in einem 33 Bände starken Nachschlagwerk wie dem Deutschen Wörterbuch der Grimms – dieses ist online verfügbar. Zum anderen gibt es dort Sammlungen – z.B. die von Neologismen, also Wortneuschöpfungen, wie wortwarte.de -, die sich dem deutschen Wortschatz insgesamt verpflichtet fühlen: Wortschatz – Universität Leipzig.

So wühlt man sich durch den deutschen Wortschatz

Es war der ältere der beiden Grimm-Brüder, Jacob, der Fremdwörter tunlichst in dem genannten Wörterbuch vermeiden wollte. Auch heute bemühen sich verschiedene Institutionen um die Pflege der deutschen Sprache – und möglichst um die Vermeidung von Begriffen aus anderen Sprachen, besonders den Anglizismen. Dazu gehört die Gesellschaft für deutsche Sprache, die u.a. das Wort des Jahres kürt. Erwähnt sollte auch das Institut für Deutsche Sprache, über deren Website diverse Nachschlagewerke online verfügbar sind.

Apropos Vermeidung von Fremdwörter: Die Franzosen bemühen sich besonders darum. Aber auch ein kleines Land mit einer sehr alten Sprachkultur achtet konsequent darauf, die Übernahme von Fremdwörtern so gering wie möglich zu halten: Island. Neue Begriffe erschafft man in der Regel aus dem vorhandenen Wortschatz des Isländischen. „So entstand das Wort für ‚Computer’, tölva, aus den Worten tala, ‚Zahl’, und völva, ‚Wahrsagerin, Seherin’. Der Begriff für ‚Aids’, alnæmi, wurde aus al-, ‚all-‚, und næmi, ‚Empfindlichkeit’, gebildet. Ein ähnliches Wort ist skrifstofa (‚Schreibstube’) für Büro. … Seit 1964 besteht darum in Island ein eigenes Komitee, das für neumodische Begriffe rein isländische Ausdrücke findet.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Ich habe mich in diesem Blog schon öfter mit der deutschen Sprache und deren Wortschatz in Ihren verschiedenen Ausprägungen beschäftigt: Kafkas Wortschatz und KiezdeutschVon Archaismen und NeologismenWenn der Amtsschimmel wiehertMan spricht DeutschBedrohte Sprachen in Deutschland – u.a.

Dieser Beitrag hat einen besonderen Hintergrund, den ich in einen der nächste Tage auflösen werden. Vielleicht kann sich der eine oder die andere denken, was mir da ‚vorschwebt’, oder?!

Übrigens: Allein das Wort Wortschatz gefällt mir sehr. Es ist gewissermaßen eine Verbeugung der Sprache vor der Sprache – indem die Sammlung aller Wörter als Schatz betrachtet wird.

Wieder Winter!

Man könnte den Eindruck haben, dass jetzt mehr Schnee vom Himmel fällt als den ganzen bisherigen Winter. Nach einigen lauen Frühlingstagen ist der Winter wieder in Norddeutschland eingekehrt. Inzwischen sind auch die Temperaturen winterlich unter null Grad. Aber so richtig Spaß macht das Ganze nicht mehr. Zu dunkel war der bisherige Winter. Zu groß ist die Sehnsucht nach Sonne und Wärme …

Vogelfutterhaus im Schnee

Pflanzschale im Schnee

Wieder Winter in Tostedt (10.03.2013)

Gartenstuhl im Schnee

Busch im Schnee

Heute Ruhetag (32): Thomas Mann – Der Zauberberg

Auf der (eher rudimentären) Liste meiner liebsten Bücher ist der Roman zu finden: Der Zauberberg von Thomas Mann, der 1924 veröffentlicht wurde, spielt in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Er handelt vom Reifeprozess des jungen Hans Castorp. Während eines siebenjährigen Aufenthalts in einem Tuberkulose-Sanatorium trifft Castorp dort Menschen, die ihn mit Politik, Philosophie, aber auch Liebe, Krankheit und Tod konfrontieren.

Es ist eine illustre Gesellschaft, in die der junge Castorp gerät. In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, also vor 100 Jahren, begegnet er dem Geist der damaligen Epoche. Da ist der italienische Literat Lodovico Settembrini, ein Humanisten, Freimaurer und „individualistisch gesinnter Demokraten“, mit dem der junge Deutsche über philosophische und politische Fragen der Zeit in Berührung kommt. Oder „der asketische Jesuit Naphta, ein zum Katholizismus konvertierter galizischer Jude mit bewegter Vergangenheit. Naphta ist ein brillanter, rhetorisch begabter und sophistischer Logik verpflichteter Intellektueller, von dessen Einflüssen Settembrini seinen jungen Freund Castorp vergeblich fernzuhalten versucht. In anarcho-kommunistischer Tradition strebt Naphta nach der Wiederherstellung des ‚anfänglichen paradiesisch justizlosen und gottesunmittelbaren Zustands’ der Staat- und Gewaltlosigkeit, wo es ‚weder Herrschaft noch Dienst gab, nicht Gesetz noch Strafe, kein Unrecht, keine fleischliche Verbindung, keine Klassenunterschiede, keine Arbeit, kein Eigentum, sondern Gleichheit, Brüderlichkeit, sittliche Vollkommenheit.’ Nach Abschaffung ‚der Greuel des modernen Händler- und Spekulantentums’ und ‚der Satansherrschaft des Geldes, des Geschäfts’ sei ein totalitärer, auf Terrorismus gestützter Gottesstaat zu errichten; das Prinzip der Freiheit sei ein überlebter Anachronismus.“ (Quelle: de.wikipedia.org).

Und zuletzt ist der erst spät auftretende Mynheer Peeperkorn mit seinem kruden Vitalitätskult zu nennen.

Der Roman sollte „eine Art von humoristischem, auch groteskem Gegenstück“ zum 1912 erschienenen Tod in Venedig werden, geriet dann mit 800 Seiten länger als beabsichtigt. Ohne Zweifel gilt der Roman heute als einer der wichtigsten des 20. Jahrhunderts, beleuchtet er mit Geist und Witz die Atmosphäre am Anfang des letzten Jahrhunderts.

Im Roman tritt eine Person auf, der ein Kapitel gewidmet ist und die wir in weiteren kurzen Szenen begegnen. In meinem Beitrag Herr Albin in Thomas Manns „Zauberberg“ finden wir ihn kurz beschrieben. Jede Ähnlichkeit mit mir (bis auf den Namen) ist bekanntlich rein zufällig.

Heute Ruhetag = Lesetag!

Herr Albin

Drunten im Garten hob sich das Phantasie-Fahnentuch mit dem Schlangenstabe zuweilen im Windhauch. Der Himmel hatte sich wieder gleichmäßig bedeckt. Die Sonne war fort, und sogleich war es fast unwirtlich kühl geworden. Die gemeinsame Liegehalle schien voll besetzt; es herrschte Gespräch mit Gekicher dort unten.

»Herr Albin, ich flehe Sie an, legen Sie das Messer fort, stecken Sie es ein, es geschieht ein Unglück damit!« klagte eine hohe, schwankende Damenstimme. Und:
»Bester Herr Albin, um Gottes willen, schonen Sie unsere Nerven und bringen Sie uns das entsetzliche Mordding aus den Augen!« mischte sich eine zweite darein, – worauf ein blondköpfiger junger Mann, welcher, eine Zigarette im Munde, seitwärts auf dem vordersten Liegestuhl saß, in frechem Tone erwiderte:
»Fällt mir nicht ein! Die Damen werden mir doch erlauben, etwas mit meinem Messer zu spielen! Nun ja, gewiß, es ist ein besonders scharfes Messer. Ich habe es in Kalkutta einem blinden Zauberer abgekauft… Er konnte es verschlucken, und gleich darauf grub sein Boy es fünfzig Schritte von ihm entfernt aus dem Boden . . . Wollen Sie sehen? Es ist viel schärfer als ein Rasiermesser. Man braucht die Schneide nur zu berühren, und sie geht einem ins Fleisch wie durch Butter. Warten Sie, ich zeige es Ihnen näher . . .« Und Herr Albin stand auf. Ein Gekreisch erhob sich. »Nein, jetzt hole ich meinen Revolver!« sagte Herr Albin. »Das wird Sie mehr interessieren. Ein ganz verflixtes Ding. Von einer Durchschlagkraft . . . Ich hole ihn aus meinem Zimmer.«
»Herr Albin, Herr Albin, tun Sie es nicht!« zeterten mehrere Stimmen. Aber Herr Albin kam schon aus der Liegehalle hervor, um auf sein Zimmer zu gehen, – blutjung und schlenkricht,mit rosigem Kindergesicht und kleinen Backenstreifen neben den Ohren.
»Herr Albin«, rief eine Dame hinter ihm drein, »holen Sie lieber Ihren Paletot, ziehen Sie ihn an, tun Sie es mir zuliebe! Sechs Wochen haben Sie mit Lungenentzündung gelegen, undnun sitzen Sie hier ohne Überzieher und decken sich nicht einmal zu und rauchen Zigaretten! Das heißt Gott versuchen. Herr Albin, mein Ehrenwort!«

[…]

Thomas Mann: Der Zauberberg

Willkommen im neuen Tatort Hamburg

Nick Tschiller ist sein Name, Nick wie Nick Knatterton, wohl kaum – und Tschiller vom englischen chill abgeleitet – wie frostig, kalt, entmutigend oder ‚cool’? Wer denkt sich solche Namen nur aus? Na, wer wohl …?!

Ja, morgen am Sonntag ist es soweit: Til Schweiger, der Nuschler, macht auf Tatort: Willkommen in Hamburg. Die Vorschussdisteln sind reichlich verteilt. Spiegel online hat Herrn Schweiger gehörig auf den Zahn gefühlt. Man hat den Eindruck, dass außer Til Schweiger-Fans keiner ihn wirklich in einem Tatort-Film sehen möchte. Am wenigsten eingefleischte Tatort-Liebhaber. Was soll man auch von einem Schauspieler halten, der in einer über viele Jahre laufenden Kriminalserie mitwirken darf, die er sich „eher selten“ angeschaut hat.

Tatort Hamburg: Willkommen in Hamburg (2013)

„Drei Tote in den ersten Minuten, das ist eine Revolution. Ich als Zuschauer will so etwas sehen.“, so Schweiger. Ob wir das als Tatort-Fans sehen wollen, fragt er wohlweislich nicht. Eine eingetretene Tür nach der anderen. Schweiger: „Manchmal klopfe ich auch an.“

Til Schweiger lässt es also gleich ordentlich krachen. Und sein erstes Wort sei: Fuck! Angeblich eine Hommage an Horst Schimanski alias Götz George, der in der ersten Schimanski-Folge „Duisburg, Ruhrort“ als erstes Wort Scheiße äußerte (genauer: „Vorsicht, du Idiot! Hör auf mit der Scheiße!“ zu einem Typen, der seinen Fernseher auf die Straße schmiss). Nur Tschiller ist nicht Schimanski – und Schweiger lange nicht Götz George.

Richtig gespannt muss man also nicht sein. Da Schweiger hier alt bekannte Schweigerthemen (‚Huhn-im-Wein’, ‚Schmutzengel’, ‚Schlapplachhasen’ – nur der ‚halbe Ritter mit der Kopfnuss’ wird uns erspart bleiben) miteinander derart verwurschtelt, dass am Ende … ein Schweiger-Film herauskommt, aber kein Tatort mit psychologischer Tiefe, wird keinen verwundern. Wo Schweiger draufsteht, ist NUR Schweiger drin …!

siehe auch: Eine Extrawurst für ein Riesenwürstchen?

Übrigens: In zwei Wochen, am 24. März, gibt es den nächsten Tatort aus Münster: Summ, Summ, Summ. Hauptkommissar Thiel und der Rechtsmediziner Dr Boerne stehen eigentlich für Spannung und Witz. In letzter Zeit übertreiben sie allerdings ein bisschen den Witz. Und wenn man liest, dass in dieser neuen Folge ein Schlagerstar namens Roman König im Mittelpunkt steht und dann sieht, dass dieser von keinem anderen als Roland Kaiser gespielt wird, dann … also dann verschlägt es mir doch die Sprache! Tatort, wohin willst du noch …?!

Sollbruchstellen

Wer kennt das nicht: Kaum hat man ein neues technisches Gerät gekauft, schon funktioniert es nicht mehr. „Viele technische Geräte halten kaum länger als die gesetzliche Gewährleistungsfrist. Manche Geräte gehen schon ein paar Wochen oder Monate später kaputt. Da liegt der Verdacht auf Sollbruchstellen nah.“ (Quelle: dradio.de) Solange man Garantie hat, ist das vielleicht nur ein Ärgernis. Wenn aber die Gewährleistungsfrist gerade verstrichen ist, dann hat man auch noch erneute Kosten.

Sollbruchstellen haben durchaus ihren Sinn, um größeren Schaden zu vermeiden. Wenn diese aber eingesetzt werden, um gewollt die Lebensdauer eines Geräts zu verkürzen, dann ist das Betrug am Kunden. Nur wie kann man das nachweisen? Eher kaum …

„Wirtschaftswissenschaftler nennen solche Strategien „eingebauter Verschleiß“ oder „geplante Obsoleszenz“. Statt besonders haltbare Produkte zu bauen, konstruieren Hersteller demnach bewusst Geräte mit einer geringeren Lebensdauer um die Kunden zum regelmäßigen Kauf von neuen Geräten zu verleiten – und damit den Absatz anzukurbeln. Allerdings ist es umstritten, ob diese Strategie wirklich auf breiter Front angewendet wird. Schließlich können schlechte Produkte, die zu früh kaputt gehen, natürlich auch den Ruf einer Firma verschlechtern.“

Murks? Nein, danke!

Jetzt gibt es die Website murks-nein-danke.de, über die sich frustrierte Verbraucher sammeln, um Druck auf die Hersteller ausüben zu können:

„Wir fordern nachhaltige Produktverantwortung der Hersteller! Wir machen Murks für alle sichtbar.“

Nachtrag: Ich verweise auf den Artikel auf stern.de: Elektro-Hersteller bauen absichtlich Defekte ein

Der gekaufte Fußball

Gestern machte ich mir Gedanken über den Fußball in Spanien, der mit Real Madrid und FC Barcelona zwei der größten Fußballvereine der Welt stellt – und trotzdem durch eine wirtschaftliche Krise abzustürzen droht. Natürlich ist Fußball in erster Hinsicht ein Geschäft. Es geht längst nicht mehr um Millionen, es geht längst um ein Milliardengeschäft. Schon aus diesem Grund wollen viele nichts mit Fußball zu tun haben.

Für mich ist Fußball aber immer noch eine attraktive Sportart. Und um das zu bleiben, müssen sich die Verantwortlichen in den Vereinen und Verbänden Gedanken machen. Horrende Ablösesummen und für viele unangemessen hohe Spielergehälter haben eine Kluft zwischen den Vereinen entstehen lassen, die zwischen reich und arm scheidet. Wer im Chor der Besten mithalten will, muss investieren. Und für viele Vereine geht das bis zum finanziellen Ruin.

Da kam ein neues Geschäftsmodell ist Spiel, dass vielleicht manchen Verein vor dem Konkurs bewahrt, im Ergebnis dann aber wenig zuträglich für den Fußball ist. Ich meine die Ölscheichs und Oligarchen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld und sich Fußballvereine kaufen, um sich unverdiente Lorbeeren an ihr parvenü’sches Haupt zu heften.

gekaufte Fußball-Clubs in Europa

Im besagten Beitrag über die Fußballkrise in Spanien hatte ich den FC Málaga angesprochen, der 2010 von Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar für 25 Millionen Euro aufgekauft wurde. Inzwischen will er den Verein wieder los werden, obwohl er sportlich eigentlich durchaus erfolgreich ist (steht im Achtelfinale der Champions League).

Bekannter ist ein Verein wie der FC Chelsea, immerhin im letzten Jahr Gewinner der UEFA Champions League. „2003 hatte sich der russische Milliardär Roman Abramowitsch entschlossen, einen Fußballclub zu kaufen, nachdem er bei der WM 2002 Interesse am Fußball entwickelt hatte. Neben Lazio Rom, Chelsea, Tottenham Hotspur und Arsenal war auch Manchester United eine mögliche Option, die Abramowitsch aber aufgrund des Kaufpreises in Höhe von etwa 700 Millionen Pfund verwarf.“ Inzwischen dürften Kaufpreis, die damaligen Vereinsschulden des FC Chelsea und alle Investitionen in neue Spieler diese Summe eher überschritten haben (von 970 Millionen € ist die Rede). Trotz der großzügigen Investitionen ist der Verein bereits als erster Titelverteidiger in der Gruppenphase der Champions League gescheitert und hat kaum noch Chancen auf den Titel des englischen Meisters.

Etwas anders sieht es beim FC Liverpool aus. 2010 bekundete der chinesische Geschäftsmann Kenny Huang ernsthaftes Interesse am Kauf des Vereins, zog sich dann aber doch schnell aus den Kaufverhandlungen zurück. Nach längerem Rechtsstreit ging der Verein dann für 300 Millionen britische Pfund an New England Sports Ventures (NESV), ein in der Sportvermarktungsbranche tätiges US-amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Boston, dem u.a. auch der amerikanische Profi-Baseballclub Boston Red Sox gehört. Es handelt sich dabei um ein Konsortium um den Börsenhändler John W. Henry, dem Medienunternehmen The New York Times Company (The New York Times, The Boston Globe, etc.) und weiteren Geldgebern. Liverpool ist inzwischen an Zenit St. Petersburg in der Europa League gescheitert. Und in der englischen Premier League hinkt der Verein bisher hinter den anderen Spitzenvereinen deutlich hinterher.

Zenit Sankt Petersburg gehört übrigens Gazprom, dem weltweit größten Erdgasförderunternehmen und mit 110 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung eines der größten Unternehmen Europas – und ist bekanntermaßen so nebenbei Hauptsponsor des FC Schalke 04.

Damit sind wir in der russischen Premjer-Liga angelangt. Mit Anschi Machatschkala hat ja Hannover 96 im der Europa League unliebsame Bekanntschaft gemacht. Der FK Anschi Machatschkala ist ein 1991 gegründeter russischer Fußballverein aus Machatschkala, der Hauptstadt Dagestans, der seit 2010 in der Premjer-Liga spielt. Im Januar 2011 übernahm der russische Milliardär Suleiman Kerimow den Club. Bisher bekannteste Verpflichtung ist Samuel Eto’o, der im August 2011 von Inter Mailand für ca. 27 Millionen Euro verpflichtet wurde. Cheftrainer ist seit dem 17. Februar 2012 der bekannte holländische Trainer Guus Hiddink.

Aus Tschetschenien stammt der 1946 gegründete Verein FK Terek Grosny, der bis zu dessen Tod vom tschetschenischen Präsidenten, dem Moskau-Treuen Achmat Kadyrow, geleitet und von Moskau großzügig finanziert wurde. Bis November 2011 war der tschetschenische Republikspräsident Ramsan Kadyrow, Sohn und Nachfolger von Achmat Kadyrow, Präsident des FK Terek Grosny. Sein Nachfolger ist der tschetschenische Vize-Republikspräsident Magomed Daudow. Bekannt wurde der Verein im Januar 2011 durch die Verpflichtung von Ruud Gullit als Trainer. Die ‚Ehe’ hielt allerdings nur fünf Monate. Die Kadyrows sind u.a. dafür bekannt, nicht gerade zimperlich mit ihren politischen Gegner umzugehen.

Da wir schon im Osten Europas sind. Mit Schachtjor Donezk aus der Ukraine verbinden sich für den SV Werder Bremen weniger gute Erinnerungen: Im letztmalig ausgespieltem UEFA-Pokal in der Saison 2008/2009 verloren die Bremer das Endspiel gegen die Osteuropäer. Der Verein wurde am 11. Oktober 1996 durch den aus Donezk stammenden Milliardär Rinat Achmetow übernommen und seitdem mit großzügigen Geldzuwendungen konsequent aufgebaut. Allerdings war Borussia Dortmund für die Ukrainer am Dienstagabend eine Nummer zu groß. Sie verloren in Dortmund das Achtelfinalspiel doch deutlich mit 3:0 und sind damit aus der Champions League ausgeschieden.

Komme wir zurück in westlichere Gefilde und nach Paris. Paris Saint-Germain Football Club (PSG) wurde bereits ab 1973 durch den Modeschöpfer Daniel Hechter als Mäzen und von 1974 bis 1978 als Präsident unterstützt. 2006 übernahm das US-amerikanische Unternehmen Colony Capital den Verein vom französischen Fernsehsender Canal+, der seit 1991 im Besitz von PSG war. Im Mai 2011 verkaufte Colony Capital 70 % seiner Aktienanteile an die Investorengruppe Qatar Sport Investment (QSI) aus Katar. Der Katarer Nasser Al-Khelaifi ist Präsident des Vereins, der wohl im Auftrag des Multi-Milliardärs und Kronprinzen von Katar, Tamim bin Hamad Al-Thani, die Abermillionen ausgeben darf (den Namen Al-Thani haben wir bereits weiter oben im Zusammenhang mit dem FC Málaga gehört).

Vor der Saison 2012/13 verstärkte der PSG seinen Kader: Für ungefähr 130 Millionen Euro wurden unter anderem Ezequiel Lavezzi, Thiago Silva, Zlatan Ibrahimović und Lucas geholt, denen sich neuestens auch David Beckham dazugesellte. Paris SG spielt durchaus erfolgreich in der Champions League und hat seit gestern Abend das Viertelfinale nach einem Unentschieden gegen den FC Valencia erreicht.

Und die Geschichte der TSG 1899 Hoffenheim dürfte ich als bekannt voraussetzen. Gefördert wird der Verein durch den SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, der in seiner Jugend selbst für die TSG Hoffenheim spielte und dessen finanzielle Unterstützung dem Verein bzw. der Profi-Fußballabteilung zwischen 1990 und 2008 den Aufstieg aus der Kreisliga A bis in die Bundesliga ermöglichte. Auch das im Januar 2009 eröffneten Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim (derzeitiger Name: Wirsol Rhein-Neckar-Arena) wurde mit großzügiger Unterstützung von Herrn Hopp gebaut. Die Hoffnungen, den Namen Hoffenheims auch international bekannt zu machen, erfüllten sich leider nicht. Jetzt droht sogar der direkte Abstieg in die Zweitklassigkeit. Allein Geld macht es also nicht (siehe auch meinen Beitrag: Der Milliardär und der Dorfverein)

Es hat natürlich schon etwas Perverses, wenn sich neureiche Milliardäre Fußballvereine wie Spielzeug halten. Und mit ihrem vielen Geld verderben sie die ‚Preise’. Wenn sie einen Spieler oder Trainer unbedingt haben wollen, so brauchen sie nur mit dem Scheckbuch zu wedeln. Die ohnehin schon anrüchige Praxis der Spielertransfers bekommt so noch eine besonders pikante Note.

Siehe hierzu auch: PSG investiert 100 Millionen: Ein offener Brief an Mäzen Nasser Al-Khelaifi (11freunde.de)

Das Ende des Tiki-Taka?

Ist Spanien, ist der FC Barcelona immer noch das Maß aller Dinge im Fußball? Ist Tiki-Taka vielleicht out? Nun bei FC Barcelona läuft es zz. nicht so, wie man es lange Zeit gewohnt war. Erst eine Niederlage gegen aufopfernd spielende Schotten (Celtic Glasgow) in der Gruppenphase der Champions League. Dann die Niederlage ausgerechnet beim Berlosconi-Club AC Mailand im Achtelfinale. Und jetzt zwei Niederlagen in Folge beim Clásico gegen Real Madrid.

Tiki-Taka verlangt ein hohes Maß an Intuition, an gegenseitigem Verständnis zwischen den Spielern und an Konzentration. Tiki-Taka geht nur mit Spielwitz, mit Esprit. Fehlt es an einem, dann rächt sich dieses taktische Konzept sehr schnell und verkommt zu einem Rasenschach, das Mannschaften eigentlich nur spielen, wenn ihnen die zündende Idee fehlt. Für den Zuschauer wird es dann schnell unerträglich langweilig. Da mag man den Gegner laufen lassen und 70 bis 80 % Ballbesitz haben. Ohne geniale Pässe, z.B. aus der Tiefe des Raums in die sich lösende Spitze, geht dann nichts. Und dann rächen sich schon kleinste Fehler. Man tappt gewissermaßen in die eigene Falle.

Das beste Beispiel war die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine, als alle Welt ähnlich wie jetzt glaubte, diese spanische Variante des Fußballspiels ad acta gelegt zu sehen. Bis dann das Endspiel kam: Das Beste kommt bekanntlich zuletzt. Die Spanier waren plötzlich hochmotiviert, voll konzentriert und von einem Ideenreichtum, dem sich die Italiener nur staunend beugen konnten.

Fußball-Europameister 2012: Spanien

Ähnlich sehe ich das heute. Beim FC Barcelona, dem typischen Vertreter des Tiki-Taka, läuft es zz. eben nicht optimal. Hinzu kommt, dass jede Mannschaft, die gegen die Katalanen spielt, besonders motiviert auftritt. Lässt man dann große Chancen aus, so können auch Messi & Co. schnell einmal auf der Verliererstraße landen. Die Krise wird ebenso schnell groß geredet und setzt sich in den Köpfen der Spieler fest.

Wäre Tiki-Taka wirklich out, dann hätten sich die Bayern mit der Verpflichtung von Pep Guardiola, dem Ex-Trainer des FC Barcelona, einen Bärendienst erwiesen.

Nun droht dem spanischen Fußball und damit der Primera División eine völlig andere Krise – eine wirtschaftliche nämlich. „Wenn die Prognose des spanischen Wirtschaftsprofessors José Maria Gay de Liebana stimmt, dann könnte schon bald Schluss sein mit Profi-Fußball in Spanien. Der Wissenschaftler hat die These aufgestellt, dass der spanischen Elite-Liga gerade einmal noch fünf Jahre bleiben, bevor der Spielbetrieb eingestellt werden muss. Der Grund: Die Clubs sind heillos überschuldet, nur Barça und Real sind in der Lage, ihr Defizit einigermaßen auszugleichen – dank ihrer hohen Einnahmen, zum Beispiel aus Fernsehgeldern, Sponsorenverträgen, sowie Ticket- und Fanartikel-Verkauf.

Der Rest der Liga aber steuert auf den Konkurs zu oder ist bereits faktisch insolvent. Der Gesamtstand der Schulden allein in der Primera Division beträgt rund 3,6 Milliarden Euro. Spannende Duelle gibt es – abgesehen vom Clasico, dem Duell zwischen Barcelona und Madrid – innerhalb der Liga kaum. Die Zuschauerzahlen lassen dementsprechend zu wünschen übrig. Nur 28.000 Besucher kommen im Durchschnitt zu den Spielen. Voll wird es nur, wenn es gegen Real oder Barça geht. Deshalb müssen nun auch die beiden Großen umdenken, damit ihnen nicht innerhalb kurzer Zeit die Gegner ausgehen.“ (Quelle: wdr.de)

Hier nur zwei Beispiele: Zunächst der FC Valencia, der durch die Immobilienkrise und Spekulationen inzwischen der Verein mit den höchsten Schulden in Spanien ist. „Zur Saison 2010/11 konnte Valencia durch den Verkauf von Leistungsträgern wie David Villa und David Silva einen Teil der Schulden tilgen. Die finanzielle Situation ist trotzdem weiterhin angespannt und man versucht, einige Top-Verdiener von der Gehaltsliste zu bekommen und setzt stattdessen auf jüngere und günstigere Spieler.“ Besonders verheerend wirkt sich dabei der Neubau des Stadions Nou Mestalla aus. Die Bauarbeiten begannen im August 2007 und sind bis heute nicht fertig geworden, da ein Baustopp verfügt wurde. 160 Millionen Euro wurden bisher ausgegeben. Mindestens die gleiche Summe wird für die Fertigstellung benötigt.

Dann der FC Málaga: 2010 wurde der Verein von Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar für 25 Millionen Euro aufgekauft. „Außerdem kam der neue Eigentümer auch für Malágas Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 70 Millionen Euro auf. In der Folgezeit bekam der Verein professionellere Strukturen – vor allem durch die Verpflichtung des Generalmanagers Fernando Hierro und des mehrfachen Nationalspielers Ruud van Nistelrooy.“ „Im August 2012 wurde bekannt, dass Klubeigentümer Al Thani den Verein zum Verkauf freigegeben hat. Nach den erheblichen Investitionen in den Vorjahren blieben plötzlich die Gelder aus, die zuvor regelmäßig in die Vereinskasse geflossen waren.“

Nach einem vierten Platz in der spanischen ersten Liga spielt der Verein zz. im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Porto (Hinspiel in Porto mit 1:0 verloren). „Im Zuge der genannten wirtschaftlichen Probleme hat die UEFA am 21. Dezember 2012 im Rahmen des Financial-Fair-Play den FC Málaga für die Teilnahme an der Europapokalsaison 2013/14 gesperrt.“

Zu einem sind es astronomisch ansteigende Spielergehälter und Ablösesummen, die nicht mehr aus den laufenden Einnahmen bestritten werden können, zum anderen wie in Spanien artfremde Fehlspekulationen und die Wirtschaftskrise insgesamt, die dazu führen, dass renommierte Vereine faktisch pleite sind.

In Deutschland sieht die Situation noch anders aus. Zwar ist Bayern München – ähnlich wie in Spanien Real Madrid und der FC Barcelona – der Großverdiener der Branche. Aber noch werden die Gelder aus TV-Übertragungen und Sponsorenverträgen weitaus gerechter verteilt. Das Beispiel des SV Werder Bremen zeigt allerdings, dass auch in Deutschland Vereine wirtschaftlich anfällig sind. Entfallen z.B. die Gelder aus der Teilnahme an der Champions League, dann können Großverdiener wie Özil, Mertesacker, Tim Wiese oder Pizarro nicht mehr gehalten werden. Und plötzlich dümpelt so ein Verein gerade noch im Mittelfeld herum ohne die Chance, in Zukunft an die ‚Fleischtöpfe’ internationaler Wettbewerbe zurückzukehren. Auch Sponsoren springen dann schnell ab.

Was also tun? Die Ablösesummen deckeln? Sicherlich ein Ansatzpunkt, aber gerade kleine Vereine können sich dadurch über Wasser halten, indem sie durch den Erlös beim Verkauf von Leistungsträgern ihren Haushalt sanieren. Es sind nach meiner Meinung besonders die Spielergehälter, die exorbitant in die Höhe geschossen sind und kaum noch den Leistungen entsprechen, die die Spieler erbringen. Sicherlich soll ein guter Spieler auch gut verdienen, aber gemäß seiner Leistung. Und mancher Spieler, der fast nur noch seine Trainingseinheiten absolviert und ansonsten viel Sitzfleisch auf der Auswechselbank beweist, muss nicht mit horrenden Summen bedacht werden.

Profifußball, da geht kein Weg vorbei, ist ein Geschäft. Und die Manager bei den Vereinen müssen längst nicht nur fußballerischen Sachverstand besitzen, sondern auch von wirtschaftlichen Zusammenhängen etwas verstehen. Das wurde natürlich längst erkannt. Die Liga in Spanien kann da nur abschreckendes Beispiel sein. Und so sollte man europaweit vorbeugende Maßnahmen treffen, um auch weiterhin wirtschaftlich gesunde Vereine, die sportlich attraktiven Fußball bieten, zu haben. Ob nun mit Tika-Taka oder ohne …!

Nachtrag: Nein, Tiki-Taka ist lange noch nicht out. Messi & Co zaubern, wenn’s sein muss. Der AC Mailand konnte am Abend des 12.03.2013 nur staunen: Habemus Messi! Und Messi macht den Unterschied! Bravo!

Nordische Ski-WM in Val di Fiemme beendet

Die 49. Nordische Skiweltmeisterschaft in der italienischen Region Val di Fiemme ging am Sonntag zu Ende. Überragende Mannschaft war die von Norwegen mit 19 Medaillen. Das deutsche Team konnte seine Erwartungen nur zum Teil erfüllen. Besonders im Lauflauf gab es doch einige Enttäuschungen. Am Schluss wurde es dann doch immerhin noch 5x Edelmetall.

Nordische Ski-WM 2013: Sturz Axel Teichmann (4x10-km-Staffel)

Etwas kurios waren die Stürze deutscher Sportler, einmal bei der 4 x 10-km-Staffel (Axel Teichmann), dann beim Team-Sprint bei den nordischen Kombinierern (Tino Edelmann), die bessere Platzierungen verhinderten. Besonders Axel Teichmann schien vom Pech verfolgt, denn nicht nur, dass er zweimal ohne Fremdeinwirken stürzte und beim 2. Mal auch noch ein Stock entzwei ging; wohl als Folge der Stürze brach dann noch ein Skier. Vielleicht war das symptomatisch für die Leistung der Langläufer.

Der Sieg der Gleichgültigkeit

Im November letzten Jahres hatte ich mich über Twitter mit Dunehopper, dem 2. Vorsitzender der Heidepiraten aus Tostedt zum Thema „Mehr Demokratie“ kurz ausgetauscht. Seine Meinung: „Der Plan ist, das mehr Demokratie und mehr Bürgerbeteiligung zu mehr Interesse an Politik führt.“, „Kitastreit zeigt, das ‚Mehr Demokratie’ Thema ist.“ Und „Themen waren Jugendarbeit, Bürgerbeteiligung, mehr Demokratie. Die werden alle piratisiert :-)“

Meine Ansichten damals wie heute: „’Mehr Demokratie‘ ist so ein alter Schlagwort“ und „’Mehr Demokratie‘, weil die Politik versagt – auf Dauer wird das leider für viele Bürger ermüdend, fürchte ich“.

Gestern nun war der Bürgerentscheid in Sachen Neubau der Kindertagesstätte/Kinderhort Dieckhofstraße in der Samtgemeinde Tostedt. Von 20.961 Stimmberechtigten gaben gerade einmal 25,5 % ihre Stimme ab. Ein niederschmetterndes Ergebnis. Immerhin stimmten 3.350 (62,9 %) mit ‚ja’ und damit gegen den Neubau in der Dieckhofstraße, 1977 (27,1 %) stimmten mit ‚nein’, also dafür. Die erforderliche Mindestzahl von 5205 Ja-Stimmen wurde also deutlich nicht erreicht.

Gegner wie Befürworter der Dieckhofstraßen-Lösung werden nun das Ergebnis werten müssen. Jeder wird das ihm Angenehme hervorheben. Ohne Zweifel haben die Gegner eine klare Mehrheit erzielt. Die Gegenkampagne der Parteien, die den Ratsbeschluss zum Bau einer Kindertagesstätte am Standort Dieckhofstraße durchgesetzt haben, hat nur wenig gefruchtet. Erschreckend für mich ist aber die Interesselosigkeit fast drei Viertel der Bürger. Drei von vier stimmberechtigter Bürger haben es für nicht notwendig erachtet, ihr Recht auf direkte Bürgerbeteiligung wahrzunehmen. Vielleicht lag es am Thema: ‚lediglich’ ein Kindergarten! Vielleicht habe ich auch etwas Recht mit der Annahme, „mehr Demokratie“ ermüde auf Dauer viele Bürger. So oder so ist es ein Sieg der Gleichgültigkeit, der Ignoranz. Das ist ein Armutszeugnis und ein Freibrief für die Politik, weiterhin auch Entscheidungen zu treffen, die am Bürger vorbeizielen. Und es ist eine Ohrfeige für die Bürger, die sich für mehr Bürgerbeteiligung einsetzen.

Schade, Tostedt: Setzen, sechs!

zuletzt: Dank twitter/dunehopper hier eine aufschlussreiche Tabelle zum Bürgerentscheid – sortiert nach Beteiligung