Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Grainau 2012 (19): Gesichtspunkte (Gesamtübersicht)

    … wenn man da oben ist, so hoch über aller Vegetation und Kultur, über aller Habsucht und Torheit der Menschen, so möchte man aufjubeln, lachen, weinen, fliegen, sich in den Himmel stürzen oder auf die Knie werfen!

In den Osterferien weilte ich mit meiner Familie für 9 Tage (31.03. – 08.04.2012, dem Ostersonntag) zum inzwischen 3. Mal unterhalb der Zugspitze in Grainau. Diese wenigen Tage der Ruhe und Entspannung wirkten lange nach. Wir haben unsere Unternehmungen dort in Grainau, in Garmisch-Partenkirchen und Umgebung in Bildern (stehenden und laufenden) festgehalten – inzwischen habe ich die schönsten davon hier in meinem Blog veröffentlicht. Für sechs Tage hatten wir uns eine ZugspitzCard Gold gekauft, mit der alle Fahrten und sonstigen Unternehmungen abgedeckt waren, so die ganzen Fahrten mit der Zugspitzbahn.

Hier noch einmal alle Beiträge (mit Fotos und Videos) zu unserem Grainau-Urlaub 2012 in einer Übersicht:

Grainau 2012 (1): Entlang der Loisach
Grainau 2012 (2): Bahnhof Zugspitzbahn & ZugspitzCard Gold
Grainau 2012 (3): Alpspix
Grainau 2012 (4): Gruppenbild mit Dame
Grainau 2012 (5): Garmisch-Classic-Rundfahrt
Grainau 2012 (6): Ruhepunkte
Grainau 2012 (7): Schneebälle
Grainau 2012 (8): Blick vom Osterfelderkopf
Grainau 2012 (9): Blick vom Zugspitzplatt
Grainau 2012 (10): Auf der Zugspitze
Grainau 2012 (11): Kletterwald Garmisch-Partenkirchen
Grainau 2012 (12): Gesammelte Videos
Grainau 2012 (13): Standpunkte
Grainau 2012 (14): Iglu-Dorf Zugspitze
Grainau 2012 (15): Eibsee
Grainau 2012 (16): Wank
Grainau 2012 (17): Von Solebädern, Pucks und Nebelfeldern
Grainau 2012 (18): Abreise im Schnee

… und hier auch noch einmal einige der allerschönsten der schönsten der Fotos in einer Slideshow:


(Fotos © Jan Einar Albin)

AlbinZ in Grainau April 2012

Die besten Vier

Bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine geht es in die vorletzte Runde. Am Mittwoch und am Donnerstag sind die Halbfinals – und dann am kommenden Sonntag erfolgt in Kiew das Endspiel. Vor der EM hatte ich im Halbfinale neben dem deutschen Team und Spanien eigentlich Russland (vielleicht doch die Niederlande) und Frankreich gesehen. Lediglich mit Deutschland und Spanien lag ich richtig. Nach der Gruppenphase hatte ich dann noch einmal getippt – und jetzt wurde mein Fußballerverstand von der Wirklichkeit nicht enttäuscht. Die vier besten Mannschaften dieser EM haben sich durchgesetzt:

Viertelfinale
21.06. 20:45 Tschechien – Portugal Tipp 1:2 (Ergebnis: 0:1)
22.06. 20:45 Deutschland – Griechenland Tipp 1:0 (Ergebnis 4:2)
23.06. 20:45 Spanien – Frankreich Tipp 2:0 (Ergebnis 2:0)
24.06. 20:45 England – Italien Tipp 1:2 (Ergebnis 2:4 n.E. – 0:0)

Überzeugend war dabei die Vorstellung der deutschen Mannschaft. Es dauert zwar etwas länger, bis der Sieg feststand. Aber in kaum einer Phase des Spiels (außer kurze Zeit beim Ausgleich für die Griechen) war erkennbar, das Deutschland das Spiel aus der Hand geben würde. Sicherlich lief noch nicht alles rund. Mancher Pass in die Spitze war anfangs zu steil, manches Abspiel landete noch beim Gegner. Aber die Umstellung (Klose statt Gomez, Reus und Schürrle für Podolski und Thomas Müller) rentierte sich auf jeden Fall.

2. Viertelfinalspiel: Griechenland - Deutschland 2:4

Spanien tat sich gegen Frankreich etwas schwer, tat aber wahrscheinlich nicht mehr, als notwendig war (an dem Abend wurde immer wieder „das gute Pferd“ zitiert, „das nicht höher springt als es muss“), um am Ende gegen (wenigstens für mich) enttäuschende Franzosen zu gewinnen. Lediglich Franck Ribéry von den Bayern vermochte zu überzeugen.

Hier erst einmal mein Tipp fürs Halbfinale:

27.06. 20:45 Donezk Portugal – Spanien Tipp 1:2
28.06. 20:45 Warschau Deutschland – Italien Tipp 2:0

Schon von Anfang an deutete alles daraufhin, dass Deutschland und Spanien das Finale bestreiten werden. Alles andere wäre eine dicke Überraschung. Dieser Meinung schließe ich mich gern an (obwohl ich mir anfangs beim deutschen Team nicht ganz so sicher war). Die Spanier werden das notwenige Mehr an Leistung abrufen, um auch Portugal (trotz eines Cristiano Ronaldo, der endlich „im Turnier angekommen“ ist und gegen die Niederlande und Tschechien überzeugen konnte) zu schlagen. Und die deutsche Mannschaft hat noch einige Rechnungen gegen Italien offen (zuletzt WM 2006 – Niederlage im Halbfinale in der Verlängerung).

Aber ich will nicht vorgreifen. Ich freue mich auf die Halbfinalspiele. Die Viertelfinalspiele waren insgesamt sehenswert – manchmal eher vom Taktischen, aber auch vom Spielerischen her (das Spiel England – Italien habe ich gestern Abend nicht gesehen, da ich richtigerweise mit einer Verlängerung gerechnet hatte; und heute am Montag musste ich wieder früh aufstehen). Und natürlich hoffe ich nicht allein, dass spätestens am Sonntag die fußballerische Feinkostabteilung geöffnet wird.

Heute Ruhetag (16): Fjodor Michailowitsch Dostojewski – Die Dämonen

Ohne Zweifel ist Dostojewski einer der grandiosesten Literaten des 19. Jahrhunderts, dessen Werke noch heute wirken. Kaum ein anderer Schriftsteller jener Zeit verstand sich dermaßen auf die menschliche Psyche. Sein Roman „Die Dämonen“ wurde 1959, also vor etwas mehr als 50 Jahren, von Albert Camus dramatisiert: Die Besessenen (Les possédés). Da ich zz. Camus’ Dramen lese, möchte ich, bevor ich auf diese zu sprechen komme, den Roman von Dostojewski zum Lesen anempfehlen. Diesmal findet sich die Quelle nicht im Projekt Gutenberg DE, sondern in Zeno.org, einer weiteren deutschsprachigen Volltextbibliothek.

Heute Ruhetag!

Indem ich mich anschicke, die sehr merkwürdigen Ereignisse zu schildern, die sich kürzlich in unserer, bis dahin durch nichts ausgezeichneten Stadt zugetragen haben, sehe ich mich durch meine schriftstellerische Unerfahrenheit genötigt, etwas weiter auszuholen und mit einigen biographischen Angaben über den talentvollen, hochgeachteten Stepan Trofimowitsch Werchowenski zu beginnen. Diese Angaben sollen nur als Einleitung zu der in Aussicht genommenen Erzählung dienen; die Geschichte selbst, die ich zu schreiben beabsichtige, soll dann nachfolgen.

Ich will es geradeheraus sagen: Stepan Trofimowitsch hat unter uns beständig sozusagen eine bestimmte Charakterrolle, die Rolle eines politischen Charakters, gespielt und sie leidenschaftlich geliebt, dermaßen, daß er meines Erachtens ohne sie gar nicht leben konnte. Nicht, daß ich ihn mit einem wirklichen Schauspieler vergleichen möchte: Gott behüte; das kommt mir um so weniger in den Sinn, als ich selbst ihn sehr hoch achte. Es mochte bei ihm alles Sache der Gewohnheit sein oder, richtiger gesagt, Sache einer steten, schon aus dem Jugendalter herrührenden wohlanständigen Neigung, sich vergnüglichen Träumereien über seine schöne politische Haltung hinzugeben. Er gefiel sich zum Beispiel außerordentlich in seiner Lage als »Verfolgter« und sozusagen als »Verbannter«. Diese beiden Worte umgibt ein eigenartiger klassischer Glanz, der ihn seinerzeit verführt hatte, ihn dann allmählich im Laufe vieler Jahre in seiner eigenen Meinung gehoben und ihn schließlich auf ein sehr hohes und für seine Eigenliebe sehr angenehmes Piedestal gestellt hatte. In einem satirischen englischen Romane des vorigen Jahrhunderts kehrte ein gewisser Gulliver aus dem Lande der Liliputaner zurück, wo die Menschen nur vier Zoll groß waren, und hatte sich während seines Aufenthaltes unter ihnen so daran gewöhnt, sich für einen Riesen zu halten, daß er, auch wenn er in den Straßen Londons umherging, unwillkürlich den Fußgängern und Wagen zurief, sie sollten sich vorsehen und ihm ausweichen, damit sie nicht zertreten würden; denn er bildete sich ein, er sei immer noch ein Riese und sie Zwerge. Man lachte ihn deswegen aus und schimpfte auf ihn, und grobe Kutscher schlugen sogar mit der Peitsche nach dem Riesen; aber ob mit Recht? Was kann nicht die Gewohnheit bewirken? Die Gewohnheit brachte auch Stepan Trofimowitsch zu einem sehr ähnlichen Verhalten, das sich aber in einer noch unschuldigeren und harmloseren Weise zeigte, wenn man sich so ausdrücken kann; denn er war ein ganz prächtiger Mensch.

Fjodor Michailowitsch Dostojewski: Die Dämonen

Steppenwolf

    Das Gedicht vom Steppenwolf
    Ich Steppenwolf trabe und trabe,
    Die Welt liegt voll Schnee,
    Vom Birkenbaum flügelt der Rabe,
    Aber nirgends ein Hase, nirgends ein Reh!
    In die Rehe bin ich so verliebt,
    Wenn ich doch eins fände!
    Ich nähm’s in die Zähne, in die Hände,
    Das ist das Schönste, was es gibt.
    Ich wäre der Holden so von Herzen gut,
    Fräße mich tief in ihre zärtlichen Keulen,
    Tränke mich satt an ihrem hellroten Blut,
    Um nachher die ganze Nacht einsam zu heulen.
    Sogar mit einem Hasen wäre ich zufrieden,
    Süß schmeckt sein warmes Fleisch in der Nacht –
    Ach, ist denn alles von mir geschieden,
    Was das Leben ein bißchen fröhlicher macht?
    An meinem Schwanz ist das Haar schon grau,
    Auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen,
    Schon vor Jahren starb meine liebe Frau.
    Und nun trab ich und träume von Rehen,
    Trabe und träume von Hasen,
    Höre den Wind in der Winternacht blasen,
    Tränke mit Schnee meine brennende Kehle,
    Trage dem Teufel zu meine arme Seele.

Dieses Gedicht steht in Hesses Roman „Der Steppenwolf”. Wie Harry Haller, der Steppenwolf, so bin auch ich in die Jahre gekommen („An meinem Schwanz ist das Haar schon grau, auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen …“). Inzwischen habe ich das, was man die Krise der Lebensmitte zu nennen pflegt, sachte überwunden und freue mich auf einen geruhsamen Lebensabend. Oder nicht? Manchmal möchte ich doch noch einmal ‚traben’ und mich ‚in die Rehe verlieben’ …

Ich habe nie so ganz verstanden, warum „Der Steppenwolf“ gerade soviel Anklang bei jungen Menschen findet. Der Roman war in der 60-er Jahren gewissermaßen das Manifest der Hippie-Bewegung. Denn eigentlich ist es nichts anderes als der Bericht über einen schöpferischen Menschen in der Lebensmitte, den Zweifel an seiner Existenz, an Leben und Tun überkommen – den oberflächlich betrachtet die Midlife Crisis plagt. Harry Haller, der Steppenwolf des Romans, steht vor einem Scherbenhaufen. Sein Leben ist zerrissen, ohne Sinn. Sein Ziel, die Selbstverwirklichung, hat er nicht erreicht. So sieht er nur noch die Selbstauflösung. Aber gerade, weil es die Möglichkeit gibt, sich selbst zu töten, erwächst aus dieser Möglichkeit so etwas wie Lebensstütze („‚… daß die Zeit und die Welt, das Geld und die Macht den Kleinen und Flachen gehört, und den andern, den eigentlichen Menschen, gehört nichts. Nichts als der Tod.’ ‚Sonst gar nichts?’ ‚Doch, die Ewigkeit.’“ S. 167). Und ist die Krise erst einmal überwunden, so kann das Bürgerliche durchaus als „Streben nach einer ausgeglichenen Mitte zwischen den Extremen menschlichen Verhaltens“ werden (Material zum Traktat).

Traktat vom Steppenwolf

Und es ist der Humor, das Lachen, was hilft, die Krise zu überwinden: „…dies Lachen, […] es war das, was übrigbleibt …“ (S. 169). – „… Schule des Humors, Sie sollen lachen lernen. Nun, aller höhere Humor fängt damit an, daß man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.“ (S. 193) – „Lernen Sie ernst nehmen, was des Ernstnehmens wert ist, und lachen über das andere!“ (S. 232)

Neben dem Lied Die Unsterblichen, einem weiteren Gedicht aus dem Roman, habe ich vor über 30 Jahren ein weiteres Lied, ausgehend von dem Steppenwolf-Gedicht, verfasst.

Steppenwolf

Der Steppenwolf, der zieht durch das Land
Sucht sich ein Reh, fängt es mit bloßer Hand
Süß schmeckt das Fleisch
In dunkler Nacht.

Auch mit Hasenblut er sehr zufrieden wär
Noch frisch und warm, das ist sein Begehr
Tränkt Blut ihn satt
Sein Herz ihm lacht.

So der Steppenwolf trabt mit dunkler Macht
Hört den Wind blasen in der Winternacht

Die Welt liegt voll von Schnee und ist bitterkalt
Der Steppenwolf, er heult, an Jahren ist er schon alt
Tränkt mit Schnee seine brennende Kehle
Trägt dem Teufel zu seine arme Seele

Oh, Steppenwolf
– Seelentier.

An seinem Schwanz ist das Haar schon grau
Schon vor Jahren starb seine liebe Frau
So ganz allein er
die Nacht durchwacht.

In die Rehe ist er dafür heut‘ verliebt
Das das Schönste ist, was es für ihn gibt
Zu ihrem Fleisch
Gier ist entfacht.

Der Steppenwolf, der einsam durchs Land trabt
Sich am Fleische und hellrotem Blute labt
Altgeworden
Trockene Kehle.

In der langen Zeit in Scherben zerbrochen
Zählt man schon des Steppenwolfs letzte Wochen
Trägt dem Teufel zu
seine Seele.


Willi singt: Steppenwolf

Musik, Text (nach dem Gedicht von Hermann Hesse), Gesang, Gitarre & Bass: Wilfried Albin – aufgenommen am 10.02.1979 bzw. 13.08.1980 in Bremen

Grainau 2012 (12): Gesammelte Videos

Während unseres Urlaubs in Grainau bis zum Ostersonntag 2012 haben wir nicht nur jede Menge Fotos geschossen (die meisten davon der ältere meiner beiden Söhne), sondern vieles habe ich auch als Video festgehalten. Inzwischen habe ich eine kleine Auswahl der Videoaufnahmen zusammengeschnitten, in mehreren Videos bei YouTube eingestellt und zu einer Playlist zusammengefasst.


Grainau 2012: AlbinZ in den Bergen

Videothemen:
Grainau 2012: Entlang der Loisach (01.04.2012)
Grainau 2012: Garmisch Classic-Rundfahrt mit Alpspix (02.04.2012)
Grainau 2012: Zugspitzrundfahrt (03.04.2012)
Grainau 2012: Eibsee-Rundgang (05.04.2012)
Grainau 2012: Schnee auf dem Wank (06.04.2012)

Urlaub in Grainau 2012

Béla Réthy (ZDF) erzählt Murx

Okay, der Tabellenmodus, der die Platzierung der Mannschaften in der Vorrunde (Gruppenphase) bestimmt, ist bei der Fußballeuropameisterschaft 2012 etwas kompliziert, aber durchaus nachvollziehbar. Ich will hier nicht den überschlauen Besserwisser spielen. Ich finde allerdings, wenn der Co-Kommentator bei der ARD, Mehmet Scholl, die Regeln nicht gekannt hat, dann ist das schlimm genug. Aber von dem bekannten Kommentator des ZDF, Béla Réthy, sollte man erwarten, dass er die Kriterien kennt und nicht, wie im Spiel Kroatien – Spanien geschehen, laufend Unsinn erzählt. Erst faselt er etwas vom UEFA-Koeffizienten, der erst wirklich am Ende zum Zuge kommt, korrigiert sich allerdings. Dann behauptet er, dass die Kroaten nach der Führung der Spanier kurz vor Schluss noch zwei Tore benötigten, um in die Finalrunde zu kommen. Das war natürlich völliger Quatsch. Ein Tor (zum 1:1-Unentschieden) hätte gereicht. Warum sonst sollte sich so kurz vor Schluss des Spiels auch der kroatische Torwart an einem Sturmlauf seiner Mannschaft beteiligen.

Spielplan Euro 2012 Polen/Ukraine

Hätten die Kroaten tatsächlich noch den 1 :1-Ausgleich geschafft, dann wären sie als Gruppenzweiter sogar nach der Regelung, die bei Weltmeisterschaften gilt, ins Viertelfinale eingezogen:

(hypothetischer) Endstand Tabelle Gruppe C
bei einem 1:1 zwischen Kroatien und Spanien

Spanien 6:2 Tore 5 Pkt.
Kroatien 5:3 Tore 5 Pkt.
Italien 4:2 Tore 5 Pkt.
Irland 1:9 Tore 0 Pkt.

Im direkten Vergleich der punktgleichen Mannschaften ergäbe sich folgende Tabelle:

Spanien – Italien 1:1
Italien – Kroatien 1:1
Kroatien – Spanien 1:1 (eigentlich ja 0:1)

Spanien 2:2 Tore 2 Pkt.
Kroatien 2:2 Tore 2 Pkt.
Italien 2:2 Tore 2 Pkt.

Bei Punktgleichheit zweier oder mehrerer Mannschaften entscheiden folgende Kriterien in dieser Reihenfolge:

1. Höhere Anzahl Punkte im direkten Vergleich. Ergebnis: wäre bei allen Mannschaften gleich

2. Bei mehr als zwei punktgleichen Mannschaften die bessere Tordifferenz im direkten Vergleich. Ergebnis: wäre bei allen Mannschaften gleich

3. Bei mehr als zwei punktgleichen Mannschaften die höhere Anzahl der erzielten Tore im direkten Vergleich. Ergebnis: wäre bei allen Mannschaften gleich

4. Wenn zwei Mannschaften nach der Anwendung der Kriterien 1 bis 3 immer noch denselben Platz belegen, werden die Kriterien 1 bis 3 zur Bestimmung ihrer endgültigen Platzierung erneut angewendet, jedoch ausschließlich auf die Direktbegegnungen zwischen den beiden betreffenden Mannschaften. Ergebnis: Kommt nicht zum Zuge

5. Bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen. Ergebnis: Danach wäre Spanien 1.

6. Höhere Anzahl der erzielten Tore in allen Gruppenspielen. Ergebnis: Danach wäre Kroatien 2.

Punkt 7 (Höherer UEFA-Koeffizient zur Auslosung der Gruppenphase) spielt keine Rolle mehr.

Vielleicht hätte Herr Réthy sich das Video seines Senders zuvor einmal anschauen sollen, dann wäre er klüger gewesen: Rechenspiele für Gruppe C

Nachtrag:

Ganz so schlecht habe ich bei dieser Euro der Überraschungen dann doch nicht getippt. Hier meine Tipps und die tatsächlichen Ergebnisse. In Gruppe C mit Spanien als Gruppenerster und Italien als 2. lag ich am Ende sogar ‚total’ richtig. Nur in Gruppe D habe ich den Ersten (England) und Zweiten (Frankreich) vertauscht. Franck Ribéry & Co. haben aber auch ziemlich enttäuscht.

Gruppe C
18.06. 20:45 Kroatien – Spanien 1:3 (Ergebnis: 0:1)
18.06. 20:45 Italien – Irland 2:1 (Ergebnis: 2:0)

Gruppe D
19.06. 20:45 Schweden – Frankreich 1:2 (Ergebnis: 2:0)
19.06. 20:45 England – Ukraine 2:1 (Ergebnis: 1:0)

Und da wir gerade beim Tippen sind: Hier meine Tipps fürs Viertelfinale. Den Deutschen traue ich nur einen knappen Sieg zu (aber wer weiß), Italien schleicht sich wieder einmal ins Halbfinale:

Viertelfinale
21.06. 20:45 Tschechien – Portugal Tipp 1:2
22.06. 20:45 Deutschland – Griechenland Tipp 1:0
23.06. 20:45 Spanien – Frankreich Tipp 2:0
24.06. 20:45 England – Italien Tipp 1:2

Die Unsterblichen

„Haller kommen seine hymnischen Verse über die Unsterblichen in den Sinn, Mozart tritt in die Loge und bedient sich des Radios, um Händels Musik zu hören – für Haller fast ein Sakrileg, für Mozart nur ein Anlass zum Lachen über den Kampf zwischen göttlicher Idee und profaner Erscheinung: Haller müsse das Lachen lernen, den Humor, der immer nur Galgenhumor sein könne. Für sein Verbrechen der (angekündigten und doch nicht wirklich vollzogenen) Ermordung Hermines wird Haller zur Strafe des ewigen Lebens und des einmaligen Ausgelachtwerdens verurteilt, weil er mit Messern gestochen (und nicht über sich und seine Eifersucht gelacht) habe. Haller ist optimistisch, dieses Spiel beim nächsten Mal besser spielen zu können.“ (Quelle: de.wikipedia.org zur Inhaltsangabe von Hermann Hesses ‘Der Steppenwolf’)

In Hermann Hesses Roman „Der Steppenwolf“ träumt Harry Haller, der Protagonist des Romans, von Goethe und Mozart, die ihm als Sendboten aus der Welt der Unsterblichen erscheinen. Das Ideal der Unsterblichkeit steht hierbei für die Realisierung des eigenen Selbst. (Nein, die rechtsextremistische Gruppe, die junge Leute für sich zu rekrutieren sucht, ist wahrlich nicht gemeint.)

Die Unsterblichen

1980, vor mehr als 30 Jahren, habe ich verschiedene literarische Texte (u.a. Albert Camus’ „Der Fremde“ und Kafkas Romane „Das Schloss“ und „Der Prozess“) musikalisch aufgearbeitet. Nichts Aufregendes, eigentlich nur für mich selbst gedacht. Eines der Lieder habe ich bereits vor längerer Zeit vorgestellt: Gegen Windmühlen kämpfen. Im Zusammenhang mit der Lektüre von Hesses Steppenwolf bin ich nochmals auf diese alten Lieder gestoßen. Und da gibt es ein sehr kurzes Lied mit nur wenigen Zeilen. Mein Neffe, damals gerade 14 Jahre alt, begleitete mich auf der Gitarre:

Die Unsterblichen sind unter uns
Sie sind Wissen, Zukunft und Kunst
Unser Geist
Wär schal und fad‘
Hätten kein Gewissen –
So skrupellos!
Die Unsterblichen sind unter uns.

Text, Musik, Gesang, Bassgitarre: Wilfried Albin
akustische Gitarre: Torsten Besch
Aufgenommen am 08./13.08.1980 in Bremen


Willi singt: Die Unsterblichen

Der Vollständigkeit halber hier das Gedicht aus Hesses Roman:

Die Unsterblichen

Immer wieder aus der Erde Tälern
Dampft zu uns empor des Lebens Drang:
Wilde Not, berauschter Überschwang,
Blutiger Rauch von tausend Henkersmählern,
Krampf der Lust, Begierde ohne Ende,
Mörderhände, Wuchererhände, Beterhände.
Angst- und lustgepeitschter Menschenschwarm
Dunstet schwül und faulig, roh und warm,
Atmet Seligkeit und wilde Brünste,
Frisst sich selbst und speit sich wieder aus,
Brütet Kriege aus und holde Künste,
Schmückt mit Wahn das brennende Freudenhaus,
Schlingt und zehrt und hurt sich durch die grellen
Jahrmarktsfreuden seiner Kinderwelt,
Hebt für jeden neu sich aus den Wellen,
Wie sie jedem einst zu Kot zerfällt.

Wir dagegen haben uns gefunden
In des Äthers sterndurchglänztem Eis,
Kennen keine Tage, keine Stunden,
Sind nicht Mann noch Weib, nicht jung noch Greis.
Eure Sünden sind und eure Ängste,
Euer Mord und eure geilen Wonnen
Schauspiel uns gleich wie die kreisenden Sonnen,
Jeder Tag ist uns der längste.
Still zu eurem zuckenden Leben nickend,
Still in die sich drehenden Sterne blickend,
Atmen wir des Weltraums Winter ein,
Sind befreundet mit dem Himmelsdrachen;
Kühl und wandellos ist unser ewiges Sein,
Kühl und sternhell unser ewiges Lachen.

Hermann Hesse

Hierzu gibt es natürlich auch eine englische Fassung – nur zum Vergleich:

The Immortals

Ever reeking from the vales of earth
Ascends to us life’s fevered surge,
Wealth’s excess, the rage of dearth,
Smoke of death-meals on the gallow’s verge;
Greed without end, spasmodic lust;
Murderers‘ hands, usurers‘ hands, hands of prayer;
Exhales in fœtid breath the human swarm
Whipped on by fear and lust, blood raw, blood warm,
Breathing blessedness and savage heats,
Eating itself and spewing what it eats,
Hatching war and lovely art,
Decking out with idiot craze
Bawdy houses while they blaze,
Through the childish fair-time mart
Weltering to its own decay
In the glare of pleasure’s way,
Rising for each newborn and then
Sinking for each to dust again.

But we above you evermore residing
In the ether’s star-translumined ice
Know not day nor night nor time’s dividing,
Wear nor age nor sex for our device.
All your sins and anguish self-affrighting,
Your murders and lascivious delighting
Are to us but as a show
Like the suns that circling go,
Changing not our day for night;
On your frenzied life we spy,
And refresh ourselves thereafter
With the stars in order fleeing;
Our breath is winter; in our sight
Fawns the dragon of the sky;
Cool and unchanging is our eternal being,
Cool and star-bright is our eternal laughter.

Auf des Messers Schneide

Da hat bei dieser Fußballeuropameisterschaft in Polen und der Ukraine die Mannschaft der Niederlande mit Robin van Persie den Torschützenkönig der englischen Premier League und mit Klaas-Jan Huntelaar den Torschützenkönig der Bundesliga und trotzdem scheidet die Elftal bereits nach der Vorrunde ohne Punkte aus. Ausgerechnet Cristiano Ronaldo, der in den Spielen gegen Deutschland und Dänemark völlig enttäuschte, gab den Holländern mit seinen zwei Toren den ‚Gnadenschuss’ und sicherte so dem portugiesischen Team den Einzug ist Viertelfinale (gegen Tschechien).

Die deutsche Mannschaft wurde mit ihrem dritten Sieg im dritten Spiel in dieser Gruppe B gegen Dänemark Gruppenerster und spielt nun am Freitag gegen Griechenland. Dabei stand das Weiterkommen auf des Messers Schneide, denn bis zur 80. Minute stand es zwischen Deutschland und Dänemark 1:1, während die Portugiesen bereits führten. Nur ein Tor der Dänen und die deutsche Mannschaft wäre als Gruppendritter ausgeschieden. Eine Riesenchance hatten die Dänen bereits verpasst. Da erlöste Lars Bender, den der Bundestrainer für den gelbgesperrten Jérôme Boateng als rechten Verteidiger aufgeboten hatte, mit seinem Tor das deutsche Team. Souverän sieht anders aus.

Gruppe B: Dänemark - Deutschland 1:2 (Lars Bender nach dem 1:2)

Nach der Leistungssteigerung gegen die Niederlande gab es trotz des Sieges wieder einen deutlichen Rückschritt in den spielerischen Leistungen. Nach anfänglich gutem Spiel und dem baldigen Tor stellten sich die Dänen immer besser auf die Deutschen ein. Und nach dem Ausgleich lief nicht mehr viel zusammen. Das ideenlose Kurzpassspiel ohne Raumgewinn erinnerte nur entfernt an das der Spanier. Erschreckend die vielen Fehlpässe und mancher technische Fehler (die Kritik an Mario Gomez muss um diese Fehlerhaftigkeit erweitert werden). Gegen die Griechen rechne ich wieder mit einer dann allerdings auch nötigen Steigerung der spielerischen Stärke.

Ja mit meinen Tipps (siehe meinen Beitrag Never change a winning team) liege ich natürlich sehr oft daneben. Wer rechnet aber auch schon damit, dass die Russen gegen die Griechen verlieren. Obwohl … So langsam kennt man das Spiel der Griechen. Und die deutsche Mannschaft sollte am Freitag gewarnt sein … Natürlich liegt es auch am Austragungsmodus, der bei Punktegleichheit den direkten Vergleich heranzieht (und nicht das Torverhältnis – dann wäre nämlich Russland 2. der Gruppe A geworden). Ich finde den Modus aber okay. Dadurch kommt noch mehr Spannung in den 3. Vorrundenspieltag.

Auch in der ‚Tendenz’ kommen meine Tipps langsam ins Wanken (noch einmal: „Für mich wäre aber ein Halbfinale mit dem deutschen Team, Russland (vielleicht doch den Niederlanden), Spanien und Frankreich denkbar.“). Statt Russland steht jetzt Portugal (oder Tschechien).

Hier noch einmal meine Tipps und die tatsächlichen Ergebnisse (in Klammern) vom 2. Spieltag der Vorrunde:

Gruppe C
14.06. 18:00 Italien – Kroatien 2:2 (Ergebnis: 1:1)
14.06. 20:45 Spanien – Irland 3:1 (Ergebnis 4:0)

Gruppe D
15.06. 18:00 Ukraine – Frankreich 1:2 (Ergebnis 0:2)
15.06. 20:45 Schweden – England 1:2 (Ergebnis 2:3)

… und die Tipps und Ergebnisse der bereits ausgeführten Spiele des letzten Spieltags:

Gruppe A
16.06. 20:45 Griechenland – Russland 0:2 (Ergebnis 1:0)
16.06. 20:45 Tschechien – Polen 1:2 (Ergebnis 1:0)

Gruppe B
17.06. 20:45 Portugal – Niederlande 1:2 (Ergebnis 2:1)
17.06. 20:45 Dänemark – Deutschland 1:3 (Ergebnis 1:2)

Entsprechend meinen Tipps wäre in Gruppe A Russland Erster und Polen Zweiter, in Gruppe B Deutschland 1. und die Niederlande 2. Gerade Deutschland habe ich also richtig getippt (Asche auf mein Haupt).

Und hier nun meine Tipps zu den verbleibenden Spielen heute und morgen. Danach würden aus Gruppe C Spanien (Gruppenerster – Viertelfinalspiel wäre dann am Samstag gegen den Zweiten der Gruppe D) und Italien, aus Gruppe D Frankreich (Gruppenerster) und England ins Viertelfinale einziehen. Vielleicht liege ich diesmal nicht ganz so verkehrt. Wenn Spanien wirklich Erster werden sollte, dann wird das deutsche Team erst im Finale auf die Spanier treffen. Wenn das Wörtchen ‚wenn’ nicht wäre …

Gruppe C
18.06. 20:45 Kroatien – Spanien 1:3
18.06. 20:45 Italien – Irland 2:1

Gruppe D
19.06. 20:45 Schweden – Frankreich 1:2
19.06. 20:45 England – Ukraine 2:1

Ach übrigens Austragungsmodus: Sollten sich Kroatien-Spanien 2:2 trennen, dann können die Italiener 20:0 gegen Irland gewinnen, sie wären trotz Punktegleichheit mit Spanien und Kroatien ‚draußen‘.

Heute Ruhetag (15): Rainer Maria Rilke – Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

Rainer Maria Rilke (1875 in Prag; † 1926 bei Montreux, Schweiz) war einer der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache. Bekannt sind seine Duineser Elegien oder die Sonette an Orpheus. Allerdings verfasste er nur einen Roman: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge ist ein 1910 veröffentlichter Roman in Tagebuchform. Der Roman wurde 1904 in Rom begonnen und reflektiert unter anderem die ersten Eindrücke eines Paris-Aufenthaltes des Autors von 1902/03.

Heute Ruhetag!

11. September, Rue Toullier.

So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier. Ich bin ausgewesen. Ich habe gesehen: Hospitäler. Ich habe einen Menschen gesehen, welcher schwankte und umsank. Die Leute versammelten sich um ihn, das ersparte mir den Rest. Ich habe eine schwangere Frau gesehen. Sie schob sich schwer an einer hohen, warmen Mauer entlang, nach der sie manchmal tastete, wie um sich zu überzeugen, ob sie noch da sei. Ja, sie war noch da. Dahinter? Ich suchte auf meinem Plan: Maison d’Accouchement. Gut. Man wird sie entbinden – man kann das. Weiter, Rue Saint-Jacques, ein großes Gebäude mit einer Kuppel. Der Plan gab an Val-ge-grâce, Hôpital militaire. Das brauchte ich eigentlich nicht zu wissen, aber es schadet nicht. Die Gasse begann von allen Seiten zu riechen. Es roch, soviel sich unterscheiden ließ, nach Jodoform, nach dem Fett von Pommes frites, nach Angst. Alle Städte riechen im Sommer. Dann habe ich ein eigentümlich starblindes Haus gesehen, es war im Plan nicht zu finden, aber über der Tür stand noch ziemlich leserlich: Asyle de nuit. Neben dem Eingang waren die Preise. Ich habe sie gelesen. Es war nicht teuer.

Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

Langer Tag der StadtNatur Hamburg

Heute und morgen (16. und 17. Juni 2012) kann man Hamburgs Natur zu Wasser und an Land erleben: Langer Tag der StadtNatur Hamburg. Das Motto lautet: Einfach mal blaumachen!

Langer Tag der StadtNatur Hamburg

In über 100 Veranstaltungen kann Mann und Frau und Kind die Natur in der Stadt Hamburg kennen lernen. Da ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei: Von einer Kanutour über eine Radtour zu den Störchen bis hin zu Kletteraktionen und Seilparcours (bei einigen Veranstaltungen ist eine Anmeldung notwendig).

Das Programmheft als PDF zum Durchblättern und/oder herunterladen.

André Gide: Die Falschmünzer

    How weary, stale, flat and unfrofitable
    Seems to me all the uses of ths world!

    Wie ekel, schal und flach und unersprießlich
    Scheint mir das ganze Treiben dieser Welt!

    William Shakespeare: Hamlet – Prinz von Dänemark
    (Übersetzt von August Wilhelm von Schlegel)
    1. Akt – 2. Szene

Unter diesem Motto von Shakespeare steht ein Kapitel in dem Roman Die Falschmünzer von André Gide (Originaltitel: Les Faux-Monnayeurs), das ich in folgender Ausgabe vorliegen habe: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2. Auflage Mai 1982, 18. bis 27. Tausend. Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte von Ferdinand Hardekopf. Es handelt sich dabei um die erste Übersetzung von 1928. Der Roman selbst wurde 1925 veröffentlicht.

Für zwei weitere Kapitel stellt Gide Zitate aus Shakespeares Romanze „Cymbeline“ als Motto voran; u.a. findet sich auf Seite 51 aus dem 2. Akt – 5. Szene die Aussage von Posthumus:

    We are all bastards;
    And that most venerable man which I
    Did call my father, was I know not where
    When I was stamp’d;

Zu Deutsch und etwas ausführlicher, da wir hier auch den Bezug zum Romantitel finden:

    Kann denn kein Mensch entstehn, wenn nicht das Weib
    Zur Hälfte wirkt? Bastarde sind wir alle,
    Und der höchst würdge Mann, den ich stets Vater
    Genannt, war, weiß der Himmel wo, als ich
    Geformt ward
    , und Falschmünzerwerkzeug prägte
    Als falsches Goldstück mich.

Ort der Romanhandlung ist Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

„Eine Gruppe junger Gymnasiasten will der großbürgerlichen Scheinwelt der Elternhäuser entfliehen, erwachsen werden auf dem Gebiet der Moral, der Kunst, der Erotik. Die zynische Eleganz der literarischen Welt erweist sich als verführerische Droge: Da ist Robert de Passavant, Erfolgsschriftsteller mit homosexuellen Neigungen; und da ist Edouard, Onkel eines der Jungen, aus dessen Tagebuchnotizen wir einen Großteil der Geschichte erfahren. Diese Notizen sind Vorarbeiten zu einem Roman mit dem Titel – ‚Die Falschmünzer’ …“
(aus dem Klappentext zu einer Neuübersetzung)

Jener Junge, Olivier, dessen Onkel Edouard ist, stellt fest, dass der Mann seiner Mutter nicht sein leiblicher Vater ist. Er ist also das, was man schlechthin einen Bastard zu nennen pflegte.

„So beginnt das Spiel mit dem Leser. Doch der ‚Roman im Roman’ ist nur ein Teil des erzählerischen Raffinements. Aus Briefen, Dialogprotokollen, Berichten entsteht ein spannendes Rätsel, das den Spürsinn herausfordert wie ein Detektivroman. Schließlich geht es nicht nur um intellektuelle Falschmünzerei, sondern um wirkliches Falschgeld und um einen mysteriösen Selbstmord.“

„‚Die Falschmünzer’ sind ein kühnes Experiment und eine der hervorragenden Leistungen des modernen Epik. Zum ersten Mal wird hier der Roman selbst zum Gegenstand des Romans.“
(aus dem Klappentext zur dtv-Ausgabe)

André Gide (1869-1951) wurde streng puritanisch erzogen und setzte sich später rückhaltlos für die Freiheit des Individuums gegenüber Kirche, Konvention und Moral ein. Seinen Zeitgenossen und vielen seiner konservativen Autorenkollegen galt Gide als gefährlich, als der große Seelenverderber. Der Nobelpreisträger von 1947 hat aufgrund seines außergewöhnlichen Werkes längst seinen Platz in der Weltliteratur gefunden. Gide zählt zu den wichtigsten französischen Schriftstellern seiner Generation. Er hat das geistige Gesicht des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt.

„Gides von blendendem Kunst-Verstand diktierter Roman, in dem mehr ‚Können’ als ‚Müssen’ am Werke ist, gehört mit den Hauptwerken von Proust, Musil, Joyce und Faulkner zu den großen Initiativleistungen der modernen Epik.“

    Also vorwärts, Bernard, aufs offene Meer hinaus! (S. 53)

Selten hat mich ein Roman so beschäftigt. Es geht eine eigentümliche Faszination vom ihm aus. Er ist spannend wie ein Kriminalroman. Und ich halte ihn für ausgesprochen aktuell. Sicherlich ist die großbürgerliche Welt des Paris von vor etwa 90 Jahren eine andere als die ‚normalbürgerliche’ unserer Tage. Die „Konventionen“, die äußerliche Umgangsweise der agierende Personen ist eine andere. Aber die Dämonen, die damals die Menschen zu ihrem Tun getrieben haben, nehmen auch heute noch von diesen Besitz.

    Mit mir ist es so weit gekommen, daß ich mich frage, ob nicht vielleicht der Zweifel selbst den einzigsten Halt in unserem Dasein bieten könnte … (S. 168)

Wie schon zu erkennen ist, ist der Roman ein Entwicklungsroman, das aber in zweifacher Hinsicht. Zum einen betrifft es die Entwicklung junger Menschen (im Alter von ca. 17 oder 18 Jahren, aber auch jünger) und schildert deren Reifeprozess. Zum anderen beschreibt er die Entwicklung des Sujets hin zu einem Roman.

    Allerdings mißtraue ich Gefühlen, die gar so rasch ihren Ausdruck finden. (S. 191)

Im Mittelpunkt stehen die Gymnasiasten Bernard und Olivier, beide 17 oder 18 Jahre alt, die kurz vor ihrer schulischen Abschlussprüfung stehen. Zu dieser Zeit kehrt Edouard, der Onkel von Bernard, nach Paris zurück. Er ist Schriftsteller wie der Graf Passavant, ein reicher, snobistischer Modeschriftsteller mit homosexuellen Neigungen, dessen geistreiche Eleganz die jungen Männer zum Vorbild nehmen. Dieser neigt allerdings zu Zynismus und Manipulation und weiß die Gefühlslage des Jungen für sich auszunutzen.

Ein lokaler Mittelpunkt ist die Pension der Familie Vedel-Azaïs, ein Knabenpensionat, das am Nachmittag u.a. Georges, der Bruder von Olivier, aufsucht. Hier kreuzen sich dann auch die Wege anderer Protagonisten des Romans.

    „Fast alle Menschen, die ich kennengelernt habe, klingen falsch. Genausoviel wert sein, wie man scheint; nicht mehr scheinen wollen, als man wert ist … Man sucht sich und den andern alles mögliche vorzuspiegeln, und man denkt soviel daran, was man scheinen möchte, daß man schließlich selbst nicht mehr weiß, was man ist …“ (S. 174)

Bernard und Oliver schließen sich einem literarischen Zirkel an, um der großbürgerlichen Scheinwelt der Eltern zu entkommen.

    „Als ich noch jünger war, da faßte ich Entschlüsse, die ich für tugendhaft hielt. Es lag mir weniger darn, der zu sein, der ich war, als vielmehr der zu werden, der ich zu sein beabsichtigte. Heute bin ich beinahe so weit, in der Entschlußlosigkeit das Geheimnis des Nicht-Altwerdens zu erkennen.“ (S. 293)

Im Übrigen nimmt der Roman letztlich auf sich selbst Bezug, schreibt doch Onkel Edouard als Schriftsteller an einem Werk, das ebenfalls den Titel „Die Falschmünzer“ trägt. Anhand von Tagebuchnotizen, Briefen, Skizzen usw. lernen wir die Entstehungsgeschichte eines Romans kennen, von dem wir als Leser aber nur wenig erfahren. Die Sammlung allein ist „der Roman“.

    „Es bleibt dieses: daß die Realität mich als plastischer Grundstoff interessiert und daß ich mehr, unendlich viel mehr Sinn habe für das, was sein könnte, als für das, was in Wirklichkeit gewesen ist. Wie gebannt beuge ich mich über die latenten Möglichkeiten eines Wesens und bin traurig über jeden Keim, den die Stickluft der Konvention absterben läßt.“ (S. 101)

Anhand der Figur des Schriftstellers Edouard zeigt Gide die Grenzen der Erzählbarkeit eines Romans auf, die Schwierigkeiten beim Abbilden der realen Welt in den Formen eines fiktionalen Werks.

    „Der Roman hat die Wechselfälle des Schicksals behandelt, die Irrwege von Glück und Unglück, die sozialen Beziehungen, den Konflikt der Leidenschaften und der Charaktere, aber keineswegs die Quintessenz des Wesens selbst. […] Die moralische Tragik – jene, die das Bibelwort so furchtbar macht: ‚Wenn aber das Salz dumm wird, womit soll man salzen?’ – das ist die Tragik, auf es ankommt.“ (S. 109)

oder:

    „… mein Roman hat kein Thema. Oh, ich weiß wohl, es klingt töricht, was ich da sage. Also präzisieren wir: es handelt sich in ihm nicht um ein einziges, spezielles Thema … Einen ‚Ausschnitt aus dem Leben’ wollte der naturalistische Roman geben. Der große Fehler dieser Schule bestand darin, diese programmatische Schnitte vom Brote der Realität in einer stets gleichbleibenden Dimension, nämlich der Zeit nach der Länge nach, schneiden zu wollen. Warum nicht auch einmal der Breite nach? Oder der Tiefe nach? Was mich betrifft, ich möchte überhaupt nicht schneiden! Verstehen Sie mich: ich möchte eine Totalität von Erscheinungen in meinen Roman eintreten lassen; nichts all weggeschnitten, der andrängenden Fülle nirgends Einhalt geboten werden!“ (S. 161)

Manchmal ist es so, dass die Wirklichkeit Blüten schlägt, die sich selbst die blühendste Phantasie nicht ausdenken kann, so …

    „Ich warte, daß die Wirklichkeit mir einen Plan diktiere.“ (S. 162)

Manche Beziehung zwischen den Männern wird den Leser vielleicht irritieren. André Gide war homosexuell, wenn ihm dies anfangs auch nur diffus bewusst war. Und so spielen auch homosexuelle, zumindest homoerotische Beziehungen in dem Roman eine wesentliche Rolle, wenn diese auch nicht direkt angesprochen werden. Ausgangspunkt sind dabei der Schriftsteller Robert de Passavant, aber auch der Onkel Edouard, der ein liebevolles Verhältnis zu seinem Neffen unterhält. Selbst der Mutter ist das klar, sie toleriert die Beziehung (Edouard: „Ich glaube, daß sie diese Beziehungen nicht geradezu missbilligt, ja, daß sie in gewisser Hinsicht sogar froh darüber ist, […] daß sie aber vielleicht […] im Grunde doch Eifersucht gegen mich empfindet.“ – S. 278).

Es gibt zwei reale Ereignisse, die in Zeitungsartikeln beschrieben waren und denen sich André Gide für seinen Roman bediente. Zum einen ein Artikel im Figaro vom 16.09.1906, der von Umlauf falscher Goldstücke handelt, die von Spanien nach Frankreich geschmuggelt und von jungen Leuten, meist Bohemiens, Studenten, Journalisten ohne Anstellung usw., in Umlauf gebracht wurden. Der andere Artikel im Journal de Rouen vom 05.06.1909 handelt von einem Selbstmord eines Gymnasiasten, bei dem sich ein kaum Fünfzehnjähriger mitten im Unterricht eine Kugel durch den Kopf jagte. Beides findet sich im „Journal des Faux-Monnayeurs“, dem Tagebuch der Falschmünzer, wider, das Gide 1926 veröffentlichte und in dem er die Entstehungsgeschichte des Romans dokumentierte.

Personenübersicht – André Gide: Die Falschmünzer

Im Roman treten reichlich viele Personen auf, obwohl er mit 340 Seiten nicht allzu umfangreich ist. Einige betreten nur kurz die Bühne, um für immer zu verschwinden. Andere, die anfangs nur einen kleinen Auftritt haben, gewinnen erst viel später an Bedeutung (z.B. Georges, der Bruder von Olivier Molinier, einem Freund des bereits erwähnten Bernard Profitendieu – oder Victor Strouvilhou, der immer auftaucht, um sogleich wieder zu verschwinden, und der doch eine wesentliche Rolle zu spielen scheint). Um die Übersicht zu behalten, habe ich mir die Arbeit gemacht und eine Übersicht der Personen angefertigt – dem interessierten Leser als Hilfe (Download als PDF – 14 KB).