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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Black Out-Reunion?!

Wow, was ist das? Kündigt sich da eine Reunion der Gruppe „Black Out“ an?

Wer ist „Black Out“?, werden sich viele fragen. Also Leute, die ihr hier öfter einmal vorbeischaut. Ihr solltet es eigentlich wissen. „Black Out“ ist die Schweine-Dachboden-und-Keller-Mucke-Band, bei der ich, Euer Willi, die Bassgitarre gezupft habe (und auch ab und wann ins Mikrophon hauchen durfte). Okay, bis in die Annalen der Rockgeschichte haben wir es nicht geschafft. Existiert hat die Gruppe ab Januar 1972, trat öfter einmal bei Bürgerfesten auf, fristete aber meist ihr Dasein auf dunklen Dachböden oder in noch dunkleren Kellern. Ende der achtziger Jahre (1989 oder so) löste sich die Gruppe nach längeren Kunstpausen dann auf.

Nun wurden Mitte Mai d.J. drei etwas ältere, angegraute Herren gesichtet, die es nicht unterlassen konnten, aus voller Brust ein Liedchen anzustimmen. Ja, richtig, die Herren sind jede Gitarrenzupfer aus alten Tagen, Mitglieder dieser legendären Gruppe (wie war der Name noch gleich, ach, ja:) Black Out! (Nur der Schlagzeuger fehlte).

Black Out 1972

Black Out 1972

Black Out 2011

Black Out 2011

Black Out 1972-1989

Okay, die Herren sind inzwischen nur älter, aber nicht schöner geworden. Und um es gleich zusagen: Eine Reunion ist nicht geplant. Zwei der Herren befinden sich bereits im ‚Zustand der Gnade’ (sind Rentner), die Hände zittern allen dreien und die Stimmen lassen sich kaum noch ölen.

Immerhin: Fast 40 Jahre nach Gründung der Band gibt es uns noch. Und meine Wenigkeit plant, nach und nach vielleicht das eine oder andere Liedchen hier dem verehrten Publikum zum Lauschen bereitzustellen. Hier schon einmal eine kleine Kostprobe aus dem Jahre 1982 (man mag die Bild- und Tonqualität entschuldigen, aber die Aufnahmen stammen nun einmal aus der aufnahmetechnischen Steinzeit):


Black Out: Lay Down, Sally (1982)

Black Out mit der Cover-Version von Eric Clapton: „Lay Down, Sally“ – Musikaufnahme: 1982 mit Fotos aus den Jahren 1972 – 1983
Besetzung: Armin Albin (Leadguitar), Heinz Besch (Rhythm Guitar), Jochen „Joe Lander“ Landwehr (Drums) & Wilfried Albin (Bass & Vocals)

Brückentag

Nach einem Feiertag wie gestern, dem Himmelsfahrttag, lohnt es sich kaum, den Folgetag, den heutigen Freitag, zur Arbeit zu gehen. So wurde uns der heutige Brückentag zwar zwangsverordnet (das ganze Haus geschlossen), aber wahrscheinlich hätte ich ihn auch freiwillig in Anspruch genommen. Überstunden habe ich ja genug, die ich heute nun abbummeln konnte.

Gestern war ja nun Himmelfahrt, der gern von den Herren der Schöpfung (ob nun Väter oder nicht) als Vatertag (oft nun auch schon als ‚Herrentag’) in Anspruch genommen wird. Aus gewissem inneren Protest heraus, habe ich gestern keinen Tropfen Alkohol zu mir genommen, obwohl ich mich nachmittags mit einem T-Shirt der Weltöffentlichkeit präsentierte, vom dem die Aufschrift: „Am Anfang war das BIER“ prangt (wer schenkt einem nur so etwas, die eigene Ehefrau!). Als zur Abendessenszeiten Bekannte bei uns vorbeschauten (Männe vielleicht in der Absicht, ein Bier bei mir zu schnorren, oder zwei …), da trank ich genüsslich ein Glas frische Milch von unserem Hof Dallmann aus Dohren (vom Erzeuger gleich um die Ecke). Er winkte mein entsprechendes Angebot nur ab …

Immerhin hatte ich mir diese Milch (und hätte mir sicherlich auch ein kühles Bier) reichlich verdient. Den Nachmittag habe ich nämlich damit verbracht, das Wohnzimmer neu auszulegen. Es wurde Zeit, denn nach fast 16 Jahren gab die alte Auslegeware langsam doch den Geist auf. Sie wurde aber auch leidlich strapaziert. Ohne eigentlich Werbung machen zu wollen: Die Auslegeware besteht aus jeweils 50 cm großen Fliesen und ist von Tretford, die anscheinend auch Flugzeuge u.ä. damit bestückt. Das Obermaterial wird aus dem Haar von Ziegen aus der Mongolei und ausgewählten europäischen Cheviot-Schafen (wohl Großbritannien, u.a. Schottland) hergestellt. Genauso, wie die Wolle die Tiere in der Natur schützt, bildet sie auch im Teppich eine wirkungsvolle und widerstandsfähige Schutzschicht; u.a. wirken die Haare wärme- und schalldämmend. Außerdem weist der natürliche Fettgehalt der Haare Schmutz ab. Das Ganze ist zwar nicht gerade billig (für 30 m2 zahlten wir über 1200 €), dafür hält die Ware aber auch sehr lang und ist pflegeleicht. Außerdem sind die Fliesen durch ihr Eigengewicht selbstliegend, brauchen also nicht verklebt zu werden.

Heute nun, am Brückentag, war Großeinkauf angesagt. Zudem durfte ich die für uns am Freitag üblichen Spaghetti kochen. Dazu gab es eine Sauce Bolognese, also Hacksoße mit Tomaten. Und heute Abend, das lasse ich mir nicht nehmen, gönne ich mir ein gepflegtes kühles Bier. Prost, Kameraden!

Wieder Himmelfahrt

In verschiedenen Religionen, besonders aber auch in Mythen, finden wir die Himmelfahrt als das höchste Ziel, nämlich mit allem, was einem eigen ist, ins Jenseits einzutreten. Am heutigen Feiertag feiert die Christenheit Christi Himmelfahrt, also die Rückkehr des Jesus von Nazareth als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel, nachdem er zu Karfreitag gekreuzigt und zu Ostern wiederauferstanden war von den Toten.

Grundlage der Himmelfahrt Christi ist das Evangelium von Lukas 24 Verse 50ff.:

Jesu Himmelfahrt
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.
51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude
53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

In unseren Breiten wird der Himmelfahrtstag zunehmend als Vatertag für Saufgelage missverstanden – wie bereits berichtet. Apropos Vatertag:

Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
weil es allgemein beliebt.
Selbst der Lasterhafte zeigt,
daß er garnicht abgeneigt.
Nur will er mit seinen Sünden
keinen guten Zweck verbinden,
sondern, wenn die Kosten kommen,
fühlet er sich angstbeklommen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Von Anklagen und Freisprüchen

Ja, die spanische Gurke ist ohne Schuld. Aber ein glatter Freispruch wurde es nicht: Sie ist nur mit einem anderen EHEC-Keim belastet, ist also auch nicht ganz ungefährlich. Jetzt muss man sich tatsächlich wieder auf die Suche nach dem wahren Übeltäter machen. Wäre ja auch zu schön, wenn’s die spanische Gurke gewesen wäre. Dank dieser unberechtigten Panikmache dürfen deutsche Gurkenbauern ihre Ernten in den Müll feuern, weil kein Schwein mehr Gurken kauft. Vielleicht sucht man jetzt etwas effektiver nach dem Verursacher von EHEC?

Im Namen des Zweifels gab es für Herrn Kachelmann einen Freispruch: „in dubio pro reo“, im Zweifel für den Angeklagten. Aussage gegen Aussage und nur wenige Indizien. Dafür gab es einen Prozess, der wochenlang Futter für die Medien und den unstillbaren Hunger nach Sensationen für das Fußvolk lieferte. Im Mittelpunkt stand dann wohl auch noch ein karrieregeiler Staatsanwalt, dem eigene Profilierung manchmal wichtiger war als Rechtsprechung. Amerikanische (Rechts-)Verhältnisse nennt man das wohl auch.

Andersherum zeigte der Prozess wieder einmal, dass Gutachter (hier besonders der Verteidigung) quasi das Sagen haben. Ziel der Verteidigung war dabei die Glaubwürdigkeit des Opfers herabzusetzen. Beim Publikum ist das gelungen. Der Beifall der Zuschauer nach Verkündigung des Urteils, lediglich ein Freispruch wegen mangelnder Beweise, zeigt das deutlich. Ob dieser Beifall „des Volkes“ aber dem Rechtsstaat zuträglich ist, möchte ich bezweifeln. Siehe hierzu ein interessantes Interview auf diestandard.at

Neben diesen Freisprüchen gab es dann natürlich diese Woche auch noch einige neue Klagen bzw. Anklagen. Endlich hat man den „mutmaßlichen“ Massenmörder (Massaker von Srebrenica), den ehemaligen militärischen Führer der bosnischen Serben, Ratko Mladic, gefasst und in Den Haag ins Gefängnis eingeliefert. Bestraft ist der eigentlich jetzt schon: Wirre im Kopf (dement nach Schlaganfall und Herzinfarkt) und sichtlich hinfällig. Aber wirre im Kopf war er ja schon früher.

„Kernkraftbetreiber E.ON wird die Bundesregierung verklagen, weil die an der Brennelementesteuer festhält. Der Konzern sieht die Beibehaltung der Steuer trotz der Rücknahme der Laufzeitverlängerung als „unzumutbare Doppelbelastung“. Auch die Milliardenbelastung durch die endgültige Stilllegung der ältesten deutschen Atomreaktoren will der Konzern nicht widerspruchslos hinnehmen.“ (Quelle: zdf.de) Ja, meine Herren von E.ON und Co.: Die fetten Jahre sind vorbei. Also ist es Zeit, vor dem Atomaus noch einmal richtig Kasse zu machen. Und die jetzige Bundesregierung kommt der Atomindustrie auch noch einmal richtig entgegen. Der Atomausstieg entpuppt sich mehr und mehr als „Laufzeitgarantie für Atomkraftwerke“ (Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin).

Und dann wäre da noch der „Gaddafi des Fußballs“, Joseph Blatter. Mit ihm, dem Präsidenten der FIFA, herrscht das reine Chaos beim Weltfußballverband. Zwar gab es bisher nicht den angekündigten Enthüllungs-Tsunami rund um den Herrn Jack Warner, inzwischen suspendierter Vizepräsident der FIFA und Präsident der CONCACAF (Fußball-Verband für Nord- und Mittelamerika/Karibik). Der ruderte aus unerfindlichen Gründen mit seinen Vorwürfen und Klagen, Blatter hätte von Zahlungen an Bestechungsgelder im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar gewusst, zurück und stellt sich plötzlich wieder hinter Blatter. Und welche Rolle Mohamed Bin Hammam, der Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation, der eigentlich heute gegen Amtsinhaber Blatter antreten wollte, spielt, weiß wohl nur er selbst. Bereits vor der Suspendierung durch die Ethik-Kommission der FIFA hatte der Katerer seine Kandidatur zurückgezogen. Blatter ist nun der einzige Kandidat.

Das Ganze hat Züge einer Farce. Jetzt sind es eigentlich nur noch die Engländer, die sich bei der Vergabe der Fußball-WM 2018 (ging an Russland) übergangen fühlten und die eine Wahl von Sepp Blatter verhindern wollen. Man darf gespannt sein, wie das heute ‚verlaufen’ wird.

„Krise? Wir haben keine Krise, nur einige Schwierigkeiten. Und die lösen wir in der Familie!“ so Herr Blatter. Das klingt irgendwie nach Mafia, findet Ihr nicht auch?

Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän – Eine Erzählung

Der Mensch erscheint im Holozän (mit der Widmung: Für Marianne) ist eine kleine Erzählung von Max Frisch, die ich als 1. Auflage, also Erstausgabe, besitze. Mit Erstausgabe ist das so etwas. Besitzt man eine solche, dann hat man mit Sicherheit einen besonderen Schatz in Händen, denn gerade Erstausgaben haben einen höheren materiellen Wert als die folgenden Auflagen. Mir ist natürlich der ideelle Buch eines Buches wichtiger, also der Inhalt. So bin ich natürlich schon einige Zeit am überlegen, ob ich mir z.B. einen Kindle eBook Reader, dem großen Verkaufsschlager von amzon.de, zulegen werde. Aber noch mag ich Bücher in ihrer Handlichkeit, mag das Blättern in Papier.

Zurück zu Frischs kleiner Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän aus dem Jahre 1979. Es ist ein Spät-, gar Alterswerk des Schweizer Schriftstellers. Zur Zeit der Veröffentlichung war Frisch 68 Jahre alt war. Allerdings schrieb er an dieser Erzählung bereits seit 1972 (da war er 61 Jahre alt, also gerade 4 Jahre älter als ich es heute bin). Es ist aber vor allem ein Alterswerk vom Inhaltlichen her. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung fand das Buch im deutschsprachigen keine allzu große Resonanz bei Publikum und Kritik. Die Erzählung wurde als Nebenwerk des Autors abgetan. In den USA allerdings wurde es als kleines Meisterwerk gefeiert. Dem stimme ich gern zu. Alterswerke gibt es natürlich genug, wenn Schriftsteller alt geworden sind und noch geschrieben haben. Oft verfassen Autoren im hohen Alter ihre Autobiografie. Hermann Hesses „Glasperlenspiel“ ragt dabei etwas heraus, da es nicht nur ein sehr umfangreiches Werk ist, sondern sogar eine Art Utopie. Gerade in den letzten Jahren überraschen uns auch Autoren von Weltruf (Mario Vargas Llosa, Gabriel García Márquez, Martin Walser) mit eher Pikantem, Erotischem (siehe meinen Beitrag: Alterssex in der Literatur).

Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän - 1. Auflage

„Mit der phantastischen Wachheit des Einsamen registriert Herr Geiser die kleinen Anzeichen einer denkbaren Katastrophe. Das Tal ist durch Unwetter von der Umwelt abgeschnitten. Gefaßt darauf, daß eines Tages oder in der Nacht, wenn man schläft, der ganze Berg ins Rutschen kommt und das Dorf verschüttet für alle Zeit, liest Herr Geiser im Lexikon, in der Bibel, in Geschichtsbüchern und schreibt ab, was nicht vergessen werden soll. ‚Schlimm wäre der Verlust des Gedächtnisses.’ Dann schneidet er aus, was ihn wissenswert dünkt, und heftet Zettel um Zettel an die Wand. ‚Der Mensch gilt als das einzige Lebewesen mit einem gewissen Geschichtsbewusstsein. / Ob es Gott gibt, wenn es einmal kein menschliches Hirn mehr gibt, das sich eine Schöpfung ohne Schöpfer nicht denken kann, fragt sich Herr Geiser. / Katastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie überlebt; die Natur kennt keine Katastrophen.’ Max Frisch erzählt die letzten Alltage eines Mannes, der begreift, daß er sich abhanden kommt und eingehen wird ins Unbewusstsein der Natur, in Erdgeschichte mit ihren Jahrmillionen. Eine Erzählung ohne Klage, wortkarg-exakt, Satz um Satz bestimmt vom Bewusstsein der Unentrinnbarkeit, auch wenn es schließlich heißt: ‚Das Dorf steht unversehrt. Im August und im September, nachts sind Sternschnuppen zu sehen oder man hört ein Käuzchen.’“
(aus dem Umschlagtext – Suhrkamp Verlag – Erste Auflage 1979 – ISBN 3-518-02850-2)

Max Frisch lebte von 1965 bis 1984 in einem aufwändig renovierten Haus in dem kleinen Ort Berzona im Tessin. In dem gleichen Tal Valle Onsernone spielt auch die Erzählung, die Frisch ausdrücklich als nicht autobiografisch bezeichnete. Allerdings sind die Parallelen zwischen dem Herrn Geiser, dem Helden der Erzählung, und Max Frisch nicht völlig zu leugnen. Auch Max Frisch fürchtete um sein Gedächtnis. Und die im Buch beschriebene Wanderung des Herrn Geiser aus dem Tal über den Passo della Garina ins nächste Tal, dem Valle Maggia, kannte Frisch sehr gut.


Größere Kartenansicht
(A) Berzona/Valle Onsernone im Tessin/Schweiz – Wohnort von Max Frisch von 1965-1984
Weg nach (B) Aurigeno/Valle Maggia (eigentlich über den Passo della Garina)
(C) Bellinzona (Bahnstation zwischen Basel und Locarno)

Seit Tagen regnet es in dem Tal. Herr Geiser wird 74 Jahre alt und lebt seit 14 Jahren im Tal. Er leidet unter einer zunehmenden Merkschwäche. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, sammelt er Informationen unterschiedlichster Art, schreibt diese auf kleine Zettel. Dann schneidet er aus, was ihn wissenswert erscheint, und heftet Zettel um Zettel an die Wand. Aber das hilft wenig. Allerdings ist sein Gedächtnis noch außergewöhnlich, wenn es um Ereignisse früherer Jahre geht. So erinnert er sich fast minutiös an seine Matterhornbesteigung vor 50 Jahren mit seinem Bruder Klaus.

Auszug aus: Max Frisch - Man in the Holocene
Auszug aus der englischsprachigen Ausgabe (Man in the Holocene)

Auszug aus 1. Auflage 1979: Max Frisch - Der Mensch erscheint im Holozän
Auszug aus 1. Auflage 1979

An einem frühen Morgen macht sich Herr Geiser auf dem Weg über einen Pass ins nächste Tal. Es ist wie eine Flucht. Was er dort allerdings will, ist ihm selbst nicht klar. Unverrichteter Dinge kehrt er um, bevor der den Ort Aurigeno erreicht hat. Wieder zu Hause erleidet er einen Schlaganfall.


Max Frisch über „Der Mensch erscheint im Holozän“

Siehe auch meine weiteren Beiträge zu Max Frsich:
Vergessene Stücke (9): Max Frisch – Biografie: Ein Spiel
Max Frisch: Homo faber – Ein Bericht
Max Frisch und the American Way of Life!
Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein
Max Frisch: Stiller

Literatur von Max Frisch

Pirates of the Caribbean 4 – Fremde Gezeiten

Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten (Alternativtitel: Fluch der Karibik 4, Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides) ist ein US-amerikanischer Piratenfilm in 3D des Regisseurs Rob Marshall aus dem Jahr 2011.

„Ob die spanische Armada, die englische Krone oder die Piratenkapitäne Blackbeard (Ian McShane), Barbossa (Geoffrey Rush) und Jack Sparrow (Johnny Depp) – die ganze Welt scheint hinter dem legendären Jungbrunnen herzujagen. Dabei hat Jack offenbar die schlechtesten Karten, denn im Gegensatz zu seinen Konkurrenten besitzt er nach dem Verlust der Black Pearl kein eigenes Schiff mehr. Außerdem gibt es in den Spelunken Londons einen Schwindler, der sich mit fremden Federn schmückt und als Jack Sparrow ausgibt. Bei dem Hochstapler handelt es sich jedoch keinesfalls um einen gemeinen Strauchdieb, sondern um die heißblütige Spanierin Angelica (Penélope Cruz), eine Ex-Geliebte von Jack, die dieser damals ohne ersichtlichen Grund verließ. Angelica ist es nun auch, die den bewusstlosen Jack an Bord von Blackbeards Schiff schmuggelt, wo dieser bald – aber ohne bleibenden Erfolg – eine Meuterei anzettelt…“

aus: filmstarts.de


Pirates of the Caribbean 4 – Fremde Gezeiten – Trailer deutsch

Ja, Captain Jack Sparrow ist zurück. Diesmal mit anderer Synchronstimme (seine standardmäßige), an die man sich aber schnell gewöhnt hat. Ansonsten aber der alte. Diesmal, im vierten Teil, geht es auf die Suche nach der Quelle der ewigen Jugend. Die Geschichte ist erfreulich zusammenhängend, gewohnt action-reich, vor allem aber auch wieder sehr witzig. Die 3D-Effekte machen allerdings nicht allzu viel her und sind am Ende nur Spielerei. So kommt man auch ohne diese ganz gut aus. Insgesamt ist der Film vielleicht nicht allzu aufregend, aber eben doch unterhaltsames Popcorn-Kino. Der fünfte Teil zu Pirates of the Caribbean ist bereits in der Mache. Kein Wunder bei dem Erfolg, den diese Reihe hat.

Islands Vulkane

Aus gegebenen Anlass brachte der Sender Arte am Mittwoch einen – wie ich finde – sehr interessanten Filmbericht über Islands Vulkane, der auch jetzt noch im Internet aufrufbar ist:


arte.tv: Islands Vulkane

Hintergrund ist der erneute Ausbruch eines Vulkans auf Ísland, dem Grímsvötn, dessen Aschewolke wiederum zu Beeinträchtigungen des Flugverkehrs in Europa führte. Bereits vor einem Jahr sorgte der Eyjafjallajökull (Audiodatei bei wikipedia.org – spricht sich etwa Äi-ja-fjatt-la-jö-küttel) mit seinem Ausbruch für eine bis dahin beispiellose Beeinträchtigung des Luftverkehrs.

Mein Augenmerk und das meiner Familie ist in letzter Zeit wieder sehr auf Island ausgerichtet. So habe ich mich wieder vermehrt mit isländischer Literatur (z.B. Halldór Laxness und Einar Kárason) beschäftigt. Auch wenn es längst noch nicht amtlich ist, aber für nächstes Jahr ist nach dann 22 Jahre eine erneute Island-Reise geplant. Island ist und bleibt von der Natur und der Kultur her ein faszinierendes Land für mich.

… til a big surprise (2)

Wie berichtet kündigt unser Flötenmeister, der Dr. Ian Anderson, auf der Website seiner Gruppe Jethro Tull für Ende August eine ‚big surprise’ an. Nun scheinen sich die Hinweise zu verdichten oder so, was das denn für eine ‚große Überraschung’ sein könnte.

Da gibt es ja eine Meldung, dass ein neues Jethro Tull-Album in Arbeit ist und im April 2012 erscheinen soll. Und als Randnotiz steht dort: “He [Ian Anderson] ‘s also looking into streaming Tull gigs once the band has a new web-server.” Also gönnt sich der Meister einen neuen Web-Server (sicherlich nicht mit neuem Web-Design), und dann mit vielen neuen Konzert-Videos a la YouTube?

Ian Anderson Combo 2010
Ian Anderson Combo 2010

Oder sollte es Folgendes sein (dank ans Jethro Tull Board @ www.laufi.de): Steven Wilson, Musiker, Produzent und Toningenieur, verkündet auf seiner Facebook-Seite:

„Since Ian Anderson has been talking about this, I guess it’s now official. I recently completed a brand new mix of Jethro Tull’s „Aqualung“ for a 40th anniversary edition. As always the remix is super faithful to the original, but with much improved sonic clarity (something that just can’t be achieved with remastering). Also remixed for inclusion were many other studio tracks from the 1970-71 period (several previously unreleased), and a 5.1 mix. It should be out on EMI in September.“

Auf gut Deutsch: Es gibt also eine neue Abmischung der Aqualung-Aufnahmen zum 40. Jahrestag des Albums mit deutlich verbesserter Klangreinheit. Und dazu gehören dann viele weitere bisher unveröffentlichte Studioufnahmen aus den Jahren 1970-71. Zusätzlich wird dann alles auch noch als 5.1 abgemischt. Laut Steven Wilson soll EMI das Ganze im September veröffentlicht (oder vielleicht doch schon Ende August?).

Der Meister versteht geschickt, seine Musik bis zum letzten hohlen Tropfen zu verwerten (man spricht hier wohl auch von Resteverwertung), wobei natürlich ein Album wie Aqualung in musikalischer Hochpolitur eine gewisse Begehrlichkeit auch bei mir wecken dürfte.

(Soviel aus der allmonatlichen Tull-Gerüchteküche)

Vergessene Stücke (9): Max Frisch – Biografie: Ein Spiel

Das Leben ist ein Weg mit vielen Kreuzungen, an denen wir uns entscheiden müssen, welche Richtung wir einschlagen. Was wäre, wenn wir die eine oder andere Entscheidung rückgängig machen könnten, um einen anderen Weg einzuschlagen? Das Leben nähme dann einen anderen Verlauf …

Das ist das Thema des Theaterstücks Biografie: Ein Spiel von Max Frisch, das ursprünglich 1966/67 geschrieben und am 1. Februar 1968 im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt wurde. Um den Bedürfnissen des Tourneetheaters entgegenzukommen, überarbeitete Max Frisch im Sommer 1984 das „Spiel“ Biografie und reduzierte die Zahl der Schauspieler auf fünf. Zum ersten Mal wurde diese neue Fassung von der Truppe „Das Ensemble“ am 15.09.1984 im Theater im Pfalzbau in Ludwigshafen aufgeführt, Regie: Christian Quadflieg; Zsoka Dunar spielte die Antoinette, Klaus Barner den Kürmann, Klaus Höhne den Spielleiter.

Frisch stellte dem Stück ein Motto voran, ein Zitat des Werschinin aus Anton Tschechows Drei Schwestern: „Ich denke häufig: wie, wenn man das Leben noch einmal beginnen könnte, und zwar bei voller Erkenntnis? Wie, wenn das eine Leben, das man schon durchlebt hat, sozusagen ein erster Entwurf war, zu dem das zweite die Reinschrift bilden wird! Ein jeder von uns würde dann, so meine ich, bemüht sein, vor allem sich nicht selber zu wiederholen […].“

Personen:
Hannes Kürmann
Antoinette Stein
Spielleiter (früher: Registrator)
Assistentin
Assistent

Der todkranke Verhaltensforscher Hannes Kürmann erhält die Möglichkeit, sein Leben noch einmal neu zu beginnen. Ein Registrator (in der Neufassung: Spielleiter) führt ihn durch vergangene Schlüsselerlebnisse und lässt ihm die Wahl, sich mit dem Wissen um die Zukunft zu den Ereignissen und Menschen anders zu verhalten und dadurch seine Biografie zu verändern. Im Vordergrund steht Kürmanns Wunsch nach einer „Biografie ohne Antoinette“ (S. 426 – Max Frisch: Gesammelte Werke in zeitlicher Folge – 1976-1985 – Band VII – Suhrkamp Verlag – 1. Auflage 1986), die Frau Kürmanns, deren gemeinsame Ehe nach sieben Jahren zerrüttet ist. So wiederholt Kürmann als erstes jenen Abend, an dem er zum Professor ernannt wurde und bei einer Feier Antoinette Stein kennenlernte. Doch wie er die Begegnung auch zu gestalten versucht, stets mündet sie in einer gemeinsamen Nacht des künftigen Paares:

Spielleiter: … Sie verhalten sich nicht zur Gegenwart, sondern zu einer Erinnerung. Das ist es. Sie meinen die Zukunft schon zu kennen durch Ihre Erinnerung. Drum wird es jedesmal dieselbe Geschichte. (S. 420)

Im Wesentlichen geht es in dem Stück um die Beziehung zwischen Mann und Frau:

Spielleiter: Sie halten sich für einen Frauenkenner, weil Sie jeder Frau gegenüber jedesmal denselben Fehler machen. (S. 421)

Zwar kommt es immer wieder zu kleineren Abweichungen im Verhaltensmuster, aber:

Spielleiter: … Sie hatten die Wahl, Ihre Biografie zu ändern, das wünscht man sich manchmal, und was dabei herauskommt: Variationen des Banalen. (S 485)

Als sich am Schluss der Registrator/Spielleiter an Antoinette wendet und ihr das Angebot macht, ihre Biografie zu verändern, verlässt Antoinette Kürmann ohne zu zögern. Daraufhin verkündet ihm der Registrator/Spielleiter, er sei nun frei und habe noch sieben Jahre zu leben.

Max Frisch zu seinem neuen Stück «Biografie» 1967
(Beitrag des SR DRS – Schweizer Radio der deutschen und rätoromanischen Schweiz)

Stücke von Max Frisch

Die kriminelle Arroganz der Macht

Dominique Strauss-Kahn, bis vor kurzem geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) und bis dahin auch aussichtsreicher Kandidat für die französischen Präsidentschaftswahlen, sitzt so ziemlich in der Bredouille. Während einer privaten Reise wurde er am 14. Mai 2011 am John F. Kennedy International Airport in New York wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung (erzwungener Oralsex) und Freiheitsberaubung einer Angestellten des New Yorker Hotels Sofitel festgenommen und angeklagt.

Kaum geht der Fall Kachelmann in die letzte Runde, da beschäftigt ein weiterer Fall von Vergewaltigung – mutmaßlich durch einen Prominenten begangen – die Öffentlichkeit, die im Fall Strauss-Kahn bisher mit vielen Gerüchten und wenigen Fakten konfrontiert wurde. Selbst von Verschwörung war die Rede.

Inzwischen ist Strauss-Kahn zwar gegen Auflagen und Kaution auf freiem Fuß, aber er hat es vorgezogen, seinen Sessel als Direktor des IWFs zu räumen. In einem verbittertem Schreiben wandte er sich an seine früheren Mitarbeiter und wies darin den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung scharf zurück. „Die Wahrheit werde ans Licht kommen.“ Nur welche Wahrheit? Inzwischen sollen Medienberichten zufolge Sperma-Spuren an der Uniform des Zimmermädchens gefunden worden sein, die mit der DNA des Ex-IWF-Chefs übereinstimmen. Und er soll weiteren Hotelangestellten Avancen gemacht haben.

Eine gewisse weitere Brisanz bekommt der Fall durch die Tatsache, dass die Anklage durch den Staatsanwalt von New York, Cyrus Vance, geführt wird. Dieser ist Sohn des demokratischen Politikers Cyrus Roberts Vance, der von 1977 bis 1980 unter Präsident Jimmy Carter US-Außenminister war. Vance steht schon deshalb im Fokus, weil er sich mit dem Fall Strauss-Kahn landesweit und sogar international einen Namen machen kann. Zudem ist das Amt des Staatsanwaltes ein Wahlamt in dem USA.

Interessant zu wissen ist vielleicht, dass im Fall einer Verurteilung in allen Anklagepunkten Strauss-Kahn eine Gesamtstrafe von bis zu 74 Jahren Haft droht. Dass die Verteidiger mit allen Tricks und Kniffen arbeiten werden, gilt als sicher. Strauss-Kahns Anwalt Brafman handelte 1991 CNN zufolge für den gefürchteten Auftragskiller Salvatore „Sammy the Bull“ Gravano einen guten Deal aus: Sein Mandant gestand 19 Morde im Namen der Mafia. Im Gegenzug für seine Aussage musste er nur fünf Jahre hinter Gittern verbringen.

Strauss-Kahn wäre nicht der erste Politiker, der wegen eines Sexualdelikts verurteilt würde: Israels Ex-Präsident Katzav wurde u.a. wegen Vergewaltigung während seiner Amtszeit für schuldig gesprochen. Und die Sexeskapaden des Herrn Berlusconi, nach wie vor Ministerpräsident Italiens, sind hinreichend bekannt.

Manch mächtiger Mann scheint für sich besondere Rechte in Anspruch nehmen zu können. Ein Schuldbewusstsein kennen sie dabei nicht. Der Fall Guttenberg ist nur ein Beispiel. Auch er beteuerte bis zuletzt, „unschuldig“ zu sein – trotz klarer Beweislage.

Es wird Zeit, dass diese Herren (und Damen) langsam wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Auch sie haben sich an die Spielregeln zu halten, die für uns Otto Normalverbraucher gelten. Wer meint, z.B. in privaten Situationen über alles erhaben zu sein, wird auch in seinem politischen Handeln keine Scheu zeigen, ‚über Leichen’ zu gehen. Ohne Skrupel. Ähnlich den Herren Gaddhafi, Mubarak oder Assad. Diese kriminelle Arroganz der Macht ist beängstigend und tritt jede Rechtschaffenheit, die Grundlage unseres Staatsgefüges sein sollen, mit Füßen.

Wie gut, dass wir eine Frau Merkel haben, die wenig für sexuelle Gefälligkeiten anfällig sein dürfte.