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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Hitze und Tornados

Vor knapp zwei Wochen machte ich mit meinen Söhnen einen Ausflug nach Düsseldorf mit Abstecher an den Rhein bei Königswinter. Und bereits da ließ uns die Hitze von über 35 ° C tagsüber reichlich schwitzen und in den tropischen Nächten kaum schlafen. Auf der Rückfahrt von Königswinter nach Köln und weiter nach Düsseldorf erlebten wir in den Doppeldeckerzügen der Deutschen Bahn Ähnliches wie Schüler, die sich auf dem Rückweg von einer Klassenfahrt nach Berlin befanden und in einem ICE, dessen Klimaanlage ausgefallen war, eine dramatische Hitzeschlacht bestreiten durften. Okay, die Klimaanlage funktioniert wohl noch in den Regionalexpress-Zügen, kam aber gegen die Hitze in den Zügen nur unzurechend an, sodass man im eigenen Saft schmorte. Diese Doppeldeckerzüge haben wohl insgesamt bei großer Hitze ihre Schwierigkeiten. Auch im Metronom, der u.a. zwischen Hamburg und Bremen verkehrt, ist schon öfter in einigen Wagen die Klimaanlage ausgefallen – zweimal habe ich das kurzzeitig miterleben dürfen: Eine Sauna ist nichts dagegen.

Nach der großen Hitze sind es dann meist kurze, aber heftige Unwetter, die zz. Deutschland heimsuchen. Wir hier in Tostedt zwischen Hamburg und Bremen hatten bisher Glück im Unglück – bis auf kurze Regenschauer, die mit Sturmböen einhergingen, wurden wir bisher verschont. Anders z.B. auf Helgoland, wo ein Tornado große Schäden auf der Helgoländer Düne anrichtete. Der Campingplatz auf Deutschlands einziger Hochseeinsel wurde verwüstet, 85 Prozent der Zelte mitgerissen. Es gab elf Verletzte, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Die meisten von ihnen hätten Knochenbrüche davongetragen. Zwei Schwerverletzte wurden per Rettungshubschrauber in Kliniken auf dem Festland geflogen. Etwa 100 Menschen hatten sich auf dem Campingplatz aufgehalten. Die Hauptinsel blieb vom Sturm verschont. Nachdem der Tornado abgeklungen war, wurden die Camper mit Booten dorthin gebracht. 40 von ihnen verbrachten die Nacht in einer Schule.

Tornado über Helgoland (Düne) 12.06.2010

Tornado über Helgoland (Düne) 12.06.2010

Tornado über Helgoland 12.06.2010 (Zerstörung des Campingplatzes auf Düne)

Tornado über Helgoland (Düne) 12.06.2010

Tornado über Helgoland (Düne) 12.06.2010

Es gibt inzwischen auch schon einige Tote zu beklagen, die meist von umstürzenden Bäumen erschlagen wurden. Hier weitere Berichte zu den Unwettern in Norddeutschland auf ndr.de.

Übrigens: Schlechte Nachrichten sollte man sich hier bei uns am besten auf Plattdeutsch mitteilen lassen, da klingt alles nur noch halb so schlimm: Norichten op platt vom 13.07.2010 – 08:30 Uhr:

Na dat Unwedder öber Norddüütschland, sünd se an vele Steen in Gang un rüümt op. Bi dulle Gewidder hebbt in Neddersassen ümfallen Bööm twee Froonslüüd dootslaan. In Köln is en Fro dootbleben, ehr hett en LKW faatkregen, as se sik jüst mit ehren Roller in en Ünnerföhrung schulen wull. Op Helgoland geev´t en Fallböe. En Campingplatz is nu komplett toschannen. Ölben Minschen sünd dorbi to Schaden kamen.

Der erste Stern für Spanien

Gratulation an die Niederlande (warum assoziiere ich das immer mit Niederlage?) zum dritten halben Stern. Schon zum dritten Mal sind sie Vize-Weltmeister, ist doch auch etwas. Und da die Schiedsrichter bei dieser Fußball-WM in Südafrika oft so schlecht waren, warum sollte es da beim Endspiel gegen Spanien besser sein? Spanien ist Weltmeister, zum ersten Mal, und für die Niederländer (oder sagt man doch eher Holländer) ist der Sündenbock schnell gefunden. Die Elftal fühlt sich von Finalschiedsrichter betrogen: Kurz vor dem Tor durch Andres Iniesta verweigerte der 38-Jährige den Holländern einen klaren Eckball, ein angebliches Foul an Eljero Elia blieb ungeahndet. Das der Spiel ab der 30. Minute anders verlaufen wäre, wenn der Schiedsrichter nicht so viel Erbarmen mit dem Kung-Fu-Treter Nigel de Jong gehabt hätte (ein klareres Rot gibt es nicht), davon schweigen unsere Nachbarn in Orange natürlich.

So wie die FIFA zunächst zu den vielen Fehlentscheidungen bei dieser WM schwieg. Inzwischen hat wohl FIFA-Chef Blatter begonnen, umzudenken: Videobeweis und Co. sind zurück auf der Agenda. Lassen wir uns überraschen.

Als mehr oder weniger Fußballbegeisterter lässt man sich vor einem Turnier wie diesem natürlich hinreißen, gibt Tipps für die einzelnen Spiele ab und tippt auch, wer Weltmeister werden könnte. Mein Tipp war natürlich Spanien, ehrlich! Aber da viele meiner Tipps mit den tatsächlichen Resultaten nur selten übereinstimmen wollten, Spanien zudem gegen die biederen Eidgenossen das Auftaktspiel verlor, wurde ich wie die vielen anderen Fußballexperten in unserem Land schnell kleinlaut.

Aber jetzt ist alles vorbei, die WM 2010 ist Geschichte und Spanien (dank Schiedsrichter, aber auch dank der eigenen Leistung) verdienter Weltmeister – und auch Deutschland, trotz nationaler Trauer nach der Halbfinalniederlage (eben gegen jene Spanier, die jetzt Weltmeister wurden), hat ein hervorragendes Turnier gespielt. Nicht umsonst wurden mit Özil und Schweinsteiger zwei deutsche Spieler für den Goldenen Ball als bester Fußballspieler des Turniers nominiert – es gewann dann überraschend oder nicht unverdient der Uruguayer Diego Forlán, übrigens ein Mann mit Fuß und Köpfchen. Von Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo, Kaká und auch von Lionel Messi wurde in diesem Zusammenhang nicht gesprochen.

Gleich zwei Auszeichnungen sahnte Thomas Müller ab, der zu Recht die Nummer 13 auf dem Rücken trug (Namensvetter Gerd Müller lässt grüßen): Er wurde nicht nur bester Nachwuchsspieler dieses Turniers sondern auch Torschützenkönig. Gratulation an ihn – und nochmals an die gesamte deutsche Mannschaft. Im Spiel gegen Spanien habt ihr zwar euren Meister gefunden, aber gegen England und Argentinien habt ihr gezeigt, welches Potential in euch steckt – für die Zukunft (z.B. die Europameisterschaft 2012) darf man auf mehr hoffen.

In die allgemeine Begeisterung für den Bundestrainer Joachim Löw kann ich leider nicht so ohne Weiteres einstimmen. Ich verstehe auch nicht den Zirkus, den er um seine Vertragsverlängerung macht. Sicherlich sei ihm eine Denkpause vergönnt. Aber das sieht mir bei ihm eher nach einer „Bittet-mich-und dankt-mir!“-Aktion aus, die sicherlich seinem Ego gut tun mag, aber eigentlich nur lächerlich ist. Auch etwas peinlich darf man berührt sein, wenn man folgendes Video sieht: Löw schnüffelt und popelt. Löws Einwechselungen konnte ich leider nicht immer nachvollziehen. Ich hoffe, Mario Gomez ist endlich zu den Akten gelegt – und Marko Marin bekommt seine längst fällige Chance. Und Michael Ballack – auch ein Fall für die Akten!

Invictus – unbezwungen

Von 1962 bis 1990 sitzt Nelson Mandela (Morgan Freeman) wegen politischer Aktivitäten in Südafrika im Gefängnis. Diese lange Zeit hinter Gittern haben ihn jedoch nicht verbittern lassen – ganz im Gegenteil: Mandela spricht am Tage seiner Entlassung im Stadion von Soweto vor 120.000 Zuschauern und wirbt für die Versöhnung der schwarzen und weißen Bevölkerung Südafrikas. 1994 wird er in freien Wahlen zum Präsident gewählt. Doch die Kluft zwischen den Schichten und Rassen des sich nur langsam verändernden Landes am Kap ist immer noch groß. Mandela greift zu einer politischen Raffinesse. Die schwarze Bewegung will die von ihnen verhassten Springboks, die Rugby-Nationalmannschaft und das nationale Symbol der Weißen, unbedingt zerstören. Doch Mandela sieht hier seine Chance. Er verhindert nicht nur die Demontage des Teams, in dessen Reihen nur ein einziger Schwarzer aufläuft, sondern bringt auch noch Teamkapitän Francois Pienaar (Matt Damon) hinter sich. Die Mannschaft soll während der Rugby-WM in Südafrika die Herzen des ganzen Landes erobern und Schwarz und Weiß vereinen. Der Kampf scheint so aussichtslos wie die Chancen der Springboks auf den WM-Titel. Mandela rückt immer näher an das Team heran und will so die Einigkeit trotz aller Vorbehalte erzwingen…

Das Sport-Wunder der Deutschen fand 1954 in Bern statt, die Südafrikaner erlebten ihres 1995 im Ellis Park von Johannesburg. Die Rugby-Nationalmannschaft des damals frisch aus der Apartheid entlassenen Landes gewann sensationell den WM-Titel durch einen 15:12-Sieg nach Verlängerung gegen den haushohen Favoriten Neuseeland. Und das mit einer Mannschaft, der Experten maximal das Erreichen des Viertelfinales zugetraut hatten. Welche unglaubliche Dynamik ein solches Großereignis innerhalb der eigenen Landesgrenzen entwickeln kann, sollte jedem noch mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland präsent sein. Ein ganzes Volk versank im kollektiven Freudentummel über ein friedliches Weltfest der Superlative. Diesen Hintergrund der Rugby-WM 1995 in Südafrika nutzt Regisseur Clint Eastwood (Gran Torino, Million Dollar Baby, Erbarmungslos) als Fundament für sein Mandela-Biopic. Obwohl er nur einen sehr begrenzten Zeitraum im Leben des Friedensaktivisten beleuchtet, ist die Auswahl des Themas wirkungsvoll, weil Eastwood anhand dieses Ereignisses Mandelas politisches Wirken anschaulich demonstriert.

Was sich Eastwood aber vorwerfen lassen muss, ist die Milde seiner monothematischen Umsetzung. Die ganze Wucht der Wut und des Hasses, den die Apartheid über die Jahrzehnte aufgestaut hat, bringt er nur ansatzweise zur Sprache. Hier tobt kein rasender Mob, allenfalls in ein paar Buhrufen für die Springboks zu Beginn des Films entladen sich negative Energien. Die Art und Weise, mit der die Versöhnung illustriert wird, offenbart zudem eine gewisse Naivität. Warum sich Schwarz und Weiß plötzlich so schnell annähern, macht „Invictus“ nicht immer nachvollziehbar. Es muss einfach als gegeben hingenommen werden. Ferner findet der Widerstand, der Mandela innerhalb dieses Prozesses durchaus entgegen schlug, nur sehr moderat Anklang. Und auch der größte Makel am WM-Triumpf der Südafrikaner wird mit keiner Silbe erwähnt. Das neuseeländische Team litt vor dem Spiel unter den Beschwerden einer Lebensmittelvergiftung, deren Verursacher nie ermittelt werden konnten. Es gab zahlreiche Gerüchte und Vermutungen über den Urheber, der aus dem Umfeld des südafrikanischen Teams stammen sollte. Beweise dafür konnte allerdings niemand vorlegen. Doch Fakt bleibt: Selbst wenn die Vergiftung eine natürliche Ursache gehabt hätte, wäre es der Chronistenpflicht Eastwoods geschuldet gewesen, dies unterzubringen, weil Neuseeland im Vollbesitz seiner Kräfte mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so knapp verloren hätte. Aber das passt eben nicht in ein Heldenepos, wie auch „Invictus“ eines ist.

aus: filmstart.de


Invictus – unbezwungen (dt. Trailer)

Invictus – unbezwungen, jetzt auch als DVD Invictus – Unbezwungen im Handel, ist ein amerikanischer Film. Sportfilm, politischer Film, Biografie – Eastwood, inzwischen 80 Jahre alt, mischt verschiedene Genres zu einem Heldenepos, wie es wohl nur US-Amerikaner können. Alles was sich als sperrig erweist, bleibt dann natürlich außen vor. Ein solcher Film entwickelt eine eigene Logik. Trotzdem finde ich den Film sehenswert, weil er zumindest ansatzweise zeigt, was in Südafrika vor sich gegangen ist und welch beeindruckender Mensch dieser Nelson Mandela war und ist, der neben Martin Luther King und Malcolm X als wichtigster Vertreter im Kampf gegen die weltweite Unterdrückung der Schwarzen sowie als Wegbereiter des versöhnlichen Übergangs von der Apartheid zu einem gleichheitsorientierten, demokratischen Südafrika gilt und dafür 1993 den Friedensnobelpreis erhielt.

Die drei Herren ohne Kontrabass …

Ich weiß, es heißt: Drei Chinesen MIT dem Kontrabass. Wir sind zwar drei, auch männlichen Geschlechts, wenn auch keine Chinesen und OHNE Kontrabass, wie auch ohne Geigen, Trommeln oder Gitarren …

Willi, Jan & Manni
Foto: Sunat Mustafov

Das Foto wurde beim Abschlussball des Jahrgangs 2010 am Gymnasium Tostedt während eines Fotoshootings aufgenommen. Es zeigt mich, unseren erfolgreichen Sohn Jan und Onkel/Patenonkel Manfred, da meine Frau gleichzeitig beim Abschlussball der Realschule (für unseren Sohn Lukas) weilte.

Wie viele neue Rathäuser braucht das Land?

Vor genau einer Woche weilte ich mit meinen beiden Söhnen auf einer kurzen Rheinreise in Königswinter. Was wir dort in einem Fenster in der Altstadt von Königswinter erblickten, brauchte uns dann wahrlich zum Lachen:

Initiative: KEIN Rathausneubau in Königswinter!
Wenn’s dem Esel zu gut geht …
… will er ein neues Rathaus bauen.

Also nicht nur in der Samtgemeinde Tostedt (Erweiterungsbau Rathaus Tostedt) kämpft eine Bürgerinitiative gegen einen kostspieligen Rathausneubau. Übrigens: Wahrscheinlich im Herbst wird es zu dem Bürgerbegehren in Tostedt kommen, da der Samtgemeinderat nicht gewillt ist, seinen Beschluss vom 09.03.2010 zurückzunehmen. Die Politiker hoffen insgeheim darauf, dass das Bürgerbegehren scheitert, da mindestens 25 % der wahlberechtigten Bürger für das Begehren stimmen müssen. Wir werden sehen!

Das Ende vom großen Traum

Der Respekt war zu groß vor dem spanischen Team. So fehlte der Mut, der die deutsche Mannschaft gegen England und Argentinien bis ins Halbfinale gebracht hatte. Orakeltintenfisch Paul aus dem Sealife in Oberhausen hatte also Recht: Nicht Deutschland, Spanien zog nach einem knappen 1:0-Sieg ins Finale um die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Dass die Enttäuschung für die vielen jungen deutschen Spieler groß ist, ist nachvollziehbar. Aber der Anspruch war auch groß und wuchs mit jedem gelungenem Spiel in der OK-Runde (4:1 gegen England, dann auch für mich sehr überraschend 4:0 gegen Argentinien, zuvor noch als einer der Anwärter auf den Titel gehandelt): Wer hoch steigt, kann auch tief fallen! In Spanien nun, das schnell zu seinem gewohnten Kurzpassspiel fand und den deutschen Spielern wenig Raum zur Entfaltung ließ, fand die deutsche Mannschaft ihren Meister.

Man mag nach den Ursachen dieser Niederlage suchen. Sicherlich fehlte der gesperrte Thomas Müller, der in den bisherigen Spielen fast schon zum Superstar avancierte und durch den Hamburger Trochowski nur unzureichend ersetzt wurde. Seine Auswechslung kam dann nach meiner Meinung auch etwas spät.

Miroslav Klose hat mit seinen vier Toren das Vertrauen, das der Bundestrainer Joachim Löw in ihn gesetzt hat, gerechtfertigt, was man von Mario Gomez leider nicht behaupten kann. Warum Löw den Münchner Gomez auch in diesem Spiel, wenn auch spät, eingewechselt hat, bleibt sein Geheimnis. Und warum Löw gerade auch gegen die Spanier auf Marko Marin verzichtete, kann ich nicht nachvollziehen. Okay, Marin spielt auf links, Müller, der ersetzt werden musste, spielt im rechten offensiven Mittelfeld. Mit Marin wäre auf jeden Fall „mehr Leben“ ins deutsche Angriffspiel gekommen.

Ausschlaggebend war aber, dass die Zielsetzung der deutschen Mannschaft einfach zu hoch gesteckt war, sodass man den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurde. Urplötzlich war die eigene Courage gemindert, das aufgebaute Selbstvertrauen geschmälert – die Nerven begannen zu zittern. Und kleinste technische Fehler rächen sich gegen eine eingespielte spanische Mannschaft, die für mich von Anfang an (auch nach der Auftaktniederlage gegen die Schweiz) Favorit auf den Weltmeistertitel war.

Nun, die junge deutsche Mannschaft hat nach meiner Meinung mehr erreicht, als man aufgrund der Testspiele zuvor vermuten konnte. Und sie hat die Zukunft noch vor sich. Özil, Khedira, Marin und Müller, um nur einige Namen zu nennen, haben eine große Zukunft vor sich. Der FC Barcelona hat inzwischen nicht nur auf Özil, sondern auch auf Marin ein Auge geworfen. Ein Wechsel Özils wird bereits für die neue Saison erwogen, wobei man ihn evtl. noch für ein Jahr an Werder Bremen ausleihen würde.

Nicht so ganz nachvollziehen kann ich die Entscheidung der Mannschaft, nach ihrer Rückkehr keinen Empfang zu geben. Es wird keinen „großen Bahnhof“ in Berlin geben. Also schlechte Verlierer? Gegenüber den Fans ist das ziemlich ungerecht.

Ach ja, hier ein kleines Video von den deutschen und spanischen Fans, gestern aufgenommen in der Düsseldorfer Altstadt, wo ich mit meinen Söhnen vor einer knappen Woche selbst noch einige kühle Altbier getrunken habe: Spanische Fans in Düsseldorf

Der Vorteil gleicher geografischer Breite

Südafrika liegt auf der südlichen Welthalbkugel und dort ist jetzt Winter. Die Fußballweltmeisterschaft findet also im Winter statt. Auf der südlichen Hemisphäre befinden sich auch der südamerikanische Kontinent und natürlich Australien samt Neuseeland, die zwar bei der WM ausgeschieden sind, aber mit ihren Ergebnissen doch zufrieden sein können. Südafrika breitet sich zwischen dem 22. und 35. Grad südlicher Breite aus. Und in Überschneidungen finden sich die südamerikanischen Staaten Argentinien, das südliche Brasilien, Chile, auch noch Paraguay und Uruguay auf gleicher geografischer Breite.

Schaut man auf die Resultate der Fußball-WM, so stellt man schnell fest, dass bisher lediglich Chile eine Niederlage (allerdings auch gegen Europameister Spanien) kassieren musste; alle fünf Vertreter Südamerikas haben das Achtelfinale erreicht (auch Chile) – und die Aussichten für ein Weiterkommen (Argentinien hat es gestern bereits geschafft) sind gut – außer bei Chile oder Brasilien, da beide Mannschaften heute aufeinandertreffen.

Es ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber ich sehe durchaus einen Zusammenhang darin, dass die südamerikanischen Länder und das Gastgeberland auf gleicher geografischer Breite liegen, die klimatischen Verhältnisse also ähnlich sind – und die Mannschaften Südamerikas erfolgreich sind.

Okay, da sind Mannschaften wie die Spaniens, der Niederlande und natürlich Deutschlands, die gestern das Mutterland des Fußballs, England, nach einem hinreißenden Spiel nach Hause schickten. Aber die spielen bei jeder Witterung gut 😉

Nun der Erfolg bestimmter Mannschaften lässt sich durch viele Gründe erklären. Und wer es am Ende schafft und den Pokal nach Hause bringt, wird auch vom Glück begünstigt gewesen sein. Wenn nun am Samstag die junge deutsche Mannschaft auf Argentinien trifft, ist alles möglich: Ein Spiel auf Weltklasseniveau, aber auch wieder ein Krampfspiel wie gegen Serbien. Nach meiner oben genannten These müsste Argentinien das Halbfinale erreichen. Aber welche Regel, wenn meine These eine wäre, besteht ohne Ausnahmen. Hoffen wir also auf die Ausnahme. Dann wird es aber nicht leichter, ist klar, denn dann wartet der Sieger aus dem Spiel Spanien – Portugal darauf, Thesen zu widerlegen bzw. das deutsche Team zu schlagen.

Halbfinale WM 2010: Deutschland - Spanien ???

Aber … wie sagte Gary Lineker vor längerer Zeit, als er Fußball erklärte: Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnt Deutschland (genauer: „Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans always win.“ („Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“))

Ehrung für Zivilcourage

Für ihren persönlichen Mut und ihr Verdienst um die Demokratie werden heute am Donnerstag (24.6.) in Hamburg Bürger mit der Herbert-Wehner-Medaille geehrt. Die mit insgesamt 4000 Euro dotierte, nach dem früheren SPD-Politiker benannte Auszeichnung wird zum siebten Mal von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di verliehen, wie eine ver.di-Sprecherin am Dienstag mitteilte.

Mit dem Preis würdige die Gewerkschaft Institutionen oder Menschen, die engagiert gegen rechtsradikale Aktivitäten, Fremdenfeindlichkeit und Gleichgültigkeit kämpften und die durch ihr Engagement Vorbild seien. Den Festvortrag hält Hamburgs Ex-Bürgermeister Hans-Ulrich Klose (SPD), der heute Wehners Wahlkreis Harburg im Bundestag vertritt. Die Verleihung findet im „Polittbüro“ (Steindamm 45) statt.

Ausgezeichnet werden Timo Versemann und Jan Hendrik Saxe für ihre Zivilcourage in der Auseinandersetzung mit der rechtsradikalen Szene in der niedersächsischen Gemeinde Tostedt in der Nordheide. Versemann und Saxe werden für ihren Widerstand gegen Neonaziaktivitäten um den rechtsextremen Szeneladen «streetwear» in Tostedt geehrt. Sie hatten unter anderem im Mai 2009 einen Brief mit über 400 Unterschriften junger Leute initiierten, der Lokalpolitiker zum Vorgehen gegen die rechte Szene aufforderte.

Quelle: hamburg.verdi.de u..a.

Tamara Boos-Wagner mit Jan Hendrik Saxe, Timo Versemann und meinem Sohn Jan
Tamara Boos-Wagner mit Jan Hendrik Saxe, Timo Versemann und meinem Sohn Jan

Siehe hierzu meine Beiträge:
Jugend-Initiative gegen Neo-Nazi-Laden in Tostedt
Auf dem rechten Auge stark kurzsichtig
Die Kirche zeigt Flagge gegen Rechts
Resolution gegen Extremismus und Gewalt in Tostedt

Sherlock Holmes

Wohl die älteste Detektivgeschichte der Weltliteratur ist die 1841 erschienene Kurzgeschichte „Der Doppelmord in der Rue Morgue (The Murders in the Rue Morgue)“ von Edgar Allan Poe. Held der Geschichte ist C. Auguste Dupin. Sicherlich ist die Auflösung des Doppelmordes etwas kurios, denn der Mörder der Pariser Frauen ist ein Orang-Utan, der seinem Halter, einem Seemann, entkommen war. Aber der Aufbau der Kurzgeschichte (Demonstration von Dupins detektivischen Fähigkeiten, Verbrechen und erfolglose Ermittlungen der Polizei, Besichtigung des Tatorts, Ermittlung und Auflösung) bietet bereits die erfolgreiche Konzeption für nahezu jede folgende Detektivgeschichte, wie zum Beispiel für Arthur Conan Doyle, der 45 Jahre später mit seiner Figur des (Dupin sehr ähnlichen) Sherlock Holmes diese Komposition noch weiter ausreizte. 1842 tritt Dupin nochmals als Hauptfigur in „Das Geheimnis der Marie Rogêt“ (The Mystery of Marie Rogêt) und 1844 in „Der entwendete Brief“ (The Purloined Letter) auf.

Damit wären wir bei Sherlock Holmes, einer vom britischen Autor Sir Arthur Conan Doyle geschaffene Romanfigur, die zur Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Detektiv tätig ist.

Holmes besticht durch seine neuartige forensische Arbeitsmethode, die ausschließlich auf detailgenauer Beobachtung und nüchterner Schlussfolgerung beruht. Er gilt bis heute weithin als Symbol erfolgreichen analytisch-rationalen Denkens und als Stereotyp des Privatdetektivs. Das Werkverzeichnis um den Detektiv umfasst 56 Kurzgeschichten und vier Romane.

Viele der Romane und Kurzgeschichten wurden verfilmt, hierbei stechen vor allem die zahlreichen Verfilmungen des Romans Der Hund der Baskervilles heraus. In einem Kinofilm zum Roman aus dem Jahr 1939 spielte Basil Rathbone der Figur des Sherlock Holmes. 1959 übernahm Peter Cushing die Rolle des Holmes in einer farbigen Neuverfilmung des Hound of the Baskervilles. Ab 1968 spielte er den Detektiv in einer werkgetreuen Holmes-Fernsehserie der BBC.

Was wäre Holmes ohne seinen Dr. Watson? Dr. Watson ist nicht nur der Freund und ständige Begleiter von Sherlock Holmes, sondern fungiert vor allem als erzählerisches Ich. Sherlock Holmes empfindet Watsons Pragmatismus als Bereicherung und Ergänzung seines eigenen, etwas exzentrischen Charakters und schätzt ihn als Rezipienten seiner deduktiven Schlüsse. In Doyles Erzählungen erscheint Dr. Watson als gebildeter Mann von gesundem Menschenverstand, vor dem sich Holmes‘ überragende Leistungen um so stärker abheben.

Noch etwas zum Outfit von Sherlock Holmes, das besonders auch bei uns zur Charakteristik des Detektiven beigetragen hat: Zum einen ist es der Deerstalker, ein Hut bzw. eine klassische Mütze im Karomuster. Dieser Hut findet wohl nur in einer einzigen Geschichte (The Adventure of Silver Blaze (dt.: Silberstern) als „an ear flapped traveling cap“) Erwähnung und wurde bereits in den genannten Verfilmungen mit Basil Rathbone und Peter Cushing zum typischen Markenzeichen Holmes’. Dazu gehören dann noch der Inverness-Mantel und die klobige Pfeife. Dieses populäre stereotype Erscheinungsbild des Detektivs geht auf die Illustrationen Sidney Pagets in der Zeitschrift „The Strand Magazine“ zurück.

2008/2009 wurde nun Sherlock Holmes als Abenteuer-Thriller des Regisseurs Guy Ritchie neu verfilmt. Die Rolle des Holmes wird von Robert Downey jr. übernommen, seinen Assistenten Dr. Watson spielt Jude Law. Seit einigen Wochen ist der Film auf DVD Sherlock Holmes erhältlich.


Sherlock Holmes / Trailer [deutsch]

Zum Inhalt: Ende des 19. Jahrhunderts wird London von einer Reihe von Ritualmorden erschüttert. In buchstäblich letzter Sekunde gelingt es Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und seinem Partner Dr. Watson (Jude Law), eine weitere Tat zu verhindern und den Mörder zu stellen. Unter der schwarzen Kutte verbirgt sich niemand Geringeres als Lord Blackwood (Mark Strong), der nun einem Ende am Galgen entgegensieht. Doch dem Eingekerkerten scheint seine Situation nicht allzu viel auszumachen. Stattdessen verkündet er Holmes, dass er mit bösen Mächten im Bunde stünde und nach seinem Tod noch drei weitere Menschen sterben würden. Während der Privatdetektiv die Drohung zunächst noch als bloßen Humbug abtut, kommen tatsächlich erste hochrangige Mitglieder der Londoner Gesellschaft auf merkwürdige Weise ums Leben. Bei der Exhumierung von Blackwoods Leiche stellt sich außerdem heraus, dass es sich inzwischen ein anderer Toter im Sarg des Mörders bequem gemacht hat. Es ist nun an Holmes, das mysteriöse Treiben als Scharlatanerie zu entlarven oder sich einzugestehen, dass hier tatsächlich überirdische Mächte ihre Späßchen treiben …

Der Film besticht zunächst durch seine an gotische Malerei mahnende Atmosphäre. Diese Anklänge an die Gotik finden sich auch im sonstigen Design des Films wieder. Das Neuerschaffen des Londons zu Zeiten der industriellen Revolution ist den Setdesignern und CGI-Animatoren ganz hervorragend gelungen. Innerhalb dieser Kulisse entstand ein Abenteuer-Thriller, der wenig mit älteren Verfilmungen zu tun hat. So wurde auch auf die für Holmes anscheinend so typische Mode (Deerstalker-Hut und Inverness-Mantel) verzichtet. Wer trägt auch schon einen Jagdhut mitten in der Stadt? Dass sich Holmes in der Neuauflage neben seinem überragenden Intellekt auch mit seinen Fäusten zu wehren versteht, ist allerdings keinesfalls allein aktuellen Sehgewohnheiten geschuldet, sondern bereits in den literarischen Vorlagen verankert. Schließlich fühlt sich Holmes nicht nur in seinem Labor, sondern auch im Boxring (er beherrscht die Kunst des Bartitsu) zu Hause.

Natürlich ist dieses ein ziemlich moderner Holmes-Film. Wie in Iron Man mimt Downey Jr. den Helden auch hier mit der ihm eigenen Mischung aus verschmitztem Understatement und trockenem Humor und avanciert ähnlich wie Johnny Depp in den Fluch der Karibik-Filmen zu einer Attraktion, die notfalls auch ohne den Film um sich herum bestehen könnte. Jude Law wiederum kommt die schwierige Aufgabe zu, Dr. Watson auf der einen Seite als väterlichen Freund zu spielen, der den depressiven Holmes wieder aufzurichten versucht. Andererseits ist dieser Dr. Watson keinesfalls so sehr über jeden Zweifel erhaben, wie man es aus anderen Verfilmungen gewöhnt ist. Stattdessen muss Holmes selbst kleine Beträge für ihn verwahren, weil sie sonst Watsons Spielsucht zum Opfer fallen würden.

Etwas weit hergeholt ist dann der Mystery-Krimi-Plot. Dieser ist zwar stimmig und findet seine Auflösung in natürlichen Hilfsmittelchen. Hier darf Holmes dann auch seine ganzen analytischen Fähigkeiten zeigen. Und das Ende verrät uns, dass es mit Sicherheit auch einen zweiten Teil geben wird, in dem Professor Moriarty, der „Napoleon des Verbrechens“ und in der Literatur Holmes’ Gegenpart, auftreten wird.

Nun als Fan von alten Detektivgeschichten á la Edgar Allan Poe und Arthur Conan Doyle war ich natürlich gespannt auf diesen Film. Auch wenn er nicht das hielt, was die literarischen Vorlagen versprechen, war ich doch ganz angetan von ihm. Eben Popcornkino. Sherlock Holmes ist ein Blockbuster, der für einen Abend ganz gut unterhält.

Übrigens: Es gibt noch einen weiteren Sherlock Holmes-Film, der noch ungesehen bei uns im DVD-Ständer steht. Pünktlich zum „Sherlock Holmes“ des Guy Ritchie meldeten sich die Kreativköpfe der Low-Budget-Schmiede The Asylum zur Stelle mit ihrer dreisten Version eines Abenteuers des berühmten Detektivs. Trotz aller budgetbedingten Mängel und ohne jede Rücksicht auf irgendeine Literaturvorlage des (trotzdem unverdrossen im Titel bemühten) Arthur Conan Doyle wimmelt es darin vor Monstern, Sauriern und Explosionen, und sogar für einen Flugdrachen mit Feuergefecht über dem Buckingham Palace ist gesorgt. Zuweilen stimmungsvoll, nicht schlecht gespielt, ist der Film etwas für Fantasy-Vielseher. Zum Inhalt dieser Version: Vor der britischen Küste ist ein Schiff mit wertvoller Fracht gesunken, der einzige Überlebende berichtet von einem Angriff durch ein Seemonster. Und auch im viktorianischen London häufen sich Vorfälle, in die angebliche prähistorische Dinosaurier verwickelt sind. Der geniale Detektiv Sherlock Holmes und sein treuer Gehilfe Dr. Watson nehmen sich des Falles an und stoßen nach einigen Umwegen auf einen wahnsinnigen Wissenschaftlers, der, nach einem Unfall verkrüppelt, auf seine Weise Rache am Vaterland und der Queen zu nehmen beabsichtigt.

Siehe auch: Auf den Spuren von Sherlock Holmes in London