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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Pfingsten

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, wird unter den Christen genau fünfzig Tage nach Ostern gefeiert. Genau genommen gedenkt man an Pfingsten der Ausgießung des Heiligen Geistes über die zwölf Apostel. Zugleich mit Pfingsten geht auch die Osterzeit zu Ende. Die Apostelgeschichte des Neuen Testaments erzählt, dass der Heilige Geist am fünfzigsten Tag nach Ostern auf die Jünger Jesu herabkam, als sie sich in Jerusalem versammelten. Das Wunder, das dabei geschah, war, dass sie plötzlich in allen Sprachen der Welt kommunizieren konnten.

Pfingstochsen

Pfingstbestellung

Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich
aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.

Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört ’s nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.

Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt –
Pfingstochse meinetwegen –
Dem Honorar entgegen.

Joachim Ringelnatz, 1883-1934

Die Last der Beweise

In letzter Zeit habe ich Fälle beobachtet, die interessante Rückschlüsse auf Verhaltensweisen des Menschen aufzeigen, wenn dieser unter Anklage steht. In all diesen Fällen wird die zur Last gelegte Tat zunächst geleugnet, auch dann, wenn Indizien den Rückschluss auf das Vorliegen einer Tat(sache) zulassen (ein Indiz ist im Allgemeinen mehr als eine Behauptung, aber weniger als ein Beweis). Selbst wenn die Gesamtheit der Indizien so groß ist, dass die Schuld nicht mehr bezweifelt werden kann, leugnet der Täter. Erst unter der Last eindeutiger Beweise (Feststellung eines Sachverhalts als Tatsache) bekennt der Täter seine Schuld und bereut auch sogleich.

Un-Schuld

Wer kennt diese Verhaltensweise nicht selbst – ohne Straftäter zu sein. Gucken wir uns die Fälle an, die mich auf dieses Thema brachten:

Jörg Kachelmann, der bekannte und sicherlich auch beliebte Moderator von Wetterberichten im Fernsehen, wird verhaftet und bezichtigt, seine ehemalige Freundin vergewaltigt zu haben. Seit dem 20. März nun sitzt er in Untersuchungshaft. Zunächst glaubte alle Welt, dass es sich um ein ‚Missverständnis’ handelt müsse, zumal der Moderator vehement die Tat bestritt. Inzwischen gibt es Indizien, die belegen, dass Kachelmann seine frühere Freundin mit einem Messer bedrohte und sogar am Hals verletzte (DNA-Spuren von ihm am Messer). Aber weiter leugnet er die Vorwürfe.

Ein anderer Fall ist der des Radsportlers Floyd Landis, der bei der Tour de France zwar als Erster ins Ziel kam, dann aber wegen Dopings nach langem Tauziehen disqualifiziert wurde (Auf der 16. Etappe war Landis zunächst völlig eingebrochen und konnte nur im Schlepptau das Ziel in La Toussuire erreichen – am Tag darauf war er plötzlich wieder ‘voll’ da und legte mit seinem Etappensieg den Grundstein für den Sieg. Es wurde dann ein zu hoher Testosteron-Wert bei ihm festgestellt. Alles ein “natürlicher Prozess”, so die Erklärung seiner Mannschaft – siehe meine Beiträge Tour des Amis und Tour de Testosteron sowie Weiter auf Tour zur Tour de France 2009). Über Jahre hinweg hatte der 34-Jährige Millionen Dollar investiert, um vor Gericht seine vermeintliche Unschuld zu beweisen. Mit seiner Klage gegen die zweijährige Sperre war er aber vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gescheitert. Jetzt nach vielen Jahren gab Landis zu, gedopt zu haben und belastet zudem seine früheren Kollegen, u.a. Lance Amstrong, dem siebenfachen Gewinner der Tour de France, dem schon mehrmals schwere Dopingvorwürfe bemacht wurden. Lance Armstrong hat die Doping-Vorwürfe seines US-Landsmanns Floyd Landis inzwischen zurückgewiesen. „Es ist nicht wert, auf diese Anschuldigungen einzugehen“, sagte der Radprofi. „Ich werde nicht meine Zeit oder Ihre Zeit vergeuden“, meinte der 38-Jährige.

Ein weiterer Fall aus dem Sport ist der Fall der Claudia Pechstein, der Eisschnellläuferin und vielfachen Medaillengewinnerin (u.a. 5-mal Gold bei Olympia). Sie wird des Blut-Dopings bezichtigt. Sie bestreitet die Vorwürfe seit langem und argumentiert damit, dass eine vererbte Blut-Anomalie Schuld an den Veränderungen des Blutbildes seien, was durch Ärzte bestätigt wurde.

In all diesen Fällen bestreiten die Angeschuldigten die ihnen zur Last gelegten Taten. Nur im Fall Floyd Landis gibt es nach vielen Jahren ‚endlich’ ein Geständnis, das zudem mit Anschuldigungen gegen andere einhergeht.

Was gibt es Schlimmeres für einen Täter als ‚erwischt’ zu werden. Geschieht das nicht ‚auf frischer Tat’, so wird in wohl den meisten Fällen der Vorwurf der Täterschaft zurückgewiesen. Es ist eine Art Selbsterhaltungstrieb, der das Leugnen hervorruft. Der Täter empfindet sich als Opfer, dem Ungeheuerlichkeiten vorgeworfen werden. Das geht soweit, dass der Täter sich selbst für unschuldig hält. Er verdrängt die Tat. Ja, er ist sogar bereit (wie im Fall Landis) seine Existenz aufs Spiel zu setzen, um nur nicht als Täter zu gelten. Lässt sich der Tatverdacht aber nicht ausräumen, so entwickelt sich daraus eine Art Versteckspiel. Jedes noch so kleine Indiz für die Schuld wird aufgenommen, zurechtgebogen und als ‚Lüge’ oder ’Verleumdung’ zurückgewiesen (Lance Armstrong). Kommt man gegen die Last der Indizien nicht an, so spielt man auf Zeit.

Ein Kriterium spielt dabei sicherlich auch der Umstand, ob mit den Anschuldigungen bereits Sanktionen eingeleitet wurden und der Täter als überführt gilt. Landis wurde der Sieg der Tour de France 2006 aberkannt, die sieben Siege von Armstrong stehen weiterhin nicht zur Disposition. In ‚aussichtsloser Lage’ ist man durchaus bereits, bis zum ‚letzten Hemd’ zu kämpfen (Landis). Aus gesicherter Position (Armstrong) spielt man gern den Coolen und gibt sich unbeeindruckt.

Das soll nichts über Schuld oder Unschuld aussagen. Auch der Unschuldige wird versuchen, notfalls bis zuletzt die Anschuldigungen gegen sich zu widerlegen. Ich glaube aber fast, dass der Schuldige mehr noch zu Opfern bereit ist: Der Abwehrmechanismus der Verdrängung ist manchmal wirkungsvoller als das Bewusstsein der Unschuld. Schneller als beim Schuldigen setzt Resignation beim Unschuldigen ein.

Ein anderes Phänomen ist die Reue. Selbst Täter, die lange und vehement jede Schuld bestritten haben, zeigen sich am Schluss reuig, wenn die Last der Beweise endlich so groß ist, dass sie ‚erdrückt’. Es ist so, als würde ein Schalter im Kopf des Täters umgelegt werden. Eben noch völlig unschuldig, bricht die Verdrängung wie eine hohe Mauer zusammen – und der Täter ‚erkennt’ seine Schuld. Die hervorbrechende Reue betrachte ich in solchen Fällen als einen Schutzmechanismus, der ebenfalls durch den Selbsterhaltungstrieb geprägt ist. Denn wer bereut, kann entsprechend unserem Rechtsempfinden mit Minderung einer Strafe rechnen.

Landis gesteht und bereut. Auf Armstrongs Geständnis wird man vergeblich warten (ich halte ihn trotzdem für schuldig). Im Falle der Claudia Pechstein bin ich mir nicht so sicher. Hier gilt dann die Unschuldsvermutung. Und Herr Kachelmann wird eines Tages vor Reue zusammenbrechen. Warten wir es ab.

Wünsch dir ‘was …

Was wäre der Mensch ohne Wünsche. Wünsche begleiten uns das ganze Leben. Dabei können Wünsche sehr profan sein, als Wunsch eigentlich fast nicht mehr wahrzunehmen: die Wünsche des täglichen Lebens in der Begrüßung oder beim Essen und Trinken.

Wünsche - Wunschzettel

Es gibt gute und böse Wünsche, vernünftige und unvernünftige, mögliche und unmögliche (vergebliche) Wünsche und gerechte und ungerechte Wünsche. Nach Sigmund Freud unterscheiden wir außerdem nach bewussten und unbewussten Wünschen. Das Begehren nach Wunscherfüllung ist oft eine starke Kraft, Neues zu erreichen.

Und nicht nur Freud sondern auch die Philosophen von Epikur bis Wittgenstein haben sich mit Wünsche beschäftigt. Wünsche bestimmen auch die Religionen und wäre es nur der Wunsch auf ein besseres Leben nach dem Tod.

Natürlich werden Wünsche auch kommerzialisiert. Überhaupt stehen materielle Wünsche heute oft im Vordergrund. Notfalls hilft die Industrie mit Werbung nach, um „Wünsche“ zu wecken. In den Medien, voran das Fernsehen, spielt das Wünschen auch eine Rolle: „Der Wunschfilm der Woche“ oder wie vor vielen Jahren in der Spielshow Wünsch Dir was.

Auf das Thema Wünsche bin ich durch einen Tweet bei twitter.com gekommen. Dieser verlinkt auf einen Beitrag mit dem Titel: Bestellungen beim Universum aufgeben. Wichtig danach ist auch die Form der Wunsches bzw. der „Bestellung“. Wie auch immer …

Und wie steht’s mit mir? Natürlich bin ich nicht wunschlos glücklich, das wäre zu schön. Aber mir sind seelisches und körperliches Wohl sehr wichtig – für mich und meine Lieben.
Und wenn ich mir viel Geld wünsche, dann nicht des Geldes wegen, sondern um Unabhängigkeit zu erzielen. Und sonst? Meine beiden Söhne sind Wunschkinder. Mehr Zeit für meine Lieben zu haben, das wäre ein Wunsch. Und natürlich die Wünsche, die eigentlich jeder haben sollte und die im Hexenkessel des Alltags so schnell untergehen: die Wünsche nach Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden! Ganz ohne Pathos gewünscht …

Krebs-Tagebuch eines Angehörigen (8)

Wer den Humor verliert, verliert auch jegliche Hoffnung. Der Alltag hat uns wieder und das heißt auch wieder lachen, Spaß haben.

Eine Krebserkrankung ist wie ein Hindernis, das im Raume steht. Man kann es ignorieren, was auf Dauer wenig Sinn macht. Man kann es überbrücken oder, noch besser: man kann es abbauen, also aus dem Weg räumen.

Für einen Krebskranken bedeutet das, alles zu tun, um die Krankheit dauerhaft zu besiegen. Lachen, Spaß haben, einfach den Humor nicht verlieren: auch das kann dazu beitragen, wieder gesund zu werden.

Was nun, Herr Löw?

In diesen Tagen gibt es wieder mehr Fußball-Bundestrainer als aktive Fußballspieler auf dem Feld in Deutschland. Ja, die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika steht vor der Tür und jeder meint, mitreden zu müssen. So will auch ich mich aller Hemmungen erledigen und wenigstens einen Artikel lang Bundestrainer spielen.

Fangen wir gleich mit dem Ballack-Ausfall an. Das Foul von Kevin-Prince Boateng war wirklich mehr als rüde und daher ist die Frage natürlich berechtigt, ob Boateng versätzlich gefoult hat. Er bestreitet das und hat sich inzwischen auch schon bei Ballack entschuldigt. Dem nützt das natürlich wenig: die WM kann er abhaken. Was also tun? Boateng solange sperren wie Ballack verletzt ist? Keine Spielerlaubnis für Boateng für die WM? Alles Quark. Die Ghanaer sollten nur so schlau sein und ihn bei der WM im Gruppenspiel gegen Deutschland, falls er die Spielerlaubnis bekommt, nicht auflaufen lassen. In diesem Zusammenhang möchte ich den äußerst interessanten Artikel bei zeit.de zum Lesen empfehlen.

Nun stellt sich die Frage, wie Joachim Löw den Ausfall des Kapitäns kompensieren will. Der 33-Jährige nimmt aufgrund seiner Klasse und internationalen Erfahrung eine Ausnahmestellung ein. „Seine Präsenz ist für unsere junge Mannschaft von großer Wichtigkeit, sowohl auf als auch neben dem Platz“, unterstrich Löw. Fakt ist, dass nach der verletzungsbedingten Absage von Simon Rolfes, der formbedingten Nichtnominierung von Thomas Hitzlsperger und der Ausbootung von Torsten Frings kaum noch Kandidaten für die Sechser-Position im Kader stehen. Sami Khedira wäre die einzige ernsthafte Alternative; Christian Träsch und Heiko Westermann sind höchstens Notlösungen. Oder nun doch Frings nachnominieren? Da Joachim Löw viel auf Disziplin hält, wird er diesen mit Sicherheit nicht wieder an Bord holen. Frings, dieser Voll-Pfosten (so nennt man einen Trottel wie ihn wohl im Fußballer-Jargon), hat sich mit seiner gelb-roten Karte im DFB-Pokalfinale selbst das Wasser abgegraben. Das schlägt bis Löw durch.

Mit Ballack (und natürlich auch mit Frings) fehlt ein wichtiger Routinier in der Mannschaft, der selbst in einem aufgescheuchten Hühnerhaufen wieder Ruhe einkehren lässt. Kaum eine Mannschaft ist so jung wie die deutsche. Aus der U21-Mannschaft haben bereits Torwart Manuel Neuer, Dennis Aogo, Andreas Beck, Jerome Boateng, Sami Khedira und Mesut Özil den Sprung in Löws erweitertes WM-Aufgebot geschafft. Und doch kommt die WM wohl zu früh für das deutsche Team. Joachim Löw fehlt jene breite Basis an Spielern, die zur körperlichen Topform auch bereits über die nötige Erfahrung verfügen, die deutsche Mannschaften stets ausgezeichnet hat. In Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger stehen dem Bundestrainer nur noch zwei unumstrittene Führungsspieler zur Verfügung. Besonders dem Schweinsteiger wird der Löw einen Großteil der Verantwortung auf die Schultern laden.

Apropos Schweinsteiger: Noch haben er und seine Bayern das Finalspiel in der Champions League am Samstag in Madrid gegen Inter Mailand nicht ungeschadet überstanden. Die Italiener sind nicht nur für ihren Sperrriegel bekannt, sondern auch für ihre äußerst rustikale Spielweise, der manch gegnerische Spieler bereits zum Opfer fiel. Was Boateng kann, können Materazzi und Co. notfalls auch. Also Vorsicht!

Kommen wir zur leidigen Torhüterfrage: Löw und Torwart-Trainer Andreas Köpke hatten sich kaum für René Adler als die Numero eins im Tor der deutschen Nationalmannschaft entschieden, da musste dieser verletzungsbedingt seine Teilnahme an der WM absagen. So wurde Hans-Jörg Butt (wird demnächst 36 Jahre alt) von Bayern München neben Tim Wiese und Manuel Neuer nominiert. Wer soll nun bei der WM im deutschen Kasten stehen? Dass es Tim Wiese überhaupt geschafft hat, von Löw für die Nationalmannschaft berufen zu sein, grenzt schon fast an ein Wunder. Außerhalb Bremens ist sein Beliebtheitsgrad nicht sehr groß. Butt ist trotz seiner Erfahrung für mich zu alt (will man auf junge Spieler im Nationalteam setzen, dann sollte man es auch wirklich tun). Bleibt also Neuer, auch wenn ihm schon mancher Schnitzer unterlaufen ist.

Und der Angriff? Wenn es nach der Leistung in der Bundesliga geht, dann bleiben da nur Cacau und Stefan Kießling. Geht es nach den Leistungen in der Nationalmannschaft dann sind da der Klose und Podolski. Der Rest ist für die Tonne. Wen also nehmen? Cacau schaffte es immerhin, gegen Malta zwei Dinger zu versenken. Und Podolski, der Instinktfußballer, war in der Liga so schlecht, sodass er im Nationaltrikot eigentlich nur noch besser sein kann.

Ja, der deutsche Kader ist merklich geschrumpft (und könnte noch mehr schrumpfen). Da könnte mir der Löw fast Leid tun (aber auch nur fast). Also, was nun, Herr Löw? Ich übergebe an Sie. Sie verdienen (sic?) schließlich die Kohle.

Ach übrigens: Der Löw begann ja bereits, laut über seine weitere Zukunft nachzudenken. Und da es mit dem WM-Titel nichts werden wird, Louis van Gaal, sollten die Bayern das Triple mit dem Gewinn der Champions League komplett machen (was kann man als Spieler und Trainer mehr erreichen), sich vorstellen könnte, eines Tages DFB-Trainer zu sein … Vielleicht haben wir nach der WM tatsächlich einen Niederländer als Löw-Nachfolger – ich würde nicht dagegen wetten!

Das Mädchen aus Monaco

Das Thema ist in der Literatur und im Film nicht neu: Ein älterer Mann verfällt einem jungen Mädchen. Vor über 100 Jahren schrieb Heinrich Mann seinen Professor Unrat, der als Der blaue Engel mit Marlene Dietrich verfilmt wurde. Und der Roman Lolita von Vladimir Nabokov (1955), der gleich mehrmals verfilmt wurde, gab der Gattung gewissermaßen ihren Namen: Lolita als Synonym für eine Kindfrau.

Aber auch in der neueren Literatur stoßen wir öfter auf in die Jahre gekommene Herren, die sich von jungen Frauen betören lassen (siehe u.a. meinen Beitrag Alterssex in der Literatur), zuletzt in Martin Walsers Angstblüte.

Je nach Standpunkt werden solche literarischen Werke für “schwitzige, sabbernde Altmännerfantasie” gehalten, während andere diese als “wunderbar schamlose Altherrenerotik” betrachten.

In dem Film Das Mädchen aus Monaco ist der Pariser Staranwalt Bertrand (Fabrice Luchini) ein wortgewandter, kluger Mittfünfziger, der nach Monaco gerufen wird, um eine reiche Dame (Stéphane Audran) in einem vertrackten Mordprozess zu vertreten. Sein Auftraggeber stellt ihm den Personenschützer Christophe (Roschdy Zem) an die Seite, da Übergriffe russischer Gangster befürchtet werden. Recht bald wird klar, dass Bertrand so etwas wie ein von Frauen überforderter Womanizer ist. So sicher und überlegen er im Gerichtssaal wirkt, so verschüchtert und hilflos agiert er auf der Bettkante, von der er selbst eine attraktive, knapp bekleidete Frau stößt, die es kaum fassen kann. Als die junge Audrey (Louise Bourgoin in ihrer Debütrolle) die Verführung Bertrands in Angriff nimmt, verfällt er den erotischen Avancen der schamlosen Schönheit und wird in einen zunehmenden Gefühlsschlamassel gezogen. Die Dinge werden noch komplizierter, als sich herausstellt, dass auch der Bodyguard mal eine Affäre mit Audrey hatte …

Regie des 2008 entstandenen Films führte Anne Fontaine, die ein Jahr später auch für den Film Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft (Coco avant Chanel) mit Audrey Tautou verantwortlich zeichnete. Audrey Tautou kennen wir aus Die fabelhafte Welt der Amélie.

Nun der Film besteht eigentlich aus drei Handlungssträngen: Zuerst ist es der Mordprozess, in dem der Staranwalt die Verteidigung übernimmt. Dann ist es die ungewöhnliche Freundschaft zwischen diesem und seinem Bodyguard; zuletzt natürlich die Beziehung der beiden Männer zu der jungen Frau. Die besonders in Frankreich prominenten Darsteller Fabrice Luchini – weißhäutig, wabbelig und gebildet, ein Mann des Wortes – und Roschdy Zem – braungebrannt, durchtrainiert und animalisch, ein Mann der Tat – spielen das gegensätzliche Männer-Duo, das der selben Dame verfällt. Ihre Freundschaft, wenn man es so nennen darf, beruht auf Respekt vor der Arbeit des anderen. Das führt am Ende sogar soweit, dass der eine für die Taten des anderen einsteht. Aber ich möchte nicht zuviel verraten.

Eindeutig im Mittelpunkt stehen vor allem der Staranwalt und das Mädchen und wie dieses den Staranwalt ‚um den Finger wickelt’. Der Maître ist fasziniert von der blonden Schönheit, von ihrer Jugend und auch von ihrer Schamlosigkeit, von der er kosten darf. Er ist hin- und hergerissen zwischen seiner Begierde und seinen Gefühlen. Was kann ein in die Jahre gekommener Mann wie er von einem Mädchen wie Audrey erwarten? Erst spät erkennt er, dass er nur Mittel zum Zweck ist. Und das führt dann auch zur Katastrophe.

Die turbulente Sommerkomödie avancierte übrigens zum Publikums-Hit in Frankreich. Die Komik entsteht aus den Figuren und den geschliffenen Dialogen. Monaco bietet mit seinem Operettendekor die optimale Kulisse für diese charmante Tragikomödie.

Sicherlich erfindet dieser Film das Thema nicht neu. Aber es bietet andere Nuancen, die dann auch den Reiz dieses Filmes ausmachen. Und es ist ein französischer Film. Wer wie ich selbst in die Jahre gekommen ist, macht sich natürlich ‚seinen Reim’ auf solche Filme. Wie gut, dass ich glücklich verheiratet bin und sich schon von daher die Avancen junger Damen in Grenzen halten :-).


Das Mädchen aus Monaco

Blamable Vorstellung

Natürlich bleibt am Ende ein positives Saisonfazit für den SV Werder Bremen, der sich in der Fußball-Bundesliga zuletzt doch noch auf den dritten Tabellenplatz vorgespielt hatte. Aber im Finale des DFB-Pokals boten die Bremer gegen Bayern München eine durch und durch blamable Leistung. Okay, einige Torchancen hatte Werder Bremen durchaus – und was wäre, wenn … aber insgesamt schienen mir die Spieler gegen die Bayern eindeutig überfordert.

Finale DFB-Pokal 2010: Werder Bremen - Bayern München 0:4

Da mag man aus Bremer Sicht den Münchener zu einer Gala-Vorstellung beglückwünschen. Ich sehe das etwas anders: Münchener Rasenschach, der dann aber durch „das Spiel in die Spitze“ torgefährlich wurde. Die Bremer machten gerade in der ersten Halbzeit „die Räume eng“, wagten dann aber zu wenig das Spiel nach vorn, das zudem von häufigen Fehlpässen geprägt war. Konnte der Ball vom Gegner erobert werden, so wurde dieser spätestens nach zwei Spielstationen durch ungenaues Zuspiel wieder verloren.

So gewannen die Bayern durchaus auch in der Höhe verdient mit 4:0 gegen eine Bremer Mannschaft, die einen rabenschwarzen Tag erwischte. Besonderer Pechvogel: Per Mertesacker, der das erste Tor für die Bayern durch ein Handspiel ermöglichte und auch beim 2. Treffer unbeabsichtigt die Vorlage für Ivica Olics Tor gab.

Wichtig ist nun, dass man dieses Spiel in Berlin abhakt. In der neuen Saison wartet die Qualifikation zur Champions League. Und natürlich die nächste Bundesliga-Runde.

Keine kalten Füße mehr …

Der geplante Abriss eines Anbaus an das historische Rathaus und deren Neubau in #Tostedt hat nicht nur einen Sturm der Entpörung bei den Bürgern entfacht (siehe meinen Beitrag: Rathaus Tostedt: Abriss auf unsere Kosten), auch die Medien sind auf diese Provinzposse aufmerksam geworden, allem voran das Fernsehen. So berichtete nicht nur der NDR auf N3 am 12.05.2010 in der Sendung „Menschen und Schlagzeilen“ von der geplanten Verschwendung von Steuermitteln, auch das ZDF sendete in der „Drehscheibe“ am gleichen Tag einen entsprechenden Beitrag:


Bürgerprotest gegen Rathausneubau in Tostedt (1 – Beitrag ZDF)


Bürgerprotest gegen Rathausneubau in Tostedt (2 – Beitrag NDR)

Ein Grund für den Neubau ist der Einbau eines „Blockheizkraftwerkes“, damit die Mitarbeiter im Winter keine kalten Füße bekommen. Es fragt sich aber, ob vielleicht der Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt, Herr Dirk Bostelmann, angesichts des Bürgerprotestes jetzt nicht ‚kalte Füße’ bekommt und einen Antrag auf Aufhebung des Beschlusses auf Rathausneubau stellt. Warten wir es ab …

Sollte Interesse an den beiden Videos bestehen, so kann ich diese gern zum Download im Netz bereitstellen (es handelt sich dabei um Videos im DIVX-Format, beide sind jeweils gut 23 MB groß). Bitte um Nachricht!

Heavy Humoresque?

Jethro Tull eine reine Rockband? Mitnichten, wie wir wissen. Nicht nur, dass Masterhead Ian Anderson in seinen Stücken immer wieder selbst auf klassische Musik zurückgreift, nein, bekannt wurde er und seine Band mit einem Stück aus der Hand von Johann Sebastian Bach. Aus der Suite e-Moll BWV 996, einem Werk für die Laute, arrangierte Ian Anderson den 4. von 5 Sätzen (Bourrée e-Moll) neu für Querflöte: Bourrée von Jethro Tull ging so in die Rockgeschichte ein.

Damit war Bach aber noch lange nicht zu den Akten gelegt. Anlässlich des 300. Geburtstages von Johann Sebastian Bach trat Ian Anderson & Co. am 16.03.1985 in Berlin im International Congress Centrum auf: Bach-Rock und spielte dort auch Bach’s Double Violin Concerto – außerdem gab es David Palmers Elegy (… a piece in a Bachian style – wie Anderson es nannte).

Am 31.07.76 hatten die Jungs von Jethro Tull einen Auftritt im Tampa Stadium in Florida, von dem es einen exzellenten Video-Mitschnitt gibt: Tullavision. Hier stellte die Band u.a. eine eigenwillige Interpretation von Beethovens Neunter auf die Bühne: Jethro Tull: Beethoven’s Ninth

Weitere Rückgriffe gab auf es dann auch später, u.a. am 8. Dezember 2004 mit „Pavane“ in fis-moll (F-sharp minor), Opus # 50, einer Komposition für Orchester und optional für einen Chor – 1887 von dem französischen Komponisten Gabriel Fauré geschrieben – hier gespielt von Ian Anderson samt Band mit dem Orchester der Neuen Philharmonie Frankfurt im Rosengarten Mannheim: Ian Anderson & Orchestra: Pavane of Gabriel Fauré

Ein Stück von Jethro Tull darf ich allerdings nicht vergessen: „By kind permission of“, das Klaviersolo von John Evan, das u.a. auf dem 1972 erschienen Album „Living in the Past“ erschienen ist und bereit im November 1970 live in der Carnegie Hall von New York City aufgenommen wurde. Hierzu habe ich mich in einem früheren Beitrag einmal kurz geäußert: Was ist bloß mit Ian los? Teil 85: Intelligenz & Plagiate:

Auch Herrn Anderson selbst hätte man jahrelang des Plagiats beschuldigen können, steht bei Bourree auf früheren Scheiben immer der Name Ian Anderson allein; erst sehr spät finden wir neben seinem Namen auch den von J.S. Bach. Aber da habe ich noch ein weiteres Beispiel: „By kind permission of“, das Klaviersolo von John Evan (meist mit „With you there to help me“ gespielt so wie bei dieser Live-Aufnahme im altehrwürdigen Beatclub [leider bei YouTube nicht mehr verfügbar]). Mit wessen freundlicher Genehmigung spielt er denn da wohl. Ich bin kein großer Klassikkenner, aber angeblich soll das Rachmaninov sein, dessen Prélude in Cis-moll opus 32 oder so. Und dank youtube, was finde ich da, genau Rachmaninov, wenn es auch Opus 3 Nr. 2 ist. Evan hat eindeutig bei Rachmaninov geklaut.

Jethro Tull: Heavy Horses

Aber was hat das alles nun mit einem der beliebtesten Tull-Stücke: Heavy Horses zu tun?

Ein Kommentar von jevicci auf meinem Channel bei YouTube ließ mich aufhorchen:

Does anyone know if they intentionally based the verse melody on Dvorak’s „Humoresque“ as some kind of homage or something?

Was jevicci meint, ist Antonín Dvoráks Humoreske – op. 101.7 in Ges-Dur für Klavier (The Humoresque No 7 in G Flat Major). Das Hauptthema dieses kurzen Stückes kennen eigentlich alle, auch die, die mit Klassik nicht viel am Hut haben: Irgendwann hat es jeder schon einmal gehört. Mittendrin ist nun ein zweites Thema (im nachfolgenden Video von 1:18 bis ca. 2:00 zu hören). Wer nun wiederum das Heavy Horses-Video sieht und hört (so ca. ab 3:20), wird aufhorchen. Hab ich das nicht eben schon einmal gehört?


Dvorak: Humoresque

Um es gleich zu sagen: Ian Anderson kann man keinen Vorwurf des Plagiats machen. Sicherlich wird Ian Anderson Dvoráks Stück damals beim Komponieren gekannt haben. Vielleicht stimmt sogar jeviccis Vermutung, dass Anderson an eine Hommage zugunsten von Dvorák gedacht hat (ich vermute aber eher nicht). Interessant finde ich diese ‚musikalische Angleichung’ allemal. Hier noch einmal beide ‚Ausschnitte’ noch einmal aneinandergereiht zum näheren Vergleich:


Heavy Humoresque?

Himmelfahrt

In verschiedenen Religionen, besonders aber auch in Mythen, finden wir die Himmelfahrt als das höchste Ziel, nämlich mit allem, was einem eigen ist, ins Jenseits einzutreten. Am heutigen Feiertag feiert die Christenheit Christi Himmelfahrt, also die Rückkehr des Jesus von Nazareth als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel, nachdem er zu Karfreitag gekreuzigt und zu Ostern wiederauferstanden war von den Toten.

Grundlage der Himmelfahrt Christi ist das Evangelium von Lukas 24 Verse 50ff.:

Jesu Himmelfahrt
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.
51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude
53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

In unseren Breiten wird der Himmelfahrtstag zunehmend als Vatertag für Saufgelage missverstanden – wie bereits berichtet. Apropos Vatertag:

Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
weil es allgemein beliebt.
Selbst der Lasterhafte zeigt,
daß er garnicht abgeneigt.
Nur will er mit seinen Sünden
keinen guten Zweck verbinden,
sondern, wenn die Kosten kommen,
fühlet er sich angstbeklommen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Bad Case Management

Die Banken haben es vorgemacht: Nach der Finanzkrise übernahmen so genannte Bad Banks (engl. für schlechte Bank) u.a. Zertifikate von in Zahlungsschwierigkeiten geratene Emittenten (Herausgeber von Wertpapieren) bzw. wickelten so genannte notleidende Kredite sanierungsbedürftiger Banken ab.

Was Banken können, kann ein Unternehmen, das für einen öffentlichen Auftraggeber wie eine Behörde arbeitet, natürlich auch. Diese ‚Dienststelle’ bekommt Anfragen, die durch die Mitarbeiter dieser Dienststelle beantwortet werden. Das können u.a. auch Rechtsauskünfte sein. Nun ist hier ein Rückstand von ca. 3000 Anfragen entstanden. Also 3000 Anfragen wurden bisher nicht beantwortet. Aber selbst die Frage, ob es sich dabei tatsächlich um Anfragen handelt und nicht evtl. um rücklaufende Post, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Wie kann so etwas kommen? Diese Dienststelle bedient sich eines Workflow Managements. Die angesprochenen Anfragen (oder was auch immer) sind hierzu gescannt und auf Rechner abgelegt, sie sind also digitalisiert worden. Allerdings funktioniert diese Software für den Workflow nicht richtig, oder?

Was kann man also tun, um diese Rückstände aufzuarbeiten? Erst einmal, so denke ich, sollte man wirklich versuchen zu identifizieren, um was für eine Post es sich dabei handelt. Aber nein, so schnell schießen die Preußen nicht (ach nein, es sind ja Bayern, die Dienststelle befindet sich in München). Da die ganze Dienststelle sowieso organisatorisch auf den Kopf gestellt werden soll (Stichwort: Umstrukturierung) und dabei peu a peu mit der Schwester in Hamburg (da arbeite ich) zusammengeführt werden soll, und gerade die Finanzkrise mit dem Begriff Bad Bank das Stichwort lieferte, kommt man ‚am grünen Tisch’ auf die Idee, Ähnliches zu kreieren: Bad Case Management!

So lautet der am ‚grünen Tisch’ beschlossene, den der Weisheit letzten Schluss betreffende Beschluss:

Die Fall-Rückstände der bisherigen Organisationseinheit Abt. X werden nicht in die neue Struktur und Prozessorganisation übernommen. Durch diese (radikale) Maßnahme können die Mitarbeiter in der neuen Organisationseinheit XYZ unbelastet in die Umstrukturierung starten und zukünftig die zeitgemäße Abarbeitung der Fälle gemäß den neuen Zielvorgaben erledigen.
Die Rückstände werden entweder an 1-2 Mitarbeiter ausgelagert (Stichwort: „Bad Case Management“) oder es wird durch einen radikalen Schnitt die aktive Bearbeitung der Fälle endgültig beenden. Alternativ können die Fälle kategorisiert und gemäß einer noch zu definierenden Zeitspanne und Menge in die neue Bearbeitung miteinfließen. Einen endgültigen Vorschlag hierzu wird das Projektteam Anfang des 4. Quartals vorlegen.

Das klingt doch richtig toll – und so fachmännisch, oder? Insgesamt enthält dieser Beschluss (der nichts beschließt) drei Lösungsansätze:

1. Bad Case Management (Auslagerung und Bearbeitung durch 1-2 zusätzliche Mitarbeiter)
2. die 3000 Fälle einfach ignorieren
3. alles beim Alten lassen (den Rückstand zusätzlich kategorisieren lassen, um zu sehen, um was es sich dabei handelt – endlich)

Ich weiß nicht, wie andere Unternehmen in solchen Fällen reagieren. Ich musste nur herzhaft lachen, als ich diesen im Grunde nur aufgeblasenen Unfug gelesen habe. Ich bin gespannt, für welche Lösung man sich entscheiden wird – übrigens besteht der Rückstand schon seit einigen Jahren!