Zuletzt war ich 2005 in einem Konzert von Ian Anderson und seinen Jungs von Jethro Tull. Eigentlich hatte ich mir schon zuvor geschworen, kein Konzert mehr von dieser Gruppe zu besuchen. Es sollte bei dieser Ausnahme bleiben. Grund: Seit einigen Jahren ist die Singstimme von Ian Anderson buchstäblich im Arsch Eimer. Er krächzt und ächzt nur noch herum. Einige Lieder hat er bereits um einige Töne nach unten transponiert, um diese halbwegs singen zu können. Es ist zum Heulen. In Laufis Jethro Tull Board wird immer noch ausgiebig darüber diskutiert. Wer sich so etwas antun will, soll es machen. Ich nicht …
Nun stellt sich die Frage, wie es wäre, wenn der gute Ian darauf verzichten würde, seine Zuschauer mit dieser kaputten Stimme zu malträtieren, z.B. in dem ein anderer für ihn singt (oder eine andere). Zunächst kam mir da sein Sohnemann James Duncan in den Sinn, der ja auch schon öfter für seinen Herrn Papa die Schlagstöcke gerührt hat. Seine Stimme könnte vielleicht so ähnlich klingen, oder?
Denn das ist das Problem: Jethro Tull ohne die besonders geartete Stimme von Ian Anderson ist nicht wirklich Jethro Tull (Es ist aber auch nicht Jethro Tull, wenn Anderson heiser krächzt). Alte Videoaufnahmen belegen, dass der damalige Bassist John Glascock wohl eine ähnliche Stimme wie Ian Anderson hatte. Leider ist Glascock, der an einem Herzfehler litt, nach einer Operation vor inzwischen fast 30 Jahren gestorben.
Lange Rede, kurzer Sinn: in diesen Tagen sind mir zwei Videos über den Weg gehoppelt, die Jethro Tull in Konzerten zeigen, bei denen der Meister einmal die Schnauze hält und eine Frau singen lässt: die Italienerin Alessia D`Andrea. Es sind nicht die ersten Aufnahmen, die ich sehe, bei denen die ansehnliche Alessia dem Ian etwas vorsingt. Wäre die gute Alessia etwas weniger attraktiv und stimmlich dafür noch etwas besser disponiert, dann könnte man sich ausmalen, wie gut es Herrn Anderson und seinen Mannen ankäme, die Lieder von jemand anderem singen zu lassen. Hier zunächst die beiden Videos:
Jethro Tull & Alessia D’Andrea – Pistoia Blues Festival – 05.07.2008
Wond’ring Aloud – Alessia D’Andrea & Ian Anderson – Live In Rome ca. 2007
Und? Was denkt Ihr? Es gibt bestimmt arbeitslose Sänger oder Sängerinnen, die sich als Vertreter für Ian Anderson eignen. Aber dann würden sie dem Meister gewissermaßen die Show stehlen, denn welcher Sänger hielte sich diskret im Hintergrund. Das ist nämlich der Punkt: Musiker, die es wagten, eigene Bühnenpräsenz zu zeigen, wurden ausnahmslos gefeuert. Auf der Bühne regiert nur einer: Ian Anderson! Bis man ihn im Sarg von der Bühne holen muss … Das werde ich aber wohl verpassen!






