Schnutenpulli

Auf der Suche, nein, nicht nach der verlorenen Zeit, sondern nach einem Begriff für diese Dinger, die wir seit Wochen, gar Monaten im öffentlichen Raum vor dem Gesicht zu tragen haben, Nasen-Mund-Maske, nein, von Schutz (Mundschutz oder Atemschutz) darf nicht gesprochen werden, denn findige Anwälte drohen sonst mit Abmahnungen, da „mit diesen Bezeichnungen […] eine Widmung vorgenommen [würde], die Medizinprodukten vorbehalten ist“, also auf der Suche nach einer Bezeichnung dieser Masken für die niederdeutsche Sprache (Plattdeutsch oder kurz: Platt), gab es den Vorschlag: Schnutenpulli.

Selbst diejenigen, die nicht der plattdeutschen Sprache mächtig sind, sollten wissen, was eine Schnute * ist, oder? Eine Schnute ziehen – das kennen wir über Bundeslandgrenzen hinaus. Schnute – das ist grob die Schnauze im Hochdeutschen, also der Mund. Und ein Pulli, ist doch auch klar, ist die umsprachssprachliche Kurzform für Pullover. Schnutenpulli ist also ein Mundpullover, also eine Nasen-und Mund-Maske.

'Schnutenpulli' in grün (Dschungelversion)
‚Schnutenpulli‘ in grün (Dschungelversion)

Und das eigentliche kommt ja noch: „Schnutenpulli“ wurde inzwischen zum plattdeutschen Wort des Jahres gekürt. Auch wenn in einigen Bundesländern bereits diskutiert wird, die Maskenpflicht, sorry: Schnutenpullipflicht aufzuheben – eigentlich gehe ich jetzt geradezu gern mit diesem Ding vor Nase und Mund hinaus – bei einer so liebevollen Benennung!

* Schnüt|chen; Schnu|te, die; -, -n (bes. nordd. für Mund; ugs. für [Schmoll]mund, unwilliger Gesichtsausdruck)
Duden – Die deutsche Rechtschreibung– 24. Auflage 2007

Snüff de Schnauze, Nase; holl dien Snüff! halt deine Schnauze!
Snuut de Schnauze; übertragen Mund, Schnute; nu harr ik mi man de Snuut verbrannt nun habe ich mir den Mund verbrannt; maak man nich so ’n Snuut mach nicht so ein Gesicht oder so eine Schnute; -> Snüff

Mund de Mund, de Babbel, de Beck, de Gaap, de Keek, dat Muul, de Sabbel, de Snuut, de Snüss
Langenscheidt Lilliput Plattdeutsch – 2012

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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