Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands

Die dreibändige Ausgabe des Romans Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss habe ich in einem Band (1. Auflage 1988 – edition suhrkamp 1501) als Taschenbuch vorliegen und es in diesem Sommer zum 2. Mal gelesen. Die drei Bände umfassen über 940 Seiten und sind in zehnjähriger Arbeit zwischen 1971 und 1981 entstand. Das Werk stellt den Versuch dar, die historischen und gesellschaftlichen Erfahrungen und die ästhetischen und politischen Erkenntnisse der Arbeiterbewegung in den Jahren des Widerstands gegen den Faschismus zum Leben zu erwecken und weiterzugeben. Zentral ist der Gedanke der zu erreichenden Einheit: zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten wie zwischen der künstlerischen Moderne und der Arbeiterbewegung. Aufgrund seines besonderen formalen Aufbaus ist Die Ästhetik des Widerstands auch als Roman-Essay bezeichnet worden. (Quelle u.a. Wikipedia.org)

Peter Weiss 1982
Peter Weiss 1982

Das erst kurz vor dem Tod des Autors abgeschlossene Werk zeichnet ein umfassendes Bild der faschistischen Epoche in Europa aus der Sicht des antifaschistischen Widerstands und könnte als eine eigenständige Geschichtsinterpretation gedeutet werden, die eine Sicht aufzeigt, die die allgemeine Geschichtsschreibung zu gern unterdrückt sähe. Von daher kam auch die Kritik, die dem Roman eine gewisse Einseitigkeit vorwarf.

Ich will hier nicht in die Tiefe gehen, aber anhand von Stichworten einen Einblick in dieses Werk vornehmen:

Erster Band
Bergamon-Fries (erste Sicht einer Ästhetik des Widerstands aus der Antike – der Aufstand der Niederen gegen die gottgleichen Herrschenden – siehe Kunstwerke in der „Ästhetik des Widerstands“)
– Nazi-Herrschaft
Spanischer Bürgerkrieg
Sagrada Familia (Gaudí)
Guernica (Picasso)
Kafkas Das Schloss (S. 171 ff).

Zweiter Band
– Paris
GéricautsMedusa
– Montmartre
Spiegelgasse, Zürich (Lenin & Co.)
-Stockholm
– u.a. Ossietzkys Tod
Bert Brecht
Margareta, u.a. Königin von Schweden, 14. Jh.
Engelbrekt, Freiheitskämpfer, 15. Jh.

Dritter Band
– Stockholm
Karin Boye: Kallocain
BayonAngkor Wat, Kambodscha
Angkor Thom
Dürers Melencolia (S. 132)
– Hinrichtungen Plötzensee (S. 210)

… denn die Offenheit, die uns zu eigen war und die unsre Selbstandigkeit begründete, sollte aufgerieben werden, und wie viele schon auf der Strecke geblieben waren, so zerstört, daß sie die Verunstaltungen, denen sie anheimfielen, nicht einmal mehr erkannten, das hatte mit großer Detailschärfe einer geschrieben, dessen Werk, Das Schloß, ich in der Buchhandlung am Marktplatz fand. (S. 171)

Peter Weiss setzt sich mit Kafkas ‚Erzählung vom Landvermesser‘ (S. 175) detailiert auseinander und kommt zu dem Ergebnis: ‚Was Kafka geschrieben hatte, war ein Proletarierroman.‘ (S. 179)

Der Roman Die Ästhetik des Widerstands ist, seit dem Erscheinen des dritten Bandes im Jahre 1981, zu einem Kultbuch geworden. Peter Weiss gelingt nämich eine erzählerische Synthese der politischen und ästhetischen Strömungen des 20. Jahrhunderts: er entfaltet eine Ästhetik, die Widerstand gegen jede Art der Unterdrückung ist, und zugleich dem Widerstand eine Ästhetik einschreibt, die ihn vor jeder Dogmatik bewahrt. Was erzählt dieser Roman? Sein erstes Buch berichtet von einigen Freunden, jungen Arbeitern, die im September 1937 in Berlin ihren Standort umreißen. Unter ihnen befindet sich der Erzähler. Über die Tschechoslowakei, wo seine Eltern ansässig sind, gelangt er nach Spanien und nimmt teil am bewaffneten Widerstand, bis zum September 1938, dem Zusammenbruch der Republik. Er geht nach Paris. Die letzten Bemühungen um die Bildung einer Volksfront, einer Einheitsfront der beiden zerschlagenen deutschen Arbeiterparteien, verfolgt er hier. Es ergibt sich die Gelegenheit, nach Stockholm zu reisen. Geschildert wird im zweiten Buch die Vielschichtigkeit der Erlebnisse dort, bei den Gängen durch die Stadt, in der Zerzinnungsabteilung der Fabrik, bei der Anstrengung, Zugang zu künstlerischen Ausdrucksmitteln zu finden. In den ersten beiden Bänden der Ästhetik des Widerstands wurde die Auseinandersetzung mit Werken der Kunst geführt; im abschließenden Teil der Trilogie stehen die Schicksale der Menschen im Vordergrund. Der Autor verfolgt ihre Wege: Endstation für viele von ihnen sind die Hinrichtungsstätten des „Dritten Reichs“. Dennoch bleibt der Widerstand ihr Vermächtnis. (aus dem Klappentext).

„Wir sagten: Ulysses – und das nicht allein, um den Rang der Weiss’schen Epopöe zu bezeichnen, sondern weil wir glauben, daß es sich bei der Ästhetik des Widerstands um einen ebenso listigen wie gelungenen Gegen-Entwurf zum Joyceschen Kompendium handelt – Herakles tritt auf den Plan und fordert Odysseus in die Schranken der Poesie!“ Walter Jens

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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