Krebs-Tagebuch eines Angehörigen (1)

Keine Angst: Ich will hier in diesem Tagebuch einer Krebserkrankung nicht bis ins letzte Detail gehen und damit andere Leidtragende quälen. Wer selbst betroffen ist, ob als Erkrankter oder als Angehöriger oder Freund, braucht Mut und Zuspruch. Aber gerade dann, wenn man die verhängnisvolle Diagnose erfährt, stellen sich Fragen, die an allen Beteiligten nagen.

Ein Schock bleibt es erst einmal. Auch die Frage, warum meine Frau (und warum nicht ich?). Zunächst war ich wie vor den Kopf geschlagen, sprachlos. Ich weiß nicht genau, wie es meiner Frau ging, als sie es erfahren musste. Wir versuchen es mit Fassung zu tragen. Aber es bleibt eine Ungewissheit, wie sie nun einmal bei einer so heimtückischen Krankheit wie Krebs bleiben muss: wird alles am Ende wirklich gut? Wir können alle nur hoffen, dass es gut wird. Und die Ungewissheit nagt an einem, weil einem irgendwie das Heft aus den Hand zu gleiten droht, man nicht mehr Herr seines Schicksals ist.

Warum gebe ich einer Krankheit eine menschliche Eigenschaft: heimtückisch? Immerhin spricht man bei einem Krebsgeschwulst von einem malignen, also bösartigen Tumor. Heimtückisch deshalb, weil die Krankheit so ‚unberechenbar’ ist, bei der Körperzellen unkontrolliert wachsen, sich teilen und gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können. Und glaubt man, die Krankheit besiegt zu haben, so können sich doch so genannte Metastasen, also Tochtertumore, an anderer Stelle gebildet haben. Und heimtückisch, weil vieles rund um die Krebserkrankung noch im Dunklen liegt und nicht bis ins Kleinste erforscht ist. Viele Annahmen beruhen auf Theorie.

Heute Nachmittag fährt meine Frau nach Buchholz ins Krankenhaus zum Gespräch und zur weiteren Untersuchung durch den Onkologen. Heute wird auch der Termin ausgemacht, wann der Brustkrebs meiner Frau operiert wird. Und alle weiteren Details zur anschließenden Chemotherapie. Der Kampf gegen den Krebs hat begonnen.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

3 Gedanken zu „Krebs-Tagebuch eines Angehörigen (1)

  1. Hallo Wilfried,

    ich wünsche Deiner Frau und Eurer ganzen Familie viel Kraft für den bevorstehenden Kampf !
    Die Ärzte vermögen viel; Gott vermag alles.

    Liebe Grüße
    Lockwood

    1. Vielen Dank, Lockwood!

      Meine Frau ist ein ‚zäher‘ Typ. Sie wird es mit Sicherheit schaffen. Aber der Schock sitzt tief. Wir müssen erst einmal mit der neuen Situation klar kommen. Besonders unser Jüngster hat daran zu ‚knabbern‘, wie man sagt.

      Wilfried

  2. Hallo Wilfried, zufällig fand ich Deinen Blog, was genau ich suchte, weiss ich nicht. Nun hoffe ich sehr, dass es Deiner Frau insbesondere und euch als Familie wieder besser und gut geht.
    Ich selbst stehe vor den gleichen Fragen wie Du sie formuliert hast, den Rektumkarzinom meines geliebten Lebensgefährten haben wir Jens Torben benannt. Ein ganz böser Teufel, und nun, 2 Wochen nach der Operation sieht alles wieder schöner aus. Die Welt ist ein wenig bunter geworden, wird aber vom depressiven grau durchzogen. Wechselseitig sinkt schlagartig Stimmungslage, die Auslöser sind nicht immer festzumachen.
    Uff, das floß mir jetzt in die Tasten, und nun habe ich beim Schreiben beschlossen, einen Blog zu eröffnen, weiss nur noch nicht genau wie das funzt.
    Herzliche unbekannte Grüße aus Berlin

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