Diagnose: Brustkrebs

Jede Zeit hat ihre Pest. Wie im Mittelalter, als die Pest die Menschen ganzer Landstriche dahinraffte (interessant ist hier der Roman Narziß und Goldmund von Hermann Hesse; unbedingt empfehlen möchte ich auch Die Pest von Albert Camus), so gibt es auch heute Krankheiten, die vielleicht nicht unbedingt epidemisch oder gar pandemisch auftreten, an die aber viele Menschen erkranken und auch sterben. Neben Aids ist das Krebs.

Sicherlich kann Krebs bekämpft werden. Von einer sicheren Heilung kann im Vorhinein aber nicht gesprochen werden. Das ist es, was uns alle vor dieser Krankheit zurückschrecken lässt. Wir empfinden Krebs als Pest unserer Zeit.

Beängstigend ist es nun, wenn man überlegt, wer im eigenen näheren Umfeld vom Krebs befallen wurde und sogar starb. Da war die Frau von unserem Nachbarn Otto, die vor einiger Zeit an Krebs starb. Otto war Pastor in Marschacht, einer Gemeinde, die nicht unweit von dem Atomkraftwerk Kümmel gelegen ist. Ursache und Wirkung?

Vor einem Jahr starb die Mutter eines Freundes meines jüngeren Sohnes – an Krebs. Sie war auch Freundin meiner Frau. Bis zuletzt kämpfte sie gegen diese Krankheit an – vergeblich. Eine weitere Freundin meiner Frau, gerade 40 Jahre alt, erkrankte ebenfalls vor einem Jahr an Krebs, an Brustkrebs. Dieser wurde rechtzeitig erkannt und operativ entfernt. Und nach einer folgenden Chemotherapie stehen die Chancen gut, dass sich keine Metastasen gebildet haben.

Ebenfalls an Brustkrebs war die Mutter einer Freundin meines älteren Sohnes erkrankt. Nach der Entfernung bildeten sich dann aber Absiedlungen des Tumors in anderen Organen. Sie starb daran.

Krebs ist die Pest!

Meine Frau hatte Schmerzen im Brustbereich. Ein Orthopäde meinte, es wären Muskelbeschwerden, die sich aber nur mühevoll beheben ließen. Damit nicht zufrieden, ließ sie sich im Krankenhaus genauer untersuchen. Und jetzt die Diagnose: Brustkrebs.

Meine Frau ist nicht der Typ, der für eine solche Krankheit anfällig sein könnte, weder genetisch (uns ist kein Fall von Krebs in ihrer Familie bekannt), noch körperlich. Auch nicht seelisch, wenn das eine Rolle spielen sollte. Sie ist schlank, treibt Sport, ist viel an der frischen Luft, raucht nicht und trinkt nicht und sie ernährt sich durchaus bewusst. Unsere Söhne hat sie lange gestillt, was das Risiko verringern soll.

Und trotzdem jetzt dieser Schock. Jede andere Krankheit: ja – aber nicht Krebs. Auch die Ärzte waren irritiert und fragten nach, ob meine Frau in letzter Zeit enormen Stress hatte, z.B. einen Todesfall in der Familie. Vor weniger als einem Jahr starb ihr Vater, mit dem sie emotional sehr verbunden war. Sollte das die Ursache sein? Rechte Seite wäre Vaterseite (links Mutterseite). Der Krebs ist rechts.

Der Schock sitzt tief. Plötzlich denkt man selbst ans Schlimmste. Alternative Heilmethoden? Oder doch Operation und Chemotherapie? Es kann nur darum gehen, dass meine Frau schnell wieder gesund wird. Mut fassen! Nur nicht klein beigeben. Aber zunächst fällt man in ein tiefes Loch. Auch die Kinder sind betroffen, haben sie doch über Freunde schlimme Erfahrungen gemacht. Und jetzt stehen auch noch für beide Jungen die Abschlussprüfungen in der Schule an.

Unweigerlich rücken wir näher aneinander. Heute noch wird meine Frau ein Gespräch mit dem Onkologen führen und die weiteren Schritte besprechen. Möglichst bald wird die Operation sein. Alles wird gut werden. Der Haushalt wird zur Männerwirtschaft. Aber das wuppen ich und meine Söhne schon. Wie Geschirrspüler und Waschmaschine funktionieren, wissen wir nun auch endlich.

Aber das Wichtigste ist erst einmal meine Frau. Gemeinsam werden wir das durchstehen. Meine Frau ist robust und willensstark. Das ist wichtig. Gemeinsam werden wir diese schwere Zeit überstehen. Gemeinsam werden wir stark sein. Auch gegen diese heimtückische Krankheit.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

2 Gedanken zu „Diagnose: Brustkrebs

  1. Die von dir zum Vergleich herangezogenen Pest und Aids (bzw. die Pest auslösenden Bakterien und das HI Virus) sind ansteckend. Man kann sich infizieren. Kann nachvollziehen wie und warum es diese Krankheiten gibt. Krebs kommt einfach so. Ich wünsche dir und deiner Frau, dass bei ihr alles gut geht. So gut, wie es mit Krebs gehen kann.

    Übrigens ist es wirklich krass, wie viele Frauen an Brustkrebs erkranken. Zu denen die du aufgezählt hast kommen sicher noch dutzende in deinem direkten und indirekten Bekanntenkreis von denen du es nur nicht weißt.

  2. Hallo Williz (mein Sohn heißt auch so. Allerdings mit „s“ am Ende). Ich weiß nicht, wie es Euch mittlerweile ergeht. Ich kann Dir (oder Deiner Frau) nur empfehlen, einen Verein aufsuchen. z.B. http://www.zebra-brustkrebs.de. Der Verein finanziert sich nur durch Spenden, ist also nicht kommerziell. Er bietet Information, Beratung und Unterstützung, sowie Seminare. Ich wünsche Dir viel Kraft. Auch wenn ich nicht weiß, wie der Stand bei Euch im Moment ist.

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