Wie Deutschland (nicht) Fußballweltmeister wird

Heißa, was für eine Fußball-WM! Die großen Favoriten kommen ins Straucheln, manch Kleiner zeigt sich groß – leider kommen die Afrikaner auf dem eigenen Kontinent nicht klar.

Nach dem 4:0-Sieg gegen Australien schien beim deutschen Team alles bestens zu sein. Auch Klose schien wieder die Kurve gefunden zu haben. Dann die Ernüchterung gegen die Serben. Ein Déjà-vu? Bei der Europameisterschaft 2008 gab es nach einem souveränen Sieg gegen Polen eine 2:1-Klatsche gegen Kroatien. Erst nach einem mühevollen 1:0-Sieg gegen den Hausherrn Österreich qualifizierte sich Deutschland für die nächste Runde. Gegen Ghana morgen wird es mit Sicherheit nicht leicht. Ein Ausscheiden schon in der Vorrunde ist also möglich.

Klaus Allofs hat mit Blick auf seinen Schützling Mesut Özil die Taktik von Joachim Löw bei der 0:1-Niederlage gegen Serbien kritisiert. Löw hatte den Mittelfeldspieler Özil nach der Gelb-Roten-Karte für Miroslav Klose 33 Minuten lang als Spitze spielen lassen, ihn dann aber für Cacau ausgewechselt. „Es war sicher keine leichte Entscheidung. Aber dass Mesut ganz vorne gespielt hat, war nicht die beste Lösung! Wir wissen aus Bremen, dass er dort nicht so wirkungsvoll ist. Es war nicht ideal für Mesut und für die ganze Mannschaft“.

Und die anderen Favoriten? Der Streit in Englands WM-Team spitzt sich zu. „Es fühlt sich an, als wären die letzten zwei Jahre Zeitverschwendung gewesen“, zitierten britische Zeitungen Nationaltrainer Fabio Capello. Der enttäuschte Coach distanziert sich zunehmend von seiner Mannschaft. „Ich habe keine Ahnung, wie oder warum die Spieler an diesem Punkt ankommen konnten“, meinte Capello. An die Spitze der Capello-Kritiker bei den „Three Lions“ hat sich Abwehrchef John Terry gestellt. „Meuterei: Terry greift nach der Rolle als Spielertrainer“, titelte die Boulevard-Zeitung „Daily Mail“ am Montag.

Die französische Nationalmannschaft hat bei der WM für einen Eklat gesorgt. Das am Sonntag in Knysna angesetzte Training der „Bleus“ ist nach einem handfesten Streit zwischen Patrice Evra und Konditionstrainer Robert Duverne auf Forderung der Spieler abgesagt worden. Anschließend erklärte der Verbandsoffizielle Jean-Louis Valentin seinen Rücktritt. „Was hier passiert, ist ein Skandal für die französische Mannschaft und für das gesamte Land“, so Valentin. Das Team protestierte mit seinem Boykott gegen den WM-Ausschluss von Nicolas Anelka. Anelka soll Trainer Raymond Domenech beleidigt haben.

Italien hat auch sein zweites WM-Spiel nicht gewinnen können. Wie schon beim Auftakt gegen Paraguay kam der Weltmeister diesmal gegen Neuseeland nicht über ein 1:1 (1:1) hinaus, hat aber noch alle Chancen auf das Achtelfinale. In der 7.Minute schockten die Neuseeländer die Italiener mit der 1:0-Führung durch Smeltz. Danach kam von den „Kiwis“ zu wenig. Italien drückte auf das 1:1 und wurde mit einem Elfmeter von Iaquinta belohnt. In Hälfte zwei belagerte die Suqadra Azurra den Strafraum der aufopferungsvollen Neuseeländer, allerdings fehlte Italien die Durchschlagskraft für den Siegtreffer.

Rekord-Weltmeister Brasilien hat bei der WM in Südafrika das Achtelfinale erreicht. Gegen die Elfenbeinküste siegten die Südamerikaner 3:1 (1:0). Die Selecao zeigte erneut keinen Samba-Fußball, aber eine umso effizientere Chancenverwertung. Mit einem strammen Schuss aus kurzer Distanz brachte Fabiano (25.) sein Team in Führung. Auch der zweite Treffer (50.) ging auf sein Konto. Allerdings spielte Fabiano zuvor zweimal Handspiel. Erst nach dem 3:0 von Elano (62.) zeigten die Brasilianer mehr Spielfreude. Rüde gestoppt wurden sie dabei von den Ivorern, die mit harten Attacken ihrem Frust Luft verschafften. Drogba gelang noch das Tor zum 1:3.

Europameister Spanien begann mit einer 0:1-Pleite gegen die Schweiz, weil sie ihre vielen Chancen nicht verwerten konnten. Ein Doppelpack von Stürmerstar David Villa hat Spanien dann gestern den ersten Sieg bei der WM in Südafrika beschert. Gegen Honduras gewannen die Spanier 2:0 (1:0), wobei die Mittelamerikaner noch gut bedient waren, da auch in diesem Spiel die Chancenauswertung schlecht war.

Portugal steht mit einem Bein im Achtelfinale der Fußball-WM in Südafrika. Die Portugiesen setzten sich gegen Nordkorea mit 7:0 (1:0) durch und liegen nun in der Gruppe E mit vier Punkten auf Rang zwei hinter Brasilien. Portugal begann furios. Nach drei Minuten gab Cristiano Ronaldo den ersten Warnschuss ab. Doch auch die Nordkoreaner waren nicht ungefährlich, die Tore machten letztlich aber die Portugiesen. Raul Meireles eröffnete die Tore-Flut. Die weiteren Treffer von Simao, Almeida und Tiago fielen alle innerhalb von nur sieben Minuten. In der Schlussphase trafen dann Liedson, Ronaldo (endlich traf er ins Tor) und Tiago.

Die Niederlande gewannen zwar ihre ersten zwei Spiele, konnten aber noch nicht so überzeugen wie in der Vorrunde bei der EM 2008. Ein gutes Zeichen für die nächsten Spiele?

Enttäuscht sein müssen die Afrikaner. Kamerun ist bereits gescheitert. Nigeria, Gastgeber Südafrika und Algerien stehen vor dem Aus. Und Ghana müsste zumindest unentschieden gegen die deutsche Mannschaft spielen, um ins Achtelfinale einzuziehen.

Ab heute läuft nun der dritte Spieltag der Vorrunde. Mit welchen Überraschungen ist noch zu rechnen? Welche Mannschaften schaffen es ins Achtelfinale neben der Niederlande und Brasilien (Portugal ist auch so gut wie durch). Bisher fand ich diese WM eher als enttäuschend. Die wirklich guten Spiele kann man an einer Hand abzählen. Viele Mannschaften spielen einfach nur ergebnisorientiert (z.B. die Niederlande und Brasilien), was zwar den bisherigen Erfolg gesichert hat, aber nur wenig Sehenswertes für den Zuschauer bietet. Und wenn nun vielleicht (fast) alle afrikanischen Mannschaft ausscheiden, dann schweigen vielleicht nicht nur die Vuvuzelas.

Die FIFA hat seinen WM-Schiedsrichtern den Rücken gestärkt. „Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit den Leistungen. Fehler sind nur menschlich“, sagte Schiedsrichter-Kommissions-Chef Jose Maria Garcia-Aranda. Einzelne Entscheidungen wollte der Spanier nicht kommentieren. Dass tatsächlich die besten Referees der Welt bei der WM in Südafrika pfeifen, hält unter anderem Neuseelands Mannschaftskapitän Ryan Nelsen für einen schlechten Witz. „Wenn das die besten Schiedsrichter sind, die die FIFA zu bieten hat, will ich die schlechtesten nicht sehen“, sagte Nelsen. Dem kann ich mich nur anschließen (siehe hierzu auch ein Interview auf zeit online: Schiedsrichter-Debatte – „Bei einer Weltmeisterschaft pfeifen nicht die Besten“ – Warum sollen aber Schiedsrichter auch besser als die Spieler sein …).

Wer wird am Ende dann Weltmeister? Hoffentlich nicht wieder so eine Gurkentruppe wie Italien. Ich tippe trotz Auftaktniederlage weiterhin auf Spanien. Dann müsste das spanische Team aber seine Torchancen besser ausnutzen. Vielleicht die Niederlande? Baldmöglichst soll Arjen Robben zum Einsatz kommen. Aber auch von ihm sind keine Wunderdinge zu erwarten. Brasilien wird sich weiter durchmogeln. Bleibt dann noch Argentinien, die immerhin gezeigt haben, dass sie im Stande sind, auch ansehnlichen Fußball zu spielen (nicht nur dank Messi). Chile und Paraguay muss man wohl auch noch zum erweiterten Favoritenkreis zählen (mehr aber nicht). Und Deutschland? Noch ist alles möglich. Zum Titel wird es, so denke ich, auch dieses Mal nicht reichen.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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