Daher der Name Bratkartoffel (1)

Während es bei uns Bindfäden regnet (oder aus Kübeln schüttet), regnet es im englischen Sprachraum Katzen und Hunde (It’s raining cats and dogs!). Ich liebe Redensarten. Sie sind das Salz in der Suppe (auch eine Redensart) einer Sprache.

Daher der Name Bratkartoffel. Ich war mir zunächst nicht im Klaren, ob es hierbei um eine allgemein bekannte Redensart handelt (genaugenommen handelt es sich hierbei um eine Redewendung). Viele Redensarten bzw. Redewendungen (ich will es hier nicht ganz so genau nehmen) übernimmt man von seinen Eltern (und gibt viele auch an seine eigenen Kinder weiter). Diese Redewendung kenne ich von meinem Vater und sie fiel mir wieder ein, als sich eine Frage plötzlich aus dem Zusammenhang mit einer weiteren Information klärte: Das war dann plötzlich klar wie klare Kloßbrühe! Oder: Daher der Name Bratkartoffel!

Redenarten sind sprachliche Wendungen mit meist symbolischer Bedeutung. Kennt man eine Redensart nicht und kann auch die symbolische Bedeutung nicht auflösen, die sich eventuell im Zusammenhang zum weiterhin Gesagten herstellen ließe, dann erscheinen Redensarten sinnlos zu sein. Was bedeutet z.B. jemanden am Bein ziehen (to pull somebody’s leg)? Okay, wer etwas Englisch kann, wird vielleicht wissen, dass diese Redensart unserem „jemanden auf den Arm nehmen“ entspricht. Man kann natürlich tatsächlich jemanden auf den Arm nehmen, z.B. ein Kind. Als Redewendung bedeutet es aber „jemanden anlügen, täuschen“ usw. – und es gibt dazu noch viele ähnliche Redewendungen wie: jemanden an der Nase herumführen – jemandem einen Bären aufbinden – jemandem ein X für ein U vormachen usw.

Wie gesagt: Ich liebe Redensarten. Gerade der symbolischer Gehalt „erhöht“ gewissermaßen die Sprache und hat etwas Geheimnisvolles, gar etwas, das nur „Eingeweihte“ verstehen, auch wenn eine Redensart meist sehr profan, sehr prosaisch, eigentlich dem Alltag entnommen ist. Redensraten bzw. Redewendungen sind auch das Resultat der Phantasie. Vorgänge, Tätigkeiten, Dinge, was auch immer, die man vielleicht ungern „beim Namen“ nennt oder deren „Beschreibung“ zu umständlich wäre, werden mit sehr konkreten Begriffen „auf den Punkt“ gebracht. Dabei spielt besonders das Bildhafte eine große Rolle (Bindfäden, Kloßbrühe, Bratkartoffel).

Sprache in ihren Ausprägungen interessiert mich immer wieder aufs Neue. Sehr interessant findet ich dabei Archaismen und Neologismen (also untergegangene Wörter und Wortneuschöpfungen), die letztendlich eine Sprache lebendig halten. Hier nochmals eine Übersicht meiner Beiträge zum Thema Sprache:

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm GrimmWas ist ein Jackpot?You need ZugzwangWenn der Amtsschimmel wiehertTypisch deutsch: GemütlichkeitWörterbuch der Szenesprache

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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