Der Club der Weihnachtshasser

Zu Weihnachten 2009 bekam ich den Roman Der Club der Weihnachtshasser von Michael Curtin geschenkt. Augenzwinkernder Wink mit dem Zaunpfahl? Sicherlich, denn ich habe etwas gegen diesen kollektiven Wahnsinn zu Weihnachten (Kaufrausch, kooperative Besinnlichkeit), noch mehr zu Silvester mit den gemeinsamen Besäufnissen und der gemeinschaftlich begangenen Ruhestörung zur Schlafenszeit mit Böller und Silvesterraketen (siehe meinen Beitrag: Kollektiver Wahnsinn beendet). Trotzdem fühle ich mich nicht durch und durch als Weihnachtsverächter. Denn wenn man Frau und Kinder hat, dann kann die Weihnachtszeit eine sehr schöne Zeit sein.

Letzteres ist auch der Grund dafür, dass ich dieses Buch erst jetzt zur feiertagsfreien Zeit gelesen habe:

Die Achtziger Jahre waren ein trauriges Jahrzehnt – jedenfalls in England. Die eiserne Lady ließ nicht gerade Träume wahr werden, und so blieb vielen im Vereinigten Königreich nichts anderes übrig, als im Pub um die Ecke in die gutgemischten Karten zu schauen.

Auch die Solorunde trifft sich in jenen Jahren an jedem Mittwochabend im The King`s Arms im Londoner Stadtteil Sheperd`s Bush zum Kartenspiel (Solo ist ein Kartenspiel, das unserem Skat ähnelt; es wird im Buch ziemlich ausführlich erklärt): Percy Bateman, irischer Außenseiter und Herumtreiber, der in seiner Jugend ein spektakuläres Desaster auf dem Rugby-Feld zu verantworten hatte; Kenneth Foster, ein Buchhalter, der sich gern in Frauenkleider hüllt; Arthur Ellis, ehemals Londoner Gebietsleiter der NatWest Bank, der die Welt davon überzeugen will, sich Linoleumböden anzuschaffen und der zu diesem Zweck immer ein Stück dieses nicht gerade populären Materials mit sich herumträgt; Ernie Gosling, Hilfskellner im The King`s Arms, der nie so recht weiß, ob er eher für sich oder seine Frau den Totoschein ausfüllt; und Diana Hayhurst, die Schulterpolster tragende Herausgeberin von „Unipolitan“, der Zeitschrift für die moderne Frau.

Keiner von ihnen führt ein leichtes Leben, soviel ist klar, aber das schlimmste daran, so stellen sie eines Tages fest, ist in jedem Fall Weihnachten – die Besuche bei den Verwandten, die teuren Geschenke, die jeder erwartet, die schrecklichen Papierhüte, in denen man aussieht wie auf einem Kindergeburtstag, und überhaupt, für wen soll Weihnachten gut sein?

Und so macht sich der Club der Weihnachtshasser auf nach Irland, um mit den Ersparnissen ehrenwerter irischer Bürger ein Exempel gegen Weihnachten zu statuieren, wobei es zu folgenreichen Verwechslungen kommt.

Um es gleich zu sagen: „Der Club der Weihnachtshasser“ ist nur vordergründig ein Buch für all diejenigen, die sich mit dem Weihnachtsfest nicht anfreunden können und ebenfalls schwer genervt sind von Konsum und monatelangem Hype. Eigentlich geht es nicht wirklich um die Abneigung gegen das Fest und die Sabotage desselben, sondern durchgängig mehr um die Konstellation der fünf so unterschiedlichen Personen, die sich hier zusammenfinden, und deren Lebensgeschichten, die Autor Michael Curtin vor dem Leser ausbreitet. Im Mittelpunkt steht dabei Percy Bateman, der jahrelang unter seinem Vater litt. Der Diebstahl der Sparclub-Einnahmen soll in diesem Sinne nicht nur eine Weihnachtssabotage sein, sondern vielmehr die Rache am übermächtigen Vater.

Und es ist ein irisches Buch (nicht nur der Autor ist Ire), auch wenn das Ganze hauptsächlich im London der Ära Margaret Thatcher spielt. So kommt der Humor manchmal leise und verschroben, dann auch schon ziemlich derb und deftig daher – man muss schon ein Faible für irische Romane und den damit verbundenen Humor haben. Außerdem braucht es am Anfang einige Geduld beim Lesen, bis sich die Geschichten der Protagonisten ‚entwickelt’ haben. Einen Spannungsbogen sucht man vergeblich, obwohl sich zumindest gegen Ende die Ereignisse skurril und auch traurig zuspitzen. Der Schwerpunkt liegt beim „Club der Weihnachtshasser“ eben auf den skurrilen und durchaus sehr interessant entwickelten Lebensläufen der hier vorgestellten Personen.

Insgesamt ist es ein Buch, das nicht, wie der Titel auf den ersten Blick andeutet, eine böse, lustige Geschichte für Weihnachts-Verächter darstellt, sondern vielmehr eine durch und durch irische, bisweilen sehr skurrile Geschichte, deren Humor man entweder mag oder nicht. Ich fand den Roman auf jeden Fall ganz witzig.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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