Vor vollendeten Tatsachen

Es geht doch nichts über gute Nachbarschaft, oder? Wenn’s denn eine ‚gute’ wäre …

Wir wohnen in einer Doppelhaushälfte und sind mit unserem direkten Nachbarn immer mehr oder weniger klar gekommen, wenn wir ihn auch für einen ‚merkwürdigen Vogel’ halten, dem Äußerlichkeiten bedeutend wichtiger sind als uns, denn er mag es immer gern groß aufgetragen. Ein Großkotz eben. Nun hat sich unser Nachbar einen Kamin einbauen lassen, dessen Schornstein monströs über allen Gipfeln thront und ab demnächst seinen Beitrag zur Luftverpestung beitragen wird. Wie gesagt: Wir wohnen in einer Doppelhaushälfte und damit auch unser Nachbar. Er wohnt also nicht in einem Einzelhaus, noch weniger in einer Villa.

Damit der Schornsteinfeger (Vorschrift ist Vorschrift) zum Fegen auf den Dachfirst gelangen kann, wurde eine Leiter aufs Dach genagelt, geschraubt, was weiß ich … Direkt am Schornstein wurden zwei Stufen (Alu-Gitter) befestigt. Und genau diese wurden mindestens zur Hälfte auf unserer Dachhälfte angebracht, weil’s auf der anderen Seite nicht ging (Dort hatte unser Nachbar bereits zwei große Fenster mit Rollläden einsetzen lassen). Diese Stufen wurden nun montiert, ohne dass wir zuvor gefragt wurden, ob wir damit einverstanden sind oder nicht.

Ich habe keinen Bock auf Streit. Was mich aber stört ist, dass wir einfach vor vollendete Tatsachen gestellt wurden und dann dieser selbstherrliche Fratzke und sein Psychogelaber: Entschuldigung, aber … … wir hätten ja auch nicht für alles eine Zeichnung … … immer gute Nachbarschaft, bla, bla, bla … und schließlich hätten wir unseren Schornstein (für unsere neue Zentralheizung, die jetzt im Keller ist) außen angebracht, da hätte ihn ja auch keiner gefragt: Wozu auch, wir haben ja nichts auf seinem Dach montiert.

Ich bin gespannt, wie er jetzt reagiert. Ich habe ihm nur noch gesagt, er solle es so lassen wie es ist, alles andere wäre ‚sinnlos’ (was ‚sinnlos’ wäre, sagte ich nicht) … bevor ich unsere Haustür in den Grundfesten wanken ließ. Wenn er nicht der Armleuchter ist, für den ich ihn halte, dann wird er die besagten zwei Stufen (Gitterrost) quer oder wie auch immer anbringen lassen (was sich durchaus bewerkstelligen ließe) und so nicht mehr auf unserem Dach lastet. Ansonsten werde ich ihn weiterhin für den Armleuchter halten, der er allem Anschein nach auch tatsächlich ist.

Nur so nebenbei: Meine Frau als Tagesmutter hat früher seine Kinder eine Zeitlang betreut (mit Mittagessen und Unterstützung bei den Hausaufgaben) und ihm einen ‚Nachbarschaftsrabatt’ eingeräumt. In seiner moralischen Ahnungslosigkeit prahlte er damit, dass er mehr Geld vom Arbeitgeber für die Kinderbetreuung erstattet bekäme als er meiner Frau bezahlte (hätte das meine Frau früher gewusst …). Und: Unser Doppelhaus ist an einer Drainage angeschlossen. Das Abwasser sammelt sich in einem Schacht und wird über eine Pumpe entsorgt. Diese Pumpe verbraucht natürlich Strom auf unsere Kosten, für den der Nachbar bis heute noch keinen Pfennig respektive Cent gezahlt hat (inzwischen verbrauchte die Pumpe über 500 KW/h). Wenigstens eine kleine Aufmerksamkeit ab und wann wäre vielleicht drin gewesen …

Es geht doch nichts über gute Nachbarschaft, oder? Ich kann durchaus drauf pfeifen

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Ein Gedanke zu „Vor vollendeten Tatsachen

  1. Tostedt? Tostedt ist ein Krematorium. Das Problem mit den Neonazis bekommt man dort nicht in den Griff (bewundernswert immerhin, wie sich junge Menschen gegen die braune Brut engagieren). Der Ort ist von Ossies überflutet, die meinen, sich alles erlauben zu können. Und aus immer mehr Schornsteinen stinkt es wie die Pest. Ländliche Idylle? Weit gefehlt! Nach sechs Jahren in Tostedt bin ich wieder zurück nach Hamburg gezogen.

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