Aus die Maus

Nun dürfen früher als gewollt die Deutschland-Fähnchen eingerollt und die sieben Meisterbiere ausgetrunken werden – und Jürgen Klopp und all die bärtigen Herren in deutschen Landen rasieren sich wieder. Der Alltag kehrt ein. Es ist aus und vorbei. Wieder hat es nicht sollen sein. Und schon wieder gegen Italien.

Als ich gestern von der Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale bei der Fußball-Europameisterschaft erfuhr, überkam mich geradezu Entsetzen: Wieder mit Podolski und wieder mit Gomez. Des Bundestrainers Löw bescheidenes Fazit nach dem Spiel: „In den ersten drei Spielen haben wir auch gewonnen mit Mario Gomez und Lukas Podolski.“ Und was war mit dem vierten Spiel gegen Griechenland mit den Einsätzen und Toren von Klose und Reus? Warum also wieder diese beiden Spieler, die wie Fremdkörper in einer ansonsten eher homogenen Mannschaft wirken. Warum diese hohen, meist unpräzisen Pässe in den Strafraum, in dem ein unbeweglicher Mittelstürmer alter Prägung nicht so recht wusste, was er tun sollte. Nein, Herr Löw, es mag ja sein, dass sie Herrn Gomez zu einem vierten Tor und damit vielleicht zur Torschützenkrone verhelfen wollten. Es mag ja sein, dass sie glaubten, Herr Podolski würde in seiner alten Heimat zu alter Form auflaufen. Ihren Fehler haben Sie korrigiert – allerdings zu einer Zeit, als so gut wie nichts mehr zu retten war. Einen Zwei-Tore-Vorsprung lassen sich die Italiener so schnell nicht aus der Hand nehmen.

2. Viertelfinalspiel: Deutschland-Italien 1:2

Für die Mannschaft tut es mir schon etwas Leid. Aber wer so hohe Ansprüche an sich stellt und diese nicht zu erfüllen im Stande ist, macht sich nun einmal zum Deppen. In zwei Jahren geht es dann nach Brasilien zur Weltmeisterschaft. Vielleicht klappt es dann. Die Mannschaft ist noch jung, nur im Sturmbereich muss nun auch endlich ein Durchbruch geschehen. Gomez passt, wie Mehmet Scholl, Co-Kommentator bei der ARD, anfangs richtig festgestellt hat, nicht in ein ‚spielendes’ Team – so wie Klose. Nur der ist inzwischen 34 Jahre alt. Wer käme da also in Frage? Wahrscheinlich sollte man fast ganz auf einen typischen Mittelstürmer verzichten und einen Spieler wie Reus verstärkt zentral agieren lassen.

Italien also im Endspiel – und gegen Spanien wie bereits in der Gruppenphase, als sich beide Mannschaften nach gutem Spiel 1:1 trennten. Überhaupt haben die Italiener durch einen für sie ungewohnten Offensivfußball überzeugt. Ich bin nun wirklich kein Freund des italienischen Fußballs, aber was die Italiener während dieser EM spielen, kann sich durchaus sehen lassen.

Die Spanier taten sich gegen wild entschlossene Portugiesen im ersten Halbfinalspiel recht schwer, obwohl sie wie gewohnt mehr Ballbesitz hatten. Das Team von Paulo Bento unterband in einer intensiven Partie konsequent das spanische Kurzpassspiel. In der Verlängerung war den Portugiesen der Kräfteverschleiß und später die Erleichterung über den Schlusspfiff anzumerken. Im Elfmeterschießen setzte sich dann das glücklichere Team durch.

Hier noch einmal meine Tipps zum Halbfinale und die tatsächlichen Ergebnisse:

27.06. 20:45 Donezk Portugal – Spanien Tipp 1:2 (Ergebnis: 2:4 n.E., 0:0)
28.06. 20:45 Warschau Deutschland – Italien Tipp 2:0 (Ergebnis 1:2)

Und mein Tipp zum Endspiel? Die Spanier sind meilenweit von ihrer früheren Klasse entfernt. Es mangelt besonders am Abschluss. Gegen Portugal versuchte man dies zu beheben. Aber ohne großen Erfolg. Die Spanier hätten lieber gegen die deutsche Mannschaft gespielt. Jetzt wissen wir in Deutschland, warum … Ich denke, es wird ein interessantes, wenn auch nicht spielerisch hochklassisches Endspiel. Die Taktik wird das Spiel beherrschen – und am Ende gewinnt vielleicht wieder das glücklichere Team …

01.07. 20:45 Uhr Kiew Spanien – Italien Tipp 2:1 n.V.

Siehe auch meine Beiträge:
Warum Deutschland (vielleicht) nicht Europameister wird
Taktische Finessen

Übrigens: Auf sportschau.de sind noch einmal alle Tore dieser EM zu sehen.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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