Heute Ruhetag (20): Hugo Ball – Hermann Hesse

Am 9. August 1962, also vor 50 Jahren, starb Hermann Hesse. Ein Todestag, der wie sein Geburtstag am 2. Juli 1877, also vor 135 Jahren, den Medien und Buchverlagen Anlass genug ist, sich über den Dichter und Schriftsteller und seinem Weg Gedanken zu machen, ihn in seinem Werk vielleicht neu zu entdecken. Auch ich war in meinen frühen Jahren bereits ein fleißiger Leser von Hesse und habe ihn aus den gegebenen Anlässen in den letzten Monaten erneut gelesen

Herausragende Persönlichkeiten sind immer Anlass auch, sich mit ihrem Leben, ihrer Herkunft und den Umständen ihres Lebens zu beschäftigen. Diese bündelt sich dann in Biografien über die Person. Im Falle Hesses gab es bereits zu seinem 50. Geburtstag eine ausführliche Biografie, die auch heute noch interessierte Leser findet. Hugo Ball, den seit seinem Umzug ins Tessin eine enge Freundschaft mit Hermann Hesse verband, schrieb diese Biografie von Anfang Oktober 1926 bis Anfang März 1927. Im Juni 1927 erschien diese bei S. Fischer kurz vor Hesses 50. Geburtstag und kurz vor dem Tode Hugo Balls.

Heute Ruhetag = Lesetag!

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Wer hätte als Kind nicht an seinem Vornamen gelitten, ihn hundertmal sich vor- und eingesprochen, Forderungen an ihn gestellt, ihn mit berühmten Mustern verglichen, ihm zugejubelt oder ihn ungenügend befunden? Wer hätte als Knabe und Jüngling nicht hundertmal in sanftem, kühnem, steilem oder lässigem Bogen mit Schnörkel und seltsam verschlungenem Strich seinen Namen vor sich hingeschrieben, sich mit ihm gestritten und ausgesöhnt, sich ihn eingeprägt und mit ihm abgesondert von den Geschwistern, von der Familie, als Ich, als Ich selbst, als eigenster Besitzer und Mitgiftträger für Zeit und Ewigkeit?

Frühere Zeiten pflegten dem heranwachsenden Novizen den leiblichen Vornamen nebst seinem Ich abzunehmen und ihm dafür den Namen einer Maske, ein fremdes, höheres, kanonisiertes Ich als Vorbild einzuokulieren. Wir Heutigen aber: müssen wir uns mit dem natürlichen Ich nicht abfinden? Ist dieses uns verbleibende leibliche Ich nicht ein steter Quell der Verfänglichkeit und des Verfangenseins in den Zufall und in die eigene Natur? Und wenn übermächtige Gaben der Eltern uns aufsaugen und entselbsten wollen, wenn eine wohl- oder schlechtbeschaffene Erziehung unseren Eigenwillen brechen, uns kleinkriegen will –: ist dieser Vorname nicht eine Zuflucht? Enthält er nicht unser besonderes Recht auf eigenes, neues, von vorn beginnendes Leben und Wirken?

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Hugo Ball: Hermann Hesse – Sein Leben und sein Werk (1927)

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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