Das Werder-Phänomen (2): Ein Kommen und Gehen

Nach gut 13 Jahren hat Klaus Allofs gestern seinen Chefsessel beim SV Werder Bremen geräumt, um sich beim VfL Wolfsburg für das Doppelte der Kohle einzurichten. Wünschen wir ihm viel Glück dabei.

Als ein Werder-Phänomen habe ich die Transferpolitik beim Bremer Fußballbundesliga-Verein beschrieben, die im Wesentlichen darin besteht, gute bis sehr gute Spieler billig ‚einzukaufen’ (also keine oder eine geringe Ablösesumme zu bezahlen), diese dann, wenn sie nicht mehr bezahlbar sind, für gutes Geld an andere, meist größere Club zu ‚verkaufen’. Ablöse wird immer dann fällig, wenn Spieler bei ihrem alten Verein noch unter Vertrag stehen. Ablösefrei kann ein Spieler also den Verein wechseln, wenn sein Vertrag ausgelaufen ist (wie z.B. im Fall Tim Wiese bzw. Claudio Pizarro). Natürlich ist das kein spezielles Werder-Phänomen. Aber in den letzten Jahren trat dieses in Bremen verstärkt auf: So wurde z.B. ein gewisser Diego Ribas da Cunha 2006 vom FC Porto, weil er dort nicht zum Zuge kam, für rund 6 Millionen Euro an die Weser geholt, schoss dann während der drei Jahre in Bremen in 84 Bundesliga-Spielen immerhin 39 Tore (die vielen Torlagen gar nicht gerechnet), um dann 2009 für angeblich satte 27 Millionen Euro (mindestens 24,5 Millionen Euro) zu Juventus Turin zu wechseln (Zahlen siehe transfermarkt.de). Ähnliches, wenn auch nicht ganz so hoch in den Summen, gilt für Mertesacker, Özil, zuletzt Marin und Naldo (zuvor schon Klose und Valérien Ismaël). Okay, bei Marko Marin decken sich ‚Einkaufs- und Verkaufspreis’ in etwa. Zlatko Junuzovic könnte eines Tages so ein positiver Fall werden.

Werder Bremen: Alle Mann an Bord ...

Apropos Diego! Da gibt es noch ein weiteres Werder-Phänomen (das natürlich ebenso bei anderen Vereinen auftreten kann): Spieler wie Diego, die groß in Bremen herausgekommen sind und dann für viel Geld den Verein wieder verließen, wurden im neuen Verein nicht wirklich richtig glücklich. Diego, der drei Jahre lang für Furore in der Fußballbundesliga sorgte, erlebte in Turin einen Absturz ohnegleichen. Sein ‚Marktwert’ sank schnell auf Vor-Werder-Niveau. Inzwischen hat er sich berappelt und zeigt inzwischen in Wolfsburg angelangt wieder gute Leistungen. Ähnliches ist im Fall Marko Marin zu vermeldet. Schon in Bremen waren seine Leistungen zuletzt eher bescheiden. Beim FC Chelsea in London ist er aber bisher überhaupt noch nicht richtig zum Zuge gekommen. Oder Ailton! Während der kurzen Magath-Episode in Bremen war er aussortiert, kam dann aber unter Thomas Schaaf ganz groß heraus. Aber nach Meisterschaft und Pokalgewinn in Bremen in der Saison 2003/2004 ging es nur noch bergab (zuerst bei Schalke). Die Liste ließe sich fortsetzen. Auch Torsten Frings ist noch ein gutes Beispiel. Bei den Bayern wurde er nichts. Zurück in Bremen lebte er förmlich wieder auf. Auch Johan Micoud, für den die Fans heute noch in Bremen schwärmen, ging in Bordeaux dann doch ziemlich unter.

Dann aber gibt es da noch das genaue Gegenteil: Spieler, die in Bremen kein Land sahen, wurden nach dem Wechsel von Werder in der Ferne plötzlich richtig gut. Die Liste ist lang: Simon Rolfes (brachte es zum Nationalspieler), Nelson Valdez (in Dortmund), Mohamed Zidan (z.B. in Mainz), Christian Schulz (Hannover 96), Boubacar Sanogo oder Martin Harnik jetzt in Stuttgart. Usw. usf.

Wie gesagt: Natürlich sind das keine reinen Werder-Phänomene. Aber wer den Blick wie ich auf eben diesen Verein gerichtet hat, bleibt natürlich auch in seinen gewonnenen Erkenntnissen auf diesen Verein fokussiert. Diese Phänomene haben immer viel mit dem Trainer zu tun. In vielen Fällen ist es Thomas Schaaf gelungen, die volle Leistung der Spieler hervorzulocken. Selbst bei so bekanntermaßen schwierigen Spieler wie Ailton oder jetzt Arnautovic hat Schaaf Wunder bewirkt (oder ist dabei, solche zu bewirken). Bei pflegeleichteren Spielern (z.B. Harnik) ist ihm das dann allerdings nicht gelungen.

Siehe auch weser-kurier.de: Was aus den Ex-Werderanern geworden ist

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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