„Sexistische Kackscheisse“

Hätte Herr Brüderle nur seinen Mund gehalten. Aber, wie es nun einmal seine Art ist, er musste der jungen „Stern“-Reporterin dieses Kompliment machen, wie er es nennt. Natürlich ist die Anzüglichkeit nicht zu überhören. So sind ältere Männer nun einmal. Eigentlich meinen sie es gar nicht so. Oder doch?

Sicherlich kann man diese verbale Entgleisung nur als dumm bezeichnen. Bei einem Gläschen Wein zuviel gesagt. Aber im Endeffekt diskreditiert sie einen Mann wie Herrn Brüderle, der es doch eigentlich besser wissen müsste, bis in sein letztes Handeln. Und dieser Mann führt nun die FDP in den Bundestagswahlkampf.

Natürlich frage ich mich, was besser ist: Wenn sich einer seinen Teil denkt („Die kann ein Dirndl auch auffüllen.“) oder es offen ausspricht, weil’s ihm gerade dazu zumute ist. –

Sex sells – das besagt, dass sich ein Produkt besser verkauft, wenn es in einem Kontext mit sexuellen Inhalten dargestellt wird. Leicht bekleidete Frauen dienen als Blickfang und sollen besonders die männliche Kundschaft zum Kauf locken. Männliche Hormone bestimmen die Kaufentscheidung?

Längst wird es Zeit, dass die Werbeagenturen diese sexistische Werbung, die eine Degradierung von Frauen zu Sexobjekten ist, unterlassen. Ein unrühmliches und in meinen Augen widerlich, da primitives Beispiel ist die aktuelle Plakatwerbung für ein Deo-Spray, die sich mit anzüglichen Doppeldeutigkeiten („Astronauten regeln das mit dem Verkehr“) selbst übertrifft. Kein Wunder, wenn solche Plakate mit Aufklebern wie „Sexistische Kackscheiße“ überklebt werden. –

    Sexistische Kackscheiße

Wie es aussieht, gehören sexistische Übergriffe von Männern auf Frauen – ob im Beruf oder privat – dem Alltag an. Meist sind es nur verbale Attacken, die aber schnell auch in körperliche Übergriffe übergehen. Wer sind diese ‚Herren der Schöpfung’, die meinen, sich jedes Recht gegenüber Frauen herausnehmen zu können? Wie erbärmlich muss ich sein, um Frauen ständig zu belästigen oder ihnen Gewalt anzutun.

Es ist kein Wunder, wenn die durch Herrn Brüderle ins Rollen gekommene Sexismus-Debatte daher sehr emotional geführt wird. Den betroffenen Frauen kann man es nicht verdenken, dass sie aufschreien.

Trotzdem ist eine Versachlichung notwendig. Leider hat unser Bundespräsident mit seinem Schlagwort ‚Tugendfuror’ zunächst den falschen Ton angestimmt. Inzwischen ist er eines Besseren belehrt worden. Es muss endlich auf den Tisch und die Machos an den Pranger.

Nicht außer Acht lassen sollte man dabei allerdings, dass es mit Sicherheit auch zu Missverständnisse kommen kann. Nicht jede Freundlichkeit ist eine sexistische Attacke. Und nicht jeder Mann ist ein Sexist, nur weil er ein Mann ist.

Sicherlich ticken Männer anders als Frauen, gerade in ‚sexueller Hinsicht’. Aber das kann und darf kein Freibrief für manchen Mann sein, seine sexuelle Hetze gegen Frauen weiterhin legal betreiben zu dürfen. Eigentlich müssen wir Herrn Brüderle dankbar sein. Endlich ist eine Debatte eröffnet, die lange genug verhindert wurde. Endlich werden die Probleme öffentlich diskutiert.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.