AlbinZ Familienalbum (1): Familie Wolf 1950

Nein, ich bin kein neuer Alfred Dorn, der Romanheld aus Martin Walsers Die Verteidigung der Kindheit. Alfred Dorn, der die Kindheit verteidigen muss gegen Gegenwart und Zukunft. Der zu einem Fanatiker des Datums, des Faktums wird. Er will alles so bewahren, festhalten, wie es wirklich gewesen ist (Quelle: belletristik-couch.de).

Aber ein Artverwandter bin ich wohl schon. Diesen Blog führe ich eben auch, um Vergangenes nicht entgültig vergehen und vergessen zu lassen. Auch ich bemühe mich ums Bewahren und Festhalten. Da kommt es mir gerade Recht, ein altes Fotoalbum, das erste Familienalbum meiner Eltern, 1940 angelegt, in die Hand bekommen zu haben. Alfred Dorn musste am 13. Februar 1945 miterleben, wie Dresden von britischen und US-amerikanischen Bomber schwer beschädigt wurde – und dabei alle Fotoalben seiner Familie verbrannten. Meine Eltern konnten die Fotos auf der Flucht aus Ostpreußen über Swinemünde und Ostsee nach Sachsen retten.

Es liegt mir fern, alte Zeiten zu verklären. Aber es interessiert mich schon, woher ich komme. Und damit meine ich natürlich auch meine Vorgeschichte, die Geschichte meiner Eltern und Vorfahren.

In dem besagten Fotoalbum habe ich ein sehr schönes Foto aus dem Jahre 1950 gefunden. Es ist zu Weihnachten des Jahres in Berghausen, einem kleinen Ort oberhalb von Oberpleis, das jetzt alles zu Königswinter am Rhein gehört, aufgenommen worden. Dort lebten meine Großeltern und eine Schwester meiner Mutter. Ich selbst war u.a. im Sommer 1965 in Sommerferien dort.

Das Foto ist deshalb so bemerkenswert, weil es die Familie meiner Mutter zeigt. Ein solches Foto ist wohl niemals mehr aufgenommen worden. In der Mitte sind meine Großeltern (mütterlicherseits). Meine Großmutter hießt wohl Martha, mein Großvater Matthias Wolf.

Familie Matthias Wolf, 1950, Berghausen/Oberpleis

Aber fange ich von links an: Meine Mutter Maria, mein Onkel Alois (genannt Alo, der in jungen Jahren Boxen als Sport getrieben und wohl eine gewisse Ähnlichkeit mit Max Schmeling hatte, daher als ‚jüngerer Bruder’ von Schmeling angesehen wurde), meine Großeltern, der jüngste Onkel Otto und meine Tante Ruth. Daneben gab es noch drei weitere Kinder meiner Großeltern (sie hatten also sieben Kinder), wovon ein Mädchen schon bald nach der Geburt starb. Meine Mutter hatte also noch zwei weitere Brüder: Matthias, genannt Mattjes, und Willi (hieß wahrscheinlich Wilhelm), der Lieblingsbruder, nach dem ich Wilfried genannt wurde. Beide sind im 2. Weltkrieg als junge Männer in Russland verschollen (und sind wohl auf dem Foto, das Anfang der zwanziger Jahre die Kinder von der Schnurgass’ darstellt, abgebildet). Mein Onkel Otto lebt heute noch in Köln.

Neben den Fotos aus dem ersten Fotoalbum meiner Eltern habe ich nach dem Tode beider noch einiges andere Material ‚geerbt’. Das sollte Anlass sein, im Alfred Dorn’schen Sinne die Vergangenheit nicht nur zu bewahren, sondern in meinem Sinne wieder aufleben zu lassen.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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