AlbinZ Familienalbum (2): Frühlingserwachen

Als nach dem Tode meiner Eltern (mein Vater starb am 14.04.2010, meine Mutter am 20.01.2011 – beide in einem gesegneten Alter von über 90 Jahren) deren Haushalt aufgelöst wurde, teilte ich mir mit meinen Geschwistern die Fotoalben und was sonst noch an interessanten Dokumenten aufzufinden war. Darunter befand sich ein schon spröde gewordenes Blatt Papier mit einem hektografisch erstellten Text – ein Gedicht meines Vaters an meine Mutter vom 11. Mai 1941 – mit handschriftlicher Widmung. Zwar wusste ich, dass mein Vater wohl auch einmal Gedichte an meine Mutter geschrieben hatte, aber jetzt eines in Händen zu halten, war dann doch ein geradezu sensationeller Fund.

Sicherlich ist das Gedicht etwas sperrig und ungelenk. Dazu muss man wissen, dass mein Vater in Treuburg/Ostpreußen (heute: Olecko) geboren ist und dort lebte. Meine Mutter stammte aus Köln. Durch den Krieg, mein Vater war damals Sanitätsunteroffizier, kam mein Vater nach Köln und lernte dort meine Mutter kennen. Aber für einen eher prosaisch veranlagten Menschen wie meinen Vater ist so ein Gedicht eine anerkennungswerte Leistung.

    Maria und Hermann – Verlobte in Köln, Hindenburgpark (heute: Friedenspark), im November 1941

Maria und Hermann – Verlobte in Köln, Hindenburgpark (heute: Friedenspark), im November 1941

Fruehlingserwachen

Heut ist das schoenste Wetter,
hier, in Ostpreußenland.
Es waere ja viel netter,
koennt reichen Dir die Hand.

Der Fruehling ist gekommen
Ehe wir uns versehn.
Koennte ich zu Dir kommen,
dann waers um uns geschehn.

Denn mit des Fruehlings Waerme
Erwacht die Liebe auch.
Dann kommt das grosse Sehnen
Zu mir, ungewollt, auch.

Mein Herz es schreit nach Liebe,
es sehnt sich so nach Dir.
Oft moechte ich weit laufen,
es zieht mich hin zu D I R.

D U bis mein suesses Maedel,
mein Licht und meine Sonn!
D I C H ewig zu besitzen
Ist meine groesste Wonn!

Rudau, 11. Mai 1941

In große Sehnsucht, Dir, mein süß’ Frauli,
in ewiger Treue gewidmet!
Dein, dich heiß liebender Hermann

Gedicht: Frühlingserwachen – 11. Mai 1941 – von Hermann Albin

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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