Joan Armatrading: To the Limit (1978)

Mit dem Album To The Limit 1978 endet für mich die erste ‚Periode’ von Joan Armatradings Schaffen. Es umfasst die ersten Jahre, in denen sie ihren Stil sehr schnell gefunden und weiterentwickelt hatte. Das ist die Joan wie ich sie heute noch am liebsten mag. Denn so habe ich sie kennen gelernt. Sicherlich waren viele der Lieder noch nicht so ausgereift arrangiert. Manches klingt sogar holprig. Hätte man damals schon die technischen Mittel, diese digitale Aufnahmetechnik, gehabt, so wäre manches vielleicht einen Tick besser gelungen. Genau das macht aber den Reiz dieser Stücke aus: Es klingt alles weitaus authentischer als in der folgenden Phase. Hier noch einmal die Alben der ersten Periode:

· 1972: Whatever’s for Us
· 1975: Back to the Night
· 1976: Joan Armatrading
· 1977: Show Some Emotion
· 1978: To the Limit

To the Limit ist ein Album, das mir mit am besten von allen Alben von Joan Armatrading gefällt. Es widmet sich den ‚Aspekten der Liebe’ und enthält eine Reihe von ‚Briefen’ oder persönlichen Gesprächen an den Geliebten. Lediglich das Lied ‚Am I Blue For You’ finde ich durch das Gesummse des Synthesizers leicht quälend, obwohl das Lied eigentlich sehr schön ist. Zum dritten und letzten Mal ist dieses Album von Glyn Johns produziert worden, der wieder namhafte Studiomusiker um Joan Armatrading scharte, so auch Red Young und Quitman Dennis, die auch längere Zeit zu ihrer Live-Band gehörten. Leider war das Album nicht ganz so erfolgreich wie der Vorgänger und erreichte ‚nur’ Platz 13 der UK Album Charts bzw. Platz 125 in den USA. Unbedingt erwähnenswert ist, dass das Titelfoto auf dem Cover von keiner geringeren als Annie Leibovitz ‚geschossen’ wurde, heute eine der renommiertesten Fotografinnen. Das Foto zeigt Joan entspannt bei sich zu Hause damals in Sutton. Die Fotografin nahm sich vier Tage Zeit, um das Foto zu machen.

    Joan Armatrading – To the Limit (1978)

Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert)

Seite 1:
1. „Barefoot and Pregnant“ 3:40
2. „Your Letter” 3:40
3. „Am I Blue For You“ 4:24
4. „You Rope You Tie Me“ 4:08
5. „Baby I“ 4:52

Seite 2:
1. „Bottom to the Top“ 3:34
2. „Taking My Baby Up Town“ 3:25
3. „What Do You Want“ 3:44
4. „Wishing“ 4:48
5. „Let it Last“ 4:57

‚To the Limit’ beginnt mit einem energiegeladenen Lied: ‚Barefoot and Pregnant’ (Barfuß und schwanger). Den Ausdruck, der in der Frauenbewegung der damaligen Zeit verwendet wurde, hörte Joan Armatrading während eines Gesprächs mit ihrem Agenten. Sie fand ihn faszinierend und wollte dann unbedingt ein Lied mit diesem Titel schreiben.


Joan Armatrading: Barefoot and Pregnant (Live 1979 Rockpalast Köln)

Dank der Biografie über Joan Armatrading (leider unautorisiert) von Sean Mayes (1990), kennen wir einige weitere Details zu den Liedern auf dieser Scheibe (Quelle: en.wikipedia.org):

Die Idee fürs zweite Lied ‚Your Letter’ entstand aus einem Gespräch, das Joan Armatrading mit der amerikanischen Sängerin Bonnie Raitt führte, die einmal einen Brief gefunden hatte, den „sie nicht gesehen haben sollte.“

Hier noch zwei weitere Lieder von dem Album:


Joan Armatrading: You Rope You Tie Me (Rockpalast 1980)


Joan Armatrading: Baby I

Die zweite Hälfte des Albums beginnt mit dem Lied ‚Bottom to the Top’, einem ersten größeren Flirt mit dem Reggae (die Reggae-Einflüsse auf ‚Show some Emotion’ einmal ausgenommen). Das Lied entstand nach dem Hören einiger Aufnahmen, die Joans jüngerer Bruder hatte. Sie wollte so nah wie möglich an diesen authentischen Sound herankommen und nahm deshalb das Lied in einem Take, also einer Aufnahme, auf.

Bei Youtube gibt es leider für Deutschland (der GEMA sei dank) kein Video von dem Lied, ich habe aber einen Ausschnitt (so ab 2:15) von der VHS-Videokassette „Track Record“ 1983 mit Live-Aufnahmen von Joan Armatrading aus den 70er und frühen 80er Jahren …


Joan Armatrading: Videos from Seventies & Early Ei… – MyVideo

‚Taking My Baby Up Town’ erweitert laut Sean Mayes das Thema des Liedes ‚Kissin’ and a Huggin’’ (Knutscherei) von dem Album ‚Show some Emotion’: Penny Valentine vom Melody Maker meinte, das Lied handelt von eine homosexuellen Beziehung, was Joan Armatrading bezogen auf ‚Kissin’ and a Huggin’’ verneinte. Bei ‚Taking My Baby Up Town’ scheint mir das aber der Fall zu sein (Joan Armatrading ist seit Mai 2011 mit ihrer Lebensgefährtin Maggie Butler verheiratet; sie ist also lesbisch). – Ich muss gestehen, dass ich das Lied durch das reichlich eintönig gespielte Schlagzeug etwas nervig finde.

Das Lied ‚Wishing’ ist vom Blues beeinflusst. Joan sagt dazu, dass es das erste bisschen Poesie sei, die sie je geschrieben habe. ‚Let It Last’, das letzte Lied des Albums, ist von Country- und Gospelmusik beeinflusst.


Joan Armatrading .Let it Last (Live 1979 Rockpalast Köln)

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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