Django Unchained

Django Unchained ist ein US-amerikanischer Western von Quentin Tarantino aus dem Jahr 2012. Der Film weist inhaltlich sowie musikalisch sehr viele Merkmale und Anlehnungen gleichermaßen an den Italowestern wie auch an das Blaxploitationgenre (reißerische Filme aus der Sicht von Afroamerikanern gedreht) auf. Zu den Hauptdarstellern zählen Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson. Tarantino (Bestes Originaldrehbuch) und Waltz (Bester Nebendarsteller) erhielten 2013 für „Django Unchained“ den Academy Award (Oscar).

Am Wochenende habe ich die Zeit gefunden, um mir Django Unchained anzuschauen.

    Django Unchained

Der Sklave Django (Jamie Foxx) wird von dem deutschen Ex-Zahnarzt Dr. King Schultz (Christoph Waltz), heute Kopfgeldjäger, befreit und unter die Fittiche genommen. Django soll Schultz helfen, die Verbrecher Big John (M.C. Gainey), Ellis (Tom Savini) und Roger Brittle (Cooper Huckabee), die sich auf einer Farm irgendwo im Süden unter neuem Namen versteckt haben, aufzuspüren. Da Django von den Brittles einst nicht nur gefoltert wurde, sondern diese auch seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) vergewaltigten, hat er sich ihre Gesichter bestens eingeprägt und soll sie nun identifizieren. Auf dem Weg zu ihrem Ziel wird Django unter Schultz Patenschaft selbst ein gefürchteter Verbrecherjäger. Gemeinsam jagt das Duo böse Jungs für Geld, bis Django seinen Mentor um einen Gefallen bittet. Er soll ihm helfen, seine Ehefrau Broomhilda zu finden, von der er allerdings keine Ahnung hat, wo sie mittlerweile ist. Die Spur führt das ungleiche Duo zur Farm des Plantagenbesitzers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio), der, unterstützt von dem verschlagenen Haussklaven Stephen (Samuel L. Jackson) und dem sadistischen Billy Crash (Walton Goggins), seine Sklaven zu brutalen Kämpfen auf Leben und Tod antreten lässt.

aus: filmstarts.de


DJANGO UNCHAINED Trailer Deutsch

Mit Filmen von Quentin Tarantino habe ich so meine Schwierigkeiten. Obwohl sich die explizite Darstellung von Gewalt in diesem Film in einem für Tarantino ungewöhnlich kleinen Rahmen hält, komme ich nicht ganz klar damit. Natürlich spritzt wieder das Blut auf unnatürliche Weise durch die Gegend (Tarantino scheint einen höllische Spaß daran zu haben; mir kommt das eher ziemlich infantil vor). Auf eine Vergewaltigungsszene, wie sie im Drehbuch stand, hat er aber vorsorglich verzichtet. Dafür kracht es aber öfter gewaltig und kurz vor dem Schluss lässt Tarantino durch Django ein ganzes Herrenhaus in die Luft gehen.

Western habe ich noch nie wirklich gemocht. In Jugendzeiten, ich habe es öfter schon erwähnt, waren mir die Orient-Abenteuer von Karl May lieber als der ganze Winnetou-Old Shatterhand-Schmus. Und die Italo-Western mit ihrer Darstellung teilweise exzessiver Gewalt waren noch weniger mein Fall. Tarantinos Django ist eine Art Reminiszenz zu Filmen von Sergio Leone und Sergio Corbucci mit Franco Nero als Django. Das beginnt mit den roten Schriftzügen am Anfang des Films. Und setzt sich fort mit der Musik, die zum großen Teil aus eben solchen Italo-Western stammt.

Christoph Waltz spielt eine ähnliche Rolle wie in Inglourious Basterds, nur hat er diesmal die Seiten gewechselt und mimt den Guten. Ähnlichkeiten mit Klaus Kinski als Loco in Corbuccis Leichen pflastern seinen Weg sind nicht rein zufällig. Was zunächst an der Figur des Dr. King Schultz (wieso eigentlich King?) wie reinster Sarkasmus erscheint, entpuppt sich als eher gutmütig-naiver Charakter, der Jagd auf die Bösen macht (nach unserer Sicht gehören natürlich auch Sklavenhändler zu den Bösen) und ihnen den Garaus macht („tot oder lebendig“, da doch lieber tot). Geradezu liebenswert verhält er sich zu dem von ihm (mehr oder weniger) frei gekauften Sklaven namens Django, der ihn in seiner Suche nach seiner Frau, Broomhilda von Shaft, an die Sage von Siegfried und Brunhilde erinnert (Tarantino offeriert hier allerdings die nordische Variante der Sage, nicht die des Nibelungen-Liedes). Beide werden Partner als Kopfgeldjäger und als Befreier von Djangos Frau.

Dieses oft Naive der Charaktere spiegelt für mich die Denkweise von Tarantino wider. Zum einen bereitet es ihm geradezu kindliches Vergnügen, das Blut spritzen zu lassen. Zum anderen dienen seine Helden ja dem Guten (auf wirklich naive Art), wenn sie das Böse beseitigen. Leider geht das nicht immer so einfach. Und selbst Tarantino ist bereit, seine Helden zu opfern. Es erinnert mich an Hitchcocks Psycho, in dem Janet Leigh als Marion Crane lange Zeit die Hauptrolle spielt, um diese dann an Anthony Perkins als Norman Bates abzutreten. Auch in Django ist zunächst Christoph Waltz als Dr. King Schultz eindeutig die Hauptfigur, muss aber wie Marion Crane sterben, um Django das Finale zu ermöglichen.

Mit zwei ein halb Stunden zieht sich der Film doch ziemlich in die Länge, nimmt aber in der zweiten Filmhälfte noch einmal Fahrt auf, „was auch mit den Auftritten von Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson zu tun hat. Der ‚Titanic’-Star gibt mit sichtlichem Vergnügen den aalglatten und grausamen Bösewicht, der seine intellektuelle Überlegenheit nur behauptet: In Wahrheit wäre er ohne seinen cleveren Haussklaven Stephen aufgeschmissen. Diese Rolle wiederum legt Samuel L. Jackson meisterhaft an der Grenze zur Parodie an.“

Wie gesagt, so ganz komme ich mit Tarantinos Filme nicht klar. Für ihn erscheinen sie mir wie eine Spielwiese zu sein, auf der er seine manchmal eben recht naiv-kindliche Lust am Vergnügen auslebt. Und da andere eine ähnliche Lust verspüren, hat er diesen ungewöhnlichen Erfolg. Christoph Waltz ist da natürlich als Idealbesetzung ein Glückfall für Tarantino.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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