10 Jahre Metronom – mein bescheidenstes Erlebnis

Am Sonntag beginnt wieder der Winterfahrplan bei Deutscher Bahn und den anderen Eisenbahngesellschaften, so auch beim Metronom hier im Norden. Dabei hat der Metronom einen Grund zu ‚feiern’, denn heute vor zehn Jahren, genau genommen am Sonntag, den 14.Dezember 2003, nahm diese Eisenbahngesellschaft mit den Strecken Hamburg-Bremen und Uelzen-Hamburg seinen Betrieb auf.

    Fahrgäste verlassen den Metronom-Zug

Aus diesem Anlass sollten die Fahrgäste unter dem Motto „Und es begab sich eines Tages…“ (so fangen manche Märchen an …) schöne, aufregende, spannende oder skurrile Geschichten im Zusammenhang mit dem Metronom erzählen. Spannendes und Skurriles gab es bestimmt einiges, aber wirklich Schönes? In 10 Jahren tut sich viel. Und da ich leider eher viel Bescheidenes mit dem Metronom erlebt habe (um es euphemisch auszudrücken), fällt es mir schwer, DAS bescheidenste Erlebnis ausfindig zu machen.

Beginne ich am Anfang, vor 10 Jahren: Natürlich war ich nicht gleich am ersten Tag, einem Sonntag, mit dem Metronom unterwegs. Und am Montag, den 15.12.2003, fuhr ich morgens – es war kalt geworden und hatte etwas geschneit – um 6 Uhr 17 ab Tostedt mit der Regionalbahn (RB) der Deutschen Bahn, die sich aus Rotenburg kommend um rd. 8 Min. wegen einer Weichenstörung verspätet hatte. Abends dann aber fuhr ich zum ersten Mal Metronom. Eigentlich wollte ich mit dem Metronom-Express (ME) um 17 Uhr 13 ab Hamburg Hbf. fahren. Ein Metronom-Zug kam mir aber schon über Dammtor entgegen: Fuhr der Zug nun doch ab Altona (es saßen Fahrgäste im Zug)? Am Hbf. entpuppte sich der Zug als der verspätete ME 16:47 eben ab Hamburg-Altona. Immerhin bekam ich am Hbf. einen Sitzplatz, der Zug stand dann noch eine längere Zeit, hatte angeblich eine ‚Betriebsstörung‘, hielt auch in Sprötze (tatsächlich lt. Fahrplan?!) und hatte in Tostedt fast 20 Min. Verspätung. Was mit dem ME um 17 Uhr 13 geschah, entging meiner Aufmerksamkeit. So oder so: Das fing für mich schon einmal ganz ‚toll’ an.

Sicherlich haben Verspätungen usw. nicht immer allein etwas mit dem Metronom zu tun (die Bahnstrecke wurde und wird weiterhin von der Deutschen Bahn betrieben). So gab es bereits ab 5. April 2004 im Bahnverkehr zwischen Buchholz und Hamburg-Harburg wegen Erneuerung des Gleisbettes eine Vollsperrung der Strecke, die dann bis zum 11. Dezember 2004 dauerte. Ein Baustellenfahrplan verkündigte veränderte Fahrzeiten mit längerer Fahrdauer.

Ab Dezember 2004 weitete sich dann der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) nach Niedersachsen auf die gesamten Landkreise Stade, Harburg und Lüneburg aus. Und ab Dezember 2007 übernahm der Metronom auch die Regionalstrecke bis Tostedt bzw. Rotenburg/Wümme von der Deutschen Bahn als Metronom-Express regional (ME-r).

Weiteres Stichwort: StammplatzCard (als Abo-Kunde hatte man einen Anspruch auf einen zuvor ausgewählten Stammplatz morgens wie abends), was absolut nervig war, wenn man einmal zu einer anderen Zeit unterwegs war und fast alle Sitzplätze stammplatzreserviert waren. Inzwischen gibt es diesen Unsinn nicht mehr. Dann wurde der Metronom ‚alkoholbefreit’. Sicherlich war das zu begrüßen (inzwischen fahren auch die S-Bahnen ‚alkoholfrei’), nur nervten die ständig wiederholten Ansagen (die geradezu penetranten Hinweise, dass ein absolutes Alkoholkonsumverbot besteht – sowohl das Trinken wie Bereitenstellen von alkoholischen Getränken sei verboten). Und 2011 wurde dann monatelang die Metronom Eisenbahngesellschaft durch ihre Lokführer bis zum Abwinken bestreikt, sodass man lange Wartezeiten oder weite Umwege in Kauf nehmen musste, wenn man überhaupt je ans Ziel kam.

Ein wirklicher Höhepunkt war für mich die Fahrt mit einem ME-r an einem frühen Morgen, der wieder einmal einen ‚Betriebsschaden’ hatte. Die Fahrt endete wenige Meter vor dem Hamburger Hauptbahnhof. Da standen wir nun und kamen nicht weiter. Hübsch anzusehen war, wie andere, später gestartete Metronomzüge, einer nach dem anderen, ungeschadet den Hamburger Hauptbahnhof erreichten, während ich mit meinen Leidensgenossen wie blöd im Zug verweilen durfte. Erst nach gut einer Stunde schaffte man es endlich, den Zug in den Bahnhof zu bekommen. Ähnliches passierte mir, als mein Zug kurz vor Harburg hinter einem stehen gebliebenen Güterzug eine gute ¾ Stunde ausharren durfte. Letzter Höhepunkt meiner zehnjährigen Leidensgeschichte mit dem Metronom war natürlich der stundenlange Stillstand aller Züge durch Orkantief ‚Christian’.

    Verspätung mit dem Metronom – Bescheinigung

Natürlich geht vieles nicht allein auf die Kappe der Metronom Eisenbahngesellschaft. Stillstand wegen Überholungen von Fernzügen, Streckensperrungen wegen Böschungsbränden, ‚fremden Personen im Gleis’ oder wie bis vor kurzem durch Bauarbeiten verantwortet in erster Linie die Deutsche Bahn mit ihren Tochterunternehmen. Aber viele Verspätungen, Zugausfälle und die genannten ‚Behinderungen’ werden nun einmal allein durch den Metronom verursacht. Da kommt eben das eine zum anderen. Und wenn man bedenkt, wie viel man für diesen ‚eingeschränkten“ Service jeden Monat aufs Neue zu bezahlen hat, dann kommt einem schon schnell die Suppe vom Vortag hoch. Und es grenzt an Hohn, wenn man aufgefordert wird, eine schöne, aufregende, spannende oder skurrile Geschichte im Zusammenhang mit dem Metronom zu erzählen.

Und jetzt der neue Fahrplan: Ich fahre nun einmal morgens fast immer zur gleichen Zeit (ich bin eben ein Gewohnheitstier). Und was sehe ich da: Mein Zug, der ME-r 81977, der um 5 Uhr 04 in Rotenburg startet und zudem ich um 5 Uhr 24 in Tostedt zusteige, wenn er denn pünktlich ist, endet am Hamburger Hbf. ab 16.12. vier Minuten später. Wer nun denkt, man trägt den bisherigen, andauernden Verspätungen damit Rechnung, muss sich geirrt sehen. Denn bis einschließlich Harburg hat dieser Zug die gleichen Abfahrtzeiten (und die jetzigen Verspätungen entstehen oft schon vor Harburg), nur für den Weg Harburg – Hbf. braucht er statt 10 jetzt satte 14 Minuten. Grund dürfte eine nicht behebbare Überschneidung mit anderen Zügen sein (und das schon am frühen Morgen), was wiederum heißt: zusätzliche Verspätungen sind weiterhin nicht ausgeschlossen. Gerade morgens haben auch andere Nahverkehrszüge des Metronoms längere Fahrzeiten. Ansonsten halten sich die Änderungen in Grenzen.

Ich will den Metronom nicht schlechter machen als er ist. Mit dem neuen Fahrplan gibt es ein erweitertes Angebot für Nachtschwärmer und Ausflügler. So fährt der Metronom z.B. in den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag kurz nach 3:00 Uhr von Hamburg Hauptbahnhof nach Bremen. Der Metronom um 01:15 Uhr von Bremen nach Rotenburg (Wümme) wird in diesen Nächten bis Hamburg Hauptbahnhof durchfahren.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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