Kafka – der Film

Der Film Kafka ist ein Thriller im Stil des expressionistischen Kinos, der 1991 unter der Regie von Steven Soderbergh produziert wurde. Die düstere, spannungsgeladene Rahmenhandlung, eine Verfolgungs- und Verschwörungsgeschichte in Prag um 1920, ist durchgehend schwarz-weiß gefilmt; farbig sind nur die Szenen in einem Schloss, das Zentrum einer dämonischen Verschwörung ist. In dem Film wirken Jeremy Irons, Theresa Russell, Joel Grey, Ian Holm, Armin Mueller-Stahl und Alec Guinness mit.

    Kafka – der Film (1991)

Kafka (Jeremy Irons) fristet im Prag des beginnenden 20. Jahrhunderts ein tristes Dasein. Der einsame Mann schuftet Tag für Tag für eine große Versicherungsgesellschaft. Des Nachts versucht er dem unerträglich, weil kargen und langweiligen Alltag zu entfliehen, indem er sich an seine Schreibmaschine setzt und dämonische Geschichten ersinnt voller seltsamer Gestalten und bizarrer Foltermaschinen. Als ein Freund und Kollege Kafkas tot aufgefunden wird, gibt sich die Polizei schnell mit einer Antwort zufrieden: Selbstmord. Kafka zweifelt daran und beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Dabei stößt er auf weitere ungeklärte Todesfälle und gerät mitten in die Umtriebe einer politischen Widerstandsbewegung, der auch Kafkas Kollegin Gabriela (Theresa Russel) angehört. Sie berichtet ihm von einer großangelegten Verschwörung, in die auch Polizei und Behörden verwickelt sein sollen. Auf der Suche nach Beweisen bekommt Kafka eine Akte in die Hände, in der von gehäuften Todesfällen in einer Fabrik die Rede ist. Auch der dubiose Dr. Murnau soll dabei gestorben sein. Die Spuren führen Kafka schließlich zum Schloss des Ortes…

aus: filmstarts.de

Den Film habe ich mir vor vielen Jahren einmal aus dem Fernsehen aufgezeichnet, aber bis heute noch nicht gesehen. Da der Film in voller Länge (auch auf Deutsch, wenn auch in minderer Qualität) bei Youtube vorhanden ist, habe ich ihn mir jetzt endlich angeschaut. Die Kritiken waren sehr unterschiedlich. Dass der Film „mit Kafka etwa so viel zu tun wie [Kafkas Erzählung] ‚Die Verwandlung’ mit dem [Film] ‚American Werewolf’“, möchte ich nicht bestätigen. Soderbergh verknüpft in den Film Motive aus Kafkas Leben mit Inhalten und der Atmosphäre seiner Romane, insbesondere „Der Prozess“ und „Das Schloss“. Dabei bedient er sich stilistischer Mittel des expressionistischen Kinos wie bei Friedrich Wilhelm Murnau oder Robert Wiene. Beide werden in dem Film mit Anspielungen bedacht: der diabolische Dr. Murnau trägt des einen Namen, und das Bergbauunternehmen, in dem laut Aufzeichnungen auffallend viele Unfälle geschehen sind, heißt Orlac – nach dem Film Orlacs Hände von Robert Wiene.

Auch treten Personen auf, die Namen aus Kafkas Werken tragen, u.a. der Freund und Kollege des Film-Kafka, Eduard Raban, den wir in Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande finden („Als Eduard Raban, durch den Flurgang kommend, in die Öffnung des Tores trat, sah er, daß es regnete“) oder Gabriela Rossmann. Den Namen kennen wir aus dem Romanfragment „Amerika“. Dort trägt die Hauptfigur den gleichen Nachnamen („Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war“). Im „Prozess“ heißt die Zimmervermieterin von Josef K. Frau Grubach. Im Film trägt der Polizist diesen Namen. Wer sich dann etwas weiter in Kafkas Werk auskennt, wird im Film noch viele weitere Hinweise und Anspielungen finden.

Wie an anderer Stelle (Kafka, der Prozess und das Kino) geschrieben, finde ich Kafkas Werk außerordentlich bildhaft, ja geradezu filmhaft. Kafka hatte eine Vorliebe für Kino. So bietet es sich geradezu an, Kafka zu verfilmen. Soderbergh geht dabei noch etwas weiter. Er vermischt Kafkas Werk mit dem Kino der damaligen Zeit und gebiert einen Film, der Kafka-Puristen sicherlich erschaudernd lässt, der aber vielleicht in den Augen von Kafka selbst gar nicht so schlecht weggekommen wäre.

Mir hat der Film (endlich habe ich ihn gesehen) auf jeden Fall ganz gut gefallen. Und wer keinen Action-Kracher erwartet, sondern durchaus anspruchsvolles Kino, sollte auch auf seine Kosten kommen. Und vielleicht wird sogar ein leises Interesse auch an Kafkas Werk geweckt. Ich kann sowohl das eine, als auch das andere nur wärmstens empfehlen.

Hier nun in voller Länge der Film:


Kafka – der Film (1991)

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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