Suzanne Vega: Tales From the Realm of the Queen of Pentacles (2014)

Suzanne Vegas letztes reguläres Studioalbum war Beauty & Crime aus dem Jahr 2007. Zum Erscheinen dieser CD schrieb ich damals vor fast sieben Jahren: … ihr neuestes Werk Beauty & Crime …, das sich im Wesentlichen um NYC dreht – mit anspruchsvollen, feministisch ausgerichteten Texten zu schönen Melodien, meist mit Begleitung durch eine aktustische Gitarre und sparsamen Arrangements, also im Stile einer Singer-Songwriterin.

Die New Yorker Singer-Songwriterin hat mit ihren beiden 80er-Jahre-Hits „Luka“ und „Tom’s Diner“ (siehe am Ende dieses Beitrags) Popgeschichte geschrieben. Nach siebenjähriger Pause veröffentlichte sie nun auf ihrem eigenen Plattenlabel ein neues Studioalbum: Tales from the Realm of the Queen of Pentacles. Okay, es waren keine sieben Jahre ohne Produktion. Zwischen 2010 und 2012 spielte Suzanne Vega viele ihrer alten Stücke neu ein und gliederte sie thematisch auf insgesamt vier Scheiben, die unter dem Titel Close-Up erschienen.

CD-Cover 'Tales From the Realm of the Queen of Pentacles' von Suzanne Vega | Bild: Cooking Vinyl, colourbox.com, Montage: BR

Auch dieses neue Album ist im Wesentlichen geprägt von Gitarre und Suzanne Vegas Stimme, die sich im Laufe ihrer nun fast schon 30jährigen Karriere kaum verändert hat. Weil diese Stimme, die sie selbst in einem Interview kürzlich als einfach und anspruchslos bezeichnete, immer im Mittelpunkt steht und der sich alle musikalischen Ideen unterordnen müssen, wirkt ihr Werk vielleicht so homogen. Zudem wird an dieser Stimme nicht groß technisch gewerkelt, wie Live-Aufnahmen bestätigen. Liest man die Kritiken auch über diese neue CD, dann erstaunt man schon: so viel Positives habe ich sonst kaum über einen anderen Musiker bzw. über eine andere Musikerin vernommen.

Das neue Album enthält wieder viel amerikanischen Folk-Pop, mit mehr rockigeren Anklängen als sonst und hier und da sogar orchestraler Verstärkung, darüber hinaus ist hier ein Banjo, da eine Flöte und dort eine Trompete hingetupft. Das wirkt alles ausgewogen, vielseitig, aber nicht nach zu viel, wenn die Arrangements auch etwas üppiger ausfallen als sonst.

Sie könne gut Geschichten erzählen, weshalb ihr besonderes Augenmerk auf den Texten ihrer Lieder liege, sagte sie unlängst. Und auch hier findet man wieder diese Suzanne Vega-Geschichten, etwa gleich im ersten Song, CRACK IN THE WALL, dessen Anfangszeilen auch gut beschreiben, wie man sich beim Hören dieses Albums fühlt: „A crack appeared inside a wall / A door sprang up around it.“ Oder SONG OF THE STOIC, ein berührendes Lied über das entbehrungsreiche Leben eines nunmehr alten Mannes.


Suzanne Vega – Crack in the Wall (live City Winery, Chicago, 29.09.2013)

Suzanne Vega mag das Geheimnisvolle, sympathisiert mit den Außenseitern der Gesellschaft – aus diesem und anderen Gründen erklärt sie in der Singleauskopplung I NEVER WEAR WHITE Schwarz zu ihrer Farbe: „All other colours lie.“ Trotzdem ist ihr ein buntes, ein vielseitiges, ein tiefsinniges Album gelungen. Das Comeback des Jahres, keine Frage (Quelle u.a. Kundenrezensionen bei amazon.de).


Suzanne Vega — I Never Wear White

Die Songtexte sind im Internet nachzuschlagen; außerdem hat Suzanne Vega natürlich auch einen Channel bei Youtube.

In FOOL’S COMPLAINT bedient sie sich kurzerhand einiger musikalischer Ideen aus ihrem Song WHEN HEROES GO DOWN. Aber der erschien ja schon 1992, und da geht es dann auch in Ordnung:


Suzanne Vega — Fool’s Complaint

Ein anderes Sample hätte man ihr vermutlich kaum zugetraut: in DON’T UNCORK WHAT YOU CAN’T CONTAIN tauchen Motive von 50 Cents CANDY SHOP auf, klingen hier allerdings, passend zum Text, orientalischer. In dem Lied geht es darum, dass nicht alles geöffnet werden sollte, was sich öffnen lässt; Aladins Wunderlampe mag noch angehen, aber wie steht es mit Pandoras Büchse? DON’T UNCORK, wie auch die folgenden Lieder, wurden zusammen mit dem Smichov Chamber Orchestra aus Prag aufgenommen (zu Prag am Ende mehr):


Suzanne Vega — Don’t Uncork What You Can’t Contain

Spanisch mutet es in dem Lied JACOB AND THE ANGEL an (Händeklatschen wie bei einem Flamenco), in dem es vordergründig um den biblischen Kampf Jakobs mit dem Engel Gottes am Ufer des Jabbok-Flusses geht.


Suzanne Vega – Jacob and the Angel

HORIZON schließlich, das das Album beschließt, ist Václav Havel gewidmet. Mit ihm verbindet Suzanne Vega eine Brieffreundschaft; sie bewundert seine Art, einen steinigen Weg zu gehen und seinen einstigen Gegnern ohne Groll zu begegnen. Es könnte also ebenso eine Hommage an Nelson Mandela sein. 2006, anlässlich des 70. Geburtstages von Václav Havel, dem Schriftsteller und ehemaligen Staatspräsident der Tschechoslowakei und von 1993 bis 2003 der erste der Tschechischen Republik, sang Suzanne Vega ihr Lied Tom’s Diner als Ständchen (‚im Stile’ von Marilyn Monroe bei Kennedys Geburtstagsgala 1962):


Suzanne Vega – Horizon (There Is A Road)


Suzanne Vega sings for Václav Havel

Das Album mit dem sperrigen Titel ist sicherlich keine musikalische Offenbarung und daher frei von gewagten Innovationen. Aber es ist ein Album, das in Ruhe gehört gleichzeitig Spaß macht und auch zum Nachdenken anregt, wie eigentliche alles von Suzanne Vega. Ich bin, wie so oft, rein zufällig auf diese Neuerscheinung aufmerksam geworden, denn in diesen Tagen fiel mir ihr Name wieder ein und ich fragte mich, was es wohl Neues von ihr geben könnte. Und es gab ja nun wirklich nach langer Zeit wieder Neues von ihr …

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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