Wenn aus Jägern Gejagte werden

Vielleicht kann jetzt der eine oder andere nachfühlen, wie es den Spaniern in den letzten Jahren erging. Die Iberer waren lange Zeit die Gejagten. Bis ins Endspiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Brasilien war das deutsche Team Jäger und zudem erfolgreicher Jäger. Aber mit dem Gewinn des Weltmeistertitels ist es nun zum Gejagten geworden. Jede Mannschaft, die gegen Deutschland spielt, wird alles geben, um gegen die ‚beste Mannschaft’ der Welt zu bestehen.

Gejagte empfinden anders als Jäger. Und auch der Kopf ‚arbeitet’ anders. Natürlich hat die deutsche Mannschaft keine guten Außenverteidiger. Und im Sturm fehlt ein echter ‚Vollstrecker’. Aber es ist vor allem dieses ‚Gespenst’, das im Kopf der Spieler herumgeistert.

Mühte man sich im ersten Qualifikationsspiel zur nächsten Europameisterschaft 2016 in Frankreich gegen Schottland noch zu einem knappen 2:1-Sieg, so bot diese Woche Tage der Ernüchterung: der 0:2-Niederlage in Polen folgte ein mageres Unentschieden mit 1:1 gestern in Gelsenkirchen gegen Irland.

Schaut man auf die Statistik des Polenspiel, dann sieht man, dass die deutschen Spieler gar nicht so schlecht gespielt haben können:

    Statistik zum Spiel Polen – Deutschland 2014 - Endstand 2:0

Aber dann gibt es diese individuellen Fehler, die zu Gegentoren führen, während der eigene Angriff es verpasst, die guten Chancen in Tore umzusetzen. Alles wirkt überhastet, hektisch, ja verkrampft. Es fehlt einfach die Lockerheit. Die Köpfe der Spieler sind nicht frei. Und diese werden nicht freier dadurch, dass man im Vorfeld eines Spieles gewissermaßen nur noch über die Höhe des angepeilten Sieges spricht.

Noch ist Polen Deutschland nicht verloren. Sogar als Gruppendritte kann man sich noch (über Relegationsspiele) für Frankreich 2016 qualifizieren. Aber natürlich haben Löw und Co. höhere Ansprüche. Jetzt heißt es Ruhe bewahren. Und vergessen, dass man ‚die beste Mannschaft’ der Welt ist. Dann davon ist man zz. ein weites Stück entfernt.

Trost spendet die Tatsache sicherlich nicht, dass auch andere große Fußballnationen ihre Probleme haben. Die Niederlande kassierte bereits die zweite Niederlage (siehe weiter unten). Auch Spanien startete mit stotterndem Motor. Die Griechen liegen fast ganz am Boden. Portugal tut sich schwer. England und Italien haben zwar ihre Spiele bisher alle gewinnen können. Aber Glanz und Glorie sehen anders aus.

Freude bereitet mir zz. die isländische Nationalmannschaft. Ich habe ja bekanntlich ein Faible für Island und alles Isländische. Und so gucke ich immer auch schon mal, wie sich Island im Fußball präsentiert. Zur WM 2014 hatte es Island in der Qualifikation immerhin als Gruppenzweiter hinter der Schweiz (Gruppe E) bis in die Play-Offs geschafft, scheiterte dort dann allerdings an Kroatien (0:0 und 0:2). Jetzt führt Island in Gruppe A der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft nach Siegen gegen die Türkei, in Lettland und zuletzt am Montag zu Hause gegen die Niederlande (2:0 – der erste Sieg der Isländer gegen die Holländer) mit neun Punkten und einem Torverhältnis von immerhin 8:0 Toren in der Hammergruppe mit eben den Niederlanden, Tschechien, der Türkei, Lettland und Kasachstan. Die Aussichten, einen der beiden ersten Plätze zu erobern sind also gut (und selbst ein dritter Platz könnte vielleicht genügen). Am 16.11.2014 spielt Island in Pilsen gegen Tschechien. Da könnte ein weiterer Grundstein zum Erreichen des EM-Turniers in Frankreich gelegt werden. Ich drücke auf jeden Fall ganz fest die Daumen!

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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