Bierkalender (Advent) 2014 – Türchen 13 bis 24

Hier mit leichter Verspätung die Fortsetzung meiner Verkostung der Biere aus meinem Bierkalender (Advent) – die Türchen 13 bis 24 des Original Kalea Bierkalenders.

Die Liste der Brauereien ist ziemlich lang. Die weltweit größten Brauereigruppen – nach Bierausstoß in Millionen Hektolitern gemessen – sind dabei allerdings nicht in deutscher Hand. Trotz einiger großer Brauereigruppen auch in Deutschland so ist der Biermarkt bei uns bis heute noch stark regional geprägt. Es existierten im Jahr 2011 insgesamt 1341 Brauereien in Deutschland, davon 632 in Bayern (47 %).

Bierkalender (Advent): die Türchen 13 bis 18

Aber genug der Vorrede. Komme ich zum 13. Türchen, zum Tag (13): Hier fand ich ein Karmeliten Kloster Gold (Exportbier mit 5,1 % Vol.) der Karmeliten Brauerei, Straubing. Exportbier ist für mich im Geschmack meist zu lasch. So deutet dieses Bier zwar feine Malzaromen an. Der Hopfen ist aber nur unterschwellig schmeckbar.

Am Tag (14) folgte wieder ein Pils, dem der Deutschen wohl beliebtestes Bier: (Trinkt) Pils aus Pahres (5,0 % Vol.) der Privatbrauerei Hofmann, Pahres. Auch für dieses Pils gilt, was ich zu Bieren Pilsener Brauart aus dem Süden der Republik gesagt habe: das Bittere des Hopfens hält sich durch seine feinherbe Art in Grenzen und hat einen schlanken Nachgeschmack. Das Bier ist untergärig mit hellem Gerstenmalz gebraut und ist so von heller Farbe. Es besitzt eine prickelnd frische Rezens, d.h. die Kohlensäure perlt angenehm.

Dem Türchen des Tag (15) entnahm ich wieder ein kräftigeres Bier: Schalchner Weißer Bock (7,4 % Vol.) des Weißbräus Schwendl, Tacherting, aus dem schönen Chiemgau in Oberbayern. Ich muss gestehen, dass das für mich neu war: ein Weizenbier (oder Weißbier – wie die Bayern sagen) als Bockbier, also ein Weizenbock – natürlich hefetrüb.

Ein Weizen trinke ich eigentlich eher gern im Sommer, weil so ein Bier durch seine feine Säure erfrischt. Dagegen ist der Winter Starkbierzeit. Und dieses Weizenbock passt durch Farbe und Geschmack sehr gut in die jetzige Jahreszeit: Die Farbe ist kastanienbraun und durch die Hefe trüb. Die Blume ist zunächst schön fest, dicht und sahnig, fällt dann aber bald zusammen (wie für Weizenbiere eigentlich üblich) und führt zu Schlieren am Glas. Süße und Säure versuchen ihre Aromen nach vorne zu drücken, zum einen Schokolade, zum anderen reife Banane – das summiert sich zu einem geschmacklichen Potpourri. Keine Frage, das Bier ist süffig durch die ausgetüftelte Malzmischung und sicherlich eine Empfehlung für Weißbierliebhaber.

Die Tage (16) und (17) boten zwei Biere Pilsener Brauart. Zunächst (16) das Neuöttinger Pils (4,8 % Vol.) der Müllerbräu, Neuöttingen. Dieses Bier ist hellgelb schimmernd, edel im Trunk und feinherb in der Note. Bebraut wird es mit bestem Aromahopfen der Hallertau, dem wohl größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt. Es liegt fast zentral in Bayern und wird grob von den Städten Ingolstadt, Kelheim, Landshut, Moosburg, Freising und Schrobenhausen begrenzt. Den Tag darauf (17) war ein Leibinger Edel Pils (4,8 % Vol.) der Brauerei Max Leibinger, Ravensburg im Türchen. Bei diesem Bier wird bester Tettnanger Aromahopfen mit hauseigener Bierhefe verarbeitet. Beide Pils sind nicht zu herb und durch feine Säure gekennzeichnet: Für manchen Norddeutschen sind sie etwas zu blass von Farbe und auch vom Geschmack her.

Wie schon gesagt: Ein Weizen, zudem ein helles mit Hefe, ist für mich eher etwas für den Sommer. Weizen- bzw. Weißbier erfreut sich zunehmender Beliebtheit auch hier im Norden und findet sich so auch in den Sortimenten norddeutscher Brauereien. So ein Hefe-Weizen trinkt man aus großen Gläsern. Da kommt so ein Bier aus der 0,33-Liter-Flasche eher spärlich ins Glas. Tag (18) bot mir so ein helles Hefe-Weizen aus dem tiefsten Süden der Republik: Unser Bürgerbräu Hefe-Weizen (5,2 % Vol.) der privaten Alpenbrauerei Bürgerbräu, Bad Reichenhall.

Dies obergärige Bier ist von orange-trüber Farbe und vom Geruch her eher nach Weizen und Gerste als nach Banane ausgerichtet. Ansonsten ist es wie eben ein Weizenbier sein soll: süffig und spritzig, auf der Zunge stark rezent und vollmundig – und auf die „altmodische“ Weise gebraut: mit der klassischen Flaschengärung. Der BÜRGERBRÄU ist einer der wenigen, die unverändert an dieser aufwändigen, aber qualitativ unübertroffenen Methode festhalten.

Bierkalender (Advent): die Türchen 19 bis 24

Am Tag (19) begab ich mich gewissermaßen in die Zeit frühester Kindestage zurück – das Black Forest Ale (5,7 % Vol.) der Privatbrauerei Ketterer kommt aus Pforzheim vom Nordrand des Schwarzwaldes (daher auch der Name des Bieres). Dort lebte ich knapp drei Jahre und brachte den schwäbischen Zungenschlag mit nach Bremen. Dieses Ale ist mit amerikanischer obergäriger Ale-Hefe vergoren und bekommt dadurch eine leichte Citrusnote. Dafür darf sich die Nase über das ausgeprägte Hopfenaroma freuen. Unfiltriert und gelb-orange leuchtend bei etwas mehr Alkohol ist es ein besonderer Genuss.

Der Tag (20) kam wieder mit einem Pils daher: Schönramer Pils (5,0 % Vol.) der Privaten Landbrauerei Schönram. Obwohl ich eigentlich nicht der große Pils-Trinker bin, so war ich von diesem Bier wirklich begeistert. Laut eigenen Angaben der Brauerei ist dieses Bier „stärker gehopft als die Fernsehbiere unserer preußischen Nachbarn“ (hört, hört …), aber da ausschließlich Aromahopfen zur Verwendung kommen, empfindet man die bittere Note zurecht „angenehmer und harmonischer, ohne Ecken und Kanten.“ Dieses Pils hält mit Bravour das Gleichgewicht zwischen Hopfenherbe und malziger Süffigkeit.

Das Bier des Tages (21), wieder ein Pils, ist natürlich für mich Norddeutschen ein alter Bekannter: Dithmarscher Pilsener (4,8 % Vol.) der Dithmarscher Privatbrauerei Karl Hintz in Marne. Aus Dithmarschen kommt bekanntlich viel Kohl und auch die Büsumer Krabben. Aber auch ohne Kohl und Krabben lässt sich das Bier bestens trinken. Allerdings ist es wie viele Pils aus dem hohen Norden trotz voller Naturfrische ziemlich hopfenherb (nur das Jever Pilsener ist durch ein Mehr an Hopfen noch etwas herber, eben friesisch-herb).

Am Tag (22) verkostete ich das Diestel Blond (5,1 % Vol.) der Distelhäuser Brauerei, Dieselhausen im Taubertal. Neben einer starken Zitrusnote ist dieses Bier durch weitere Fruchtaromen von Pfirsich und Mango geprägt. Für mich mehr ein Obstsalat als ein Bier, also nicht so mein Fall.

Der Tag (23) meines Bierkalenders brachte wieder ein Bier der Privaten Landbrauerei Schönram und erneut ein Indian Pale Ale: das Schönramer Indian Pale Ale (8,0 % Vol.). Laut Brauerei-Website soll dieses Bier sogar 8,5 Volumen-% Alkohol haben (also auf meiner Flasche steht 8,0 % Vol. – vielleicht dürfen aus Bayern keine Biere mit mehr als 8 % ‚ausgeführt’ werden). So oder so war dieses Bier sehr gehaltvoll, eben ein obergäriges, naturtrübes, bernsteinfarbenes Starkbier, dessen malziges Aroma an eine frisch gemähte Wiese erinnert. Im Antrunk schmeckt man eine leichte Malzsüße, die in eine angenehm anhaltende Hopfenbittere übergeht.

Als Abschluss der Tag (24) mit einem wieder besonderem Bier, das man sicherlich nicht alle Tage trinken mag: Böckle (7,4 % Vol.), ein dunkler Bock der Brauerei Haller Löwenbräu aus Schwäbisch Hall, eine saisonale Spezialität für den Winter. Wie an anderer Stelle schon mitgeteilt, mag ich in dieser meist doch eher kalten Jahreszeit ein kräftiges Bier mit Betonung auf malzige Aromen. Der Brauer hat bei diesem Bier viele Spezialmalze verwendet, um ein facettenreiches Geschmackserlebnis zu erzeugen. Für meinen Geschmack ist ihm das aber eine Spur zu süßlich gelungen. Trotzdem ein Bier der besonderen Art.

Mit diesen 24 doch sehr unterschiedlichen Bieren ging meine trink-kulinarische Reise am Heiligabend zu Ende. Zu Ende? Selbstredend natürlich nicht: Für die Zeit ‚zwischen den Jahren’ hatte ich mich mit Weihnachts- und Winterbieren eingedeckt, die ebenso selbstredend nur in Maßen meine Kehle benetzten. Ein gepflegte Bier sollte ein Genuss sein, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Prost!

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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