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Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr 2012 |
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Allen Freunden, Bekannten, Verwandten und Besuchern meines Weblogs wünsche ich ein geruhsames Weihnachtsfest 2011 und einen gelungenen Start ins Neue Jahr 2012. Mancher Leute Verhältnis zu Weihnachten ist wie das vom Krümelmonster zur Bäckerei; der eine mag Kekse, Kekse, der andere Geschönke, Geschönke. So wünsche ich Euch allen sinnvolle Geschenke (Geschönke), eine fette Weihnachtsgans – und möge Euer schrille Weihnachtsbaum nicht in Flammen aufgehen. |
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| In diesem Sinne grüßen auch die Weihnachtsmänner dieser Welt: | ||
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Alle Artikel von WilliZ
Vorweihnachtszeit (10): Weihnachten 1932 in Wasserburg/Bodensee
Die Bescherung fand, weil auf das Klavier nicht verzichtet werden konnte, im Nebenzimmer statt. Das heißt, Josef und Johann hatten erst Zutritt, als der Vater am Klavier Stille Nacht, heilige Nacht spielte. Der Einzug ins Nebenzimmer geschah durch zwei Türen: von der Wirtschaft her zogen, ihre Gläser in der Hand, die vier letzten Gäste hinter Elsa herein. Hanse Luis, der Schulze Max, Dulle und Herr Seehahn. Durch die Tür vom Hausgang her zogen Josef, Johann, Niklaus und der Großvater ein. Zuletzt Mina, die Prinzessin und die Mutter, sie kamen aus der Küche.
Immer an Weihnachten trug Herr Seehahn am grünen Revers seiner gelblichen Trachtenjacke den Päpstlichen Hausorden, den er bekommen hatte, weil er als Marinerevolutionär in München zum päpstlichen Nuntius, den er hätte gefangen nehmen sollen, gesagt hatte: Eminenz, wenn Sie mit mir kommen, sind Sie verhaftet, wenn Sie die Hintertür nehmen, sind Sie mir entkommen.
Dulle war wohl von allen am weitesten von seiner Heimat entfernt. Dulle war aus einem Ort, dessen Name in Johanns Ohren immer klang, als wolle man sich über Dulle lustig machen. Niemals hätte Johann in Dulles Gegenwart diesen Namen auszusprechen gewagt. Buxtehude. Dulle sprach anders als jeder andere im Dorf. Er hauste in einem Verschlag bei Frau Siegel, droben in Hochsträß, direkt an der frisch geteerten Landstraße. Dulle war Tag und Nacht unterwegs. Als Fischerknecht und als Durstiger. Oder hinter Fräulein Agnes’ Katzen her. Adolf behauptete, Dulles Verschlag, Wände und Decke, sei tapeziert mit Geldscheinen aus der Inflation. Hunderttausenderscheine, Scheine für Millionen, Milliarden, Billionen. Eine Zeitung habe, sagte Adolf, 1923 sechzehn Milliarden Mark gekostet. Immer wenn Johann von dieser Inflation etwas hörte, dachte er, das Land hat Fieber gehabt damals, 41 oder 42 Grad Fieber müssen das gewesen sein.
Der Schulte Max war nirgendwo her beziehungsweise überall her, eben vom Zirkus. Er nächtigte im Dachboden des von zugezogenen Fischerfamilien bewohnten Gemeindehauses, und zwar auf einem Lager aus alten Netzen.
Verglichen mit den Schlafstätten von Dulle und Schulze Max, war das, was Niklaus droben im Dachboden als Schlafstatt hatte, eine tolle Bleibe. Niklaus hatte ein richtiges Bett so mit alten Schränken umstellt, daß eine Art Zimmer entstand. Niklaus war für Johann interessant geworden, als Johann ihm einmal zugeschaut hatte, wie er seine Fußlappen über und um seine Füße schlug und dann in seine Schnürstiefel schlüpfte. Die Socken, die Mina ein Jahr zuvor für Niklaus gestrickt und unter den Tannenbaum gelegt hatte, hatte er einfach liegen lassen. Als Mina sie ihm in die Hand drückten wollte, hatte er den Kopf geschüttelt. Niklaus sprach selten. Mit Nicken, Kopfschütteln und Handbewegungen konnte er, was er sagen wollte, sagen. Wenn er meldete, daß Freifrau Ereolina von Molkenbuer drei Zentner Schwelkoks und Fräulein Hoppe-Seyler zwei Zentner Anthrazit bestellt hatten, merkte man, daß er keinerlei Sprachfehler hatte. Er sprach nicht gern. Sprechen war nicht seine Sache.
Unterm Christbaum lagen für Josef und Johann hellgraue Norwegerpullover, fast weiß und doch nicht weiß, silbergrau eigentlich. Mit graublauen, ein bißchen erhabenen Streifen. Aber auf der Brust zwei sehr verschiedene Muster, eine Verwechslung war zum Glück ausgeschlossen. Josef zog seinen sofort an. Johann hätte seinen lieber unterm Christbaum gesehen, aber weil alle sagten, er solle seinen doch auch probieren, zog er ihn an. Johann mußte, als er spürte, wie ihn dieser Pullover faßte, schnell hinaus, so tun, als müsse er auf den Abort, aber er mußte vor den Spiegel der Garderobe im Hausgang, er mußte sich sehen. Und er sah sich, silbergrau, fast bläulich erhabene Streifen, auf der Brust in einem Kreis ein Wappen. Königssohn, dachte er. Als er wieder hineinging, konnte er nicht ganz verbergen, wie er sich fühlte. Mina merkte es. Der steht dir aber, sagte sie.
Dieser Pullover waren aus dem Allgäu gekommen, von Anselm, dem Vetter genannten Großonkel.
Zu jedem Geschenk gehörte ein Suppenteller voller Plätzchen, Butter-S, Elisen, Lebkuchen, Springerle, Zimtsterne, Spitzbuben, Makronen.
Die Mutter sagte zu Mina hin und meinte die Plätzchen: Ich könnt ’s nicht. Johann nickte heftig, bis Mina bemerkte, daß er heftig nickte. Er hatte letztes Jahr von Adolfs Plätzchenteller probieren dürfen. Bruggers Plätzchen schmeckten alle gleich, von Minas Plätzchen hatte jede Sorte einen ganz eigenen Geschmack, und doch schmeckten alle zusammen so, wie nur Minas Plätzchen schmecken konnten. In diesem Jahr lag neben Johanns und Josefs Teller etwas in Silberpapier eingewickeltes Längliches, und aus dem Silberpapier ragte ein Fähnchen, darauf war ein rotes Herz gemalt und hinter dem Herz stand –lich. Über dem Herz stand: Die Prinzessin grüßt. Josef probierte schon, als Johann noch am Auspacken war. Nougat, sagte er. Richtig, sagte die Prinzessin. Toll, sagte Josef. Johann wickelte seine Nougatstange unangebissen wieder ein.
Für Mina und Elsa gab es Seidenstrümpfe. Beide sagten, daß das doch nicht nötig gewesen wäre. Für Mina lag noch ein Sparbuch dabei. Mit einem kleinen Samen, sagte die Mutter. Bei der Bezirkssparkasse. Die gehe nicht kaputt. Mina sagte kopfschüttelnd: O Frau, vergelt ’s Gott! Für die Prinzessin lagen mehrere Wollstränge in Blau unter dem Baum. Sie nahm sie an sich, salutierte wie ein nachlässiger Soldat mit dem Zeigefinger von der Schläfe weg und sagte: Richtig. Und zu Johann hin: Du weißt, was dir bevorsteht. Johann sagte auch: Richtig! Und grüßte zurück, wie sie gegrüßt hatte. Er mußte immer abends die Hände in die Wollstränge stecken, die die Prinzessin dann, damit sie nachher stricken konnte, zum Knäuel aufwickelte. In jeder feien Minute strickte sie für ihren Moritz, den sie einmal im Monat in Ravensburg besuchen durfte; aber allein sein durfte sie nicht mit dem Einjährigen. Die Mutter des Siebzehnjährigen, der der Kindsvater war, saß dabei, solange die Prinzessin da war. Nach jedem Besuch erzählte die Prinzessin, wie die Mutter des Kindsvaters, die selber noch keine vierzig sei, sie keine Sekunde aus den Augen lasse, wenn sie ihren kleinen Moritz an sich drückte. Die Prinzessin, hieß es, sei einunddreißig. Sie hatte jedem etwas neben den Teller gelegt, und jedesmal hatte sie ihr Herz-Fähnchen dazugesteckt. Für Elsa eine weiße Leinenserviette, in die die Prinzessin mit rotem Garn ein sich aufbäumendes Pferd gestickt hatte. Für Mina zwei Topflappen, in einem ein großes rotes A, im anderen ein ebenso großes M. Für Niklaus hatte sie an zwei Fußlappen schöne Ränder gehäkelt. Für Herrn Seehahn gab es ein winziges Fläschchen Eierlikör. Für die Mutter einen Steckkamm. Für den Vater ein Säckchen mit Lavendelblüten. Für den Großvater ein elfenbeinernes Schnupftabakdöschen. Johann, sagte sie, geh, bring ’s dem Großvater und sag ihm, Ludwig der Zweite, habe es dem Urgroßvater der Prinzessin geschenkt, weil der den König, als er sich bei der Jagd in den Kerschenbaumschen Wäldern den Fuß verstaucht hatte, selber auf dem Rücken bis ins Schloß getragen hat. Alle klatschten, die Prinzessin, die heute einen wild geschminkten Mund hatte, verneigte sich nach allen Seiten. Johann hätte am liebsten nur noch die Prinzessin angeschaut. Dieser riesige Mund paßte so gut unter das verrutschte Glasauge. Für Niklaus lagen wieder ein Paar Socken und ein Päckchen Stumpen unterm Baum. Die Socken, es waren die vom vorigen Jahr, ließ er auch diesmal liegen. Die Stumpen, den Teller voller Plätzchen und die umhäkelten Fußlappen trug er zu seinem Platz. Im Vorbeigehen sagte er zur Prinzessin hin: Du bist so eine. Sie salutierte und sagte: Richtig. Dann ging er noch einmal zurück, zum Vater hin, zur Mutter hin und bedankte sich mit einem Händedruck. Aber er schaute beim Händedruck weder den Vater noch die Mutter an. Schon als er seine Rechte, der der Daumen fehlte, hinreichte, sah er weg. Ja, er drehte sich fast weg, reichte die Hand zur Seite hin, fast schon nach hinten. Und das nicht aus Nachlässigkeit, das sah man. Er wollte denen, die ihn beschenkt hatten, nicht in die Augen sehen müssen. Niklaus setzte sich wieder zu seinem Glas Bier. Nur an Weihnachten, an Ostern und am Nikolaustag trank er das Bier aus dem Glas, sonst aus der Flasche. Johann sah und hörte gern zu, wenn Niklaus die Flasche steil auf der Unterlippe ansetzte und mit einem seufzenden Geräusch leertrank. Wie uninteressant war dagegen das Trinken aus dem Glas. Niklaus setzte auch jede Flasche, die angeblich leer aus dem Lokal zurückkam und hinter dem Haus im Bierständer auf das Brauereiauto wartete, noch einmal auf seinen Mund; er wollte nichts verkommen lassen.
…
Der Vater ging zum Tannenbaum und holte ein blaues Päckchen, golden verschnürt, gab es der Mutter. Sie schüttelte den Kopf, er sagte: Jetzt mach ’s doch zuerst einmal auf. Eine indische Seife kam heraus. Und Ohrringe, große, schwarz glänzende Tropfen. Sie schüttelte wieder den Kopf, wenn auch langsamer als vorher. Für den Großvater lag ein Nachthemd unter dem Baum. Er sagte zu Johann, der es ihm bringen wollte: Laß es nur liegen. Als letzter packte der Vater sein Geschenk aus. Lederne Fingerhandschuhe, Glacéhandschuhe, sagte der Vater. Damit könnte man fast Klavier spielen, sagte er zu Josef. Und zog sie an und ging ans Klavier und ließ schnell eine Musikmischung aus Weihnachtsliedern aufrauschen. Hanse Luis klatschte Beifall mit gebogenen Händen; das war, weil er seine verkrümmten Handflächen nicht gegen einander schlagen konnte, ein lautloser Beifall. Er sagte: Was ischt da dagege dia Musi vu wittr her. Er konnte sich darauf verlassen, daß jeder im Nebenzimmer wußte, Radio hieß bei Hanse Luis Musik von weiter her. Dann stand er auf und sagte, bevor er hier auch noch in eine Bescherung verwickelt werde, gehe er lieber. Es schneie immer noch, er solle bloß Obacht geben, daß er nicht noch falle, sagte die Mutter. Kui Sorg, Augusta, sagte er, an guate Stolperer fallt it glei. Er legte einen gebogenen Zeigefinger an sein grünes, randloses, nach oben eng zulaufendes Jägerhütchen, das er nie und nirgends abnahm, knickte sogar ein bißchen tänzerisch ein und ging. Unter der Tür drehte er sich noch einmal um, hob die Hand und sagte, er habe bloß Angst, er sei, wenn es jetzt Mode werde, statt Grüßgott zu sagen, die Hand hinauszustrecken, dumm dran, weil er so krumme Pratzen habe, daß es aussehe wie die Faust von denen, die Heil Moskau schrieen. Und dann in seiner Art Hochdeutsch: Ich sehe Kalamitäten voraus, Volksgenossen. Und wieder in seiner Sprache: Der sell hot g’seet: No it hudla, wenn ’s a ’s Sterbe goht. Und mit Gutnacht miteinand war er draußen, bevor ihm die Prinzessin, was er gesagt hatte, in Hochdeutsch zurückgeben konnte. Elsa rannte ihm nach, um ihm die Haustür aufzuschließen. Dann hörte man sie schrill schreien: Nicht, Luis … jetzt komm, Luis, laß doch, Luiiiis! Als sie zurückkam, lachte sie. Der hat sie einreiben wollen. Johann staunte. Daß Adolf, Paul, Ludwig, Guido, der eine Helmut und der andere und er selber die Mädchen mit Schnee einrieben, sobald Schnee gefallen war, war klar; nichts schöner, als Irmgard, Trudl oder Gretel in den Schnee zu legen und ihnen eine Hand voll Schnee im Gesicht zu zerreiben. Die Mädchen gaben dann Töne von sich wie sonst nie. Aber daß man so eine Riesige wie Elsa auch einreiben konnte! Hanse Luis war einen Kopf kleiner als Elsa. Kaum war Elsa da, erschien Hanse Luis noch einmal in der Tür und sagte: Dr sell hot g’sell, a Wieb schla, isch kui Kunscht, abe a Wieb it schla, desch a Kunscht. Und tänzelte auf seine Art und war fort. Die Prinzessin schrie ihm schrill, wie gequält nach: Ein Weib schlagen, ist keine Kunst, aber ein Weib nicht schlagen, das ist eine Kunst. Der Dulle hob sein Glas und sagte, Ohne dir, Prinzessin, tät ich mir hier im Ausland fühlen.
…
Die Bescherung war vorbei, jetzt also die Lieder. Schon nach dem ersten Lied, Oh du fröhliche, oh du selige, sagte der Schulze Max zur Mutter, die beiden Buben könnten auftreten. Der Vater hatte die Glacéhandschuhe wieder ausgezogen und spielte immer aufwendigere Begleitungen. Nach Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Frau’n sagte der Schulte Max zu Dulle: Auf diese Musikanten trinken wir noch ein Glas. Wenn du einverstanden bist. Dulle nickte heftig. Dann gehen wir aber, sagte der Schulze Max. Dulle nickte wieder. Wieder heftig. Der Schulze Max: Wir wollen überhaupt nicht anwachsen hier. Dulle schüttelte den Kopf ganz heftig. Der Schulze Max: Heute schon gar nicht, stimmt ’s? Dulle nickte so heftig, daß er danach seine Brille wieder an ihren Platz hinaufschieben mußte. Der Schulze Max: Auch eine Wirtsfamilie will einmal unter sich sein, stimmt ’s? Dulle nickte wieder, hielt aber, damit er heftig genug nicken konnte, schon während des Nickens die Brille fest. Der Schulze Max: Und wann möchte, ja, wann muß eine Familie ganz unter sich sein, wenn nicht am Heiligen Abend, stimmt ’s? Dulle nahm, daß er noch heftiger als zuvor nicken konnte, seine Brille ab. Der Schulze Max: Und was haben wir heute? Dulle, mit einer unglaublich zarten, fast nur noch hauchenden Stimme: Heilichabend. Der Schulze Max, sehr ernst: Daraus ergibt sich, sehr, sehr verehrte Frau Wirtin, daß das nächste Glas wirklich das letzte ist, das letzte sein muß.
aus: Martin Walser: Ein springender Brunnen (suhrkamp taschenbuch 3100 – 1. Auflage 2000 – S. 92- 96, S. 98-101)
Vorweihnachtszeit (9): Ry Cooder – Christmas in Southgate
Wer ins Alter kommt, der beginnt Denkmäler zu bauen – meist für sich selbst. Ry Cooder, der Musiker und Musikethnologe, ist nun auch schon fast 65 Jahre alt. Aber die Denkmäler, die er baut, sind die für andere. Was die Gebrüder Grimm für die deutsche Märchenwelt waren, das ist Ry Cooder für die amerikanische Musiktradition. Er zeichnet auf, und da er so nebenbei noch ein außergewöhnlicher Musiker ist, entstehen Musikalben, die es in sich haben.
Zurück in seiner Heimatstadt Los Angeles erzählte Cooder in seinem 2005 erschienenen Album “Chávez Ravine” die Geschichte des gleichnamigen mexikanischen Viertels, das in den 50er Jahren in der L.A. Hillside blühte – und Stadtplanern und ihren Bulldozern weichen musste. Heute steht dort das Stadion der “Dodgers”. Es ist ein Konzeptalbum über klassische L.A./Hispanic/Pachuco-Legenden um Not, Korruption, Politik, die ‘Rote Gefahr’, groß und klein, Nachbarschaft gegen große Companys – alles auf einmal.
Pünktlich zu Weihnachten 2007, also vor 4 Jahren, erschien sein Album: My Name Is Buddy mit dem Untertitel „Another Record by Ry Cooder“. Es war wieder ein Konzeptalbum geworden und eine Fabel besonderen Ausmaßes: Buddy, die Katze, und Lefty, die Maus (oder Ratte, wie man es nimmt) werden Freunde – und anhand dieser beiden werden die Geschichten der Arbeiter und der Armen Amerikas erzählt, die ansonsten langsam dem Vergessen anheim fallen würden. Nur soviel: Es ist eine komisch-ernste und traurig-fröhliche Geschichte. Schon allein die Texte sind ein Geniestreich von Ry Cooder.
Komme und bleibe ich bei der Musik: Ry Cooder ist nach diversen Ausflügen in die Weltmusik in seine Heimat zurückgekehrt: das Amerika des Folks und des Bluegrass, des Blues und des Rocks. Aber Cooder wäre nicht Cooder, würde er das neue Album nicht auch mit musikalischen Exkursionen wie TexMex, Pop-Soul-Gospel oder Jazz schmücken. Alles in allem sind es scheinbar “alte” Songs aus einem Repertoire, das Cooder Zeit seines Lebens faszinierte. Aus der Feder Ry Cooders werden die Lieder allerdings zu einer “Modern Folk Music” von seiner besten Seite.
Der Blues-Heroe Pops Staples meinte einmal über Ry Cooder: “Immer, wenn ich ihn höre, bekomme ich eine Gänsehaut. Er gräbt einen alten Song aus, den meine Eltern mir einst beibrachten, und ich habe das Gefühl, die Zeit dreht sich zurück.”
Und anderswo las ich über Cooder: “Seine Saitenarbeit weist alle anderen Gitarristen in die Schranken und ist dabei so unauffällig, dass es schon unverschämt ist.” Dem kann ich mich nur anschließen. Für mich ist Ry Cooder einer der größten Gitarristen dieser Welt. Seine Musik ein Bestandteil meines Lebens. Und schön ist es zu wissen, dass es mit ihm auch noch den ‘anderen’ US-Amerikaner gibt.
Warum diese lange Vorrede? Da Weihnachten vor der Türe steht, hier das Lied “Christmas in Southgate”, in dem es aber u.a. heißt: “I’d even give up drinking whiskey and gin – If Jesus and Santa ever get back down to Southgate again”, ein Lied in einem 3/4-Takt, selbst für Cooder eher ungewöhnlich:
Ry Cooder: Christmas in Southgate
You got no credit and I’ve got no cash
That bonus they gave us were nothing but trash
You been laid off at Goodyear, I been laid off at Hughes
It looks like a bad year, there just ain’t no use
“Cause it’s Christmas in Southgate, you been a true friend
I ain’t never been much of a church going man
But I’d even give up drinking whiskey and gin
If Jesus and Santa ever get back down to Southgate again
Ry Cooder: Christmas in Southgate
Well, the telephone rang and it jumped off the wall
Says, we’re sorry, Buddy, but we can’t place your call
‘Cause Jesus don’t answer, Santa ain’t got back yet
what’s a poor old Red Cat got a right to expect?
So I called up my banker to ask for a loan
Said, it’s Christmas Eve, Buddy, there ain’t no one home
Then I called up my preacher and he said, We’re through
What the heck is a poor old Red Cat gonna do?
I’d work any job just to clear a day’s pay
Except for being President of the old USA
That’s dirty work, Lefty, no future, it’s true
I’d rather drink up my last nickel with you
Chorus
Lyrics mit Akkord-Angaben (zum geneigten Mitklampfen): My Name is Buddy
Vorweihnachtszeit (8): Weihnachtsfrauen 2
Hier noch einmal weihnachtlich-weiblichen Nachschub. Langweilige Weihnachtskerle mit langen, weißen Bärten sehen wir genug. Die Weihnachtsfrau erobert die Welt – weniger die Kinderzimmer, eher die vorweihnachtlichen Herrenabende …
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Saisonhalbzeit
Winterpause in der Fußballbundesliga. Halbzeit in der Saison. Die Bayern führen erwartungsgemäß, zeigen aber immer wieder Schwächen. Und Werder Bremen ist auf Platz fünf. Immerhin.
Diesen fünften Platz haben die Bremer aber weniger einer konstant guten Leistung zu verdanken. Weil die nachfolgenden Mannschaften auch immer wieder Spiele ins Wasser setzen, konnte sich Werder oben halten. Dafür sind die Plätze eins bis vier, die für eine Teilnahme an der Champions League in der nächsten Saison berechtigen, allerdings auch schon in ziemlich weite Ferne gerückt.
Einzig zu Hause konnte der SV Werder bisher überzeugen. In der Fremde gab es zuletzt eine Klatsche nach der anderen. Man könnte meinen, jeweils zwei völlig verschiedene Mannschaften auflaufen zu sehen. So ganz stimmt das aber auch nicht. Manches Spiel auf eigenem Platz wurde mit einigem Glück gewonnen.
Was ist los? Das fragen sich Trainer Thomas Schaaf und Werder-Chef Klaus Allofs sowie (hoffentlich) der eine oder andere Spieler sicherlich auch. Die kollektive Verweigerung in den Auswärtsspielen ist kaum zu erklären. Und wie das im nächsten Jahr weitergehen soll, weiß kein Mensch. Die Fans sind inzwischen stinke-sauer.
Inzwischen sind Schaaf und Allofs über zwölfeinhalb Jahre in ihren Ämtern. Ohne Zweifel haben beide vieles dazu beigetragen, dass die Mannschaft in diesen Jahren (klammern wir einmal die letzte Saison aus) vorn mitgespielt hat. Aber die Zeichen stehen auf Sturm, der Daumen zeigt nach unten. Der jetzige fünfte Platz kann gewaltig täuschen. So darf und muss gefragt werden, ob das Duo Schaaf/Allofs wirklich noch das Richtige ist. Beide haben nach einigen Querelen erst jetzt ihre Verträge verlängert. Auch ihr Marktwert ist längst im Keller. Die Fragen lauten: Erreicht Thomas Schaaf die Mannschaft überhaupt noch? Und muss man Klaus Allofs nicht eine Menge Fehleinkäufe vorwerfen?
Einer die wichtigsten Leistungsträger ist Claudio Pizarro. Dieser kokettiert verständlicherweise mit einem Vereinswechsel. Denn in der nächsten Saison will er auf jeden Fall international spielen. Und ob Werder es in eine der europäischen Wettbewerbe schafft, ist eben sehr fraglich. Wenn nicht, dann ist Pizarro weg. Da frage ich mich, ob es nicht besser ist, ihn jetzt zur Winterpause bereits abzugeben. Dann bekäme man für ihn noch eine nicht unerheblich hohe Ablösesumme. Im Sommer gibt’s nur Pustekuchen. Und der Jüngste ist Pizarro auch nicht mehr (außerdem waren seine Leistungen in Auswärtsspielen auch nicht die besten).
Ohne Zweifel hat die Mannschaft einiges Potential, dass sie allerhöchstens in Heimspielen abruft. Da gibt es jede Menge Tatente, auch solche, die langsam älter geworden sind und sich unter Schaaf nicht wesentlich weiterentwickelt haben. Marin ist das Beispiel schlechthin. Er ist zwar ein begnadeter Trippler, verheddert sich aber immer wieder – und ist so eher kontraproduktiv. Bei allem Wohlwollen, aber auch Arnautovic ist für mich eine Pleite. Der Mann hat es zwar in den Schenkeln, nicht aber im Kopf. Manchmal braucht es aber auch an Verstand. Was ist mit Wesley oder mit Denni Avdic? Kaum gespielt und dauerverletzt. Und Mehmet Ekici ist auch noch sehr weit davon entfernt, den in ihn gesetzten Erwartungen zu entsprechen.
Schaaf und Allofs hat Werder erst einmal weiterhin an den Hacken. Neue Spieler wird es nicht geben. Wie soll es also weitergehen? Woher will man den frischen Wind nehmen, der jetzt notwendig ist, um wenigstens ansatzweise an alte Spielweisen anzuknüpfen? Vielleicht ein kleiner Tipp an Mannschaft und Betreuer: Haut vor einem Spiel nicht immer so auf die Pauke. Vor dem Spiel auf Schalke hatte ich den Eindruck, dass man sich nur über die Höhe des Sieges nicht einig war. Das es dann eine 0:5-Klatsche wurden sollte, hatte keiner auf dem Zettel. Backt kleinere Brötchen, dafür aber wohlschmeckende …!
Herr Wulff und sein Kredit: Yes, he can …
„Man muss selber wissen, was man macht und das muss man verantworten. Und das kann ich.“ (Quelle: zdf.de) Yes, he can … Ist das nicht toll? Schön, Herr Wulff, dass Sie den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Nur: solche Allgemeinplätze kennt jedes Kind. Aber Sie können es noch besser: Das Wesentliche in seinem Amt sei, „dass man die Dinge bewertet, beurteilt und dann dazu steht und dann auch unterscheidet, wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden.“ (Quelle: zdf.de)
Jetzt wissen wir endlich, warum Frau Merkel Sie als Bundespräsidenten haben wollte. Keiner drückt so präzise und doch allgemeinverständlich das aus, was jeder Mensch von Haus aus weiß. Sie bewerten und beurteilen also die Dinge. Warum lassen Sie uns aber nicht teilhaben an Ihren Beurteilungen? Finanz- und Eurokrise, man könnte den Eindruck haben, dass das Ihnen ‚am Arsch’ vorbeigeht. Sie schweigen lieber. Da kann man nichts Falsches sagen.
Schön, dass Sie jetzt Ihre Urlaubslisten veröffentlicht ließen. Gratisurlaub also ‚bei Freunden’. Wen interessiert das, Herr Wulff? Das Sie es bestens verstehen, sich erfolgreich durchs Leben zu schnorren, wissen wir nun.
Es ist nicht dieses Skandälchen um einen Kredit, der mich erregt, obwohl ich es von Herrn Wulff instinktlos finde, wie er sich mit dem Kredit einer zwar rechtlich nicht anfechtbaren, moralisch jedoch äußerst bedenklichen Vorteilsnahme bedient hat. Sie selbst sind der Skandal, Herr Wulff. Will man Ihnen ans Leder, so plärren sie laut heraus. Ansonsten schweigen Sie meist. Ihr Einfluss auf die alltägliche Politik sollte darin bestehen, sich zu den großen Themen zu äußern, kluge Gedanken von sich zu geben. Wenn Frau Merkel meint, die Europäische Union sei nur dazu da, verschuldete Staaten zu retten, dann wäre es Ihre Aufgabe, die wichtigeren Fragen zu stellen: Was ist die Strategie Europas? Was ist die Rolle Europas in der Welt?
In seiner verschnupft klingenden Art fehlt Herrn Wulff aber jeglicher Weitblick. Bundespräsidenten glänzten bisher nie durch besonderes Charisma. Aber so farblos wie Herr Wulff war bisher keiner. Bundespräsidenten sollten eine moralische Instanz darstellen. Herr Wulff ist nur ein armes, niveauloses Würstchen.
Ian Anderson im Kloster Maria Laach: God Rest Ye Merry Gentlemen
Am 24. Dezember 2006 übertrug ab 17 Uhr das ZDF „Weihnachten mit dem Bundespräsidenten“, das Weihnachtskonzert des Bundespräsidenten (damals noch Horst Köhler), zu dem auch Ian Anderson von der Gruppe Jethro Tull seinen Beitrag leistete. Das Konzert fand in dem ehrwürdigen Kloster Maria Laach statt. Die Proben zu dem Konzert waren am 15.12.2006, das eigentliche Konzert wurde am 16.12.2006 aufgezeichnet. Ian Anderson & Band” spielten „God Rest Ye Merry Gentlemen”, „Bourreé” und ein Fragment von „Aqualung”.

German televison celebrates „Christmas with the president“ (the german ‚Bundespräsident‘) every year and 2006 they invited Ian Anderson from the group Jethro Tull to the beautiful monastary Maria Laach to play a few tunes with his band and the youth orchestra Rheinland-Pfalz. The show was recorded on 16.12.2006 (with a public rehearsal on 15.12.2006) and broadcasted on christmas eve, 24.12.2006. Ians set includes „God Rest Ye Merry Gentlemen“.
Ian Anderson & Band: God Rest Ye Merry Gentlemen (2006 im Kloster Maria Laach)
Aimee Mann: One More Drifter in the Snow (2006)
Es überrascht schon zu sehen und zu hören, dass die spröde Blonde Aimee Mann ein Weihnachtsalbum herausgebracht hat. Das ist inzwischen allerdings auch schon wieder fünf Jahre her. Da ich schon dabei bin, diverse Musiker, die meinem Gusto (halbwegs) entsprechen und die uns mit Weihnachtsalben, einzelnen Weihnachts- oder winterlichen Liedern überrascht haben (Jethro Tull, Frank Zappa, Blackmore’s Night und zuletzt Ry Cooder), hier Gehör zu verschaffen, so möchte ich hier auch auf das Album One More Drifter in the Snow von Aimee Mann zu sprechen kommen.
Entsprechend amerikanischer Tradition bummelt nun also auch Aimee Mann durch den weihnachtlichen Schnee. Es handelt sich hierbei um eine Sammlung ihrer liebsten Weihnachtslieder, die sie betont ruhig und sparsam instrumentiert. Bis auf „Calling on Mary“, von Paul Bryan und ihr komponiert, gibt es eine Auswahl an Wehnachtsklassikern wie z.B. „White Christmas“ und „God Rest Ye Merry Gentlemen“, das wir auch instrumental von Ian Anderson & Band kennen.

Es mag sicherlich an den Liedern selbst liegen, dass ich mich für viele nicht begeistern kann, vielleicht weil sie zu hollywood-mäßig sind (die begleitende Hawaii-Gitarre finde ich fast schon kitschig). Aber zwei, drei Lieder sind schon ganz okay so. Besonders die Bläser (und das schmetternde Becken) auf „God Rest Ye Merry Gentlemen“ ist sehr reizvoll und natürlich die Eigenkomposition. Aimee Mann sollte bei ihren eigenen Liedern bleiben. Immerhin ein Versuch, einen eigenen Beitrag zum Fest der Liebe zu leisten. Nicht ganz gelungen zwar, aber es gibt Schlimmeres.
Hier die gesamte Playlist:
1. Whatever Happened To Christmas
2. The Christmas Song
3. Christmastime
4. I’ll Be Home For Christmas
5. You’re A Mean One Mr. Grinch
6. Winter Wonderland
7. God Rest Ye Merry Gentlemen
8. Have Yourself A Merry Little Christmas
9. White Christmas
10. Calling On Mary
Aimee Mann: „One More Drifter in the Snow“ (Samples)
Aimee Mann: Whatever Happened To Christmas
Calling on Mary
I heard the sidewalk Santa say:
Merry Christmas, Merry Christmas
Salvation’s coming cheap today
Merry Christmas, Merry Christmas
I searched the skyline for a star
Merry Christmas, Merry Christmas
And baby I wondered where you are
Merry Christmas, Merry Christmas
‚Cause comfort’s not possible when
You look past the joy to the end
Calling on Mary is voluntary
Unless you’re alone like me
If there’s a star above, then it can look like love
When they light up the Christmas tree
When I was young I couldn’t see
Merry Christmas, Merry Christmas
All that my true love gave to me
Merry Christmas, Merry Christmas
She offered sight to the blind
But I’m not the miracle kind
Calling on Mary is voluntary
Unless you’re alone like me
If there’s a star above, then it can look like love
When they light up the Christmas tree
And to all the lost souls down below:
Merry Christmas, Merry Christmas
What’s one more drifter in the snow?
Merry Christmas, Merry Christmas
Merry Christmas! Merry Christmas!
If there’s a star above, then it can look like love
When they light up the Christmas tree
If there’s a star above, then it can look like love
When they light up the Christmas tree
Aimee Mann: Calling on Mary
Max und Moritz
Eigentlich kommt mir die Politik in der Weihnachtszeit nicht so sehr zupass. Aber selbst ich bekomme Tränen in die Augen, wenn ich sehe, wie die FDP in Selbstauflösung begriffen ist. Letztes Beispiel dafür ist der Rücktritt ihres Generalsekretär Christian Lindner. Warum der eigentlich zurückgetreten ist, weiß wohl er selbst nicht. Aber FDP-Chef Philipp Rösler hat gleich Ersatz und präsentiert einen weiteren aus seiner Boygroup: Patrick Döring. Ich kann mir nicht helfen. Aber wenn ich beide so nebeneinander sehe, erinnern mich Döring und Rösler ganz schwer an Max und Moritz, nicht nur äußerlich:
Wie heißt es doch bei Wilhelm Busch: „Aber wehe, wehe, wehe! / Wenn ich auf das Ende sehe!“ oder zuletzt: „Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei / Mit der Übeltäterei!“
Aber soweit sind wir ja noch nicht. Im Gegenteil. Ähnlich der Protestaktion Occupy Wall Street gibt es jetzt eine Initiative namens Occupy FDP, die dazu aufruft, Mitglied der FDP zu werden: „Wir zeigen der FDP, was freie Märkte bedeuten: Wir übernehmen die Mehrheit der FDP und stellen sie auf ein neues Fundament. Oder wir lösen sie auf. #OccupyFDP“
Dazu müsste „Occupy FDP“ allerdings 65.000 Mitbürger zum Mitmachen bewegen (so viele Mitglieder hat die FDP im Augenblick), um eine ‚freundliche’ Übernahme zu erreichen. Die Idee finde ich stark und witzig. Aber ich fürchte, sie wird nicht funktionieren. Leider.
Dafür bekommt der FDP aus anderer Richtung Gegenwind zu spüren. Die FDP ist nicht mehr die einzigste Partei, die für Bürgerrechte einsteht (eingestanden hat, muss man korrekterweise sagen). Der Boden wird der FDP geradezu unter den Füßen weggezogen, die Piraten machen sich auf, eine FDP 2.0 zu werden.
Nur die, so fürchte ich, lavieren noch reichlich ziellos durch die Gegend. Sollte es gar sein, dass die Piraten von rechts unterwandert werden? Wie sonst ist es zu erklären, dass ehemalige NPD-Mitglieder in die Partei finden. Jugendsünden hin, Jugendsünden her. Bestes Beispiel ist der Kreistag des Landkreises Harburg, zu dem auch mein Wohnort gehört. In diesen Kreistag wurde ein Herr Romann von den Piraten gewählt, der sich jetzt als Politclown outet und mit sehr widersprüchlichen Aussagen seine Parteifreunde in Entrüstung versetzt. Seine angeblich „deutsch-nationale Einstellung“ mag vielleicht gestellt sein. Aber sein Auftreten (mit einer Bierflasche in der Hand) wird nicht gerade das Ansehen der Piraten stärken.
Aber genug politisiert für dieses Jahr. Sehen wir, wie der Politzirkus im nächsten Jahr weitergeht. Zu lachen (leider auch zu weinen) wird es reichlich geben.
Ian Anderson liest Weihnachtliches
Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, sondern liest uns unser Flötenguru, Ian Anderson von der Gruppe Jethro Tull, etwas traditionell Weihnachtliches aus seiner Heimat Schottland vor („Weihnachtliches mit Onkel Ian“):

Es handelt sich hierbei um einen Radio-Beitrag zu einer Sendung namens „A Toss the Feathers Christmas Special 2004“ und wurde einst vor sieben Jahren über den amerikanischen Sender Public Radio International ausgestrahlt. Neben „Another Christmas Song“ und „Ring Out Solstice Bells” (am Ende) liest Ian Anderson aus Sir Walter Scott’s „Marmion“ – Dichtung in sechs Gesängen (Marmion – A Tale of Flodden Field in six Cantos; Edinburgh 1808) (siehe auch books.google.de – siehe Text ab S. 156 und Anmerkungen ab S. 308) etwas Weihnachtliches vor:
Heap on more wood!-the wind is chill;
But let it whistle as it will,
We’ll keep our Christmas merry still.
Each age has deem’d the new-born year
The fittest time for festal cheer: 5
Even, heathen yet, the savage Dane
At Iol more deep the mead did drain;
High on the beach his galleys drew,
And feasted all his pirate crew;
Then in his low and pine-built hall, 10
Where shields and axes deck’d the wall,
They gorged upon the half-dress’d steer;
Caroused in seas of sable beer;
While round, in brutal jest, were thrown
The half-gnaw’d rib, and marrow-bone, 15
Or listen’d all, in grim delight,
While scalds yell’d out the joys of fight.
Then forth, in frenzy, would they hie,
While wildly-loose their red locks fly,
And dancing round the blazing pile, 20
They make such barbarous mirth the while,
As best might to the mind recall
The boisterous joys of Odin’s hall.
And well our Christian sires of old
Loved when the year its course had roll’d, 25
And brought blithe Christmas back again,
With all his hospitable train.
Domestic and religious rite
Gave honour to the holy night;
On Christmas eve the bells were rung; 30
On Christmas eve the mass was sung:
That only night in all the year,
Saw the stoled priest the chalice rear.
The damsel donn’d her kirtle sheen;
The hall was dress’d with holly green; 35
Forth to the wood did merry-men go,
To gather in the mistletoe.
Then open’d wide the Baron’s hall
To vassal, tenant, serf, and all;
Power laid his rod of rule aside, 40
And Ceremony doff’d his pride.
The heir, with roses in his shoes,
That night might village partner choose;
The Lord, underogating, share
The vulgar game of ‘post and pair.’ 45
All hail’d, with uncontroll’d delight,
And general voice, the happy night,
That to the cottage, as the crown,
Brought tidings of salvation down.
The fire, with well-dried logs supplied, 50
Went roaring up the chimney wide:
The huge hall-table’s oaken face,
Scrubb’d till it shone, the day to grace,
Bore then upon its massive board
No mark to part the squire and lord. 55
Then was brought in the lusty brawn,
By old blue-coated serving-man;
Then the grim boar’s head frown’d on high,
Crested with bays and rosemary.
Well can the green-garb’d ranger tell, 60
How, when, and where, the monster fell;
What dogs before his death he tore,
And all the baiting of the boar.
The wassel round, in good brown bowls,
Garnish’d with ribbons, blithely trowls. 65
There the huge sirloin reek’d; hard by
Plum-porridge stood, and Christmas pie:
Nor fail’d old Scotland to produce,
At such high tide, her savoury goose.
Then came the merry maskers in, 70
And carols roar’d with blithesome din;
If unmelodious was the song,
It was a hearty note, and strong.
Who lists may in their mumming see
Traces of ancient mystery; 75
White shirts supplied the masquerade,
And smutted cheeks the visors made;
But, O! what maskers, richly dight,
Can boast of bosoms half so light!
England was merry England, when 80
Old Christmas brought his sports again.
‘Twas Christmas broach’d the mightiest ale;
‘Twas Christmas told the merriest tale;
A Christmas gambol oft could cheer
The poor man’s heart through half the year. 85
Ich habe noch einmal nachgeforscht und entdeckt, dass es von diesem Poem mindestens zwei deutsche Übersetzung gibt:
– Marmion. Eine Erzählung vom Schlachtfelde von Flodden. Dichtung in sechs Gesängen. Zwickau, Gebrüder Schumann, 1827 (Übersetzung: C. Richard) und
– Marmion. Darmstadt 1857 (Übersetzung: Alexander Neidhardt, der auch Sonette von Shakespeare übersetzt hat)
Leider habe ich den deutschen Text nicht ausfindig gemacht, so dürft Ihr Euch selbst mit dem Schottischen herumschlagen (leider spricht Ian Anderson alles mehr oder weniger englisch aus. Schade eigentlich … Oder er kann nicht richtig schottisch).
Vor 100 Jahren: Wettlauf zum Südpol
Heute vor einhundert Jahren erreichte Roald Amundsen mit seiner Fram-Expedition als erster Mensch den geografischen Südpol und gewann damit einen Wettlauf gegen den Engländer Robert Falcon Scott und seine Terra-Nova-Expedition, die den Südpol erst am 17. Januar 1912, also 35 Tage nach Amundsen, erreichte.
„Die von Roald Amundsen geleitete Fram-Expedition war eine norwegische Antarktisexpedition, die erstmals den Südpol erreichte. In den Jahren von 1910 bis 1913 fuhr Amundsen mit der Fram, die bereits zweimal in der Arktis eingesetzt worden war, in die Bucht der Wale, wo er Ausrüstung und Hunde an Land brachte und sein Winterquartier aufschlug. Von dort zog er per Hundeschlitten von seiner Basis Framheim aus zum Südpol, den er am 14. Dezember 1911 35 Tage vor seinem Konkurrenten Robert Falcon Scott von der britischen Terra-Nova-Expedition erreichte. Damit hatte er das „Rennen um den Pol“ gewonnen. Die Expedition sollte zunächst in die arktischen Gewässer führen, um den Nordpol zu erreichen; als Amundsen jedoch im Herbst 1909 erfuhr, dass sowohl Frederick Cook als auch Robert Edwin Peary beanspruchten, den Pol erreicht zu haben, änderte er seinen Plan. Die Ersterreichung des Südpols versprach mehr Ehre für den Expeditionsleiter und sein Land sowie eine Verbesserung der nach den entmutigenden Nachrichten vom Nordpol ins Stocken geratenen Spendenakquisition.“ (Quelle: de.wikipedia.org)
Der Wettlauf zum Südpol endete für Robert F. Scott tödlich. Auf der Rückreise fanden Scott und seine vier Gefährten, die den Südpol erreicht hatten, wahrscheinlich am 29. März 1912 den Tod. Er hinterließ ein Tagebuch, das die Reise und insbesondere die Umstände des Scheiterns sehr ausführlich dokumentierte.
Abenteuer-, Entdeckungsreisen üben auch heute noch eine eigenartige Faszination aus, sei es in der Literatur oder im Film. Und sich selbst auf zu machen, um für sich Neuland (Terra Nova) zu entdecken, wer hätte nicht Lust dazu. Von dem Wettkampf um den Südpol las ich als Jugendlicher in Knaurs Geschichte der Entdeckungsreisen von Ernst Samhaber, dem ersten Chefredakteur der Zeit. Das Buch hatte mein Bruder geschenkt bekommen und es ist spannend zu lesen wie ein Kriminalroman.
Die Eroberung des Südpols war das letzte große Abenteuer, die letzte Entdeckung auf unserem Planeten. Als Amundsen und Scott mit ihren Leuten aufbrachen, wusste man mehr über den Mars als über die Antarktis. Amundsen hatte Glück und kam unversehrt zurück. Er hatte von den Inuit gelernt und setzte auf Hundeschlitten. Scott wählte eine gemischte Transportstrategie. Zum einen hatte er Motorschlitten im Einsatz, die allerdings sehr schnell kaputtgingen. Zwar hatte Scott auch Hunde, kam mit diesen allerdings nicht zurecht, und setzte auf Ponys, die aber den Strapazen nicht gewachsen waren. Den Großteil zogen die Männer ihre Schlitten selbst. Und so traf Scott im weiteren Verlauf der Reise weitere unglückliche Entscheidungen. Er entschloss sich, das letzte Teilstück zu fünft statt – wie geplant – mit vier Mann zu bestreiten. Auf der Rückreise ordnete Scott einen halben Tag der geologischen Forschung an, 13 Kilogramm geologischer Proben wurden auf die Schlitten geladen. Außerdem geriet Scott durch verschiedene Zeitverzögerungen in den antarktischen Winter. Am 20. März waren die Männer noch 18 Kilometer – etwa zwei bis drei Tage – entfernt vom einem Depot, als ein Blizzard aufkam und ihnen das Verlassen ihres Zelts verwehrte, in dem sie acht bis neun Tage später starben.

Gestern Abend lief im ZDF eine knapp 90-minütige, sehe detaillierte und überaus spannende Dokumentation über diesen Wettlauf zum Südpol. Wer nicht die Zeit hatte, diese zu sehen, kann dies nachholen. In der ZDFmediathek ist der Film aufrufbar: Der Wettlauf zum Südpol: Amundsen gegen Scott – Wirklich empfehlenswert.













