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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Ein ehrenvoller Abgang sieht anders aus

Zum dritten Mal heißt der Sieger der Tour de France Alberto Contador. Er wiederholte damit seinen Sieg vom Vorjahr, musste aber bis zuletzt gegen seinen Rivalen Andy Schleck aus Luxemburg um den Sieg kämpfen.

Wohl zum letzten Mal nahm der US-Amerikaner und siebenfache Tour de France-Sieger Lance Amstrong an der Frankreich-Rundfahrt teil. Mit seinem 23. Platz und fast 40 Minuten Rückstand auf den Sieger war Armstrong allerdings nur noch ein Schatten seiner selbst. Mit Armstrong tritt einer der umstrittensten Sportler von der Bühne ab (siehe auch meinen Beitrag zur Tour 2009: Weiter auf Tour).

Bemerkenswert ist zunächst, dass 1996 bei Armstrong Hodenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wurde, es hatten sich bereits Lymphknotenmetastasen im Bauchraum sowie in der Lunge und zwei Tumore im Gehirn gebildet. Zwei Operationen und eine vier Zyklen beinhaltende Chemotherapie schlossen sich an, die Krebserkrankung konnte schließlich erfolgreich behandelt werden. Der rechte Hoden musste operativ entfernt werden. Hätte Armstrong die übliche Chemotherapie (PEB) gewählt, so wäre an eine Fortsetzung seiner Radsportkarriere nicht zu denken gewesen; so ist eine der Nebenwirkungen eines der Wirkstoffe eine potentielle Verringerung der Lungenkapazität. Aus diesem Grund entschloss sich Armstrong für eine im Behandlungszeitraum wesentlich belastendere Chemotherapie (VIP), welche jedoch keine Auswirkungen auf seine langfristige Leistungsfähigkeit hatte.

Trotz dieser schweren Krebserkrankung kehrte Lance Armstrong im Frühjahr 1998 in den Radsport zurück und gewann 1999 erstmals die Tour de France sowie vier einzelne Etappen. Auf den Bergetappen und besonders im Zeitfahren baute er seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Armstrongs Sieg wurde weltweit als das „Comeback des Jahrhunderts“ gefeiert.

Aber schon früh wurde Armstrong bezichtigt, gedopt zu haben. Unter anderem beschuldigte Armstrongs früherer Teamkameraden und der ehemalige Tour-de-France-Sieger Greg LeMond Armstrong des Dopings mittels EPO (Erythropoetin). Der später disqualifizierte Tour-Sieger 2006, Floyd Landis, erneuerte diese Vorwürfe. „Diese Anschuldigungen sind es nicht wert, kommentiert zu werden. Ich verschwende nicht meine Zeit“, reagierte Armstrong auf die ihn belastenden Aussagen von Landis.

Inzwischen droht Armstrong wirklich Ärger: Wie die „New York Times“ berichtet, könnten sich die Doping-Untersuchungen der US-Behörden gegen Armstrong und anderer von Landis der Einnahme unerlaubter Mittel beschuldigter Fahrer womöglich auf weitere Kriminal-Ermittlungen ausweiten. Die Tageszeitung zitiert zwei in die Untersuchungen eingebundene, nicht namentlich erwähnte, Personen, die betonen, dass die staatlichen Ermittler erwägen, den Fall um die Punkte Betrügerei und Verschwörung auszudehnen.

Greg LeMond bezichtigt inzwischen Armstrong der versuchten Bestechung und wirft zugleich der UCI, dem internationale Radsport-Verband, mafiöse Strukturen vor: „Er und seine Leute waren meiner Meinung nach mit das Schlimmste, was dem Radsport passiert ist.“

Statt eine gefeierte Abschiedsvorstellung bei der Frankreich-Rundfahrt zu geben, musste sich Armstrong nahezu täglich mit neuen Vorwürfen auseinandersetzen. „Er wird sich inzwischen vielleicht auch fragen, ob er hätte zurückkommen sollen“, meint Tony Martin, ein deutscher Nachwuchsfahrer.

Sicherlich ist Armstrong ein Beispiel dafür, dass sich Krebs bekämpfen lässt. Aber er ist gleichzeitig eine zwiespältige Persönlichkeit, die nur den Erfolg sieht und dafür alles zu tun bereit ist. Warum er noch einmal zur Tour de France zurückgekehrt ist, ist wohl sein persönliches Geheimnis. Vor einem Jahr schaffte er es noch aufs Treppchen und erreichte den 3. Platz. Glaubte er wirklich, in diesem Jahr die Tour noch einmal und damit zum 8. Mal gewinnen zu können? Neben Skrupellosigkeit ist es wohl Größenwahn, der Armstrongs Charakter prägt. Es wird endlich Zeit, dass man ihn seiner Taten überführt und er den Denkzettel erhält, der ihm zusteht.

Altes „Neues“ von Jethro Tull (5)

Wenn es etwas Neues von Jethro Tull gibt, dann ist es meist Altes. Eines der bekanntesten frühen Konzerte der Gruppe, das auch filmisch aufgezeichnet wurde, war das am 07. Juli 1970 in Tanglewood (Lenox, MA). Leider habe ich davon bisher nur Material in beschiedener Qualität. In Wolfgangs Schatzkammer (ich vermelde immer wieder Neuigkeiten von dort – erst zuletzt in meinem Beitrag Und noch mehr aus Wolfgangs Schatzkämmerlein (5)) gibt es das gesamte Konzert jetzt zunächst einmal als Audiostream : Jethro Tull: Tanglewood (Lenox, MA) 07/07/1070

Und die Überraschung: Das Lied „Nothing ist Easy“ bietet Wolfgangs Vault nun auch als Video an: Jethro Tull: Nothing is Easy (07/07/1970) – Das Video lässt vermuten, dass vielleicht auch das gesamte Konzert in einer entsprechend guten Qualität vorhanden sein könnte. Eine Veröffentlichung solchen Videomaterials wäre nun wirklich etwas Neues.

Maestro Dr. h.c. Ian Anderson

Wer durch Hamburgs Straßen geht und einen Blick auf die diversen Plakatwände (z.B. auf den Bahnsteigen der S-Bahn) wirft, kommt an einem Aushang für den Hamburger Kultursommer 2010 nicht vorbei. Dieser findet vom 24. bis 30. August auf der Trabrennbahn Bahrenfeld statt; u.a. am Samstag, den 28. August ab 14 Uhr (Einlass ab 12 Uhr 30) das Rock Classic Festival. Neben Eric Burdon, Roger Chapman und Ten Years After ist die Hauptattraktion niemand anderes als Ian Anderson mit seinen Jungs. So plakativ zeigte sich Jethro Tull schon lange nicht mehr in Hamburg.

Rock Classic Festival mit Jethro Tull

Wechselfieber

Kaum ist die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika beendet, da dreht sich einmal wieder das Transferkarussell auf dem Spielermarkt. Einige Transfers waren schon zuvor eingeleitet und werden jetzt klar Schiff gemacht, andere werden heiß diskutiert und sind noch lange nicht unter Dach und Fach.

Auch in der Bundesliga grassiert das Wechselfieber. Michael Ballack, der von Chelsea nach Leverkusen wechselt, ist vielleicht der namhafteste, aber wohl noch nicht spektakulärste Neuzugang. Da wechselt von den aktuellen Nationalspielern Jérôme Boateng für 12.500.000 € vom HSV zu Manchester City und im Gegenzug kommt Heiko Westermann von Schalke 04 zum HSV für 7.500.000 €. Auch der VfL Wolfsburg vermeldet Wechsel, die nicht ganz billig sind und holt sich für 12.000.000 € Simon Kjær von US Palermo und Mario Mandzukic von Dinamo Zagreb für 7.000.000 € – dafür geht Obafemi Martins zu Rubin Kazan für 9.000.000 €.

Und beim SV Werder Bremen? Der Wiener Marko Arnautovic wechselt offiziell mit 1. Juli von Twente Enschede zum deutschen Topklub Werder Bremen. Sportdirektor Klaus Allofs ließ für den 21-Jährigen, der in der letzten Saison an Inter Mailand verliehen wurde und noch ein Jahr Vertrag bei den Niederländern besaß, 6,2 Millionen Euro springen und machte Arnautovic damit zum teuersten ÖFB-Akteur aller Zeiten. Für den fünffachem Teamspieler ist der Wechsel an die Weser ein Neubeginn nach einer verkorksten Saison unter Starcoach José Mourinho und die Chance auf die Etablierung in einer europäischen Topliga, nachdem es beim Champions-League-Sieger nicht klappte.

Die bisher teuerste Fehlinvestition der Bremer, Carlos Alberto, damals für 8,5 Millionen € geholt, wechselt nun endgültig zum CR Vasco da Gama ablösefrei, die ihn bisher ausgeliehen hatten. Hoffentlich konnte man in Bremen mit den Ausleihprämien die verfehlte Geldanlage wieder halbwegs wettmachen. Außerdem geht Martin Harnik zum VfB Stuttgart für 300.000 € (war ausgeliehen an Fortuna Düsseldorf) und Aymen Abdennour zurück zu Etoile Sportive du Sahel (er war bisher von Werder ausgeliehen).

Großes Rätselraten gibt es nach wie vor um Mesut Özil, den 21-jährigen offensiven Mittelfeldspieler, der es immerhin in die Liste der 10 Anwärter für den Goldenen Ball (bester Spieler) bei der Fußball-WM in Südafrika geschafft hat und dessen Marktwert seit dem bis auf 27.000.000 € gestiegen ist (siehe auch meine Beiträge aus 2009: Das Spieler-Karussell dreht sich wieder: Diego geht nach TurinPoker um Mesut Ozil).

Hier die letzten Meldungen zu Özil aus der Gerüchteküche:

17.07.2010: Werder Bremens Clubchef Klaus Allofs rechnet mit Angeboten für Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und zeigt sich erstmals verhandlungsbereit. «Ich kann mir schon vorstellen, dass in den nächsten Wochen oder kurz vor Ende der Transferfrist der ein oder andere Verein versuchen wird, konkret zu werden», sagte Allofs gegenüber Journalisten. Noch gibt es nach Angaben des Werder-Chefs aber keine offizielle Anfrage.

17.07.2010: Nach Sami Khedira hat Real Madrid nun angeblich auch Mesut Özil und Mario Gomez im Visier. Wie die Sportzeitung «As» am Samstag berichtete, habe der spanische Fußball-Rekordmeister eine Verpflichtung des Spielmachers von Werder Bremen bereits in die Wege geleitet. Vergangene Woche seien drei Berater Özils mit Real- Generaldirektor Jorge Valdano, Sportdirektor Miguel Pardeza und Marketingchef José Angel Sánchez zusammengekommen. Demnach verlange Werder eine Ablöse von 16 Millionen Euro.

21.07.2010: Nach Manchester United und Real Madrid soll Inter Mailand nun der nächste europäische Top-Verein sein, der sich um die Dienste von Mesut Özil (Foto) bemüht. Laut „Sport Bild“-Informationen sollen die „Nerazzurri“ in den Transfer-Poker um den Werder-Profi eingestiegen sein. Rafael Benítez, aktueller Trainer des Triple-Gewinners Inter Mailand, soll bereits vor einem Jahr an einer Verpflichtung des 21-jährigen Mittelfeldspielers interessiert gewesen sein. Benítez hätte Özil damals gerne zu seinem damaligen Club FC Liverpool geholt.

Werder-Sportdirektor Klaus Allofs ist in der Zwickmühle. Werder Bremen zählt zwar inzwischen zu den Top-20-Clubs in Europa, hat aber nur wenige finanzielle Polster, um namhafte Spieler zu halten. Zwar will man Özil gern in Bremen halten. Aber dieser hat bisher nicht signalisiert, die ihm angebotene Vertragsverlängerung zu unterzeichnen. Damit läuft sein Vertrag Mitte 2011 aus. Bleibt Özil ohne Vertragsverlängerung, so guckt Werder am Ende der neuen Saison in die Röhre was Transfereinnahmen für ihn betrifft, Özil könnte ablösefrei wechseln. Dann bleibt nur ein baldiger Wechsel zu einem großen Club wie Real Madrid, damit sich die Kassen der Bremer füllen. Bremen müsste ohne ihn weiterplanen. Als Werder-Fan darf man gespannt sein, wie Allofs die Aufgabe löst. Ich fürchte aber, dass Özil kein weiteres Spiel für den SV Werder Bremen mehr machen wird. Schade drum!

Ach ja und noch eins: Ailton kehrt wahrscheinlich nach Bremen zurück, allerdings nicht zum SV Werder Bremen, sondern zum Regionalligisten FC Oberneuland. Der KFC Uerdingen 05 hat dem Wunsch von Ailton entsprochen und den Vertrag des 37-jährigen Brasilianers vorzeitig aufgelöst.

Am Rhein 2010

Nach dem Erklimmen des Drachenfelses suchte ich mit meinen Söhnen in Königswinter ein lauschiges Plätzchen am Rhein.


Fähre Königswinter/ Mehlem

Da wir in Königswinter keinen direkten Zugang zum Rhein fanden, wechselten wir mit einer Fähre das Rheinufer und konnten nun auf der Bonner Seite an einem kurzen Strandabschnitt die Füße ins Wasser stellen. Bei der Bullenhitze war das sehr erfrischend.

Rheinfähre bei Königswinter

Rheinfähre bei Königswinter (Mehlem)

Erfrischung im Rhein

Erfrischung im Rhein

Rheinfähre bei Königswinter und Erfrischung im Rhein

Blick auf Drachenfels und Drachenburg

Blick auf den Petersberg (Grandhotel)

Blick auf Drachenfels und Drachenburg

Blick auf den Petersberg (Grandhotel)

Abstecher an den Drachenfels 2010

Da es uns in Düsseldorf zu heiß wurde, flüchtete ich mit meinen Söhnen bei unserer kleinen Rheintour für einen Tag nach Königswinter. Von dort fuhren wir mit einer Zahnradbahn den Drachenfels hinauf, von wo aus man einen schönen Ausblick auf den Rhein hat und bei klarem Wetter selbst den Kölner Dom in der Ferne sehen kann. Oben auf dem Drachenfels gibt es eine alte Ruine der Burg Drachenfels. Hier wehte eine frische Brise, sodass wir endlich wieder einmal durchatmen konnten. Auf dem Rückweg zu Fuß kamen wir dann an dem Schloss Drachenburg vorbei, dass in den Jahren 1882-1884 erbaut wurde.

Für mich war es eine kleine Reise in die Vergangenheit, denn als Kind erklomm ich öfter die 321 m bis an die Spitze des kleinen Berges, der zum Siebengebirge gehört.

Altstadt Königswinter

Altstadt Königswinter

Altstadt Königswinter

Altstadt Königswinter

Zahnradbahn zum Drachenfels

Zahnradbahn zum Drachenfels

Zahnradbahn zum Drachenfels

Rheinblick vom Drachenfels

Rheinblick vom Drachenfels Richtung Bonn

Rheinblick vom Drachenfels

Ruine Burg Drachenfels

Ruine Burg Drachenfels

Ruine Burg Drachenfels

Ruine Burg Drachenfels

Schloss Drachenburg (erbaut 1882-1884)

Ruine Burg Drachenfels (Schloss Drachenburg)

Urlaubstage in Düsseldorf 2010

Drei Wochen ist es nun fast wieder her, dass ich mit meinen beiden Söhnen einen Kurztrip nach Düsseldorf machte. Heute ist bereits mein letzter Urlaubstag, dann geht es wieder an die … (nur nicht daran denken, was für ein Mist da auf mich wartet).

Eigentlich war eine Rhein-Mosel-Tour geplant. Neben dem Aufenthalt in Düsseldorf wollten wir uns längere Zeit am Rhein aufhalten und hatten bereits in Bacharach eine Ferienwohnung gebucht. Nun kam alles anders als geplant. Aber ich wollte wenigstens die kurze Reise nach Düsseldorf nicht abblasen. Meine Jungs haben sich das ja rätlich verdient.

Während unseres Aufenthalts in Düsseldorf war noch die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika im vollen Gange. Außerdem war es in der Stadt brütend-heiß, also fast nur am luftigen Rhein erträglich. In der Altstadt sammelten sich zu den Spielen Hunderte von Menschen, um die Spiele bei Fernsehübertragungen zu verfolgen. Dazu gehörte natürlich ein gepflegtes Altbier.

Natürlich gönnten auch wir uns das eine oder andere Alt, aber schon der Wärme wegen erst am Abend und in Maßen. Und da es so warm war und wir noch etwas mehr vom Rhein sehen wollte, so nutzten wir einen Tag, um über Köln und Bonn nach Königswinter zu fahren und dort den Drachenfels zu erklimmen (davon später mehr).

Königsallee Düsseldorf

Königsallee Düsseldorf

Königsallee Düsseldorf

Düsseldorf am Rhein

Düsseldorfer Radschläger

Düsseldorf am Rhein

Düsseldorfer Radschläger

In der Altstadt

In der Altstadt

In der Altstadt von Düsseldorf

In der Altstadt auf ein Alt

In der Altstadt

In der Altstadt auf ein Alt

In der Altstadt

Cloverfield

Der gesamte Spielfilm mit einer Handkamera aufgenommen? Wackelbilder wie bei einem Urlaubsvideo? Und das dann auch noch ein Monsterfilm?

Fünf New Yorker geben für ihren Freund Rob eine Abschiedsparty. Einer der Freunde filmt die Feier mit einer Handkamera. Da erschüttern Explosionen Manhattan, der Kopf der Freiheitsstatue kegelt durch die Straßen. Was ist nur los? Ein Monster attackiert New York! Während die Armee das Ungeheuer unter Beschuss nimmt, versuchen Rob und seine Clique zu fliehen.

Gestern lief im Fernsehen der US-amerikanische Spielfilm Cloverfield (deutsch: Kleefeld) aus dem Jahre 2008. Regie führte Matt Reeves, Cloverfield wurde im Handkamera-Stil in Form einer Mockumentary, also als fiktionaler Dokumentarfilm gedreht.


Cloverfield – deutscher Trailer

Zunächst muss man sich schon an die Wackelbilder gewöhnen. Aber dann bricht eine Action los, die durch die Bildsprache nahezu real wirkt. Das erinnert wohl auch an die Pseudo-Dokumentation Blair Witch Project, die auch dieser Tage im Fernsehen lief.

Inhaltlich unterscheidet sich der Film wenig von ‚normalen’ Monsterfilmen, auch heben sich die Charaktere nicht besonders ab. Die Story ist eher banal. Es ist eben die Kameraführung, die beim Betrachter ein Gefühl von klaustrophobischer Intensität erzeugt. Ein Bezug zu den filmischen Dokumenten vom Terroranschlag des 11. September 2001 in New York ist sicherlich gewollt. Der sichtliche Erfolg des Films ergibt sich aber auch dadurch, dass der Zuschauer zu einer Art Voyeur wird, also Gefahr läuft, wie ein sensationsgieriger Gaffer Teil des Spektakels zu werden.

Die Idee zum Film finde ich grandios. Allerdings hat sie doch einen großen Haken: Wer glaubt schon, dass der Typ, der die ganzen Ereignisse filmt, wie ein Idiot mit der Kamera umgeht und nur selten ins Bild kriegt, was er eigentlich sieht, und zum anderen auch in Momenten weiterdreht, in denen jeder normale Mensch das Ding längst hätte fallen lassen, weil er andere Sorgen hat, zum Beispiel, um sein Leben zu rennen.

Die Produktion entstand unter größter Geheimhaltung – und auch der Filmtitel klingt ziemlich geheimnisvoll. Des Rätsels Lösung: Die Macher benannten ihren Film einfach nach dem Boulevard in Santa Monica, an dem sich das Büro der Produktionsfirma „Bad Robots“ während der Dreharbeiten befand. Außerdem war „Cloverfield“ während des Kalten Krieges der Codename für New York City beim US-Militär.

13 Semester

Ja, es ist bald soweit für meinen älteren Sohn. Nach dem Abitur in diesem Sommer beabsichtigt er, in Hamburg Physik zu studieren. Es ist zwar noch nicht alles unter Dach und Fach, aber es sieht gut aus und sollte klappen. Dann wird er auch zunächst weiterhin bei uns in Tostedt wohnen bleiben. Ihm wird es dann also nicht so gehe wie in der deutschen Filmkomödie 13 Semester (Untertitel: Der frühe Vogel kann mich mal) aus dem Jahr 2009. Der Film erzählt die Geschichte der Freunde Moritz und Dirk, die aus einem kleinen Ort in Brandenburg an die Technische Universität Darmstadt kommen, um dort Wirtschaftsmathematik zu studieren. Seit einigen Wochen ist der Film auch als DVD 13 Semester im Handel erhältlich.

Bevor nun mein Sohn für zwei Wochen nach Schweden enteilt war, haben wir uns den Film 13 Semester an einem lauschigen Ferientag angeschaut. Es ist eine durchaus gelungene Coming-of-Age-Komödie, die das reale Studentenleben sehr gut wiedergibt. Manchmal ist der Film sogar eher zu sehr „authentisch“ als komisch, wenn es z.B. auf Wohnungssuche geht. Schade nur, dass im Film nicht die heutigen Bachelorstudiengänge das Thema sind. Aber dann wäre der Film wahrscheinlich auch ziemlich unlustig …

Aber auch für alle, die kein Studentenleben in absehbarer Zeit genießen werden, ist der Film eine unterhaltsame Sommerkomödie – leichte Kost bei hohen Temperaturen.


13 Semester – offizieller Trailer (HQ)

50 Jahre Martin Walsers Halbzeit

Zusammen mit Günter Grass’ „Die Blechtrommel“ (1959) und Uwe Johnsons „Mutmassungen über Jakob“ (1959) gehört Martin Walsers Roman „Halbzeit“ (1960 erschienen) zu jenen drei großen Romanen, die in der Literaturgeschichte gern als eine Art „Meilensteine“ der deutschen Nachkriegsliteratur gewertet werden.

Das Erscheinen dieses Romans jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal. Ich habe den Roman Halbzeit zum ersten Mal zum Jahreswechsel 1981/1982 gelesen – mein erstes Buch von Martin Walser. Seitdem bin ich von diesem Autor wirklich angetan und habe im Laufe der vielen Jahre so ziemlich alles von Martin Walser gelesen, was dieser reichlich veröffentlicht hat.

Ein immer wiederkehrendes Motiv Walsers ist das Scheitern am Leben. Walsers Helden sind den Anforderungen, die ihre Mitmenschen an sie oder sie selbst an sich stellen, nicht (immer) gewachsen. Der innere Konflikt, den sie deswegen mit sich austragen, findet sich in allen großen Walser-Romanen wieder. Dass die Kämpfe nur in der Seele seiner Helden brodeln, während die äußere Handlung meist Nebensache bleibt, macht Martin Walser zu einem typischen Vertreter der deutschen Nachkriegsliteratur.

In dem Roman „Halbzeit“ geht es um die Korrumpierung des jungen Intellektuellen durch die verlockenden Angebote der Wohlstandsgesellschaft und spielt in den Jahren 1957/1958 in Stuttgart, also zu Zeiten des Wirtschaftswunders nach dem zweiten Weltkrieg. Erzählt wird die Geschichte des Vertreters und späteren Werbefachmanns Anselm Kristlein, der vor dem Hintergrund des deutschen Wirtschaftswunders den gesellschaftlichen Aufstieg schaffen will. Kristlein ist zwar zu Konzessionen bereit, doch muss er einsehen, dass er während seines Kampfs um den Aufstieg mehr fremde Erwartungen befriedigen muss als eigene Wünsche verwirklichen kann. »Halbzeit« ist der erste Teil einer Trilogie um Anselm Kristlein, die mit »Das Einhorn« (1966) und »Der Sturz« (1973) fortgesetzt wird.

Er [Anselm Kristlein] war es, der mit Pawel [Chef der deutschen Sektion der Patterson-Werbung] zusammen dem Gedanken der psychologischen Verschrottung der Produkte eine organisatorische, praktikable Fassung gab. Wie sehr beide sich als Avantgarde empfinden durften, wurde bestätigt, als der Brief aus New York kam, der Pawel empfahl, einen geeigneten Mann zu schicken, daß der am ersten Kursus für künstliche Produktalterung teilnähme. Nun war Anselm gar nicht der Prophet, für den man ihn jetzt halten könnte. Hellseherisch wach war er, Instinkt hatte er, deshalb war ihm aufgefallen, daß der rücksichtslose Kampf der Slogans die ganze Branche früher oder später ruinieren müsse. Noch schlugen die konkurrierenden Produktbilder einander befriedigend schnell tot, neue Produktbilder waren nötig, die Branche florierte. Aber die Konzentration, der kein Antikartellgesetz mehr gewachsen sein würde, mußte die Branche überflüssig machen, wenn sich die Branche nicht umstellte. Und was braucht ein Monopolist um zu produzieren? Seine Produkte müssen rasch altern. Nicht das Material. Das Material muß gut sein. Aber das Produktbild muß Runzeln und Falten schlagen, schal muß es werden, aschgrau, widerlich verbraucht, Sehnsucht weckend nach dem neuen Produkt. Und dieser Wechsel muß in jedem Tempo manipulierbar sein. Wer dafür vertrauenswürdige Methoden anzubieten hat, der wird unentbehrlich sein. Und Pawel spürte wahrscheinlich, daß Anselm die Gabe hatte, die Hinfälligkeit der schönsten Dinge kraß zu empfinden und zu propagieren, deshalb sollte Anselm der erste psychologische Verschrottungsspezialist der deutschen Filiale werden, deshalb sollte Anselm ins Stammhaus, ins Stammland reisen und bei denen lernen, die darin schon Meister waren.

aus: Martin Walser – Die Anselm Kristlein Trilogie – Erster Band: Halbzeit
suhrkamp taschenbuch 684 – erste Auflage 1981 – S. 745 f. (Suhrkamp Verlag 1960)

Der Roman ist aus heutiger Sicht eine Reise in die 50er Jahre. Es ist die Zeit des Wirtschaftswunders eines Ludwig Erhard, aber auch die Zeit eines Heinz Erhardt, der die Deutschen wieder das Lachen lehrte. Mit dem letzteren hat der Roman wenig zu tun, eher mit Menschen, die sich nach dem Nationalsozialismus in einer neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung wiederfinden mussten. Beeindruckend finde ich, wie Walser nicht nur seinen Helden Anselm Kristlein psychologisch seziert, ein Können, das Walser auch in seinen weiteren Romanen immer wieder bis zur Schmerzgrenze gelingt. Von daher ist „Halbzeit“ auch heute noch modern.

Zum Inhalt:

Der Roman beginnt mit den Überlegungen des noch halb schlafenden Ich- Erzählers Anselm Kristlein zu seinem bevorstehenden Aufwachen in dem mit „Mimikry“ überschriebenen ersten Kapitel. Erst am Vorabend nach einem längeren Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause gekommen, scheint der Genesende nicht ganz sicher zu sein, daß er das Tageslicht und alles, was damit zusammenhängt, wieder erblicken will. Durch seine kleinen Kinder aus diesem halbschlafenden, halbwachenden Zustand herausgerissen, ergibt er sich aber endlich als, „ein Gefangener der Sonne für einen weiteren Tag“ ( S.11 ). Daß dieser auch wortwörtlich ein „weiterer“ Tag wird , bezeugt die Tatsache, daß die ersten 375 Seiten, der Erste Teil vom Roman mit seinen drei Kapiteln also, diesen einen Tag, den 18. Juni 1957, behandeln. Kristlein, der verheiratet ist, drei Kinder hat und früher sein Studium der Philologie aufgegeben hat, wurde dann Handlungsreisender. Inzwischen ist aber zum Vertreter aufgestiegen. Diese Entwicklung in seinem Leben ist wichtig aus verschiedenen Gründen: Kristlein wird durch den ganzen Roman von seinem zweiten “ich“ begleitet, dem in seiner Phantasie und vielen Selbstgesprächen auftauchenden Wissenschaftler Galileo Cleverlein; als Handlungsreisender und Vertreter arbeitet Anselm am Deutschen Wirtschaftswunder und der sich schnell wiederaufbauenden kapitalistischen Gesellschaft mit; und als Philologe und Verkäufer, Vertreter, Werbetexter und schließlich Erzähler ist Kristlein einer, der über eine enorme Sprachfähigkeit verfügt.

Nachdem er an diesem Tag aufgestanden ist, flieht Amselm so schnell wie möglich vor seiner Frau Alissa, seiner Familie und allen Erwartungen und Verpflichtungen, die von ihm als Ehemann und Vater entgegengebracht werden. Er kommt zwar am Abend sehr kurz nach Hause, aber nur um gleich darauf wieder auszugehen; worüber seine Frau sehr enttäuscht ist. Er verbringt dann den ganzen Tag und Abend außerhalb: im Büro , bei Liebhaberinnen, auf der Straße, in Cafés und Bars, bei Freunden, beim Friseur, bei der Mutter. Kristleins Erzählung von diesem Tag besteht größtenteils aus sehr detaillierten Beobachtungen und Beschreibungen des Treibens der Menschen in seinem Freundes- und Bekanntenkreis, dazu kommen Überlegungen zu seiner Wirklichkeit und seinen Träumen und Phantasien, sowie Rückblenden in die Vergangenheit.

Die weiteren zwei Teile des Romans, mit je zwei Kapiteln, erstrecken sich über weitere fünfhundert Seiten, durch die man das Leben Anselms und sämtlicher Romanpersonen fast ein Jahr verfolgen kann. Dabei wird dem Leser das Treiben einer aufsteigenden oder bereits aufgestiegenen bürgerlichen Gesellschaftsschicht in einer mittelgroßen Stadt der 50er Jahre nahegebracht.

Kristlein erlernt den Beruf des Werbetexters, leitet eine erfolgreiche Werbekampagne und wird, wegen seines Erfolgs, von der Firma zu einem mehrwöchigen Seminar in die USA gesandt.

Im zweiten Teil des Romans begleitet man Kristlein auch in seinem privaten und gesellschaftlichen Leben weiter; zum Beispiel bei verschiedenen Parties, die helfen sollen die Sichtweise Kristleins der Wirklichkeit dem Leser zu vermitteln; oder bei seinem Versuch, die ehemalige Verlobte seines Freundes Josef-Heinrich als Liebhaberin für sich zu gewinnen.
Egal wo, im Berufsleben, bei Gesellschaften oder im privaten Bereich, wird das Leben als Konkurrenzkampf dargestellt. Eine Zeitlang scheint Anselm den Kampf zu bestehen, als er durch seine Begabung als Erzähler und durch seine Schlagfertigkeit einige glänzende Auftritte hat. Wie abzusehen, war dauert sein Erfolg aber nicht lange. Seine in den U.S.A. gewonnenen Erkenntnisse, daß Werbung wichtiger ist als Produkt, Aufmachung bedeutender als Inhalt ist, bezieht er aufs gesamte Leben. Diese Erkenntnis läßt ihn alles überdenken.

Der Kreis der Handlung schließt sich für Kristlein: Als er sich am Morgen des 21. März 1958 wieder zu Hause im Bett befindet, wo er nach einer zweiten schweren Operation, umringt von seinen Kindern und seiner Frau Alissa, erholt. Nur langsam und etwas wiederwillig aufwachend, ergibt er sich „dem Leben“ ein zweites Mal.

Aus: Referat über Halbzeit von Martin Walser

OSS 117 – Er selbst ist sich genug

Vier Jahre bevor Ian Fleming 1953 seinen ersten 007-Roman verfasste, erfand der Franzose Jean Bruce den Geheimagenten Hubert Bonisseur de la Bath. OSS 117, so lautet sein Deckname, kam in insgesamt über 250 Romanen zum Einsatz. Zwischen 1956 und 1970 entstanden sieben Verfilmungen; inzwischen sind mit Jean Dujardin in der Hauptrolle seit 2006 zwei neue Folgen verfilmt worden.

Frage: „Wie heißen die Chinesen, die mit den Nazis verbündet waren?“ Antwort: „Japaner!“ Top-Agent =SS 117 stellt selten die richtige Frage, und mit seinen Antworten liegt er auch meist falsch. Der Franzose verfügt über nur geringe geografische Kenntnisse jenseits französischer Landesgrenzen, ist mit den Sitten und Gebräuchen anderer Kulturen nicht vertraut. In OSS 117 – Der Spion, der sich liebte (2006) hatte der Mann mit der Kolonialherren-Mentalität seinen ersten grandiosen Filmauftritt seit 1970. Die Fortsetzung „Er selbst ist sich genug“ sahen in Frankreich 2,5 Millionen Kinobesucher – bei uns ist jetzt der im Sixties-Stil (inklusive Split-Screen) gedrehte Film als DVD: OSS 117 – Er selbst ist sich genug erschienen. Wieder mit Jean Dujardin in der Rolle des charmanten Sexisten (und Oliver Kalkofe als dessen deutsche Stimme), muss OSS 117 diesmal gegen mordlüsterne Chinesen, Altnazis mit Allmachtsfantasien und die Tücken der freien Liebe kämpfen. Bei seinen absurden Abenteuern in Rio kriegen aber längst nicht nur „Ausländer“ ihr Fett weg. Gefragt, wie er denn ein Land nennen würde, das militärisch regiert wird, in dem Zensur ausgeübt wird und es nur einen Fernsehsender gibt, antwortet OSS 117 stolz: „Frankreich.“


OSS 117: Der Spion, der sich liebte

Bei den zurzeit vorherrschenden subtropischen Temperaturen bevorzugt man gern leichte Kost. Das gilt dann auch für den kinematographischen Bereich. OSS 117 ist ein liebenswerter Trottel, der ähnlich dem Inspektor Clouseau (siehe: Kintopp – Teil 5: James Bond und Inspektor Clouseau) seine Fälle mit großem Erfolg löst. Zunächst muss man sich aber erst einmal an diesen neuen ‚alten’ Geheimagenten französischer Herkunft gewöhnen. Das dabei mit sehr viel Selbstironie gearbeitet wird, macht die neuen OSS 117-Filme dann doch sehr sympathisch. Auch überzeugt der 60er-Jahre-Stil (ich fühle mich an Filme meiner Kindheit erinnert). Highlights der neusten Abenteuer mit OSS 117 sind die fachgerechte Zubereitung eines Krokodils, eine zwerchfellerschütternde Hochgeschwindigkeitsjagd (!) im Krankenhaus und eine Reverenz an Hitchcocks Mount-Rushmore-Finale aus DER UNSICHTBARE DRITTE (sogar mit entsprechender musikalischer Anspielung) zum Showdown.


OSS 117 – Er selbst ist sich genug (Auto-Szene)