Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Porträt von Ian Anderson

Am 25. August erreichte mich über mein youtube-Konto eine Nachricht mit der Hilfe um Unterstützung:

Hi, me and a few friends are TRYING to get Ian Anderson voted for the above celeb portrait competition…however, we have a few serious competitors trying to knock Ian off the throne.

A text comment is worth one vote and a video response is worth 50 votes. I wondered…could you possibly add some of your Tull videos as a response please? I have made so many, I am shattered lol.

Thanks

Es ging also um einen Wettbewerb, bei dem der- oder diejenige, die am meisten Stimmen erhält, in einem Porträt dargestellt werden soll, das dann als Video bei youtube eingestellt wird. Die bisherige Mehrheit hatte sich für Che Guevara entschieden, Ian Anderson lag auf Platz zwei.

Da Videoantworten (also vorhandene Videos, die wie ein Kommentar gepostet werden) glatt 50 Mal pro Video gezählt werden, war die Bitte natürlich verständlich. Immerhin habe ich rund 100 Videos mit Ian Anderson und seinen Jungs bei youtube im Angebot. Also nichts wie ran an den Speck. Videoantworten und Kommentare mussten beim zuletzt eingestellten Video gepostet werden: Michael Hutchence of INXS ~ Portrait

Am 26. August meldete mir dann der Porträtist himself:

Ian Anderson takes the win for the next celeb portrait with 12772 votes!!!

So durfte ich also meinen Beitrag dazu leisten, dass zwei Tage später tatsächlich das Porträt von Ian Anderson bei youtube veröffentlicht wurde:


Ian Anderson of Jethro Tull ~ Portrait

Am Rande bemerkt: Ich finde es schon erstaunlich, wie sich im Internet Leute präsentieren, mit welchen Ideen (ich muss fast sagen: Geschäftsideen) diese aufwarten, da muss ich mir vielleicht auch einmal etwas Kurioses einfallen lassen (mir fällt bloß nichts ein, das Geld bringen könnte – also muss ich weiter zur Arbeit fahren, um für mich und meine Lieben die Brötchen zu verdienen – sei es drum).

Obama versus McCain

Mit Barack Obama für die Demokraten und John McCain für die Republikaner stehen nun die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahlen 2008 fest. Auf den jeweiligen Parteitagen wurden sie nominiert. Aus diesem Anlass hielten beide eine Parteitagsrede, in der sie Eckpunkte ihrer zukünftigen Politik erläuterten. Diese Reden sind im Original und mit deutscher Übersetzung im Internet aufrufbar. Beide Reden habe ich mir in längeren Ausschnitten angehört.

Barack Obama

John McCain

Barack Obama

John McCain

Zunächst rechnen beide mehr oder weniger direkt mit der Politik von George W. Bush ab. Auch McCain kritisiert die Politik seines Parteifreundes Bush und bekennt sich wie Obama offen zu einem Politikwandel im Land. Der Ausgangspunkt ist bei beiden aber völlig gegensätzlich. Während McCain zunächst alles in den Dienst für das Land stellt (Country first), fragt Obama , was die Politik für den Bürger tun kann. Die Vision Martin Luther Kings wird dabei sichtbar.

Man kann McCain sicherlich als durchaus liberal gelten lassen, für manchen Republikaner zu liberal. Seine Rede wirkt ähnlich überzeugend wie die von Obama. Und doch: Ich kann einfach nicht glauben, dass dieser Mann einen politischen Wandel in den USA bewirken wird. Wie George W. Bush wird er sich auf einen Parteiapparat und Beraterstab stützen müssen, der entgegen seinen Absichten die Politik prägen wird. In seinem Alter von 72 Jahren wird ihn der jugendliche Elan eines Barack Obama fehlen, um sich gegen seine parteiinternen Gegner durchzusetzen.

Ich muss gestehen, dass mich Obamas Rede (die Ausschnitte davon, die ich gesehen habe) durchaus überzeugt haben. In klaren Worten legt er seinen Standpunkt vor und wirkt dabei glaubwürdig. Natürlich decken sich in einigen wichtigen Punkten seine An- und Absichten nicht mit meinen. Sicherlich steckte in seiner Rede (wie in der von McCain) bereits viel Wahlkampf. Obama setzte einige Eckwerte und versprach konkrete Veränderungen, die er in der Summe kaum wird einhalten können. Auch er wird sich mit und gegen einen Beraterstab behaupten müssen. Wenn es aber einen Wandel in den USA geben soll, dann nur durch ihn.

Noch ein Eindruck von mir zu den beiden Parteitagen als solches: Bei den Demokraten wirkten die Delegierten jünger, attraktiver und enthusiastischer. Den Parteitag der Republikaner empfand ich teilweise wie ein Seniorentreffen. Und noch ein Hinweis: Die Gestik von John McCain wirkt sehr zombiehaft. Das rührt von schweren Verletzungen aus seiner Vietnamteilnahme als Marineflieger her.

Video Obamas Parteitags-Rede mit deutscher Übersetzungund im Original
Video McCains Parteitags-Rede mit deutscher Übersetzungund im Original

Herr Lehmann im Theater

Das passt ja gut. Mit dem Roman Der kleine Bruder hat Sven Regener gerade seine Herr Lehmann-Trilogie vollendet. Es ist eigentlich der mittlere Teil, die Zeit Anfang der 80-er Jahre, als Frank Lehmann, der Protagonist, nach Berlin zu seinem Bruder kommt. Zuvor (in Neue Vahr Süd) leistete Lehmann seinen Bundeswehrdienst ab – danach (in „Herr Lehmann“, der als erstes erschienen war) erlebt er die Zeit vor dem Zusammenbruch der DDR, der Wende, ebenfalls in Berlin.

Und genau dieser letzte Lehmann, ’tschuldigung: Herr Lehmann, wird nun vom Altonaer Theater in Hamburg auf die Bühne gebracht. Regie führt Mona Kraushaar (Bühne: Katrin Kersten; Kostüme: Nini von Selzam), Mitwirkende sind u.a. Daniel Adan, Björn Ahrens, Holger Dexne, Klaus Falkhausen, Victoria Fleer, Stefan Haschke (als Herr Lehmann), Dirk Hoener, Gisela Kraft und Ole Schloßhauer

Premiere 14. September 2008, 19 Uhr, Große Bühne
Vorstellungen bis 17. Oktober 2008
Karten zu 15,- bis 29,- €

Szene aus: Herr Lehmann, Altonaer Theater 2008

„Das ist doch der letzte Scheiß, Lebensinhalt. Man lebt und freut sich dran, das reicht völlig.“

Mit Herr Lehmann, dem Kultroman von Sven Regener – der bereits erfolgreich von Leander Haußmann verfilmt wurde – startet das Altonaer Theater in die neue Spielzeit.
Frank Lehmann, den angesichts seines dreißigsten Geburtstags nun alle unerbittlich Herr Lehmann nennen, hat sich bequem eingerichtet in seinem Kreuzberger Biotop. Seine Tage verbringt er lesend im Bett, abends geht er seinem Kneipen-Job nach und trinkt sich anschließend mit seinen Kumpels philosophierend durch die Nächte.

Doch unaufhaltsam schleichen sich Störungen in seinen heiß geliebten Alltagstrott ein: Nicht nur, dass ihm im Morgengrauen ein Hund den Heimweg versperrt und dann ein Sonntags-Anruf seiner Mutter den Elternbesuch in der Hauptstadt angekündigt, zu allem Überfluss stürzt ihn auch noch die schöne Köchin seiner Lieblingskneipe in totale emotionale Verwirrung. Und während sich im Ostteil der Stadt die Auflösung der DDR ankündigt, hat Herr Lehmann alle Hände voll zu tun, die an ihn herangetretenen Herausforderungen mit lakonischem Galgenhumor zu bewältigen.

Sven Regener, Sänger und Texter der Band „Element of Crime“, beschreibt selbstironisch und mit zärtlich-rotziger Nonchalance das Lebensgefühl der späten 80er Jahre und liefert ein komisches Portrait eines Lebenskünstlers im Vorwende-Berlin.

Typisch britisch: Rote Telefonzellen & Pubs

Was typisch deutsch ist, darüber muss man sich heute geradezu streiten, denn vieles scheint zumindest mir inzwischen abhanden gekommen, was man Menschen deutscher Herkunft nachzusagen pflegt: Pünktlichkeit, Fleiß, Ordnungsliebe und ich weiß nicht noch was für ‚positive’ Eigenschaften. Lediglich was Gemütlichkeit anbelangt, war, ist und bleibt der Deutsche in seinem Element.

Was ist nun typisch britisch? Ich will hier nicht auf bestimmte menschliche Eigenschaften eingehen. Auch darüber ließe sich das typisch Britische finden. Nein, ich denke da an bestimmte Dinge, die rein optisch vorführen, dass es hier um die britische Insel geht. Das fängt sicherlich mit Tee an. Lediglich die Ostfriesen ließen sich noch über das Trinken von Tee definieren. Dann natürlich die schwarzen Taxis, die roten Doppeldeckerbusse und die ebenso roten Telefonzellen. Gerade den Letzten geht es nun in Zeiten mobiler Telefonie an den Kragen. Der Unterhalt dieser eben typisch britischen Einrichtung ist einfach zu hoch, die Telefonkabinen sind nicht mehr rentabel. Um sie trotzdem nicht endgültig aus dem Blickfeld verschwinden zu lassen, kann man solche roten Telefonzellen jetzt adoptieren – mit oder ohne Telefonanschluss (siehe auch Video bei zdf.de: Briten „adoptieren“ Telefonzellen)

Britische Telefonzelle: Das Aus?

Britische Telefonzelle: Das Aus?

Britische Telefonzelle: Das Aus?
british red telephone booth

Dass die britische Insel keinen nennenswerten Wein hervorbringt ist sicherlich auch klimatisch bedingt. Neben Tee ist das Bier in seinen verschiedenen Sorten daher als Nationalgetränk einzustufen. Neben Ale und Lager ist ein cremig frisch gezapftes Stout (die irische Variante Guinness dürfte auch Nicht-Anglophilen gekannt sein) die gängigste Sorte. Und wo schmeckt es besser (da eben frisch gezapft) als in einem Pub. Die Public Houses sind weit mehr als die deutschen Kneipen. Meist bekommt man dort typisch britische Küche, die man als Besucher der Insel unbedingt hier ‚genießen’ sollte, auch wenn es vielen als ungenießbar erscheint. Mit einem guten Bier bekommt man alles hinunter. Und in vielen Pubs gehört auch eine umfangreiche Weinkarte zum Angebot (natürlich auch der Wein dazu). Enden sollte ein solches Mahl mit einem schottischen Whisky (oder englischen Gin), der hier ebenfalls in großer Anzahl angeboten wird. Pubs sind aber vor allem eine soziale Einrichtung, denn wo, wenn nicht hier treffen sich die Briten (Engländer, Schotten und Waliser), um sich über Neuigkeiten auszutauschen. Und wer keine Eintrittskarten fürs laufende Fußballspiel bekommen hat, der schaut in einem Pub dem Spiel am TV gespannt zu.

Nun droht gerade den Pubs durch Billigbier aus dem Supermarkt, Rauchverbot und die allgemeine Wirtschaftskrise das Sterben. Immermehr von ihnen müssen schließen, weil die Kundschaft ausbleibt. Eine nationale Katastrophe bannt sich an. „Last order, please!“ gilt dann nicht mehr für die letzte Bestellung, es könnte für das Public House als solches gelten. Die Queen bewahre die Briten davor!

siehe auch das Video auf zdf.de: Großbritannien: Pubs sterben aus

Von Mücken und Wespen

Meine Frau liebt es, sich im Freien aufzuhalten. Gegen einen Aufenthalt dort ist auch aus meiner Sicht nichts einzuwenden, wenn die Sonne scheint. Leider gibt es im Sommer genügend Quälgeister, die den Aufenthalt draußen doch sehr vermiesen können. Spitzenreiter (neben nervenden Nachbarn) sind natürlich Wespen und Mücken.

Mücken gibt es eigentlich den ganzen Sommer über. Dieses Jahr hielten sie sich zunächst wohl etwas zurück. Dafür nerven sie jetzt. Und das meist in der Nacht, wenn man nicht aufgepasst hat und mindestens immer eine den Weg ins Schlafzimmer gefunden hat.

Bei diesen nächtlichen Besuchern handelt es sich um Steckmücken weibliche Geschlechts. Und nur die sind bei den meisten Stechmückenarten blutsaugend. Ein solcher Stich, wer kennt es nicht, verursacht zumeist eine allergische Reaktion mit Juckreiz. Beides wird von den Proteinen ausgelöst, welche die Stechmücke in die Saugstelle einspritzt, um das Blut vor dem Gerinnen zu bewahren.

Gegen Mücken gibt es vielerlei Mittelchen, um sie zu verscheuchen. Mehr oder weniger gut bewährt hat sich bei uns Nelkenöl, mit dem man z.B. die Ohrläppchen beträufelt und den Puls an den Armen. Allerdings stinkt man dann wie ein Lebkuchenmännlein. Wenn es aber hilft …?!

Wir (meine Frau und ich) haben einige Erfahrung mit Mücken gemacht. Zuletzt durften 2005 auch unsere beiden Söhne diese Erfahrung auf der Isle of Skye in Schottland mit uns teilen. Allerdings waren die Mücken dort weniger von der blutsaugenden, sondern ähnlich wie 1990 auf Island von der lästigen Art. Sie krabbeln in jede unbedeckte Körperöffnung.

Auf Island gibt es einen See im Norden namens Myvatn. Der Name ist Programm: Mückensee. Bei den Mücken dort handelt es sich überwiegend um harmlose Zuckmücken, die nicht stechen, aber auch um etwas lästigere Kriebelmücken. Es gibt im Sommer zwei Perioden von je etwa zwei Wochen, in denen sie regelrechte schwarze Säulen am Ufer des Sees bilden. Wir hatten wohl etwas Glück.


AlbinZ auf Island 1990

Am Ende des Videos von unserem Island-Urlaub 1990 treten nicht etwa vermummte Terroristen auf, sondern unsere kleine Reisegruppe mit Netzen über den Köpfen, um uns vor dem Ansturm der Mücken am Myvatn zu schützen.

Mücke

Wespe

Mücke

Wespe

Pflaumenkuchen und Wespen, das gehört zusammen wie Adam und Eva – oder so. Dieses Jahr begann die Wespenplage aber schon sehr früh. Kaum konnte man auf der Terrasse frühstücken, da waren garantiert auch Wespen da, die ihren Anteil am Frühstück einforderten. Im Grunde sind Wespen harmlos. Wenn sie nerven, dann dadurch, weil sie unorthodox wirre durch die Gegend fliegen. Meist summen sie dann vor dem Gesicht herum. Wenn sie dann noch im größeren Heerscharen auftreten, dann können sie einem die Nahrungsaufnahme wirklich vermiesen.

Bei uns kommt noch hinzu, dass wir gewissermaßen eine eigene Wespenzucht haben. In unserem Dachstuhl hatten sich gleich zwei Wespenvölker breit gemacht. Allerdings ließen diese uns doch ziemlich unbehelligt, so lange wir das Gleiche mit ihnen taten. Jetzt ist aber Schluss mit lustig. Die schmalen Ritzen im Gebälk werden dicht gemacht, damit wir im nächsten Jahr ohne eigene Wespen leben können.

Die „ewige“ Baustelle

Wenn man mit dem Zug aus dem Süden, also aus Richtung Bremen und Hannover, nach Hamburg kommt, dann überquert man kurz vor dem Hauptbahnhof ein Gewässer, den Oberhafen. Über die Oberhafenbrücke passieren täglich etwa 240 Fern- und Regionalzüge diese Bahnstrecke. Das 500 Tonnen schwere Mittelteil dieser 150 Meter langen Hafen-Brücke, die zuletzt schwere Korrosionsschäden aufwies, wurde zur Weihnachtszeit 2007 ausgetauscht. Außerdem wurde ein weiteres Teilstück des Schienennetzes vor dem Hauptbahnhof, ein aus Backstein gemauertes Viadukt im Freihafen, die so genannte Pfeilerbahn, abgerissen und wird neu aufgebaut. Diese beiden Baumaßnahmen werden erst 2010 beendet sein.

Oberhafenbrücke - Hamburg hbf.

Zz. stehen nur noch zwei Schienenstränge, jeweils einer in beide Fahrtrichtungen, für den Bahnverkehr zur Verfügung. Es ist unschwer zu erraten, dass durch diese Baumaßnahmen immer wieder erhebliche Verzögerungen im Bahnverkehr eintreten. Und das jetzt noch mindestens zwei Jahre.

Ich wohne bereits seit über 13 Jahre in Tostedt und fahre werktäglich morgens nach Hamburg und abends zurück. In dieser Zeit gab es immer wieder Verspätungen, die besonders durch den Austausch alter Schienen veranlasst waren. Allein die Erneuerung des Teilstücks zwischen Buchholz und Hamburg-Harburg führte zu einer Vollsperrung dieser Strecke für über 8 Monate (5. April bis zum 11. Dezember 2004). Natürlich wird es allerhöchste Zeit, dass die alten, teilweise maroden Schienenstränge erneuert werden. Die Strecke zwischen Hamburg-Harburg und Hamburg Hbf. hat zudem viele kleine Brücken, die wie die Oberhafenbrücke über 100 Jahre alt sind und nie wirklich gewartet wurden.

Aber es kommt auch sonst immer wieder zu längeren Verzögerungen bis hin zum Zeitpunkt, an dem dann überhaupt nichts mehr geht. Beeinträchtigungen von außen lassen sich nicht vermeiden. Allerdings zeigt dann die Bahn, dass sie zu einer Notfallregelung nicht ausreichend im Stande ist.

Nun auf meiner Strecke Bremen – Tostedt – Hamburg verkehren jetzt schon seit vielen Jahren (genau: seit dem 14. Dezember 2003) die Bahnen des Eisenbahnverkehrsunternehmens Metronom. Die neuen Züge erwiesen sich als weitaus komfortabler als die veralteten DB-Bahnen. Auch mit der Pünktlichkeit nahm es der Metronom viel genauer als noch der alte Betreiber dieser Strecke. 2005 wurde das Metronom-Netz um die Strecke Uelzen – Hannover – Göttingen erweitert. Ende letzten Jahres kam die Strecke Hamburg – Stade – Cuxhaven hinzu. Außerdem wurde der Verkehr der Regionalbahnlinien Hamburg – Lüneburg und Hamburg – Tostedt von der Deutschen Bahn AG übernommen. Nicht immer wirkt sich eine solch große Expansion eines Unternehmens vorteilhaft für den Kunden aus: So kommen die Fahrzeuge der Anfangszeit langsam in die Jahre, den öfter treten Störungen auf, die zu weiteren Beeinträchtigung führen (z.B. lassen sich Türen nicht schließen, Lokomotiven fallen wg. technischer Schäden aus, die Klimaanlage funktioniert nicht, sodass ganze Waggons gesperrt werden müssen). Auch mutmaße ich, das von dem neu eingestellten Zugpersonal noch nicht alle im Stande sind, mit der neueren Technik bereits vollends klar zu kommen.

Wie auch immer: Es gibt eine Reihe von Ereignissen, die dazu führen, dass sich Züge verspäten können. Wenn man den folgenden Text liest (einen wunderschönen Textbaustein), den mir das Metronom-Kundenzentrum zukommen ließ, dann versteht man fast, dass man pünktlich eintreffende Züge an den Fingern einer Hand abzählen kann:

Grundsätzlich ist die pünktliche Durchführung einer Zugfahrt nur möglich, wenn die zur Verfügung stehende Infrastruktur bzw. die Belegung der Gleise dieses ermöglichen. Daher ist, abgesehen von der Zugfolgeregelung auf der Strecke (besonders wichtig bei Ihrer Strecke: der Vorrang der IC und ICE-Züge), natürlich auch die Bahnsteigbelegung durch andere Eisenbahnverkehrsunternehmen in den Bahnhöfen maßgeblich. Ebenso lassen sich Zugfahrten nur pünktlich ausführen, wenn keine Beeinträchtigungen durch z. B. Bauarbeiten an den Gleisen, Störungen an der Technik (Weichen, Signale, Oberleitung, Bahnübergänge) oder den Loks bzw. dem Wagenmaterial vorliegen. Doch nicht nur eisenbahntechnische, sondern auch andere, von außen auf den Betrieb einwirkende Faktoren, beeinflussen die Einhaltung des Fahrplans. So können z. B. Personen im Gleis, Böschungsbrände und Unfälle an Bahnübergängen Auslöser von Behinderungen sein.

Absender: lobundtadel @ online-kundenzentrum.de

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Hinweis auf den Vorrang der IC- und ICE-Züge. Dadurch wird ein Pendler wie ich gewissermaßen zu einem Fahrgast „zweiter Klasse“. Wenn es aber um Fahrpreiserhöhungen geht, dann wird der Pendler meist als erster zur Kasse gebeten.

Die Kandidaten

Jetzt ist Beck also weg. Aus der Versenkung hervorgekommen nimmt Franz Müntefering wieder den Vorsitz der SPD ein, während Frank-Walter Steinmeier zum Kanzler-Kandidaten seiner Partei gekürt wurde. Dass das so schnell kommen würde, damit hat wohl selbst in der SPD keiner gerechnet. Aber es war wohl überfällig für die Partei, will man bei der nächsten Bundestagswahl überhaupt eine Chance gegen ein mögliches schwarz-gelbes Bündnis haben. Kurt Beck, der Provinzpolitiker, konnte sich nie hinreichend in Berlin etablieren. Sein Pendelkurs in Sachen rot-grün-rot fand nur wenig Verständnis bei den Bürgern. Sicherlich richtig ist die Entscheidung der SPD, zwischen Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur personell zu unterscheiden. Aber mit Müntefering kommt ein Mann der alten Garde, der u.a. für die Agenda 2010 steht, zurück an die Parteispitze, der die parteiinterne Kluft zwischen den Flügel kaum kitten kann. Wie sich Steinmeier im Wahlkampf gegen Frau Merkel schlagen wird, lässt sich heute nicht einschätzen. Frau Merkels Kommentar zu diesem Wechsel (Umgang mit Beck entspricht nicht der Würde einer Volkspartei) halte ich bereits für Wahlkampf.

Noch bevor der Bundestag im Herbst 2009 gewählt wird, entscheiden in diesem Jahr die US-Amerikaner über ihren neuen Präsidenten. Mit Barack Obama (Demokraten) und John McCain (Republikaner) stehen sich zwei Kandidaten gegenüber, die kaum gegensätzlicher sein können. Obama, der junge Afroamerikaner, steht für Wandel (Mr. Change), während der 71-jährige McCain trotz seines Bekenntnisses zum Politikwechsel und Angriff aufs Washingtoner Polit-Establishment eindeutig konservative Leitlinien vertritt.

Was tut man nicht alles, um an die Macht zu kommen. McCains Nominierung von Sarah Palin zur Vizepräsidentin halte ich für einen Schachzug, um u.a. auch Wähler aus dem demokratischen Lager, die lieber Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin hätten, für sich zu gewinnen.

Noch fließt viel Wasser den Mississippi und die Spree herab. Wer am Ende gewinnen wird, ist in den USA wie in Deutschland sicherlich davon abhängig, wer heute noch unentschlossene Wähler an die Urnen zu bringen vermag. Spannung ist angesagt.

siehe zdf.de: Schwerpunkt US-Wahlkampf 2008

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Menschen ihr Leben und das ihrer Nächsten zur Hölle machen. Auf dem Weg zum Glück stolpern sie in jede Falle und verfangen sich immer wieder in einem Netz von Intrigen. So als wolle keiner wirklich glücklich sein. Damit das Unglücklichsein auch wirklich gelingt, hat Paul Watzlawick vor jetzt 25 Jahren eine Leitfaden hierzu geschrieben: Anleitung zum Unglücklichsein.

Watzlawick zeigt uns einige der Fallstricke, in die wir uns doch so gern verwickeln, und belegt vieles mit Beispiele, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, z.B. wie die vom Helfersyndrom ereilte Frau ihr Lebtag den Säufer als Ehemann braucht, um ihm helfen zu können. Wenn er trocken wird, braucht er sie nicht mehr und umgekehrt.

In vielem erkennt man sich selbst (leider) oft genug wieder, wie z.B. in den selbsterfüllenden Prophezeiungen. Witzig ist auch die Geschichte vom Manne, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht:

Nach dem Grunde für dieses merkwürdige Verhalten befragt, erklärt er: „Um die Elefanten zu verscheuchen.“

„Elefanten? Aber es sind doch hier gar keine Elfanten?“

Darauf er: „Na, also! Sehen Sie?“

Die Moral von der Geschichte ist, daß Abwehr oder Vermeidung einer gefürchteten Situation oder eines Problems einerseits die scheinbar vernünftigste Lösung darstellt, andererseits aber das Fortbestehen des Problems garantiert.

Nun könnte man Watzlawick für einen Sadisten halten („Ein Sadist ist jemand, der lieb zu einem Masochisten ist“). Aber er meint es eigentlich nur gut mit uns, denn im Epilog zu dem kleinen Büchlein von leider nur 120 Seiten (gern hätte man mehr von diesem Witzig-Geistreichen) steht, gewissermaßen als Quintessenz:

Die grundlegende Regel, wonach das Spiel kein Spiel, sondern todernst ist, macht das Leben zu einem Spiel ohne Ende, das eben nur der Tod beendet. Und – als wäre das nicht schon paradox genug – hier liegt eine zweite Paradoxie: Die einzige Regel, die dieses todernste Spiel beenden könnte, ist nicht selbst eine seiner Regeln. Für sie gibt es verschiedene Namen, die an sich ein und dasselbe bedeuten: Fairneß, Vertrauen, Toleranz.

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Das hat man uns schon gesagt, als wir noch Kinder waren. Und in unserem Kopf wissen wir es auch; aber glauben tun es nur einige wenige Glückliche. Glaubten wir es nämlich, dann wüßten wir, daß wir nicht nur die Schöpfer unseres eigenen Unglücklichseins sind, sondern genauso gut unsere Glücklichkeit selbst schaffen könnten.

Mit Dostojewski begann diese Anleistung, mit ihm soll sie enden. In den Dämonen sagt eine der zwiespältigsten Persönlichkeiten, die Dostojewski je schuf: „Alles ist gut … Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, daß er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick …“

So hoffnungslos einfach ist die Lösung.

aus: Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein (Lizenzausgabe 1983 – S. 127 f.)

Man at work

Willi at work

Eigentlich mag ich keine Fotos, die mich bei der Arbeit zeigen (zudem auch noch auf der Arbeit). So reicht es nur zu einem müden Lächeln. Immerhin könnte man meinen, mein Arbeitsplatz wäre aufgeräumt, nur die Pflanze im Hintergrund etwas mickrig geraten … Ich kann nur sagen, dass das täuscht (Pflanze, Arbeitsplatz?)!

Ab nach Polen

Gestern Mittag fuhr der ältere meiner zwei Söhne mit weiteren Schülern des Gymnasium Tostedt per Bahn los nach Polen. Ziel ist der Partnerort von Tostedt, Lubaczów – unweit der Grenze zur Ukraine. Seit 1996 besteht ein Schüleraustausch im 2-jährigen Rhythmus, wobei im September das Treffen in Polen, im darauf folgenden Juni in Deutschland stattfindet.


Lubaczów/Polen

Die Partnerschaft zwischen Tostedt und Lubaczów besteht bereits seit 1992. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Tostedt e.V. ist Träger der Partnerschaft in Tostedt. Neben der Organisation der gegenseitigen Besuche kümmern sich die Mitglieder der Gesellschaft intensiv um praktische Hilfe für Lubaczów.

Wetter in Rzeszów/Lubaczow – Polen (damit alle Eltern unserer Schüler wissen, ob in Polen die Sonne scheint – wie es aussieht, scheint sie)

Hermann Hesse: Narziß und Goldmund

Im Alter von zwanzig Jahren begann ich mit dem Lesen. Gut, in jungen Jahren hatte ich den obligatorischen Karl May gelesen und auch andere Jugendbücher. Sind ja auch gar nicht so schlecht die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand, obwohl mir Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar noch etwas besser gefallen haben (damals wie heute).

Mit zwanzig Jahren las ich zunächst Hermann Hesse. Es war damals die auslaufende Zeit der Blumenkinder. Und Hesses Bücher, speziell „Der Steppenwolf“, löste eine Hesse-Rezeption gerade bei diesen aus (vergleiche u.a. den Film „Easy Rider“ mit der Musik – „Born to be Wild“ – der Gruppe „Steppenwolf“, benannt nach Hesses Roman).

Hermann Hesse

In dieser Zeit las ich auch Hesses „Narziß und Goldmund“ zum ersten Mal (diese Erzählung aus dem Jahr 1930 habe ich auch in die Liste meiner liebsten Bücher aufgenommen). Das Buch handelt zwar im Mittelalter, beschäftigt sich aber mit Fragen der Psychologie. Die beiden genannten Hauptfiguren verkörpern gewissermaßen die beiden Pole des Menschen – den Geistesmensch und den Sinnesmenschen in etwa nach dem Motto: Sinn und Sinnlichkeit. Zwar wirkt die Sprache Hesses heute teilweise etwas zu pathetisch, vor allem antiquiert, lässt einen aber doch nicht vom Lesen los. Und die Thematik ist weiterhin aktuell. Natürlich stehen Narziß und Goldmund hier jeweils als Stereotypen für einen dieser Menschentypen. Aber gerade oder weil sie so verschieden sind, schließen sie eine enge Freundschaft, da sie den fehlenden Teil in sich beim anderen entdecken. Narziß, der Geistesmensch, ist Lehrer und Mönch und wird eines Tages Abt eines Klosters. Goldmund, als Schüler ins Kloster gekommen, entrinnt den starren Mauern, um in der Welt sein Glück zu suchen. Er ist ganz den Sinnen zugewandt (Emotionen und Lust) und entwickelt sich zum Künstler.

Hier die Worte von Narziß, mit denen er die Unterschiede zwischen sich und Goldmund beschreibt:

“Die Naturen von deiner Art, die mit den starken und zarten Sinnen, die Beseelten, die Träumer, Dichter, Liebenden, sind uns andern, uns Geistmenschen, beinahe immer überlegen. Eure Herkunft ist eine mütterliche. Ihr lebet im Vollen, euch ist die Kraft der Liebe und des Erlebenkönnens gegeben. Wir Geistigen, obwohl wir euch andere häufig zu leiten und zu regieren scheinen, leben nicht im Vollen, wir leben in der Dürre. Euch gehört die Fülle des Lebens, euch der Saft der Früchte, euch der Garten der Liebe, das schöne Land der Kunst. Eure Heimat ist die Erde, unsere die Idee. Eure Gefahr ist das Ertrinken in der Sinnenwelt, unsere das Ersticken im luftleeren Raum. Du bis Künstler, ich bin Denker. Du schläfst an der Brust der Mutter, ich wach in der Wüste. Mir scheint die Sonne, dir scheinen Mond und Sterne, deine Träume sind von Mädchen, meine von Knaben …“

aus: Hermann Hesse Narziß und Goldmund (suhrkamp taschenbuch 274 – 2. Auflage 1975, S 49)

Goldmunds abenteuerliches Leben bildet den großen Mittelteil der Erzählung. Er scheut selbst den Totschlag nicht, wenn er dazu gezwungen ist. Am Ende nach einer Zeit des Wüten der Pest kehrt er zu Narziß zurück. Beide erkennen:

Jedes Leben wird ja erst durch Spaltung und Widerspruch reich und blühend. Was wäre Vernunft und Nüchternheit ohne das Wissen vom Rausch, was wäre Sinnenlust, wenn nicht der Tod hinter ihr stünde, und was wäre Liebe ohne die ewige Todfeindschaft der Geschlechter?

(S. 198)

Zwar entschwindet Goldmund noch einmal und kehrt krank und alt zurück. Aber sowohl er als auch Narziß haben gewissermaßen den inneren Frieden gefunden, indem sich beide auf ihre Art selbst verwirklicht haben:

Das vollkommene Sein ist Gott. Alles andere, was ist, ist nur halb, ist teilweise, es ist werdend, ist gemischt, besteht aus Möglichkeiten. Gott aber ist nicht gemischt, er ist eins, er hat keine Möglichkeiten, sondern ist ganz und gar Wirklichkeit. Wir aber sind vergänglich, wir sind werdend, wir sind Möglichkeiten, es gibt für uns keine Vollkommenheit, kein völliges Sein. Dort aber, wo wir von der Potenz zur Tat, von der Möglichkeit zur Verwirklichung schreiten, haben wir Teil am wahren Sein, werden dem Vollkommenen und Göttlichen um einen Grad ähnlicher. Das heißt: sich verwirklichen.

(S. 286)

Thomas Mann schrieb seinerzeit durchaus passend:

Hesses Roman ‚Narziß und Goldmund’ setzt mit großer sprachlicher Schönheit ein und scheint in einer mittelalterlichen Zeitlosigkeit zu schweben, die dem poetischen Bedürfnis dieser rohen Aktualität widerstrebenden Geistes entspricht, ohne darum seine schmerzliche Fühlung mit den Problemen der Gegenwart zu verleugnen … ein wunderschönes Buch mit seiner Mischung aus deutsch-romantischen und modern-psychologischen, ja psychoanalytischen Elementen … eine in ihrer Reinheit und Interessantheit durchaus einzigartige Romandichtung.