Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Die Kandidaten

Jetzt ist Beck also weg. Aus der Versenkung hervorgekommen nimmt Franz Müntefering wieder den Vorsitz der SPD ein, während Frank-Walter Steinmeier zum Kanzler-Kandidaten seiner Partei gekürt wurde. Dass das so schnell kommen würde, damit hat wohl selbst in der SPD keiner gerechnet. Aber es war wohl überfällig für die Partei, will man bei der nächsten Bundestagswahl überhaupt eine Chance gegen ein mögliches schwarz-gelbes Bündnis haben. Kurt Beck, der Provinzpolitiker, konnte sich nie hinreichend in Berlin etablieren. Sein Pendelkurs in Sachen rot-grün-rot fand nur wenig Verständnis bei den Bürgern. Sicherlich richtig ist die Entscheidung der SPD, zwischen Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur personell zu unterscheiden. Aber mit Müntefering kommt ein Mann der alten Garde, der u.a. für die Agenda 2010 steht, zurück an die Parteispitze, der die parteiinterne Kluft zwischen den Flügel kaum kitten kann. Wie sich Steinmeier im Wahlkampf gegen Frau Merkel schlagen wird, lässt sich heute nicht einschätzen. Frau Merkels Kommentar zu diesem Wechsel (Umgang mit Beck entspricht nicht der Würde einer Volkspartei) halte ich bereits für Wahlkampf.

Noch bevor der Bundestag im Herbst 2009 gewählt wird, entscheiden in diesem Jahr die US-Amerikaner über ihren neuen Präsidenten. Mit Barack Obama (Demokraten) und John McCain (Republikaner) stehen sich zwei Kandidaten gegenüber, die kaum gegensätzlicher sein können. Obama, der junge Afroamerikaner, steht für Wandel (Mr. Change), während der 71-jährige McCain trotz seines Bekenntnisses zum Politikwechsel und Angriff aufs Washingtoner Polit-Establishment eindeutig konservative Leitlinien vertritt.

Was tut man nicht alles, um an die Macht zu kommen. McCains Nominierung von Sarah Palin zur Vizepräsidentin halte ich für einen Schachzug, um u.a. auch Wähler aus dem demokratischen Lager, die lieber Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin hätten, für sich zu gewinnen.

Noch fließt viel Wasser den Mississippi und die Spree herab. Wer am Ende gewinnen wird, ist in den USA wie in Deutschland sicherlich davon abhängig, wer heute noch unentschlossene Wähler an die Urnen zu bringen vermag. Spannung ist angesagt.

siehe zdf.de: Schwerpunkt US-Wahlkampf 2008

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Menschen ihr Leben und das ihrer Nächsten zur Hölle machen. Auf dem Weg zum Glück stolpern sie in jede Falle und verfangen sich immer wieder in einem Netz von Intrigen. So als wolle keiner wirklich glücklich sein. Damit das Unglücklichsein auch wirklich gelingt, hat Paul Watzlawick vor jetzt 25 Jahren eine Leitfaden hierzu geschrieben: Anleitung zum Unglücklichsein.

Watzlawick zeigt uns einige der Fallstricke, in die wir uns doch so gern verwickeln, und belegt vieles mit Beispiele, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, z.B. wie die vom Helfersyndrom ereilte Frau ihr Lebtag den Säufer als Ehemann braucht, um ihm helfen zu können. Wenn er trocken wird, braucht er sie nicht mehr und umgekehrt.

In vielem erkennt man sich selbst (leider) oft genug wieder, wie z.B. in den selbsterfüllenden Prophezeiungen. Witzig ist auch die Geschichte vom Manne, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht:

Nach dem Grunde für dieses merkwürdige Verhalten befragt, erklärt er: „Um die Elefanten zu verscheuchen.“

„Elefanten? Aber es sind doch hier gar keine Elfanten?“

Darauf er: „Na, also! Sehen Sie?“

Die Moral von der Geschichte ist, daß Abwehr oder Vermeidung einer gefürchteten Situation oder eines Problems einerseits die scheinbar vernünftigste Lösung darstellt, andererseits aber das Fortbestehen des Problems garantiert.

Nun könnte man Watzlawick für einen Sadisten halten („Ein Sadist ist jemand, der lieb zu einem Masochisten ist“). Aber er meint es eigentlich nur gut mit uns, denn im Epilog zu dem kleinen Büchlein von leider nur 120 Seiten (gern hätte man mehr von diesem Witzig-Geistreichen) steht, gewissermaßen als Quintessenz:

Die grundlegende Regel, wonach das Spiel kein Spiel, sondern todernst ist, macht das Leben zu einem Spiel ohne Ende, das eben nur der Tod beendet. Und – als wäre das nicht schon paradox genug – hier liegt eine zweite Paradoxie: Die einzige Regel, die dieses todernste Spiel beenden könnte, ist nicht selbst eine seiner Regeln. Für sie gibt es verschiedene Namen, die an sich ein und dasselbe bedeuten: Fairneß, Vertrauen, Toleranz.

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Das hat man uns schon gesagt, als wir noch Kinder waren. Und in unserem Kopf wissen wir es auch; aber glauben tun es nur einige wenige Glückliche. Glaubten wir es nämlich, dann wüßten wir, daß wir nicht nur die Schöpfer unseres eigenen Unglücklichseins sind, sondern genauso gut unsere Glücklichkeit selbst schaffen könnten.

Mit Dostojewski begann diese Anleistung, mit ihm soll sie enden. In den Dämonen sagt eine der zwiespältigsten Persönlichkeiten, die Dostojewski je schuf: „Alles ist gut … Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, daß er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick …“

So hoffnungslos einfach ist die Lösung.

aus: Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein (Lizenzausgabe 1983 – S. 127 f.)

Man at work

Willi at work

Eigentlich mag ich keine Fotos, die mich bei der Arbeit zeigen (zudem auch noch auf der Arbeit). So reicht es nur zu einem müden Lächeln. Immerhin könnte man meinen, mein Arbeitsplatz wäre aufgeräumt, nur die Pflanze im Hintergrund etwas mickrig geraten … Ich kann nur sagen, dass das täuscht (Pflanze, Arbeitsplatz?)!

Ab nach Polen

Gestern Mittag fuhr der ältere meiner zwei Söhne mit weiteren Schülern des Gymnasium Tostedt per Bahn los nach Polen. Ziel ist der Partnerort von Tostedt, Lubaczów – unweit der Grenze zur Ukraine. Seit 1996 besteht ein Schüleraustausch im 2-jährigen Rhythmus, wobei im September das Treffen in Polen, im darauf folgenden Juni in Deutschland stattfindet.


Lubaczów/Polen

Die Partnerschaft zwischen Tostedt und Lubaczów besteht bereits seit 1992. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Tostedt e.V. ist Träger der Partnerschaft in Tostedt. Neben der Organisation der gegenseitigen Besuche kümmern sich die Mitglieder der Gesellschaft intensiv um praktische Hilfe für Lubaczów.

Wetter in Rzeszów/Lubaczow – Polen (damit alle Eltern unserer Schüler wissen, ob in Polen die Sonne scheint – wie es aussieht, scheint sie)

Hermann Hesse: Narziß und Goldmund

Im Alter von zwanzig Jahren begann ich mit dem Lesen. Gut, in jungen Jahren hatte ich den obligatorischen Karl May gelesen und auch andere Jugendbücher. Sind ja auch gar nicht so schlecht die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand, obwohl mir Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar noch etwas besser gefallen haben (damals wie heute).

Mit zwanzig Jahren las ich zunächst Hermann Hesse. Es war damals die auslaufende Zeit der Blumenkinder. Und Hesses Bücher, speziell „Der Steppenwolf“, löste eine Hesse-Rezeption gerade bei diesen aus (vergleiche u.a. den Film „Easy Rider“ mit der Musik – „Born to be Wild“ – der Gruppe „Steppenwolf“, benannt nach Hesses Roman).

Hermann Hesse

In dieser Zeit las ich auch Hesses „Narziß und Goldmund“ zum ersten Mal (diese Erzählung aus dem Jahr 1930 habe ich auch in die Liste meiner liebsten Bücher aufgenommen). Das Buch handelt zwar im Mittelalter, beschäftigt sich aber mit Fragen der Psychologie. Die beiden genannten Hauptfiguren verkörpern gewissermaßen die beiden Pole des Menschen – den Geistesmensch und den Sinnesmenschen in etwa nach dem Motto: Sinn und Sinnlichkeit. Zwar wirkt die Sprache Hesses heute teilweise etwas zu pathetisch, vor allem antiquiert, lässt einen aber doch nicht vom Lesen los. Und die Thematik ist weiterhin aktuell. Natürlich stehen Narziß und Goldmund hier jeweils als Stereotypen für einen dieser Menschentypen. Aber gerade oder weil sie so verschieden sind, schließen sie eine enge Freundschaft, da sie den fehlenden Teil in sich beim anderen entdecken. Narziß, der Geistesmensch, ist Lehrer und Mönch und wird eines Tages Abt eines Klosters. Goldmund, als Schüler ins Kloster gekommen, entrinnt den starren Mauern, um in der Welt sein Glück zu suchen. Er ist ganz den Sinnen zugewandt (Emotionen und Lust) und entwickelt sich zum Künstler.

Hier die Worte von Narziß, mit denen er die Unterschiede zwischen sich und Goldmund beschreibt:

“Die Naturen von deiner Art, die mit den starken und zarten Sinnen, die Beseelten, die Träumer, Dichter, Liebenden, sind uns andern, uns Geistmenschen, beinahe immer überlegen. Eure Herkunft ist eine mütterliche. Ihr lebet im Vollen, euch ist die Kraft der Liebe und des Erlebenkönnens gegeben. Wir Geistigen, obwohl wir euch andere häufig zu leiten und zu regieren scheinen, leben nicht im Vollen, wir leben in der Dürre. Euch gehört die Fülle des Lebens, euch der Saft der Früchte, euch der Garten der Liebe, das schöne Land der Kunst. Eure Heimat ist die Erde, unsere die Idee. Eure Gefahr ist das Ertrinken in der Sinnenwelt, unsere das Ersticken im luftleeren Raum. Du bis Künstler, ich bin Denker. Du schläfst an der Brust der Mutter, ich wach in der Wüste. Mir scheint die Sonne, dir scheinen Mond und Sterne, deine Träume sind von Mädchen, meine von Knaben …“

aus: Hermann Hesse Narziß und Goldmund (suhrkamp taschenbuch 274 – 2. Auflage 1975, S 49)

Goldmunds abenteuerliches Leben bildet den großen Mittelteil der Erzählung. Er scheut selbst den Totschlag nicht, wenn er dazu gezwungen ist. Am Ende nach einer Zeit des Wüten der Pest kehrt er zu Narziß zurück. Beide erkennen:

Jedes Leben wird ja erst durch Spaltung und Widerspruch reich und blühend. Was wäre Vernunft und Nüchternheit ohne das Wissen vom Rausch, was wäre Sinnenlust, wenn nicht der Tod hinter ihr stünde, und was wäre Liebe ohne die ewige Todfeindschaft der Geschlechter?

(S. 198)

Zwar entschwindet Goldmund noch einmal und kehrt krank und alt zurück. Aber sowohl er als auch Narziß haben gewissermaßen den inneren Frieden gefunden, indem sich beide auf ihre Art selbst verwirklicht haben:

Das vollkommene Sein ist Gott. Alles andere, was ist, ist nur halb, ist teilweise, es ist werdend, ist gemischt, besteht aus Möglichkeiten. Gott aber ist nicht gemischt, er ist eins, er hat keine Möglichkeiten, sondern ist ganz und gar Wirklichkeit. Wir aber sind vergänglich, wir sind werdend, wir sind Möglichkeiten, es gibt für uns keine Vollkommenheit, kein völliges Sein. Dort aber, wo wir von der Potenz zur Tat, von der Möglichkeit zur Verwirklichung schreiten, haben wir Teil am wahren Sein, werden dem Vollkommenen und Göttlichen um einen Grad ähnlicher. Das heißt: sich verwirklichen.

(S. 286)

Thomas Mann schrieb seinerzeit durchaus passend:

Hesses Roman ‚Narziß und Goldmund’ setzt mit großer sprachlicher Schönheit ein und scheint in einer mittelalterlichen Zeitlosigkeit zu schweben, die dem poetischen Bedürfnis dieser rohen Aktualität widerstrebenden Geistes entspricht, ohne darum seine schmerzliche Fühlung mit den Problemen der Gegenwart zu verleugnen … ein wunderschönes Buch mit seiner Mischung aus deutsch-romantischen und modern-psychologischen, ja psychoanalytischen Elementen … eine in ihrer Reinheit und Interessantheit durchaus einzigartige Romandichtung.

Selbsterfüllende Prophezeiungen

Das Buch „Menschliche Kommunikation“, an dem auch Paul Watzlawick maßgeblich mitgewirkt hat, habe ich noch gar nicht zu Ende gelesen (siehe hier kleine Ausschnitte aus dem Buch in meinen Beiträgen: Kulturbedingtes PaarungsverhaltenManipulation der Wahrnehmung und Kleine Denkaufgabe), da habe ich mir Paul Watzlawicks bekanntes Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ noch einmal vorgenommen. Das Buch ist 1983 erschienen und war damals ein „Renner“. Denn entgegen gewöhnlichen Ratgebern, die uns nur glücklich zu machen versuchen, bezweckte dieses Buch das genaue Gegenteil. Oder etwa nicht? Ich denke, jeder Leser wird beim Lesen etwas von sich selbst wiederfinden – „nämlich seine eigene Art und Weise, den Alltag unerträglich und das Triviale enorm zu machen“, wie es der Piper-Verlag ausdrückt. Aber auf die „Anleitung zum Unglücklichsein“ komme ich sicherlich später noch einmal zurück.

Hier eine Textpassage zum Thema selbsterfüllende Prophezeiungen, die ich sehr treffend finde. Es ist eigentlich schon verwunderlich, wie sehr wir uns durch Katastrophen beeindrucken lassen (nicht umsonst triefen Presseerzeugnisse für den Boulevard davon). Und noch erstaunlicher ist es, wie wir gern selbst in solche Katastrophen hineinschlittern, in Notlagen, die tatsächlich eigentlich keine sind. Man macht sich eben gern das Leben schwer.

Ihr Horoskop in der heutigen Zeitung warnt Sie (und ungefähr 300 Millionen andere, im selben Tierkreiszeichen Geborene) vor der Möglichkeit eines Unfalls. Tatsächlich passiert Ihnen etwas. Also hat es mit der Astrologie doch seine Bewandtnis.

Oder? Sind Sie sicher, daß Sie den Unfall auch dann gehabt hätten, wenn Sie das Horoskop nicht gelesen hätten? Oder wenn Sie wirklich überzeugt wären, daß die Astrologie krasser Unsinn ist? Nachträglich läßt sich das freilich nicht klären.

Vom Philosophen Karl Popper stammt die interessante Idee, daß – etwas laienhaft ausgedrückt – sich für Ödipus die schreckliche Prophezeiung des Orakels deswegen erfüllte, weil er von ihr wußte und ihr zu entgehen versuchte. Gerade aber das, was er zur Vermeidung tat, führte zur Erfüllung des Orakelspruches.

Delphi (Orakel)

Hier hätten wir es also mit einer … Wirkung der Vermeidung zu tun, nämlich ihrer Fähigkeit, unter Umständen das herbeizuführen, was vermieden werden soll. Und was für Umstände sind das? Erstens eine Voraussage im weitesten Sinne, also jede Erwartung, Besorgnis, Überzeugung oder ganz einfach ein Verdacht, daß die Dinge so und nicht anders verlaufen werden. Damit soll außerdem gesagt sein, daß die betreffende Erwartung entweder von außen, etwa durch andere Menschen, oder durch irgendwelche innere Überzeugungen ausgelöst werden kann. Zweitens muß die Erwartung nicht als reine Erwartung, sondern als bevorstehende Tatsache gesehen werden, zu deren Vermeidung sofortige Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen. Drittens ist die Annahme um so überzeugender, je mehr Menschen sie teilen, oder je weniger sie anderen, vom Lauf der Dinge bereits bewiesenen Annahmen widerspricht.

So genügt zum Beispiel die Annahme – ob sie faktisch begründet oder grundlos ist, spielt keine Rolle -, daß die anderen über einen tuscheln und sich heimlich lustig machen. Angesichts dieser „Tatsache“ legt es der gesunde Menschenverstand nahe, den Mitmenschen nicht zu trauen und, da das Ganze natürlich unter einem löchrigen Schleier der Verheimlichung geschieht, genau aufzupassen und auch die kleinsten Indizien in Betracht zu ziehen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis man die anderen beim Tuscheln und heimlichen Lachen, beim konspiratorischen Augenzwickern und gegenseitigen Zunicken ertappen kann. Die Prophezeiung hat sich erfüllt.

Allerdings funktioniert dieser Mechanismus nur dann wirklich klaglos, wenn Sie sich Ihres eigenen Beitrags dazu nicht Rechenschaft ablegen. Wie Sie aber … gelernt haben sollten, ist das nicht zu schwierig. Und außerdem, wenn die Sache einmal eine Zeitlang läuft, ist es ohnedies nicht mehr feststellbar und auch gar nicht wesentlich, was zuerst kam: Ihr für die anderen lächerlich mißtrauisches Gehabe, oder das Gehabe der anderen, das Sie mißtrauisch macht.

Selbsterfüllende Prophezeiungen haben einen geradezu magischen, „wirklichkeits“-schaffenden Effekt … .Und sie haben ihren Stammplatz nicht nur im Repertoire jedes Unglücklichkeitsaspiranten, sondern auch im größeren gesellschaftlichen Rahmen. … Je mehr Stopzeichen die Polizei aufstellt, desto mehre Fahrer werden zu Verkehrssündern, was die Aufstellung weiterer Stopzeichen „notwendig“ macht. Je mehr eine Nation sich vom Nachbarn bedroht fühlt, desto mehr wird sie sich zu ihrer Verteidigung rüsten, und desto mehr wird die Nachbarnation ihre eigene Aufrüstung für das Gebot der Stunde halten. Der Ausbruch des (längst erwarteten) Krieges ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Je höher die Steuersätze eines Landes hinaufgeschraubt werden, um die Hinterziehungen der natürlich für unehrlich gehaltenen Steuerzahler zu kompensieren, desto mehr werden auch ehrliche Bürger zum Schwindeln veranlaßt. Jede von einer genügend großen Zahl von Menschen geglaubte Prophezeiung der bevorstehenden Verknappung oder Verteuerung einer Ware, wird (ob die Voraussage „faktisch“ richtig ist oder nicht) zu Hamsterkäufen und damit zur Verknappung oder Verteuerung der Ware führen.

Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung. Voraussetzung ist nur, daß man sich selbst etwas prophezeit oder prophezeien läßt, und daß man es für eine unabhängig von einem selbst bestehende oder unmittelbar bevorstehende Tatsache hält. Auf diese Weise kommt man genau dort an, wo man nicht ankommen wollte.

aus: Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein (Lizenzausgabe 1983 – S. 47-61)

Als die Bilder lügen lernten

Heute ist es auch für Laien möglich, digital aufgenommene Fotos durch ein Grafikprogramm zu optimieren – und auch zu manipulieren. Was die Werbung kann, nämlich Bilder zu glätten, überhaupt aufzupolieren, das kann inzwischen auch Otto Normalanwender.

Bilder zu manipulieren hat eine lange Tradition. Besonders im Bereich der Politik tauchen immer wieder Bilder auf, die so verändert wurden, dass sie inhaltlich eine völlig neue Aussage bekommen. Wer kennt z.B. aus Geschichtsbüchern nicht das Bild mit Lenin, auf dem er eine flammende Rede hält – wenige Schritte von ihm entfernt steht Leo Trotzki. Als Trotzki in Ungnade fiel, da wurde Trotzki auf den Fotos, die ihn neben Lenin zeigten, einfach entfernt.

Damals war der Aufwand zu solchen Manipulationen noch ziemlich hoch. Heute, wie gesagt, kann es selbst der Laie. Aber wie soll man ein Original von einer Fälschung unterschieden können? Hierfür gibt es so genannte Bildforensiker, die Veränderungen mit mathematischen Verfahren auf der Spur sind. So wurde auch ein Kinderschänder überführt, der mit einem Grafikfilter, dem Swirlfilter, Bilder von sich glaubte unkenntlich gemacht zu haben und ins Internet stellte. Die Manipulation ließen sich in diesem Fall rückgängig machen, invertieren wie man sagt.

Natürlich sind auch Manipulationen möglich für Jux und Tollerei – wie das folgende Bild zeigt. Dabei handelt es sich um eine meiner Lieblingsbands Jethro Tull. Und wer möchte da nicht auch gern einmal „mitspielen“ – und sei es nur „so als ob“:

Willi & Jethro Tull

Siehe zdf.de: Als die Bilder lügen lernten

Blumenpracht Teil 18

Der August endet mit Sonnenschein. Die Temperaturen sind milde. Der Garten lädt noch einmal zum Verweilen ein. So blühen auch jetzt noch viele Blumen. Aber die ersten Anzeichen für den nahenden Herbst sind nicht zu übersehen. Schon morgen soll das Wetter umschlagen – mit Gewitter und Regen. Der Sommer geht so langsam dem Ende entgegen.

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

AlbinZ Blumenpracht – August 2008

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

Unsere Merkel, die mächtigste Frau der Welt

Frau Angela Merkel ist laut Forbes Magazine einmal wieder die mächtigste Frau dieser, unserer Welt (siehe auch Beitrag bei zdf.de). Das Forbes Magazine muss es ja wissen. Kriterien für die Bewertung der Macht sollen das Auftreten in den Medien, gemessen an Presse-Zitaten, und der politische und wirtschaftliche Einfluss sein. Wie man das misst, keine Ahnung.

Das Forbes Magazine sagt uns alle Jahre wieder auch, wer die erfolgreichsten Internehmen, die reichsten Menschen und die einflussreichsten Promis dieser Welt sind. Bei den mächtigsten Männer tut man sich vielleicht schwer, eine solche Rangliste gibt es nicht, aber wir können uns fast denken, wer da die Spitze bildet (vorgerückt sind aufgrund bestimmter Ereignisse sicherlich die Herren Medwedew und Putin, natürlich Chinas mächtigster Mann, Hu Jintao – George „Dabbeljuh“ ist bekanntlich nur die Marionette von Dick Cheney, und die beiden haben ja bald abgedankt, Gott sei Dank).

Aber bleiben wir bei den Frauen. Ich denke die Rangliste ist nicht völlig repräsentativ. Aus Zeiten von Bill Clinton wissen wir, dass sein Ehegespons, die gute Hilary, nicht nur den familiären Haushalt führte (nicht umsonst wollte sie ja jetzt wie ihr Bill US-Präsident werden – kam nur der Obama dazwischen). Sollte Bill sich wirklich erdreistet haben, einmal anderer Meinung als sie zu sein, dann gab es bestimmt nicht Bills Lieblingsnachtisch zum Mittag. Vom Sexentzug ganz zu schweigen (da rückt die Praktikantinnenaffäre in ein neues Licht). Ich denke auch Frau Hu oder Frau Putin haben in der großen Politik ein Wörtchen mitzureden.

Kommen wir zu den reichsten Männern dieser Welt. Die Spitze bildet Warren Buffett, der netto angeblich 62,4 Milliarden Dollar sein Eigen nennen soll. Wie das nun zusammenkommt, wird man kaum erfahren. Allein auf seinem Bankkonto wird man eine solche Summe kaum finden (oder wie Onkel Dagobert in einem Geldspeicher). Es wird also schon einiges geschätzt werden müssen, um annähernd auf die genannte Summe zu kommen (nach Steuern wohlbemerkt).

Aber das Forbes Magazine bietet ja noch eine weitere Liste, nämlich die der einflussreichsten Promis dieser Welt. Hier geht es allerdings in erster Linie auch nur um das liebe Geld. Wer also ordentlich Kohle macht, der steht auch ganz oben. Daraus kann man ableiten, dass Geld auch hier Macht bedeutet.

Natürlich kann man sich fragen, was solche Ranglisten eigentlich sollen. Was interessiert mich das?! Bereits seit Aristoteles neigen die Menschen dazu, alles in Schublädchen zu ordnen. Und wenn es ums Geld geht (oder um die Macht), dann möchte fast jeder gern wissen, wer denn hier nun die Nase vorn hat. Und wenn es beim Geld oder der Macht nicht reicht, dann bietet das Guinness-Buch der Rekorde für jeden von uns die Möglichkeit, sich in irgendeiner Disziplin als der Größte zu erweisen.

Sofies Welt: Spinoza

In Jostein Gaarder: Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie kommen wir zum niederländischen Philosophen Baruch Spinoza (* 24. November 1632 in Amsterdam; † 21. Februar 1677 in Den Haag). Er wird dem Rationalismus zugeordnet und gilt als einer der Begründer der modernen Bibelkritik.

Baruch Spinoza

Hier wieder die wichtigsten Textpassagen aus dem Buch zu Baruch Spinoza:

Descartes hatte … sehr großen Einfluß. Am allerwichtigsten war vielleicht seine Bedeutung für einen anderen großen Philosophen. Ich denke an den niederländischen Philosophen Baruch Spinoza, der von 1632 bis 1677 lebte.

Spinoza gehörte zur jüdischen Gemeinde in Amsterdam, aber bald wurde wegen seiner angeblichen Irrlehren der Bannfluch über ihn verhängt. Wenige Philosophen neuerer Zeit sind wegen ihrer Gedanken dermaßen verspottet und verfolgt worden wie dieser Mann. … er meinte, nur erstarrte Dogmen und leere Rituale hielten Christentum und Judentum noch am Leben. Er selbst wandte als erster eine sogenannte ‚historisch-kritische’ Betrachtungsweise auf die Bibel an.

Er stritt ab, daß die Bibel bis in den kleinsten Buchstaben von Gott inspiriert sei. Wenn wir in der Bibel lesen, meinte er, müssen wir die Zeit im Auge behalten, wann sie entstanden ist.

grundlegend für Spinozas Philosophie ist der Wunsch, die Dinge unter dem ‚Gesichtspunkt der Ewigkeit’ zu betrachten.

Spinoza hat nicht nur gesagt, daß alles, was existiert, Natur ist. Er setzte auch ein Gleichheitszeichen zwischen Gott und der Natur. Er sah Gott in allem, was existiert, und alles, was existiert, in Gott.

er war Pantheist.

Für Spinoza ist Gott niemand, der die Welt einmal erschaffen hat und seitdem neben seiner Schöpfung steht. Nein, Gott ist die Welt. Manchmal drückt er sich auch ein wenig anders aus. Er betont, daß die Welt in Gott ist. … Sein wichtigstes Werk heißt: ‚Die Ethik mit geometrischer Methode begründet’.

Wenn Spinoza das Wort Ethik benutzt, dann könnte es ebensogut mit Lebenskunst oder Moral übersetzt werden.

Die geometrische Methode bezieht sich auf die Sprache oder Darstellungsform. … Spinoza steht in derselben rationalistischen Tradition [wie Descartes]. In seiner Ethik wollte er zeigen, wie das Menschenleben von den Naturgesetzen gelenkt wird. Wir müssen uns deshalb von unseren Gefühlen und Empfindungen befreien, denn nur so können wir Ruhe finden und glücklich werden, meinte er.

Spinoza nahm diese Trennung [zwischen Denken und Ausdehnung (siehe Descartes)] nicht hin. Er meinte, es gebe nur eine einzige Substanz. Alles, was ist, läßt sich auf ein und dasselbe zurückführen, meinte er. Und dieses Eine bezeichnete er einfach als Substanz. An anderen Stellen nennt er es ‚Gott’ oder ‚Natur’. … Wir bezeichnen ihn als Monisten.

Unter Substanz, Gott oder Natur versteht er alles, was existiert, auch das, was aus Geist besteht.

Spinoza zufolge kennen wir Menschen zwei von Gottes Eigenschaften oder Erscheinungsformen. Spinoza bezeichnet diese Eigenschaften als Gottes Attribute, und diese beiden Attribute sind eben gerade Descartes’ Denken und Ausdehnung. Gott – oder die Natur – erscheint also entweder als Denken oder als etwas im Raum. Nun ist es ja möglich, daß Gott noch unendlich viele andere Eigenschaften außer Denken und Ausdehnung hat, aber die Menschen kennen nur diese beiden Attribute.

Die einzelnen Phänomene, auf die wir in unserem täglichen Leben stoßen … sind unterschiedliche Modi der Attribute Denken und Ausdehnung. Unter einem Modus … verstehen wir also eine bestimmte Art, in der die Substanz, Gott oder die Natur sich äußern. Eine Blume ist ein Modus des Attributes Ausdehnung, und ein Gedicht über dieselbe Blume ein Modus des Attributes Denken. Aber im Grunde sind beide Ausdruck für ein und dasselbe: Substanz, Gott oder Natur.

Spinoza meinte …, daß alle physischen Dinge, die uns umgeben oder sich um uns herum abspielen, Gott oder die Natur zum Ausdruck bringen. Das gilt auch für alle Gedanken, die gedacht werden. Auf diese Weise sind auch alle Gedanken, die gedacht werden, die Gedanken von Gott oder der Natur. Denn alles ist eins. Es gibt nur einen Gott, eine Natur oder eine Substanz.

Spinoza hielt Gott – oder die Naturgesetze – für die innere Ursache von allem, was geschieht. Er ist keine äußere Ursache, denn Gott äußert sich durch die Naturgesetze und nur durch sie.

Spinoza hatte ein deterministisches Bild des Naturlebens.

Politische Verhältnisse zum Beispiel können uns in unserer Entwicklung und unserem persönlichen Wachstum behindern. Ein äußerer Zwang kann uns hemmen. Nur wenn wir frei die in uns liegenden Möglichkeiten entwickeln können, leben wir als freie Menschen. Aber trotzdem werden wir … von inneren Anlagen und äußeren Voraussetzungen geleitet.

Spinoza betont, daß nur ein einziges Wesen voll und ganz ‚Ursache seiner selbst’ ist und in voller Freiheit handeln kann. Nur Gott oder die Natur stellen diese freie und ‚unzufällige’ Entfaltung dar. Ein Mensch kann nach einer Freiheit streben, um ohne äußeren Zwang leben zu können. Aber er wird niemals ‚freien Willen’ erlangen. Wir bestimmen nicht alles, was mit unserem Körper passiert, selber – denn unser Körper ist ein Modus des Attributes Ausdehnung.

Spinaoza meinte, daß die menschlichen Leidenschaften – zum Beispiel Ehrgeiz und Begehren – uns daran hindern, wahres Glück und Harmonie zu erlangen. Aber wenn wir erkennen, daß alles aus Notwendigkeit geschieht, dann können wir ein intuitives Erkennen der Natur als Ganzheit erlangen. … Unser Ziel ist, alles, was exisitert, in einem gesammelten Überblick zu erfassen. Spinoza bezeichnete das als: alles sub specie aeternitatis sehen. … Alles unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit zu sehen.

aus: Jostein Gaarder: Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie – S. 291-300 – Carl Hanser Verlag 1995

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 9

Berlusconi gibt den Liebes-Barden

Oh weh, jetzt singt er auch noch, unser geliebter Silvio, der Führer eines für Korruption und Laster bekannten Landes. Aber nein, so dilettantisch ist er ja gar nicht, dass er auch nicht noch nicht singen könnte.

Berlusconi: Tutti Amore

Urheberrecht: YouTube bekehrt US-Medienkonzerne

Die großen US-Medienkonzerne entdecken doch tatsächlich das Werbepotenzial des Videoportals Youtube. So werden die urheberrechtlichen Youtube-Videos nicht mehr gelöscht, sondern mit Werbung gespickt. Hat doch auch etwas …

Bush soll Pate einer Kläranlage werden

„Wir denken, dass es wichtig ist, im richtigen historischen Kontext an unsere Regierungspolitiker zu erinnern“, sagte Brian McConnell von der Presidential Memorial Commission in San Francisco. „Im Fall von Präsident Bush werden wir die nächsten 10 bis 20 Jahre eine ziemliche Sauerei aufräumen müssen“, sagte McConnell und verwies auf den Irak-Krieg sowie die Wirtschaftspolitik. „Es ist die Aufgabe einer Kläranlage, den Dreck zu säubern. Daher dachten wir, das ist eine angemessene Ehrung.“ Finde ich auch!