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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Günter Grass‘ „Beim Häuten der Zwiebel“

Ich habe von Grass‘ Autobiografie zunächst nur das erste und das vierte Kapitel („Wie ich das Fürchten lernte“) gelesen, jenes, das seine Zeit bei der Waffen-SS beschreibt oder eigentlich nur die Zeit, in der er sich in den letzten Wirren des Krieges durch die Fronten schlug.

Günter Grass: Beim Häuten der Zwiebel

Eigentlich gehörte er nur formell der Waffen-SS an und hätte genauso gut jeder anderen Militäteinheit angehören können. Dann hätte es jetzt diese Diskussion sicherlich nicht gegeben. Aber lesen wir kurz, was Grass in seinem Buch schreibt:

„Der Zwiebelhaut steht nichts eingeritzt, dem ein Anzeichen für Schreck oder gar Entsetzen abzulesen wäre. Eher werde ich die Waffen-SS als Eliteeinheit gesehen haben, die jeweils dann zum Einsatz kam, wenn ein Fronteinsatz abgeriegelt, ein Kessel … zurückerobert werden mußte. Die doppelte Rune am Uniformkragen war mir nicht anstößig. Dem Jungen, der sich als Mann sah, wird vor allem die Waffengattung wichtig gewesen sein: wenn nicht zu den U-Booten, … dann als Panzerschütze in einer Division, …

Auch ging von der Waffen-SS etwas Europäisches aus: in Divisionen zusammengefaßt kämpften freiwillig Franzosen, Wallonen, Flamen und Holländer, viele Norweger, Dänen, sogar neutrale Schweden an der Ostfront in einer Abwehrschlacht, die, so hieß es, das Abendland vor der bolschewistischen Flut retten werde.

Also Ausreden genug. Und doch habe ich mich über Jahrzehnte hinweg geweigert, mir das Wort und den Doppelbuchstaben einzugestehen. Was ich mit dem dummen Stolz meiner jungen Jahre hingenommen hatte, wollte ich mir nach dem Krieg aus nachwachsender Scham verschweigen. Doch die Last blieb, und niemand konnte sie erleichtern.

Zwar war während der Ausbildung zum Panzerschützen, die mich den Herbst und Winter lang abstumpfte, nichts von jenen Kriegsverbrechen zu hören, die später ans Licht kamen, aber behauptete Unwissenheit konnte meine Einsicht, einem System eingefügt gewesen zu sein, das die Vernichtung von Millionen Menschen geplant, organisiert und vollzogen hatte, nicht verschleiern. Selbst wenn mir tätige Mitschuld auszureden war, blieb ein bis heute nicht abgetragener Rest, der allzu geläufig Mitverantwortung genannt wird. Damit zu leben ist für die restlichen Jahre gewiß.“

Was Grass schreibt, klingt ziemlich blass. Von Scham und einem Rest Mitverantwortung ist die Rede. Aber wie sonst hätte man etwas in Worte fassen können, von dem erst im Nachhinein die Tragweite sichtbar wird. Grass war nicht an Gräuel beteiligt. Davon gehe ich aus, das glaube ich ihm. Es geht also nur um die Zugehörigkeit zu einer Einheit, die heute als Synomyn für Kriegsverbrechen steht. Und einer Aburteilung steht sein jugendliches Alter vor. Es geht also am Ende nur um das Verschweigen dieses dunklen Abschnitts seines Lebens. Wer heute von Scham spricht, erntet meist nur ein müdes Lächeln. Vielleicht liegt es daran, dass wir nie in Situationen waren, die später zu solcher Scham Anlass bieten. Wir, die so genannt Nachgeborenen, sollten froh darum sein.

Sicherlich ist es die Tatsache, dass Grass oft genug als Moralist aufgetreten ist, die jetzt das Urteil beeinflusst. Wenn ein solcher plötzlich offenbart, selbst Dreck am Stecken zu haben, dann ist das ein gefundenes Fressen für die, die ihm schon vorher unwohl gesonnen waren. Ich mag selbst keine Moralapostel. Und Grass als Wahlhelfer z.B. für Willy Brandt war mir auch eher suspekt. Aber ich gestehe, nicht den Stein nehmen zu können, um ihn damit zu bewerfen. Grass ist und bleibt ein großer Schriftsteller. Seine ‚barocke‘ Sprache, auch sein barocker Lebensstil mag nicht jedermanns Sache sein. Soll und kann es nicht. Der offenbarte Makel bleibt (und soll bleiben). Das ist gut so.

Superman ist zurück

Vier Superman-Filme hat uns die Filmindustrie bisher beschert. Seit dem letzten sind nun 20 Jahre vergangen. Da Comic-Helden (Batman, X-Men usw.) durchaus im Trend sind, so ist auch Superman, der Mann aus Stahl vom Planeten Krypton, zurück auf den Leinwänden der Kinos: Superman returns. Der neue Film hat viel Geld verschlungen, aber bleibt nach meiner Meinung doch sehr weit hinter den Erwartungen zurück. Regisseur Bryan Singer hat sich zu sehr an der bekannten Superman-Gestalt (gespielt von Christopher Reeve) orientiert. So ähnelt der neue Superman Brandon Routh doch sehr dem alten. Und wer die alten Filme nicht kennt, dürfte manchmal arge Schwierigkeiten haben. Zur Auffrischung bietet übrigens der Sender Kabel1 die alten Filme an, z.B. am kommenden Sonntag, den 27.08., ab 16 Uhr 50: Superman 2 – Allein gegen alle (übrigens setzt der neue Film chronologisch nach Superman 2 an).

Superman returns

Nun Superman war lange Zeit verschwunden, zur Selbstfindung gewissermaßen, und kehrt als Zeitungsreporter Clark Kent zurück auf unsere Erde. Und just kreuzt sein alter Erzfeind Lex Luthor wieder auf, um den Planeten an sich zu reißen. Und es sieht so aus, als könne er Superman diesmal in die Knie zwingen – dank dessen Verletzlichkeit dem Mineral namens Krytonit gegenüber. Aber da gibt es ja auch noch eine alte Liebe, die Journalisten Lois Lane – und ihren Sohn, der – man ahnt es gleich – auch der Sohn von Clark Kent, also Superman, ist. Am Ende ist Lex Luthor auf einer Insel verbannt. Superman gibt seinem Sohn den Segen und entschwindet wieder in die Weiten des Weltalls. Riecht das nicht nach Fortsetzung dieses Filmes – vielleicht als Superboy oder Supermans Sohn?

Überhaupt diese vielen Filme mit mehr oder weniger offenem Ende: Das Omen, wo am Ende Luzifers Sohn grinsend an der Hand des amerikanischen Präsidenten ins Publikum schaut. Bei Fluch der Karibik 2 wissen wir ja schon längst, dass ein 3. Teil in der Mache ist.

Tagesausflug nach Schwerin

Abgesehen davon, dass wir auf der Rückfahrt in die ‚Turbulenzen‘ der Bombendrohung am Hamburger Hauptbahnhof geraten sind, war der Ausflug nach Schwerin lohnenswert. Wir hatten am letzten Samstag allerdings auch einen schönen Sommertag erwischt. Die Fahrt mit dem Zug von Hamburg mit einem Regionalzug dauert gut anderthalb Stunden.

Schwerin: Schweriner Schloss (von der Schlossstraße her) Schwerin: Schweriner See beim Schloss
Schwerin: Schweriner Schloss (von der Schlossstraße her) Schwerin: Schweriner See beim Schloss
Schwerin: Schweriner Schloss Schwerin: Schlossgarten
Schwerin: Schweriner Schloss Schwerin: Schlossgarten

Sehenswert ist natürlich das alte Schloss, in dem jetzt u.a. der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern tagt. Das Schloss liegt herrlich am Schweriner See, auf dem an solchen Tagen viele Segler unterwegs sind. Sehr schön ist der Schlossgarten mit vielen alten Bäumen.

Übrigens finden zz. in Schwerin zum 15. Mal die Drachenboottage statt. Schwerin ist dadurch zur Hochburg für diese asiatische Wassersportart mit ihren drachenköpfigen Booten für je 20 Paddler geworden.

Fahrradtour 2006 nach Fehmarn – Teil 4: Tornado vor Fehmarn

Am Sonntag, den 13. August, kamen wir mit unseren Rädern auf Fehmarn an. Der Himmel verdunkelte sich und in Richtung Nordosten – wahrscheinlich über der Ostsee – sahen wir einen Tornado, also eine Windhose.

Tornado vor Fehmarn 13.08.2006

Ein solches Naturschauspiel sieht man wirklich nicht alle Tage. Leider (oder gott-sei-dank) war der Tornado ziemlich weit entfernt. Oben eine nicht so gute Aufnahme mit der Digitalkamera. Wir haben allerdings auch Aufnahmen mit Teleobjektiv und analoger Kamera gemacht (Film muss noch entwickelt werden – Fotos werden an dierser Stelle nachgeliefert).

Hier noch ein wirklich seltenes Foto von einem Tornado bei gleichzeitigem Blitzeinschlag, aufgenommen am 12.03.2006 in Sedalia/Missouri (USA).

Tornado in Sedalia/Missouri (USA) 12.03.2006

weitere Fotos vom Tornado vor Fehmarn vom 13.08.2006 [1] [2]

Fahrradtour 2006 nach Fehmarn – Teil 3: Lübeck

Die zweite Nacht während unserer Radtour nach Fehmarn verbrachten wir in Lübeck. Den folgenden Tag nahm ich mir mit meiner Frau und unserem jüngsten Sohn Lukas fahrradfrei, um uns die alte Hansestadt an der Trave etwas genauer anzuschauen. Ein Gang durch die Altstadt lohnt auf alle Fälle. Und von der Petri-Kirche hat man aus gut 50 Meter Höhe einen sehr schönen Blick auf die Stadt. Im Cafe Niederegger (die Firma Niederegger stellt seit nun 200 Jahren köstliches Marzipan her) gönnten wir uns ein dickes Eis.

Lübeck: Burgtor Lübeck: Hostentor
Lübeck: Burgtor Lübecks Wahrzeichen: Hostentor (leider als Baustelle verhüllt)
Lübeck: Kohlmarkt/Alter Markt Lübeck: An der Untertrave
Lübeck: Kohlmarkt/Alter Markt An der Untertrave

Am Nachmittag nahmen wir dann den Zug nach Oldenburg/Holstein und trafen dort unsere radelnden Mitreisenden in der dortigen Jugendherberge wieder.

Ska im Park

Es muss vor 25 Jahren gewesen sein, da war ich mit einem Kumpel in London und dort an einem Abend im ‚100 Club‘ in der Oxford Street mit gleicher Hausnummer. Neben dem ‚Marquee Club‘ ist diese Lokalität die Adresse für beste Live-Musik in Europa schlechthin. An diesem Abend trat eine Band auf (fragt mich nicht nach Namen), die Reggae oder ähnliches spielte und das mit diversen Bläsern. Mindestens 8 Leute, vorwiegend mit weißer Hautfarbe, turnten auf der kleinen Bühne herum. Ein Superkonzert mit einer Superstimmung. Dazu frischgezapftes Ale in der Hand. Nun es muss eine Ska-Band der „2. Welle“, auch 2-Tone genannt, gewesen sein.

Letztes Wochenende nun fand in Boizenburg/Elbe das Festival „Ska im Park“ statt. Ich selbst bin aus dem Alter ziemlich ‚raus, mich bei jeder Witterung ins Freie zu begeben, um der Musik zu lauschen. Mein Sohn Jan war mit seinem Freund Philipp am Samstag dort. Und es hat beiden wohl ganz gut gefallen.

Jan im Zug nach Boizenburg/Elbe Philipp 'Krausebart' mit 'Pork Pie'-Hut
Jan im Zug nach Boizenburg/Elbe Philipp ‚Krausebart‘ mit ‚Pork Pie‘-Hut
Ausschnitt LP-Cover Blodwyn Pig: Getting to This (1970)
Ausschnitt LP-Cover Blodwyn Pig: Getting to This (1970)

Wie oben zu sehen habe ich ein altes Plattencover von der Gruppe Blodwyn Pig aus dem Jahre 1970 ausgegraben. Es zeigt u.a. zwei Skinheads, die man in keiner Weise mit den rechtsextremen Skins unserer Tage verwechseln darf. Diese Skinheads stammen zwar aus dem Arbeitermilieu, sind aber Anhänger von Ska. Charakteristisch für den Two-Tone ist übrigens das schwarz-weiße Schachbrettmuster, das bereits auf der ersten 2Tone Single zu sehen war. Es soll das gute Zusammenarbeiten und die Freundschaft von schwarzen und weißen Menschen zeigen.

Anonymer Anruf legt Hamburger Bahnhof lahm

Unser Sohn Jan fuhr mit seinem Schulfreund Philipp ‚Krausebart‘ mit dem Zug zum „Ska-im-Park“ Festival nach Boizenburg (davon später mehr) mit einem „Schöne-Wochenend-Ticket“. Und da auf diesem Ticket insgesamt 5 Personen fahren können (und Jan und Philipp erst am nächsten Tag, also heute, mit einem neuen Ticket nach Hause zurück kamen), entschloss ich mich mit meiner Frau, mit den beiden Jungen bis Boizenburg und dann weiter nach Schwerin zu fahren (von dem Besuch Schwerins später ebenfalls mehr).

Auf dem Rückweg mit einem Regionalexpress (RE) war dann plötzlich in Büchen Schluss. Von einem Polizeieinsatz im Hamburger Hauptbahnhof war die Rede. Spät abends las ich dann bei abendblatt.de, dass es eine Bombenwarnung gab. „Wir haben einen anonymen Anruf erhalten“, berichtete Polizeisprecher Andreas Schöpflin. „Diesen Anruf haben wir sehr ernst genommen und sorgfältig geprüft.“ Das gesamte Gebäude wurde gegen 17.50 Uhr evakuiert. Von Schwerin abgefahren waren wir pünktlich um 18 Uhr 18 – in Büchen waren wir gegen 19 Uhr 15.

Polizeieinsatz im Hauptbahnhof

Nach den fehlgeschlagenen Bombenanschlägen auf zwei Regionalzüge vor rund zwei Wochen herrscht natürlich allgemeine Nervosität. Innenminister Schäuble fordert auch gleich wieder schärfere Massnahmen, u.a. eine Anti-Terror-Datei. Ich frage mich aber, warum der Hamburger Hauptbahnhof zwei Stunden gesperrt werden muss. Und welche Anhaltspunkte gab es, dass man den anonymen Anruf nach ’sorgfältiger Prüfung‘ als ’sehr ernst‘ eingestuft hat. Es konnte am Ende nichts Verdächtiges gefunden werden. Ein Tretbrettfahrer hat für reichlich Chaos bei der Bahn gesorgt. Wenn jeder Halbidiot jetzt die Polizei alarmiert, dann wird das öffentliche Leben bald völlig lahmgelegt. Schöne Aussichten – zumal die Bahn nicht in der Lage ist, ein halbwegs vernünftiges Notfall-Szenario abzurufen.

Gegen 19 Uhr 15 wurde auf dem Bahnsteig in Büchen mitgeteilt, dass sich durch einen Polizeieinsatz die Abfahrt voraussichtlich um 10 bis 25 Minuten verzögert. Erst nach einer längeren Zeit kam dann auch endlich im Zug selbst diese Durchsage. Dann nach über 30 Minuten eine Durchsage (wieder nur auf dem Bahnsteig, nicht im Zug), dass auf einem anderen Gleis um 20 Uhr 02 eine Regionalbahn nach Aumühle fährt, von wo aus man Anschluss an das S-Bahnnetz in Hamburg hat. Dabei wies man daraufhin, in der Station Berliner Tor umzusteigen, da der Hauptbahnhof weiterhin nicht angesteuert würde. Um 20 Uhr 11 setzte sich dann endlich dieser Zug in Bewegung. In Aumühle mussten wir weitere 20 Minuten warten, bis die S-Bahn losfuhr. Ob nun der Hauptbahnhof wieder zugängig war, wusste in der Bahn bis dahin keiner – es kam auch keine entsprechende Durchsage. Um 21 Uhr 20, als wir endlich den Hauptbahnhof erreichten, lief der Zugverkehr dort schon fast wieder nach Fahrplan.

Mit etwas Glück erreichten wir über Harburg noch eine Regionalbahn nach Tostedt – und hatten dort genau 90 Minuten Verspätung. Hätten wir den nächsten Zug nach Tostedt ab Hauptbahnhof genommen, so hätten wir drei Stunden Verspätung.

Es ist nicht das erste Mal, dass etwas Unvorhergesehenes bei der Bahn passiert. Und es zeigt sich weiterhin, dass die Bahn nicht in der Lage ist, ihre Fahrgäste in solchen Notfällen schnell und umfassend zu informieren. Und es fehlte wie immer die Präsenz der Bahn vor Ort als Ansprechpartner und Auskunftgeber. Die Schaffner waren überfordert und selbst nicht ausreichend informiert. Es kann wiederum nur ein Armutszeugnis sein, das man der Deutschen Bahn ausstellen muss.

Fahrradtour 2006 nach Fehmarn – Teil 2: Elbe-Lübeck-Kanal

Am zweiten Tag unserer Radtour zur Insel Fehmarn fuhr ich mit meinen Lieben von Lauenburg an der Elbe nach Lübeck. Hierfür bietet sich der Radweg der alten Salzstraße an, der in Lüneburg beginnt und ab Lauenburg am Elbe-Lübeck-Kanal entlang zur alten Hansestadt an der Trave führt. Der Elbe-Lübeck-Kanal hat eine Länge von 65,5 km und ist von Schleswig-Holstein aus der kürzeste Wasserweg zur Ostsee. Der Radweg ist zwar etwas holprig, da nicht asphaltiert, lässt sich aber doch ganz gut befahren. Der Weg führt direkt am Kanal entlang und bildet über weite Strecken eine reizvolle Allee aus Pappeln. Außerdem grenzt der Radweg an mehrere Seen (z.B. dem Möllner See).

Elbe-Lübeck-Kanal - Schleuse in Berkenthin
Schleuse in Berkenthin bei km 13,33

Leider werden die über 60 km mit der Zeit etwas eintönig auf dem Rad, da die Strecke natürlich die ganze Zeit auf ebenem Niveau verläuft. Je nachdem zu welcher Tageszeit man unterwegs ist, kann man wie wir in Mölln eine längere Rast in der Innenstadt einlegen, um sich zu stärken.

weitere Bilder vom Elbe-Lübeck-Kanal

Fahrradtour 2006 nach Fehmarn – Teil 1: Fahrroute

Am Donnerstag, den 10. August, starteten ich mit meinen Lieben (Frau und zwei Söhnen), einem Schulfreund meines ältesten Sohnes (Philipp) und meinem Schwager Manfred, der schon immer mit meinen Söhnen eine Radtour machen wollte, eine Fahrradtour nach Fehmarn. Mit dem Wetter hatten wir – zumindest während der eigentlichen Tour – Glück: Es blieb fast durchgehend trocken. Die Insel Fehmarn selbst war leider nicht die bekannte Sonneninsel, sondern zeigte sich von ihrer schlechten Seite: Zwei volle Tage Regen und Sturm.

Von Tostedt ging es am Morgen los über Jesteburg und Stelle an die Elbe, bei Hoopte mit der letzten Elb-Autofähre ans andere Elbufer, dort über Altengamme und Geesthacht durch den Forst Grünhof mit einigen Steigungen nach Lauenburg. Dort nächtigten wir sechs in der Jugendherberge. Strecke: 76 km.

Am nächsten Tag ging es dann weiter am Elbe-Lübeck-Kanal, dem alten Salzweg, der von Lüneburg, der Salzstadt, über Lauenburg nach Lübeck führte, entlang über Mölln (Mittagsrast) nach Lübeck. Auch hier fanden wir Unterkunft in der Jugendherberge. Strecke 79 km.

Fehmarnradtour 2006: Unterwegs eine Panne Fehmarnradtour 2006: Pause in Hoopte an der Elbe
Fehmarnradtour 2006: Unterwegs eine Panne Fehmarnradtour 2006: Pause in Hoopte an der Elbe
Fehmarnradtour 2006: Bei Hoopte mit der Fähre über die Elbe Fehmarnradtour 2006: Fehmarnsundbrücke
Fehmarnradtour 2006: Bei Hoopte mit der Fähre über die Elbe Fehmarnradtour 2006: Fehmarnsundbrücke

Mit meiner Frau und meinem Jüngsten Lukas blieben wir den nächsten halben Tag in Lübeck und schauten uns die Altstadt an. Im Cafe Niederegger aßen wir ein leckeres Eis. Am Nachmittag fuhren wir dann mit dem Zug nach Oldenburg/Holstein. Manfred fuhr unterdessen mit meinem Ältesten Jan und seinem Kumpel Philipp mit dem Rad nach Oldenburg. Die Nacht blieben wir wieder in einer Jugendherberge. Strecke: 68 km.

Das nächste Ziel war dann von Oldenburg/Holstein aus endlich Fehmarn. Im Nordwesten der Insel hatten wir eine Ferienwohnung für drei Nächte gebucht. Bis Westermarkelsdorf waren es dann noch einmal gut 46 km.

Leider waren die zwei Tage, die wir nun hatten, und die wir zur weiteren Erkundung der Insel nutzen wollten, bei starkem Sturm verregnet. So nutzten wir die Zeit, um am Strand spazieren zu gehen, in einem Hallenbad unsere Runden zu ziehen und uns auszuruhen. Am letzten Tag ging es dann von Puttgarden (von Westermarkelsdorf gut 16 km entfernt) mit der Bahn über Lübeck und Hamburg zurück nach Tostedt.

Das späte Geständnis des Günter Grass

Es heißt, Günter Grass sei durch sein Eingeständnis, in der Waffen-SS gedient zu haben, bevorstehenden Enthüllungen aus Stasi-Akten zuvorgekommen. Bisher war in seiner Biografie lediglich zu lesen, dass er am Ende des 2. Weltkrieges als Flakhelfer tätig war.

Ich gebe zu, dass mich dieses so späte Eingeständnis zunächst sehr irritiert hat. Günter Grass‘ schriftstellerisches Werk habe ich genossen, sei es die Blechtrommel, der Butt oder sein kleines Geschichtenbuch ‚Mein Jahrhundert‘. Sein politisches Engagement in Sachen Aussöhnung mit dem Osten, sein unermütliches Mahnen, die Gräuel der Nazizeit nicht zu vergessen, haben ihn zu einer moralischen Instanz in Deutschland werden lassen, die besonders im Ausland für Aufmerksamkeit sorgte. Der Lohn war u.a. der Nobelpreis für Literatur.

Und nun das späte Geständnis, dass er als 17-Jähriger freiwillig der Waffen-SS beigetreten sei, einer paramilitärischen Organisation, der man besonders schwere Kriegsverbrechen zur Last legt. Er beteuert glaubhaft, an keinem Verbrechen teilgenommen zu haben. Aber allein die Mitgliedschaft wirft einen sehr dunklen Schatten auf den Menschen Günter Grass. Und selbst wenn man es als verzeihliche Jugendsünde abtun mag, so bleibt der Vorwurf, dieses Eingeständnis erst so spät publik gemacht zu haben.

In einem Forum zum Geständnis des Günter Grass bei zdf.de las ich nun folgende Stellungnahme:

Es geht für mich nicht darum, was jemand im Alter von 17 Jahren begreift oder nicht begreift. Für mich ganz persönlich geht es nur darum, ob jemand über seine Fehler reflektiert, Einsicht hat und den Mut mit dieser Einsicht Konsequenzen zu ziehen. Ich habe Grass‘ Kritik an anderen stets so verstanden, dass diese bis heute nicht verstehen. Diese Kritik von Grass ist für mich nach wie vor ein elementarer Beitrag zur Aufarbeitung der menschlichen Seele, des menschlichen Charakters. Zudem bin ich dankbar, dass es solch intellektuelle Größen wie Grass gibt.

Ich kann dem nur zustimmen, auch wenn ich nicht immer der gleichen Meinung wie Günter Grass war. Die Mitgliedschaft zur Waffen-SS hat Günter Grass bei der Gefangenennahme im Mai 1945 durch die Amerikaner in einer ‚Erklärung des Kriegsgefangenen‘ dokumentiert. Dieses Dokument ist bis heute allgemein zugängig. Der als Vorwurf geäußerte Hinweis, Grass wäre mit seinem so späten Eingeständnis nur einer bevorstehenden Veröffentlichung von Stasi-Akten, die ebenfalls die Waffen-SS-Vergangenheit nachweisen, zuvorgekommen, ist ziemlich weit hergeholt. Dann hätte Grass seine Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“ ja über Nacht schreiben müssen. In einem ARD-Interview sagte er dazu: „In diesem Buch, da ist es Thema, ich habe drei Jahre daran gearbeitet, und da steht alles, was ich zu der Sache zu sagen habe. Wer richten will, mag richten.“

Auszug aus Günter Grass' Kriegsgefangenenakte
Auszug aus der ‚Erklärung des Kriegsgefangenen‘ von Günter Grass

Dass Grass aus Scham geschwiegen hat, nehme ich ihm gern ab. Wer geht schon mit einem solchen dunklen Abschnitt seiner Biografie hausieren. Und wie kein anderer wird Grass selbst wissen, dass sein Geständnis sehr spät gekommen ist, ich denke aber – nicht zu spät!

u.a. siehe auch zdf.de

150 Jahre Neandertaler

Im August des Jahres 1856 lösen zwei italienische Steinbrucharbeiter die lehmigen Ablagerungen in der „Kleinen Feldhofer Grotte“ im Neandertal am südlichen Ufer der Düssel zwischen Erkrath und Mettmann. Mit einer Spitzhacke stoßen sie dabei auf 42.000 Jahre alte Knochen – die Knochen eines fossilen Menschen, der sich allerdings stark vom Homo sapiens unterscheidet und der unter dem Namen Homo neanderthalensis in die Wissenschaft eingeben sollte. Vor 150 Jahren wurde also der Neandertaler gefunden.

150 Jahre Neandertaler

Heute wissen wir, dass der moderne Mensch nicht vom Neandertaler abstammt, sondern das die Begegnung des Neandertalers mit unseren Vorfahren, dem so genannten Cro-Magnon-Mensch, zu seinem Untergang und Aussterben geführt hat. Der Neandertaler sollte nicht das letzte Opfer des ‚vernunftbegabten Menschen‘ sein.

siehe zdf.de: Gefeierter Vetter
Wie lebten die Neandertaler?
zur Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn
Neanderthal Museum