Kategorie-Archiv: Machtgier

Frustrierendes aus Politik und Wirtschaft

Tag der deutschen Dreieinigkeit 2014

Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber wenn wir wie jedes Jahr heute den Tag der Deutschen Einheit feiern (genauer: den Tag der deutschen Wiedervereinigung), dann muss ich mich an Zeiten erinnern, die lange vor dem Jahr 1990 liegen. Damals ging es gewissermaßen um eine deutsche Dreieinigkeit!

Ich kann mich noch sehr gut an die Aushänge erinnern, die zu Zeiten früherer CDU-Regierungen an Litfaßsäulen klebten und Deutschland als ein durch den Krieg dreigeteiltes Land zeigten: links (da nach Norden ausgerichtet) die Bundesrepublik, in der Mitte die SBZ (sowjetisch-besetzte Zone) und rechts die besetzten Ostgebiete. Das Motto der Parteien: 3 geteilt? – niemals! Damals war die Wirklichkeit eine andere und erst unter Willy Brandt wurde die eigentliche Realität dann ‘im Westen’ akzeptiert, auch wenn die Bild-Zeitung weiterhin unbeirrt DDR in Anführungszeichen schrieb (immerhin schrieb man schon DDR und nicht mehr SBZ).

Unteilbares Deutschland

drei geteilt - niemals

Zu Zeiten dieser Dreigeteiltheit nannte man den mittleren Teil Deutschlands auch gern Mitteldeutschland. Erst viel später wurde das in Ostdeutschland ‘umgetauft’ und seit 1990 spricht man dann bekanntlich von den ‘neuen Bundesländern’. Wie sich geographische Begriffe ändern können. Nur durch einige Vertriebenenverbänden kann man irritiert werden, wenn diese von Ostdeutschland sprechen und damit u.a. Schlesien meinen (nur liegt Schwerin nicht in Schlesien – wenn beide auch in Ostdeutschland liegen?!).

Nun heute ist unser, Deutschlands Nationalfeiertag. Und wir feiern die deutsche Einheit oder Wiedervereinigung oder Dreieinigkeit oder wie oder was …? Was auch immer! Feiern wir eben …!

Kollateralschaden

Neulich lief im Fernsehen zum wiederholten Male ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2004 mit Tom Cruise als Auftragskiller, der – von einem Taxifahrer chauffiert – von einem Mord zum anderen zieht. Dabei kommt es auch zu Kollateralschäden, d.h. zu an sich unbeabsichtigten, aber „in Kauf genommenen“ Opfern. Der Film heißt Collateral als Abkürzung für collateral damage, also Kollateralschaden, Begleitschaden.

Vor einer Woche, am 17. Juli, stürzte bekanntlich eine Boeing 777-200ER der Malaysia Airlines nach Raketenbeschuss, wahrscheinlich durch eine Buk-Flugabwehrrakete getroffen, die eine Höhe von bis zu 25.000 Meter Höhe erreichen kann, in der Ostukraine ab. Alle 298 Insassen – 283 Passagiere (davon 80 Kinder) und 15 Besatzungsmitglieder – kamen dabei ums Leben. Das Absturzgebiet wird von pro-russischen Separatisten kontrolliert.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko machte pro-russische Separatisten für den Absturz verantwortlich. Diese dementierten: Nach Aussage der Separatisten sei der Abschuss eine Provokation der ukrainischen Luftwaffe, sie selbst besäßen keine Abwehrwaffen, um Maschinen in einer Höhe von 10.000 Metern abzuschießen. Die Separatisten hatten allerdings am 29. Juni auch gemeldet, sie hätten eine Buk-Einheit übernommen.

Nach Auswertung der bisherigen Informationen scheint klar zu sein dass die Separatisten für den Abschuss von Flug MH17 verantwortlich sind. Der US-Geheimdienst hat nach Regierungsangaben bislang keine Beweise für eine direkte Beteiligung Russlands an dem mutmaßlichen Abschuss des Passagierflugzeuges MH17. Die Maschine sei vermutlich versehentlich von pro-russischen Separatisten abgeschossen worden. Also nur ein Kollateralschaden?

Inzwischen fordert die Gaza-Krise immer mehr Todesopfer auf beiden Seiten, eine Einigung ist nicht in Sicht. Der gewaltsame Tod dreier jüdischer Jugendlicher und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen waren Auslöser für eine erneute Eskalation im Juli 2014. Nach Verhaftungen von Verdächtigen intensivierte sich der Raketenbeschuss auf Israel. Als Antwort startete das israelische Militär die Operation Protective Edge, bei der vermeintlich mit dem Raketenbeschuss in Zusammenhang stehende Ziele in Gaza aus der Luft angegriffen wurden. Vorrangiges Ziel der Israelis: die Hamas, der sunnitisch-islamistische Palästinenser-Organisation, die den Staat Israel mit terroristischen Mitteln beseitigen und einen islamisch-theokratischen Staat errichten will. Vorrangige Opfer: die Zivilbevölkerung, besonders auf Seiten der Palästinenser. Kollateralschäden?

    Kollateralschaden?

Fast vergessene, eher verdrängte Konflikte gibt es im Irak, wo die dschihadistisch-salafistische Terrororganisation Islamischer Staat, deren Ziel die gewaltsame Errichtung eines Kalifats ist, welches Syrien und den Irak, aber auch den Libanon, Israel und Jordanien umfasst, inzwischen weite Teile kontrolliert. Die Extremisten sind auch deshalb so stark, weil sie sich mit sunnitischen Stämmen und Anhängern des früheren Machthabers Saddam Hussein verbündet haben. Sie eint der Hass auf die von Schiiten dominierte Regierung. Oder Syrien, wo seit März 2011 ein blutiger Bürgerkrieg tobt. Inzwischen hat der „Islamische Staat“ auch hier rund ein Drittel des Landes unter Kontrolle. Oder Libyen, wo Brigaden, die sich 2011 gegen Gaddafi erhoben hatten, ihre Waffen behielten und heute in verschiedenen Ecken des Landes ihr Unwesen treiben. Längst kämpfen sie für eigene Ziele. Oder Afghanistan, wo es weiterhin Anschläge und Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und den islamistischen Taliban gibt. Oder Nigeria, wo die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ihren Kampf für einen Gottesstaat im Norden des Landes mit unverminderter Härte fortsetzt. Oder die Zentralafrikanische Republik: hier kam es erneut zu schweren Übergriffen im Konflikt zwischen muslimischen Seleka-Rebellen und christlichen Bürgermilizen (Anti-Balaka) im Osten des Landes. Südsudan: Die blutigen Übergriffe seit mehr als sechs Monaten haben auch ethnische Hintergründe: Kiir, der Präsident, ist ein Dinka, Machar, sein Widersacher, ein Nuer. Mali: In der Wüste von Nord-Mali ist es in der vergangenen Woche zu heftigen Gefechten zwischen der Armee und Tuareg-Rebellen gekommen. Somalia: Hier ist es die gefürchtete Al-Shabaab-Miliz, die dort weiter ihren blutigen Terror verbreitet. Zudem ist die Al Shabaab auch im Nachbarland Kenia aktiv, wo es vor allem in der Küstenregion zu Anschlägen kommt. Die Islamisten fordern den Abzug kenianischer Truppen aus Somalia.

Hier wie dort ist es die zivile Bevölkerung, die unter den Kämpfen und Anschlägen zu leiden hat. In Länder wie Südsudan oder Zentralafrikanische Republik herrschen zudem verheerende Hungersnöte. Es ist eine humanitäre Katastrophe. Alles nur Kollateralschäden?

heute1914 – 100 Sekunden vor 100 Jahren

Der Erste Weltkrieg – die ‚Urkatastrophe’ (George F. Kennan) des 20.Jahrhunderts. Im Sommer 1914, also vor 100 Jahren, begann eine Krise, die in einen furchtbaren, mörderischen und langen Krieg mündete. Wie geriet der Kontinent an den Rand des Abgrunds? Warum setzte die katastrophale Kettenreaktion ein – und wie haben die Menschen diese Entwicklungen erlebt? Das neuartige nachrichtlich-dokumentarische Format „heute1914 – 100 Sekunden vor 100 Jahren“ des ZDF gibt Einblicke in die Geschichte und das Lebensgefühl der Zeit zu Beginn des Ersten Weltkriegs.

Moderne Nachrichten aus der Vergangenheit

„heute1914 – 100 Sekunden vor 100 Jahren“ ist ein neues Format, das den Zuschauer informiert, unterhält und zugleich historisches Wissen vermittelt. Die Sendungen bringen die Ereignisse rund um den Ausbruch des Ersten Weltkrieges für den Zuschauer von heute auf den Punkt: In 30 Folgen gehen wir auf Entdeckungsreise, tauchen ein in die bekannten und unbekannten Ereignisse rund um den Ausbruch des Ersten Weltkrieges – in moderner Kurzform.

„Die Verbindung von Bildern aus dem letzten Jahrhundert mit den topmodernen 100sec-heute-Nachrichten soll zum Nachdenken anregen, warum und wie schnell es damals zur Katastrophe kommen konnte. Jüngste Erfahrungen zeigen ja, dass aus einem Ereignis auch heute noch schnell ein Krieg werden kann“, sagt der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen.

Die einzelnen Folgen von heute1914 werden auf der Seite heute1914.zdf.de gesammelt. Dort werden sie in einem Rhythmus veröffentlicht, der den Ereignissen vor genau 100 Jahren entspricht.

    Lübeckische Anzeigen, Nr. 385, Ausgabe A vom 2. August 1914: Deutsche Mobilmachung
    Lübeckische Anzeigen, Nr. 385, Ausgabe A vom 2. August 1914: Deutsche Mobilmachung

Auch die ARD wartet mit einem Spezial im Internet auf: Der Erste Weltkrieg (1914 – 1918) war der erste industriell geführte Massenkrieg in der Geschichte der Menschheit. Niemals zuvor kämpften Armeen in solch gigantischen Größenordnungen gegeneinander. Am Ende befanden sich drei Viertel der Weltbevölkerung im Kriegszustand – mehr als 17 Millionen Menschen starben. Ein ARD.de-Spezial anlässlich des Kriegsbeginns vor 100 Jahren.


Der Untergang des alten Europa (Dokumentarfilm, Arte, YouTube)
Der Film beschreibt die Katastrophe des Ersten Weltkrieges aus einem gesamteuropäischen Blickwinkel. Er zeigt, dass die Stimmungslage und die ungelösten Spannungen vor 1914 in Europa längst auf Krieg deuteten. Das Attentat von Sarajewo war nicht mehr als ein willkommener Anlass für die Auslösung.

siehe auch: Deutsches Historische Museum, Berlin: Der Erste Weltkrieg 1914-1918

Adiós España!

Der König ist tot, es lebe der König! So hieß es früher einmal, wenn die Monarchen ‚bis zum Verrecken’ auf ihren Thronen verharrten … Nein, Juan Carlos (76) von Spanien lebt noch. Er dankte allerdings nach fast 39-jährigen Amtszeit in der vergangenen Nacht zugunsten seines Sohne Felipe (46) ab, der als Felipe VI den spanischen Thron bestieg und damit Staatsoberhaupt des Landes wurde. Die Zeremonie fand angesichts der Wirtschaftskrise im kleinen Rahmen statt. Die Vereidigung des neuen Monarchen folgt heute im spanischen Parlament.

Der 46-jährige Felipe hatte sich sein Leben lang auf das Amt vorbereitet. Er studierte Jura und internationale Politik, spricht fließend Englisch und Französisch und absolvierte Offizierslaufbahnen im Heer, in der Luftwaffe und der Marine. Als Kronprinz unternahm er fast 200 offizielle Reisen in 60 Länder. In Lateinamerika vertrat er Spanien beim Amtsantritt von 69 Staatspräsidenten. (Quelle: u.a. stern.de/lifestyle)

    FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien
    Am Tag, als in Madrid König Juan Carlos abdankte, wurde in Maracana auch die einzigartige Ära der Furia Roja zur Geschichte.
    Nachmittags dankte der König ab und später am Abend der Weltmeister.

Tiki-Taka ist tot, es lebe Tiki-Taka? Eines ist seit gestern Abend gewiss: Nachdem bereits 2010 bei der Fußball-WM in Südafrika mit Italien der damals amtierende Weltmeister in der Vorrunde ziemlich kläglich scheiterte (damals krähte kein Hahn danach), so erwischte es gestern den Noch-Weltmeister und Mitfavoriten Spanien. Mit der 0:2-Niederlage gegen Chile ist Spaniens Schicksal besiegelt: die Mannschaft scheidet aus. Am Montag spielen die Spanier noch gegen Australien (die ebenfalls ausgeschieden sind), dann geht’s nach Hause. ¡Adiós España!

Synchrones An-den-Kopf-Fassen: Entsetzen bei den Spaniern

Ist das nun tatsächlich das immer wieder angesagte und dann auch immer aufs Neue wiederlegte Ende des Tiki-Taka?

Unter Tiki-Taka versteht man die spanische Variante des Kurzpassspiels. Beim Kurzpassspiel wird der Ball nicht gestoppt, sondern unmittelbar an den nächsten Spieler (One-Touch-Fußball) weitergespielt wird. 1972 wurde bereits die deutsche Mannschaft damit Europameister. Die Spanier haben dieses Kurzpassspiel perfektioniert und wurden damit 2008 Europameister, 2010 Weltmeister und 2012 erneut Europameister.

Auch wenn ich mich wiederhole: Tiki-Taka verlangt ein hohes Maß an Intuition, an gegenseitigem Verständnis zwischen den Spielern und an Konzentration. Tiki-Taka geht nur mit Spielwitz, mit Esprit. Fehlt es an einem, dann rächt sich dieses taktische Konzept sehr schnell und verkommt zu einem Rasenschach, das Mannschaften eigentlich nur spielen, wenn ihnen die zündende Idee fehlt. Für den Zuschauer wird es dann schnell unerträglich langweilig. Da mag man den Gegner laufen lassen und 70 bis 80 % Ballbesitz haben. Ohne geniale Pässe, z.B. aus der Tiefe des Raums in die sich lösende Spitze, geht dann nichts. Und dann rächen sich schon kleinste Fehler. Man tappt gewissermaßen in die eigene Falle.

Voraussetzung für das Gelingen dieser Taktik ist also eine sehr gute Technik der Spieler, die präzise Pässe erlaubt, und eine zuverlässige Defensive, die im Fall eines Ballverlustes Konter vereitelt. Als Gegenmittel hilft nur ein entschlossenes Pressing. So kann selbst von technisch unterlegenen Gegnern diese Taktik ausgehebelt werden.

Genau das ist gestern geschehen. Die Chilenen standen den Spaniern gewissermaßen auf den Füßen und ließen – wie zuvor von den beherzt aufspielenden Niederländer praktiziert – keinen Spielfluss der spanischen Mannschaft zu.

Gegen die Niederlande begann Spanien wie gewohnt. Zwar störten die Niederländer früh, aber Spanien kam doch zu seinen Chancen. Dann passierte aber das, was nicht passieren darf. Die Abwehr leistete sich einen eklatanten Fehler, van Persie spielte den ‚fliegenden Holländer’ und erzielte mit seinem Flugkopfball ein herrliches Tor. Schließlich wurde die spanische Abwehr immer wieder überlaufen. Und dann auch noch der schlimme Schnitzer von Iker Casillas, dem spanischen Torwart.

Iker Casillas’ traurige Augen ...

Ähnlich ging es gestern zu. Zum ersten Gegentor führte ein früher Ballverlust im Mittelfeld und das zögerliche Eingreifen der Abwehr. Beim 2:0 sorgte Casillas mit seiner Faustabwehr nach vorn (statt zur Seite) vor die Füße des Torschützen Charles Aranguiz für den entscheidenden Fehler.

Es ist nicht allein die Taktik des Tiki-Taka, die Spanien auf die Verliererseite brachte. Es spielten auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Und: Neben Taktik und technischem Können spielt auch immer die Psyche eine wichtige Rolle.

Aber eines nach dem anderen:

1. Zunächst hatten die Spanier die wohl kürzeste Vorbereitungszeit aller Mannschaften, da drei spanische Mannschaften in den beiden Endspielen der europäischen Mannschaftswettbewerbe, die bekanntlich erst am Ende der Saison ausgespielt werden, vertreten waren (bestes Beispiel: der Portugiese Cristiano Ronaldo, Real Madrid, dem auch nicht viel gelang). Also null Regeneration und nur wenig Möglichkeit, sich im Training einzuspielen.

2. Tiki-Taka wird im Wesentlichen von den immer gleichen Spielern getragen (Xavi, Xabi Alonso, Andrés Iniesta) und die sind inzwischen in die Jahre gekommen.

3. Wer alles ‚abgeräumt’ hat, was es an Pokalen im nationalen wie internationalen Fußball zu holen gibt, ist mehr oder weniger ‚gesättigt’. Es fehlt die nötige Motivation.

4. Dem Torwart Iker Casillas fehlt die Spielpraxis, da er praktisch überhaupt nicht in der Primera División, der spanischen Liga, eingesetzt wurde (nur zwei Spiele, ansonsten Einsätze in der Champions League).

5. Der Angreifer Diego Costa, Atlético Madrid, hat keine Länderspielerfahrung und wirkte oft wie ein Fremdkörper in der Mannschaft. Man hätte besser (ähnlich dem deutschen Team) mit einem ‚falschen’ Mittelstürmer gespielt, der aus dem Mittelfeld agiert und über die Flügel Unterstützung findet. In der Spitze waren die Spanier insgesamt wirkungslos.

6. Die Innenverteidigung mit Gerard Piqué und Sergio Ramos (beide 27 Jahre alt und eigentlich sehr erfahren) erwies sich oft als zu langsam gegen hoch motiviert angreifende Stürmer.

7. Alle gegen einen: Sechs Jahre bestimmte die spanische Elf den Weltfußball. Da versucht es jeder Gegner, gegen sie möglichst gut auszusehen, möglichst ein Mittel gegen Tiki-Taka zu finden. Die Chilenen spielten so, als gäbe es kein Morgen. Scheiß auf Kräfteverschleiß, Hauptsache man schlägt den Weltmeister.

Wenn der Trainer der Spanier, Vicente del Bosque, die wesentliche Schuld auf sich nimmt, so tut er gut daran (neben Xavi hätte er wohl auch besser auf Casillas verzichten sollen). Ein Generationswechsel kündigte sich zwar an, aber doch nur zögerlich. Einige Spieler werden mit Sicherheit zurücktreten (Xavi wird wohl auch den FC Barcelona in Richtung Katar verlassen, um noch ein millionenschweres Zubrot einzuheimsen). Ob mit oder ohne del Bosque, ob mit oder (eher) ohne Tiki-Taka: Die nächste Generation mit großen Talenten steht schon in den Startlöchern. Spanien ist zwar ausgeschieden, aber um die Zukunft des spanischen Fußballs braucht sich keiner Sorgen machen.

War das nun gestern das Ende von Tiki-Taka? Von Tiki-Taka, der spanischen Ausprägung des Kurzpassspiels, wohl ja. Die Ära der spanischen Vormachtstellung im Fußball ist gebrochen. Aber es ist lange nicht das Ende des Kurzpassspiels, der Grundphilosophie des Tiki-Taka. Die Taktik der deutschen Mannschaft baut geradezu auf dem Kurzpassspiel auf.

Spielen wir bisschen Dialektik a la Hegel und bedienen uns des Dreischritts von These, Antithese und Synthese. Tiki-Taka ist gewissermaßen die These. Das entschlossene Pressung des Gegners die Antithese. „In der fortlaufenden Argumentation gewinnt diese Antithese als Negation eine positive Funktion. Sie treibt den Erkenntnisprozess auf eine neue Ebene, diese neue Ebene bzw. die neue Formulierung auf dieser Ebene ergibt die Synthese.“

Und was könnte diese neue Ebene, die Synthese ausmachen? Vielleicht ein Spielsystem (das dem Pressing zuvorkommt), wie wir es beim deutschen Team finden: drei variabel agierende Offensivspieler, die ständig rochieren, also die Positionen von außen nach innen immer wieder tauschen und auf den Außenbahnen Unterstützung von den Außenverteidigern bekommen. Natürlich muss dabei das Defensivverhalten stimmen … Kurzpassspiel mit schnellem Umschalten … usw. usf. (Ach, ich liebe dieses fußballerische Fachsimpeln!).

Mit Spanien dürfen sich auch Australien und Kamerun bereits nach dem 2. Spieltag der Gruppenphase (Vorrunde) verabschieden (die anderen Mannschaften spielen ja erst noch).

Was ist neben dem Ausscheiden der Spanier noch so in den letzten zwei Tagen passiert? „Geheimfavorit Belgien hielt seine Qualitäten im ersten Gruppenspiel (Gruppe H) ziemlich lange sehr geheim. Genauer gesagt: Es war ziemlich enttäuschend, was Marc Wilmots‘ Mannen über die meiste Zeit des Spiels gegen Algerien zustande brachte.“ Allerdings kamen die Belgier am Ende des Spiels dann doch ins Rollen. Bedenkt man, was Russland und Süd-Korea zustande brachten, habe ich weiterhin gute Hoffnung für die junge belgische Mannschaft.

Brasilien, Gastgeber und Topfavorit, glänzte durch fehlende Effizienz gegen Mexiko. Viele Torchancen, aber keine Tore. Überhaupt scheint der Heimvorteil eher ein Fluch zu sein, da die Erwartungshaltung viel zu groß ist. Die Kroaten haben in der gleichen Gruppe (A) immerhin ihre Chance genutzt (4:0 gegen Kamerun) und spielen am Montag wohl um den 2. Achtelfinalplatz in der Gruppe gegen Mexiko.

Und die Niederlande sind noch nicht Weltmeister. Wie schon oben erwähnt: Die Psyche spielt eine große Rolle beim Fußball. Wähnt man sich schon im fußballerischen Himmel, dann kann selbst ein Außenseiter wie Australien einen schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Mit viel Glück gewannen Robben & Co. zwar gegen Australier, die nichts mehr zu verlieren hatten und daher mit Herz und Seele aufspielten. Aber so toll wie gegen Spanien war das nicht. Vor dem 3:2-Siegtreffer der Holländer hatten nämlich die Socceroos die große Torchance.

Nach dem gelungener Auftakt geht es also am Samstag um 21 Uhr MESZ für das deutsche Team gegen Ghana, die gegen die USA nicht gerade gezaubert hatten (und bekanntlich 1:2 verloren), weiter. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel (oh, diese Sprüche …). Und die Niederlande sei Warnung genug, es weiterhin konzentriert anzugehen. Schauen wir ’mal, wie Franz Beckenbauer (Ex- Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, das für die Vergabe der Fußball-WM 2018 nach Russland und 2022 nach Katar verantwortlich zeichnet – angeblich hatte Franzl damals zwar für Russland, aber nicht für Katar, sondern in der letzten Runde für die USA gestimmt) zu sagen pflegt.

Tostedt: Peter Dörsam wird Bürgermeister

Mit 61,68 % der Stimmen wurde Peter Dörsam gestern zum neuen Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt gewählt. Das ist ein großartiger Sieg, den ich Herrn Dörsam gewünscht habe, mit dem aber in dieser Deutlichkeit wohl keiner gerechnet hat. Da die Wahlbeteiligung mit 48 % für eine Stichwahl überaus hoch war (mehr wäre natürlich besser), so ist dieser Wahlsieg um einiges höher einzuschätzen.

    Dr. Peter Dörsam: ab 1. November 2014 neuer Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt

Es ist nicht nur eine Wahlniederlage für Herrn Bostelmann. Auch Frau Wüst-Buri, Rechtsanwältin und Samtgemeinderatsmitglied der SPD, hat mit ihrer Unterstützung für Herrn Bostelmann mit zwei Anzeigen in der Kreiszeitung Nordheide Wochenblatt vom 11. und 14. Juni (zuletzt sogar halbseitig) hoch gepokert und … – verloren. Ich denke, Sie hat mit dem, was sie dort schrieb, Herrn Bostelmann mit Sicherheit geschadet. Fragt man nach Gründen für diese teilweise sehr persönlichen Angriffe gegen Herrn Dörsam, so ist es gut zu wissen, dass Frau Wüst-Buri selbst die Absicht hegte, für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters zu kandidieren. Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben. Und wenn es nicht in der SPD klappt, dann vielleicht beim nächsten Mal in der CDU?

Es wurde bei diesem persönlich geprägten Wahlkampf in Tostedt einiges an Porzellan zerschlagen. Die Bürger haben diese gegenseitigen Schuldzuweisungen und Vorwürfe, ob sie nun gerechtfertigt sind oder nicht, endgültig satt. Es wird Zeit, zum Alltag zurückzufinden.

Ich beneide Herr Dörsam nicht um seinen Job, der am 1. November beginnt. Aber ich glaube, dass er gute Arbeit leisten wird. Allen sollte klar sein, dass es nur gemeinsam gehen kann. Samtgemeindebürgermeister und Samtgemeinderat sind dem Bürger, vom dem sie ihr Mandat haben, verpflichtet.

Es ist Zeit für Veränderung

„Zeit für den Wechsel. Zeit für Dr. Peter Dörsam! Ich wünsche mir, dass die Meinung der Bürgerinnen und Bürger – egal ob jung oder alt – zukünftig bei Entscheidungen mehr Gewicht bekommt und insbesondere die Ängste und Zweifel ernst genommen werden. Dass die Menschen in der Samtgemeinde Tostedt ihre Meinung und Kritik (insbesondere auch in sozialen Netzwerken und Blogs im Internet) wieder frei äußern können, ohne dabei Gefahr zu laufen, Repressalien oder gar anwaltliche Abmahnungen – verbunden mit hohen Geldforderungen – bekommen.

Dass hiesige Geschäftsleute beispielsweise Unterschriftenlisten auslegen können, ohne dass sie deswegen ins Rathaus zitiert werden oder etwaige Nachteile in Kauf nehmen müssen. Dass alle Bürgerinnen und Bürger – unabhängig von der Gesellschaftsschicht – mit vollem Respekt behandelt werden und nicht von oben herab.“

Zitat: Nadja Weippert (31), Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens „Kindergarten Dieckhofstraße“

siehe auch meinen Beitrag: Seltsame Methoden

Stichwahl in Tostedt: Wir stimmen für Peter Dörsam

Am Sonntag entscheidet sich in einer Stichwahl, wer zukünftig Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt wird: der derzeitige Amtsinhaber, Dirk Bostelmann, CDU, oder Dr. Peter Dörsam, der als unabhängiger Kandidat angetreten ist. Beim ersten Wahlgang siegte Peter Dörsam, bekam aber nicht die erforderliche absolute Mehrheit.

Dörsam steht für einen neuen Politikstil, für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung bei allen wichtigen Entscheidungen. Wer für den Wechsel im Tostedter Rathaus ist (und Peter Dörsam wird von Reinhard Riepshoff, SPD, dem ausgeschiedenen Bürgermeisterkandidaten, unterstützt) geht am Sonntag zur Wahl und wählt Peter Dörsam. Denn jede Stimme ist wichtig!

Auch „die CDU in Handeloh unterstützt den Kandidaten Bostelmann nicht“ und hält an ihrer Forderung nach einem Politikwechsel fest – wie im „De Handöper“, dem Mitteilungsblatt des CDU Ortsverbandes Handeloh und Umgebung, nachzulesen ist.

Brief vom Bürgermeister

Wie bekannt ist, findet am kommenden Sonntag die Stichwahl zur Wahl des Samtgemeindebürgermeisters in Tostedt statt. Dabei tritt der bisherige Amtsinhaber, Dirk Bostelmann, CDU, gegen Dr. Peter Dörsam an. Somit wird von beiden Kandidaten noch einiger Aufwand an Wahlkampf betrieben. So erhielt ich am Freitag einen Brief von Herrn Bostelmann – an mich persönlich gerichtet (mit Namen, Anschrift und Anrede: Sehr geehrter Herr A…). Der Brief ist offensichtlich in erster Linie an ältere Menschen gerichtet. Ich vermute: an Personen, die mindestens 60 Jahre alt sind.

Inzwischen habe ich mich schau gemacht, um zu klären, ob Herr Bostelmann rechtmäßig an meine Daten gekommen ist.

Gemäß § 34 Abs. 1 Satz 1 des Niedersächsischen Meldegesetzes (NMG) darf die Meldebehörde Trägerinnen und Trägern von Wahlvorschlägen im Zusammenhang mit Parlaments- und Kommunalwahlen in den sechs der Wahl vorangehenden Monaten Auskunft aus dem Melderegister über die in § 33 Abs. 1 bezeichneten Daten, also Namen und Anschrift, von nach dem Lebensalter bestimmten Gruppen von Wahlberechtigten erteilen. Es ist daher zulässig, wenn z. B. eine Partei oder eine Kandidatin oder ein Kandidat diese Angaben von der Meldebehörde erfragt und für ein persönliches Anschreiben an die Wahlberechtigten nutzt. Die Auskünfte nach § 34 Abs. 1 Satz 1 NMG dürfen sich aber nur auf bestimmte Altersgruppen beziehen, sodass es den Parteien und anderen Wahlvorschlagträgerinnen und -trägern nicht möglich ist, sämtliche Adressen aus dem Melderegister zu erhalten. In meinem Fall scheint der Wahlvorschlagsträger die Altergruppe der Über-60-jährigen von der Meldebehörde abgefragt und erhalten zu haben.

Ob es mir nun passt oder nicht (ich kann gut auf ein Schreiben von Herrn Bostelmann verzichten), die Nutzung meines Namens und meiner Anschrift ist wahlrechtlich nicht zu beanstanden.

Wahl in Tostedt: Riepshoff unterstützt Dörsam

Wie schon gestern vorausgesehen: Auch der im ersten Urnengang zur Wahl des Samtgemeindebürgermeister von Tostedt unterlegene Reinhard Riepshoff (SPD) unterstützt Dr. Peter Dörsam bei der Stichwahl am nächsten Sonntag, den 15. Juni. Die Kreiszeitung/Wochenblatt Nordheide von heute (07.06.2014) auf Seite 16 vermeldet u.a.:

Reinhard Riepshoff (61, SPD), der sich ebenfalls um das Amt beworben hatte, aber mit 15,8 Prozent der Stimmen ausgeschieden war, appelliert an die Wähler, mit ihrer Stimme für den Wechsel im Amt des Samtgemeinde-Bürgermeisters zu sorgen. Damit unterstützt er Peter Dörsam. „Der wichtigste Anlass für meine Kandidatur war meine Überzeugung, dass es in der Samtgemeinde Tostedt einen Wechsel im Politikstil geben muss. Diese Meinung hat sich nicht geändert, nur weil ich persönlich aus dem ‚Rennen‘ bin“, so Riepshoff.

Zwar teil er damit nicht die Ansicht der übrigen Genossen, die keinen Kandidaten unterstützen und sich damit neutral verhalten wollen. Aber es sind ja am 15. Juni die Wähler gefragt. An die richtet sich Riepshoff, Peter Dörsam statt seiner zu wählen.

‚… dass der Zeitpunkt zum Wechsel gekommen ist’

    Machten die Staatsmänner die Fehler, die sie auf der Bühne der Politik machen, als Menschen, in der Familie oder in der Gesellschaft, würde man sie einsperren.

Am Sonntag, den 15. Juni, findet in Tostedt die Stichwahl zwischen Dirk Bostelmann und Dr. Peter Dörsam zur Wahl des neuen Bürgermeisters für die Samtgemeinde Tostedt statt. Im ersten Wahlgang erreichten

Dirk Bostelmann (CDU): 39,4 %
Reinhard Riepshoff (SPD): 15,8 %
und Dr. Peter Dörsam (unabhängiger Einzelkandidat): 44,7 %.

Damit hatte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit. Die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen treten bei der Stichwahl gegeneinander an. Zünglein an der Waage könnten die 1820 Wähler des SPD-Kandidaten, Reinhard Riepshoff, sein. Wie entscheiden die sich? Geht es nach der Aussage von Riepshoff, der „echte Bürgerbeteiligung“ forderte (im Wochenblatt-Interview – Ausgabe 21. Mai 2014, S. 15: „Für mich reicht es nicht, die jetzt mangelhafte Bürgerinformation nur zu verbessern. Das ist aus meiner Sicht eine selbstverständliche Pflicht des Samtgemeindebürgermeisters.“) und damit eindeutig Kritik am Amtsinhaber Bostelmann übt, dann können seine Wähler bei der Stichwahl nur Dörsam wählen.

Bürgernähe und Bürgerbeteiligung

Für mich scheiden sich im Punkt Bürgerbeteiligung und Transparenz die Geister zwischen Dirk Bostelmann und Peter Dörsam. Während Dörsam ausdrücklich für einen neuen Politikstil und damit für Information, Beteiligung und offene Diskussion mit den Bürgern wirbt, vertritt Bostelmann die ‚alte Schule’ kommunaler Politik: „Entscheidungen wurden von einigen wenigen getroffen […] und der Rat sollte diese dann nur noch abnicken“. (O-Ton Dörsam). Herr Bostelmann hatte dazu die notwendige Mehrheit (Gruppe CDU/FDP- WG Tostedt mit 19 Mitgliedern + 1 Stimme Bostelmann gegenüber 16 Mandaten SPD, Grüne und Einzelratsmitglied Allwardt). Es ist tatsächlich nicht so, dass der Samtgemeindebürgermeister „Beschlüsse im Alleingang durchsetzen kann.“ Der Samtgemeinderat muss zustimmen. Wenn man aber über die notwendige Mehrheit verfügt, dann ist es ein Leichtes, ‚Entscheidungen … abnicken’ zu lassen.

Genau das ist ein Problem, das die Bürger in Tostedt erkannt haben und weshalb eine Mehrheit im ersten Wahlgang Dörsam gewählt hat. Dirk Bostelmann ist äußerst präsent. Wenn es etwas einzuweihen gibt (und es gab einiges einzuweihen: vom Polizeihaus über das Parkhaus am Bahnhof und dem Krippen-Neubau der evangelischen Johannes-Kindertagesstätte „Im Stocken“ bis hin zum neu gestaltete Platz Am Sande), dann ist er dabei. Natürlich ist es sein gutes Recht, es wird vom Samtgemeindebürgermeister erwartet, dass er sich zeigt und einige Worte sagt. Aber diese Art von ‚Bürgernähe’ hat leider wenig mit der Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen zu tun.

Nach der Niederlage im ersten Wahlgang hat bei Herrn Bostelmann sicherlich ein Umdenken stattgefunden. So zeigt er sich wenige Tage vor der Stichwahl zur Bürgerfragestunde an vier Treffpunkten in der Samtgemeinde. Allerdings hat sein ‚direkter Draht vor Ort’ für mich auch etwas Bedenkliches. Benutzt Herr Bostelmann einen Telefonanschluss des Rathauses allein als amtierender Samtgemeindebürgermeister oder doch in erster Linie als Kandidat für dieses Amt? Gleiches gilt für die dienstliche Mailadresse. Zwischen Amt und erneuter Kandidatur sollte nämlich unterschieden werden. Genau das ist das Problem, als Herr Bostelmann seine Wahlkampfflyer durch „Bufdis“ (Ableistende des Bundesfreiwilligendienstes) verteilen ließ (siehe abendblatt.de). Sicherlich ist das nicht verboten, aber „Er mag die beiden kennen, sie mögen gerade im Urlaub sein und ihm von Herzen gern einen Gefallen tun: Nur, ein Bürgermeister sollte wissen, dass er seinen Wahlkampf nicht mit dem Tun von Helfern verquicken darf, die in seiner Verwaltung beschäftigt sind.“ (Kommentar von Rolf Zamponi, siehe abendblatt.de) Und: „Schließlich muss ein Bürgermeister wissen, was er tut. Er muss die Folgen seines Tun kalkulieren können.“

Herr Bostelmann ist sich wieder keiner Schuld bewusst. Ich fürchte, auch das gehört zur ‚alten Schule’ kommunaler Politik, wo Privates und Amtliches nicht immer säuberlich getrennt werden kann.

Tostedt - Niedersachsen

„Wechsel um des Wechsels Willen?“

Nein, Herr Bostelmann, es ist ein notwendiger Wechsel. Wenn selbst Ihre Parteifreundin Ursula Alexander (Vorsitzende der CDU Handeloh) sagt: „Mittlerweile haben viele Tostedter Kollegen der CDU erkannt, dass der Zeitpunkt zum Wechsel gekommen ist“, dann wirft das kein gutes Licht auf Sie. Leider hat Ihre Partei versäumt, einen Wechsel ‚aus eigener Kraft’ zu tätigen.

Aus der politischen Mottenkiste

Auf der Website von Dirk Bostelmann warnt dieser vor grünen Experimenten. Keine grünen Experimente!!! Das ist ein Slogan, ich weiß es nicht anders zu benennen, aus der finstersten politischen Mottenkiste. Sie, Herr Bostelmann, wissen und betonen es besonders, das der Gemeinderat das letzte Sagen hat, also Entscheidungen beschließt. Warum versuchen Sie nun den Bürgern ‚Angst’ zu machen? Sollte Herr Dörsam Bürgermeister werden, dann wird dieser niemals vorbei am Samtgemeinderat, in dem Ihre Partei mit FDP und WG Tostedt die Mehrheit hat, Beschlüsse durchsetzen können.

Noch einen Hinweis zur unabhängigen Kandidatur von Peter Dörsam:

Die Stadlander Variante

Peter Dörsam ist nicht der Einzige, der sich als unabhängiger Kandidat hat aufstellen lassen. In Stadland, Landkreis Wesermarsch, kandidiert Christian Säfken, Mitglied der CDU, für die Bürgermeisterwahl der dortigen Gemeinde am 28. September 2014 als Einzelkandidat: „Ich trete als Einzelbewerber an, weil ich denke, dass der Bürgermeister Kandidat der Bürger sein und nicht von Parteien abhängig sein sollte“, sagt Säfken. „Der Bürgermeister steht und fällt mit dem Bürger. Was der Bürger will, ist für ihn oberste Prämisse, sonst ist er der falsche Bürgermeister.“ Im Falle seiner Wahl strebe er eine faire Zusammenarbeit mit allen Ratsmitgliedern an. Es gebe zwar politische Gegnerschaft, aber daraus dürfe keine Feindschaft werden. (Quelle: nwzonline.de).

In Stadlander Rat ist die CDU mit den Grünen verbündet. Übrigens ist Säfken für Dirk Bostelmann kein Unbekannter. Bei der Kommunalwahl am 11.09.2011 wurde sein Parteifreund Säfken über die Liste in den Rat der Gemeinde Tostedt gewählt.

Erstaunt und enttäuscht, aber auch selbstkritisch?

Dirk Bostelmann findet das Ergebnis des erste Wahlgangs unbefriedigend und zeigt sich „ganz schön erstaunt und auch enttäuscht!“ (Tostedter Wochenblatt Nr. 23/7. Jahrgang vom 4. Juni 2014, S. 1). Im genannten Artikel des Tostedter Wochenblatt übt Dirk Bostelmann „auch Selbstkritik“. So spricht er von Baumaßnahmen, die notwendig waren, „lediglich über die Standorte ließ sich streiten.“ Und weiter: „Wir sind bei den Grünen immer angeeckt, die waren sauer über die Beschlusslage und gründeten daraufhin eine Bürgerinitiative.“

Genau, über Standorte wurde gestritten und Alternativen aufgezeigt. Mit dieser Aussage versucht Dirk Bostelmann erneut zu suggerieren, dass die Grünen grundsätzlich z.B. gegen einen Neubau einer Kita wie die jetzt in der Dieckhofstraße waren (darum geht es doch), was nicht stimmt. Kita: ja – Dieckhofstraße: nein! Und die Bürgerinitiative, auch das weiß Herr Bostelmann, wurde nicht von den Grünen gegründet.

Zuletzt:

Ich gehöre nicht zum Wahlkampfteam von Herrn Dörsam. Ich kenne Herrn Dörsam lediglich durch ein Gespräch, das ich im letzten Jahr anlässlich einer Veranstaltung der ersten Töster Kulturtage am 24. August 2013 mit ihm geführt habe. Dieses Gespräch empfand ich als sehr inspirierend. Herrn Bostelmann bin ich auch schon über dem Weg gelaufen. Leider hatte er nicht die Zeit für ein ausführlicheres Gespräch.