Archiv für den Monat: Juni 2011

Hallig Langeneß im Winter

Vor der nordfriesischen Küste gibt es mehrere kleine, nicht eingedeichte Inseln, die Halligen. Die zehn deutschen Halligen gruppieren sich kreisförmig um die Insel Pellworm, die selbst keine Hallig ist. Von der zweitgrößten dieser Halligen, Hooge, hatte ich bereits berichtet.

Jetzt gab es auf dem Sender Arte im Rahmen der Reihe 360° – Geo Reportage einen Bericht über die größte dieser Halligen, Langeneß – mitten im Winter, mitten im Wasser.

„Der Wind pfeift scharf über das zugefrorene Watt, auf dem sich die Eisschollen gegeneinander türmen. Milchig-weißes Licht verzaubert die Landschaft in ein eisiges Stillleben. Außer dem Wind hört man keinen Laut. Die Menschen trotzen den eisigen Temperaturen in den wenigen reetgedeckten Häusern – Winter auf der Hallig Langeneß. Sie ist die größte der zehn Halligen mitten in der Nordsee vor der nordfriesischen Küste. Meerumschlossen, einsam, aber auch sehr romantisch. „360 º – Geo Reportage“ besucht die Bewohner der Hallig während der letzten rauen Wintertage und zeichnet ein Porträt von Menschen und Natur.“ (Quelle: arte.tv)

„Johann Petersen, genannt Hanni, fährt bei gefühlten minus 17 Grad mit seiner Kipplore auf einer kleinen Schmalspurbahn mitten durchs Watt. Der Besitzer des einzigen Kaufmannsladens hat Ware vom Festland geholt, um die wenigen Menschen auf der Hallig Langeneß versorgen zu können. Vorräte und alles Lebensnotwenige müssen die 110 Bewohner immer im Haus haben, denn Überschwemmungen und schwere Sturmfluten können das kleine Fleckchen Erde mitten in der Nordsee jederzeit von der Außenwelt abschneiden. Dann kommt keine Fähre mehr, und auch die kleinen Loren können nicht mehr über die Schmalspurtrasse hinüber zum Festland.

Die warme Stube bekommt in diesen Tagen eine neue Bedeutung: Mit der Familie am Ofen sitzen und Geschichten aus vergangenen Tagen lauschen – etwa von den verheerenden Sturmfluten, die Land und Tiere, nicht selten ganze Häuser verschlungen haben.
Seit Tagen schon sind Hanni und die anderen Bewohner damit beschäftigt, das große Biike-Fest vorzubereiten, bei dem mit einem riesigen Feuer am Meer der Winter ausgetrieben werden soll. Früher wurden mit diesem Feuer und ganz viel Grünkohl mit Speck auch die Walfänger verabschiedet, die nach dem langen Winter wieder aufs Meer hinauszogen. Mit dem Biike-Fest ist die lange, eisige Jahreszeit dann endlich vorbei. Es riecht nach Frühling, Leben kehrt auf die Hallig zurück.

‚360 º – Geo Reportage’ fragt, wie es sich so lebt, isoliert, angewiesen auf die Launen der Natur, ohne die Möglichkeiten eines normalen Alltags mit Einkaufen, Ärzten, Kinobesuchen und anderen Annehmlichkeiten. Wie verbringt Hanni mit seiner Familie den Winter und was treibt der 88 Jahre alte Jens Hansen oder der junge Krankenpfleger Patrick Andresen, der eigentlich vom Festland kommt?“ (Quelle: arte.tv)

Black Out-Reunion?!

Wow, was ist das? Kündigt sich da eine Reunion der Gruppe „Black Out“ an?

Wer ist „Black Out“?, werden sich viele fragen. Also Leute, die ihr hier öfter einmal vorbeischaut. Ihr solltet es eigentlich wissen. „Black Out“ ist die Schweine-Dachboden-und-Keller-Mucke-Band, bei der ich, Euer Willi, die Bassgitarre gezupft habe (und auch ab und wann ins Mikrophon hauchen durfte). Okay, bis in die Annalen der Rockgeschichte haben wir es nicht geschafft. Existiert hat die Gruppe ab Januar 1972, trat öfter einmal bei Bürgerfesten auf, fristete aber meist ihr Dasein auf dunklen Dachböden oder in noch dunkleren Kellern. Ende der achtziger Jahre (1989 oder so) löste sich die Gruppe nach längeren Kunstpausen dann auf.

Nun wurden Mitte Mai d.J. drei etwas ältere, angegraute Herren gesichtet, die es nicht unterlassen konnten, aus voller Brust ein Liedchen anzustimmen. Ja, richtig, die Herren sind jede Gitarrenzupfer aus alten Tagen, Mitglieder dieser legendären Gruppe (wie war der Name noch gleich, ach, ja:) Black Out! (Nur der Schlagzeuger fehlte).

Black Out 1972

Black Out 1972

Black Out 2011

Black Out 2011

Black Out 1972-1989

Okay, die Herren sind inzwischen nur älter, aber nicht schöner geworden. Und um es gleich zusagen: Eine Reunion ist nicht geplant. Zwei der Herren befinden sich bereits im ‚Zustand der Gnade’ (sind Rentner), die Hände zittern allen dreien und die Stimmen lassen sich kaum noch ölen.

Immerhin: Fast 40 Jahre nach Gründung der Band gibt es uns noch. Und meine Wenigkeit plant, nach und nach vielleicht das eine oder andere Liedchen hier dem verehrten Publikum zum Lauschen bereitzustellen. Hier schon einmal eine kleine Kostprobe aus dem Jahre 1982 (man mag die Bild- und Tonqualität entschuldigen, aber die Aufnahmen stammen nun einmal aus der aufnahmetechnischen Steinzeit):


Black Out: Lay Down, Sally (1982)

Black Out mit der Cover-Version von Eric Clapton: „Lay Down, Sally“ – Musikaufnahme: 1982 mit Fotos aus den Jahren 1972 – 1983
Besetzung: Armin Albin (Leadguitar), Heinz Besch (Rhythm Guitar), Jochen „Joe Lander“ Landwehr (Drums) & Wilfried Albin (Bass & Vocals)

Brückentag

Nach einem Feiertag wie gestern, dem Himmelsfahrttag, lohnt es sich kaum, den Folgetag, den heutigen Freitag, zur Arbeit zu gehen. So wurde uns der heutige Brückentag zwar zwangsverordnet (das ganze Haus geschlossen), aber wahrscheinlich hätte ich ihn auch freiwillig in Anspruch genommen. Überstunden habe ich ja genug, die ich heute nun abbummeln konnte.

Gestern war ja nun Himmelfahrt, der gern von den Herren der Schöpfung (ob nun Väter oder nicht) als Vatertag (oft nun auch schon als ‚Herrentag’) in Anspruch genommen wird. Aus gewissem inneren Protest heraus, habe ich gestern keinen Tropfen Alkohol zu mir genommen, obwohl ich mich nachmittags mit einem T-Shirt der Weltöffentlichkeit präsentierte, vom dem die Aufschrift: „Am Anfang war das BIER“ prangt (wer schenkt einem nur so etwas, die eigene Ehefrau!). Als zur Abendessenszeiten Bekannte bei uns vorbeschauten (Männe vielleicht in der Absicht, ein Bier bei mir zu schnorren, oder zwei …), da trank ich genüsslich ein Glas frische Milch von unserem Hof Dallmann aus Dohren (vom Erzeuger gleich um die Ecke). Er winkte mein entsprechendes Angebot nur ab …

Immerhin hatte ich mir diese Milch (und hätte mir sicherlich auch ein kühles Bier) reichlich verdient. Den Nachmittag habe ich nämlich damit verbracht, das Wohnzimmer neu auszulegen. Es wurde Zeit, denn nach fast 16 Jahren gab die alte Auslegeware langsam doch den Geist auf. Sie wurde aber auch leidlich strapaziert. Ohne eigentlich Werbung machen zu wollen: Die Auslegeware besteht aus jeweils 50 cm großen Fliesen und ist von Tretford, die anscheinend auch Flugzeuge u.ä. damit bestückt. Das Obermaterial wird aus dem Haar von Ziegen aus der Mongolei und ausgewählten europäischen Cheviot-Schafen (wohl Großbritannien, u.a. Schottland) hergestellt. Genauso, wie die Wolle die Tiere in der Natur schützt, bildet sie auch im Teppich eine wirkungsvolle und widerstandsfähige Schutzschicht; u.a. wirken die Haare wärme- und schalldämmend. Außerdem weist der natürliche Fettgehalt der Haare Schmutz ab. Das Ganze ist zwar nicht gerade billig (für 30 m2 zahlten wir über 1200 €), dafür hält die Ware aber auch sehr lang und ist pflegeleicht. Außerdem sind die Fliesen durch ihr Eigengewicht selbstliegend, brauchen also nicht verklebt zu werden.

Heute nun, am Brückentag, war Großeinkauf angesagt. Zudem durfte ich die für uns am Freitag üblichen Spaghetti kochen. Dazu gab es eine Sauce Bolognese, also Hacksoße mit Tomaten. Und heute Abend, das lasse ich mir nicht nehmen, gönne ich mir ein gepflegtes kühles Bier. Prost, Kameraden!

Wieder Himmelfahrt

In verschiedenen Religionen, besonders aber auch in Mythen, finden wir die Himmelfahrt als das höchste Ziel, nämlich mit allem, was einem eigen ist, ins Jenseits einzutreten. Am heutigen Feiertag feiert die Christenheit Christi Himmelfahrt, also die Rückkehr des Jesus von Nazareth als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel, nachdem er zu Karfreitag gekreuzigt und zu Ostern wiederauferstanden war von den Toten.

Grundlage der Himmelfahrt Christi ist das Evangelium von Lukas 24 Verse 50ff.:

Jesu Himmelfahrt
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.
51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude
53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

In unseren Breiten wird der Himmelfahrtstag zunehmend als Vatertag für Saufgelage missverstanden – wie bereits berichtet. Apropos Vatertag:

Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
weil es allgemein beliebt.
Selbst der Lasterhafte zeigt,
daß er garnicht abgeneigt.
Nur will er mit seinen Sünden
keinen guten Zweck verbinden,
sondern, wenn die Kosten kommen,
fühlet er sich angstbeklommen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Von Anklagen und Freisprüchen

Ja, die spanische Gurke ist ohne Schuld. Aber ein glatter Freispruch wurde es nicht: Sie ist nur mit einem anderen EHEC-Keim belastet, ist also auch nicht ganz ungefährlich. Jetzt muss man sich tatsächlich wieder auf die Suche nach dem wahren Übeltäter machen. Wäre ja auch zu schön, wenn’s die spanische Gurke gewesen wäre. Dank dieser unberechtigten Panikmache dürfen deutsche Gurkenbauern ihre Ernten in den Müll feuern, weil kein Schwein mehr Gurken kauft. Vielleicht sucht man jetzt etwas effektiver nach dem Verursacher von EHEC?

Im Namen des Zweifels gab es für Herrn Kachelmann einen Freispruch: „in dubio pro reo“, im Zweifel für den Angeklagten. Aussage gegen Aussage und nur wenige Indizien. Dafür gab es einen Prozess, der wochenlang Futter für die Medien und den unstillbaren Hunger nach Sensationen für das Fußvolk lieferte. Im Mittelpunkt stand dann wohl auch noch ein karrieregeiler Staatsanwalt, dem eigene Profilierung manchmal wichtiger war als Rechtsprechung. Amerikanische (Rechts-)Verhältnisse nennt man das wohl auch.

Andersherum zeigte der Prozess wieder einmal, dass Gutachter (hier besonders der Verteidigung) quasi das Sagen haben. Ziel der Verteidigung war dabei die Glaubwürdigkeit des Opfers herabzusetzen. Beim Publikum ist das gelungen. Der Beifall der Zuschauer nach Verkündigung des Urteils, lediglich ein Freispruch wegen mangelnder Beweise, zeigt das deutlich. Ob dieser Beifall „des Volkes“ aber dem Rechtsstaat zuträglich ist, möchte ich bezweifeln. Siehe hierzu ein interessantes Interview auf diestandard.at

Neben diesen Freisprüchen gab es dann natürlich diese Woche auch noch einige neue Klagen bzw. Anklagen. Endlich hat man den „mutmaßlichen“ Massenmörder (Massaker von Srebrenica), den ehemaligen militärischen Führer der bosnischen Serben, Ratko Mladic, gefasst und in Den Haag ins Gefängnis eingeliefert. Bestraft ist der eigentlich jetzt schon: Wirre im Kopf (dement nach Schlaganfall und Herzinfarkt) und sichtlich hinfällig. Aber wirre im Kopf war er ja schon früher.

„Kernkraftbetreiber E.ON wird die Bundesregierung verklagen, weil die an der Brennelementesteuer festhält. Der Konzern sieht die Beibehaltung der Steuer trotz der Rücknahme der Laufzeitverlängerung als „unzumutbare Doppelbelastung“. Auch die Milliardenbelastung durch die endgültige Stilllegung der ältesten deutschen Atomreaktoren will der Konzern nicht widerspruchslos hinnehmen.“ (Quelle: zdf.de) Ja, meine Herren von E.ON und Co.: Die fetten Jahre sind vorbei. Also ist es Zeit, vor dem Atomaus noch einmal richtig Kasse zu machen. Und die jetzige Bundesregierung kommt der Atomindustrie auch noch einmal richtig entgegen. Der Atomausstieg entpuppt sich mehr und mehr als „Laufzeitgarantie für Atomkraftwerke“ (Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin).

Und dann wäre da noch der „Gaddafi des Fußballs“, Joseph Blatter. Mit ihm, dem Präsidenten der FIFA, herrscht das reine Chaos beim Weltfußballverband. Zwar gab es bisher nicht den angekündigten Enthüllungs-Tsunami rund um den Herrn Jack Warner, inzwischen suspendierter Vizepräsident der FIFA und Präsident der CONCACAF (Fußball-Verband für Nord- und Mittelamerika/Karibik). Der ruderte aus unerfindlichen Gründen mit seinen Vorwürfen und Klagen, Blatter hätte von Zahlungen an Bestechungsgelder im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar gewusst, zurück und stellt sich plötzlich wieder hinter Blatter. Und welche Rolle Mohamed Bin Hammam, der Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation, der eigentlich heute gegen Amtsinhaber Blatter antreten wollte, spielt, weiß wohl nur er selbst. Bereits vor der Suspendierung durch die Ethik-Kommission der FIFA hatte der Katerer seine Kandidatur zurückgezogen. Blatter ist nun der einzige Kandidat.

Das Ganze hat Züge einer Farce. Jetzt sind es eigentlich nur noch die Engländer, die sich bei der Vergabe der Fußball-WM 2018 (ging an Russland) übergangen fühlten und die eine Wahl von Sepp Blatter verhindern wollen. Man darf gespannt sein, wie das heute ‚verlaufen’ wird.

„Krise? Wir haben keine Krise, nur einige Schwierigkeiten. Und die lösen wir in der Familie!“ so Herr Blatter. Das klingt irgendwie nach Mafia, findet Ihr nicht auch?