Sean O’Casey: Stücke 2

Eigentlich beginnt man ja mit dem ersten Teil. Aber mein großer Sohn, der in der Schule das Seminar „Irland“ belegt, reißt sich zz. alles unter den Nagel, was irgendwie mit Irland zu tun hat. So auch den ersten Band zu O’Caseys Stücken. So blieb mir nur der 2. Band.

Seán O’Casey (* 30. März 1880 in Dublin, Irland; † 24. September 1964 in Torquay, England) war ein irischer Freiheitskämpfer und Dramatiker. Durch die kritischen Darstellungen des irischen Freiheitskampfes in seinen Werken gilt er als einer der größten Dramatiker des 20. Jahrhunderts.

Im Suhrkamp Verlag sind O’Caseys Stücke in der edition suhrkamp (2133 und 2134) als Originalausgabe erschienen. Bei zweitausendeins.de gab es beide Bände (in 1. Auflage 1999) gewissermaßen aus der Grabbelkiste für nur wenige Euros.

Schuld daran, dass ich mir O’Caseys Stücke zugelegt habe, ist Martin Walser. Ich hatte bei zweitausendeins.de nach Werken von Walser gesucht, und bin dann bei O’Casey gelandet, weil drei kleinere Stücke von Johanna und Martin Walser gemeinsam übersetzt wurden. Johanna ist die Tochter von Martin Walser. Beide haben zusammen schon eine Menge Werke ins Deutsche übersetzt.

Sean O'Casey

Wenn irische Augen lachen,
Das ist wie der Sonnenschein,
Und das Lachen irischer Stimmen
Kann Musik von Engeln sein.

Sind irische Herzen glücklich,
Wird die Welt zum fröhlichen Ort,
Und wenn irische Herzen lachen,
Nehmen sie dir dein Herze fort.

(aus: Das Freudenfeuer für den Bischof)

In „Stücke 2“ sind wohl die weniger bekannten Bühnenaufführungen von Sean O’Casey enthalten. Aus dem Fernsehen bekannt ist mir „Der Preispokal“ (The Silver Tassie (1927), übersetzt von Tankred Dorst) in der Regie von Peter Zadek unter dem Titel „Der Pott“, Stuttgart, 1970; TV-Fassung, 1971. Es ist ein Antikriegsstück, in dem der Fußballspieler Harry Heegan, der zuvor mit seiner Mannschaft den Pokal gewonnen hat, in den Krieg nach Frankreich ziehen muss und als Invalide im Rollstuhl heimkehrt. Aus ihm ist ein Zyniker geworden, zumal sich seine Freundin Susie Taite von ihm abgewandt hat.

In „Purpurstaub” (Purple Dust (1940/ 1945)) haben sich die beiden Engländer Cyril Poges und Basil Stoke in Irland ein Haus gekauft und sind mit den irischen Frauen Souhaun, Cyrils Geliebte, und Avril, Basils Geliebte, bereits eingezogen, obwohl das Haus gerade renoviert wird, da es doch arg baufällig ist. Das Stück lebt von den snobistischen Engländern und den gelassen reagierenden Iren, allen voran den Maurervorarbeiter O’Killigain, und hat die Qualität einer shakespeare’schen Komödie.

„Das Freudenfeuer für den Bischof“ (The Bishop’s Bonfire (1955)) bringt einen ganzen Ort in Aufruhr. Im Haus des Stadtrats Reiligan werden mit Hilfe von Hochwürden Kanonikus Timothy Burren die letzten Vorbereitungen für den Empfang des neuen Bischofs getroffen, der ein Sohn der Stadt ist. Im Mittelpunkt stehen Reiligans Töchter Keelin und Foorawn, von denen die letztere am Ende sogar den Tod findet. Ansonsten treten hier viele, wie ich denke, typisch irische Charaktere auf, vom religiösen Eiferer über den Trunkenbold bis hin zum eher abgeklärten Pater Boheroe, der immer das Richtige zu sagen weiß. Gelassen-cool ist der alte Codger Sleehaun, der sich seinen Teil denkt oder in eher unverfängliche Verse zu fassen versteht.

Zuletzt drei kleine Stücke – wie erwähnt in der Übersetzung von Johanna und Martin Walser. In „Ein Pfund abheben“ (A Pound on Demand (~1930)) brauchen zwei Trunkenbolde dringend Geld, das sie von dem Postsparbuch eines der beiden abheben wollen. Die daraus resultierenden Verwicklungen haben etwas von Stan Laurel und Oliver Hardy.

„Das Ende vom Anfang” (The End of the Beginning (1937)): Auch hier musste ich an Laurel und Hardy denken: Lizzie, die Frau des Hause, tauscht ihre Hausarbeit mit der Arbeit ihres Mannes (die Weiden mähen) und behauptet im Vorfeld: „Wenn du halb soviel zu tun hättest wie ich hier, würde man dich, wenn der Tag vorbei ist, tot aus den Trümmern fischen.“

Nun tot muss sie ihren Darry Berrill nicht aus den Trümmern ziehen, aber mit Hilfe seines Kumpels Barry Derrill schafft er es, das Haus in Schutt und Asche zu legen.

Zuletzt „Gutnachtgeschichte” (Bedtime Story (1951)): Für eine Nacht verliert der religiöse Eiferer John Jo Mulligan alle Vorsätze aus den Augen und verbringt eine Nacht mit der hübschen Angela Nightingale. Am frühen Morgen heißt es nun für ihn, die gute Angela unbemerkt von der Hauswirtin und den Nachbarn hinauszubugsieren. Natürlich führt auch das zu ungeahnten Verwicklungen, deren Leidtragender am Ende John Jo Mulligan ist.

Die Entstehungsdaten verraten es: Die Stücke sind etwas antiquiert. Aber der oftmals irische Charme macht das schnell wieder wett. Ich bin gespannt auf den ersten Teil von O’Caseys Stücken, der Dubliner Trilogie. Aber dazu muss ich das Buch den Händen meines großen Sohnes entreißen (ich kann ja mit Band 2 tauschen).

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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