Martin Barre: Away with Words

    “Arranging and representing the Tull songs featured on the album became a very peasant and rewarding task. These lesser known songs have always been amongst my favourite pieces of music and reworking them brought back many good memories. My own compositions have been written to compliment and enhance these pieces.
    Composing and arranging is my passion, and bringing together the many acoustic instruments was a delight for me, but of course, the electric guitar, couldn’t be totally left out of the picture!
    I hope you enjoy the results of this project as much as I have.
    Martin Barre”

So steht es in bescheidenen Worten im Inlay-Text zu Martin Barres neuester CD: Away With Words, die in diesen Tagen erschienen ist (bzw. am 8. November auch direkt auf den deutschen Markt kommt).

Martin Barre hat sich also einige weniger bekannte, dafür aber von ihm favorisierte Lieder von Jethro Tull vorgenommen und diese um eigene Kompositionen erweitert. Komponieren und Arrangieren ist seine Leidenschaft. Auf dieser Scheibe nun versammelt Barre viele akustische Instrumente, konnte aber die elektrische Gitarre nicht ganz verleugnen. Und obwohl die CD „Away with Words“ heißt (Hinweg/Fort mit Wörtern), so konnte er selbst auf Gesang (der Titel deutet eigentlich daran hin, keine Wörter zu benutzen) in „Hymn 43“ nicht ganz verzichten.

    Martin Barre: Away with Words (2013)

Nun das neue Album von Martin Barre habe ich mir während seines Konzertes mit seiner neu formierten Band in Buchholz/Nordheide gekauft und noch am gleichen Tag, sozusagen zum Ausklang eines gelungenen Abends, mit meiner Frau und meinen Söhnen angehört. Meine Frau dazu: Und dass habt Ihr heute im Konzert gehört? Nein, haben wir nicht oder nur zum Teil, denn im Konzert fetzte es gewaltig. Gehört haben wir Paparazzi (instrumental), Hymn 43 und Home (beide mit Gesang) in ähnlicher Form.

Das neue Album ist also eher das Gegenteil vom Konzert. Martin Barre nimmt sich dort wie bereits erwähnt einiger alter, meist dem Folkrock verpflichteter Tull-Stücke an, arrangiert sie zum großen Teil neu und verbindet diese mit eigenen Kompositionen zu geradezu neuen Stücken. Das Ganze klingt in vielen Teilen wie klassische Gitarrenmusik (Julian Bream & Co. lassen grüßen).

Barre sprach dann leider von „Desaster“ und meinte vor allem wohl die Verkaufszahlen und die ersten Kritiken, wenn’s denn welche gibt (und die Verzögerung bei der Veröffentlichung – immerhin gab es das Album bei den Konzerten zu kaufen).. So wie Konzertankündigungen für die Martin Barre Band fast ungehört in der Weite des Raums verhallen, so ignorant ist die Musikwelt auch gegenüber Veröffentlichungen eines der besten Rockgitarristen der Welt. Schade, denn dieses Album, gerade weil es in wunderschönen akustischen Arrangements daher kommt, gefällt mir ausgesprochen gut. Natürlich ist es das Ergebnis eines eher intimen Projektes.


Martin Barre live 2013 Bamberg – Martin’s Jig/Hymn 43
(leider mit wilden Schwenks und etwas viel Geklatsche)

siehe auch: Martin Barre live beim Cropredy-Festival: Air: Lament Of The Spalpeen/Martin’s Jig/Hymn 43

Was Martin Barre hier bietet, ist Gitarrenmusik vom feinsten. Manchmal streift er vielleicht die Grenze zur Süßlichkeit. Dabei lässt er immer einen klaren Ton erklingen, spielt manchmal in Stakkato, dann wieder perlen die Töne förmlich über das Griffbrett. Aber nie ist es Selbstzweck, kein Jagen nach Geschwindigkeitsrekorden. Barre spielt eher dezent und offenbart doch eine ungewöhnliche Technik dabei. Es ist die reinste Freude. Für Spieler wie Zuhörer.

Bass und Schlagzeug kommen nur sporadisch zum Einsatz, nämlich dann wenn sie einem Stück zusätzliche Fülle verleihen sollen. Dass Barre zudem ein guter Flötist ist, wissen wir von Konzerten mit Jethro Tull, denn wer sonst außer Ian Anderson durfte dieses Instrument spielen.

Ähnlich wie Ian Andersons Divinities – Twelve Dances With God hat diese Musik nur noch wenig mit Rockmusik zu tun. Und doch ist gerade diese Mischung aus Folk und Klassik ein nicht unerheblicher Bestandteil der Musik von Jethro Tull. Ja, wer dieses Album hört, erkennt schnell, welch großen Anteil Martin Barres Gitarrenspiel bei Jethro Tull gehabt haben muss.

Fürs Anhören, dass sei gesagt, braucht es Ruhe. Nur wer ganz aufmerksam den Stücken lauscht, bekommt die vielen Feinheiten des Barre’schen Gitarrenspiels mit. Es muss nicht immer rocken und fetzen. Wer Jethro Tull mag (besonders die eher leisen Stücke), der wird auch an dieser Scheibe Gefallen finden. Aber auch wer klassische Gitarrenmusik liebt, wird vielleicht seinen musikalischen Horizont um diese aus der Populärmusik gereichte Klangwelt erweitern wollen.

Personnel:

Martin Barre: Acoustic/Classical/Electric Guitars, Bouzouki, Mandolin, Bass, Flute & Bass Clarinet
Dan Crisp: Vocals
Frank Mead: Blackwood Flute, Whistles, Bodhran, Blues Harp
Jonathan Noyce: Bass
George Lindsay: Drums & Percussion
James Bragg: Engineer

Recorded at The Garage Studio, Devon
Excerpt drums at Middle Farm Studio, Devon

Setlist:

1. At First Light (Barre)/Moths (Anderson) 3:10
2. Its My Round (Barre)/Requiem (Anderson) 6:04
3. One Brown Mouse (Anderson)/Fatcat (Barre) 3:15
4. Air: Lament Of The Spalpeen (Traditional)/Martin’s Jig (Barre)/Hymn 43 (Anderson) 6:11
5. All Bars Hold (Barre) 1:12
6. Pussy Willow (Anderson) 3:43
7. Snapshot (Barre)/Paparazzi (Barre/VetteseAnderson) 4:14
8. Long Ago (Barre)/Home (Anderson) 4:54
9. Fire At Midnight (Anderson)/From The Ashes (Barre) 4:05
10. Protect And Survive (Anderson) 3:05
11. Spare A Thought (Barre)/From A Dead Beat To An Old Greaser (Anderson) 4:03
12. Sundown (Barre) 4:03

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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