Der gepixelte Jesus

Wer es nicht bis Mailand und dort in die Dominikanerkirche Santa Maria delle Grazie schafft, kann jetzt das Abendmahl von Leonardo da Vinci auch im Internet bewundern. Das neben der Mona Lisa wohl bekannteste Gemälde Leonardos misst stolze 8,8 m x 4,6 m und wurde bis 1999 aufwändig restauriert.

Jetzt wurde das über 500 Jahre alte Wandgemälde hochauflösend digitalisiert. Bei einer Farbtiefe von 16 Bit misst das Bild 172.181 Bildpunkte in der Länge und 93.611 in der Breite, also rund 16 Milliarden Pixel. Natürlich lässt sich das Gemälde nur ausschnittweise, dafür aber bis ins ‚letzte‘ Detail, betrachten: Leonardo da Vinci: Das Abendmahl

Ausschnitt: Jesus

Ausschnitt aus Leonardo da Vincis „Das Abendmahl“ – Jesus

Ausschnitt: Nase Jesus

Ausschnitt: Detail Nase Jesus

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

3 Gedanken zu „Der gepixelte Jesus

  1. Hallo Wilfried,

    Dein Link führt auf eine interessante Website. Das ist sehr gelungen. Als Dan Brown – Leser habe ich mir nach der Lektüre vom „Da Vinci Code“ einige Abbildungen des Abendmahls angesehnen, aber sie waren alle zu klein. Jetzt habe ich den Durchblick.
    Unabhängig davon, wie man zu Dan Browns Werken steht: Es scheint nicht abwegig zu sein, dass die (vom Betrachter aus gesehen)Person links neben Jesus eine Frau darstellt. Ob es sich dabei wie im Roman postuliert um Maria Magdalena handelt, lassen wir dahin gestellt. Allein die Tatsache, dass beim Abendmahl eine Frau zugegen war, ist schon aller Beachtung wert.

    Viele Grüße
    Lockwood

  2. Hallo, Lockwood,

    lt. den Detail-Mitteilungen der Website handelt es sich bei der Person links von Jesus um John, also Johannes, dem Bruder des Jakobus, Sohn des Zebedäus. Nach der Tradition soll er der Jünger gewesen sein, „den Jesus liebhatte“; der auch an der Seite Jesu lag und der ihm die Frage nach dem Verräter stellte. Auch Evangelist und Verfasser der Offenbarung (letzteres ist umstritten).

    Dan Browns Buch kenne ich nicht, habe zwar eine Kopie der Verfilmung zu Hause, aber diese bisher noch nicht angeguckt. Die These, nach der Maria Magdalena die Frau von Jesus war, ist mir natürlich bekannt; u.a. soll ja die Hochzeit von Kanaa eigentlich die Hochzeit der beiden gewesen sein, denn schließlich hat sich der Bräutigam um den Wein zu kümmern und nicht ein Fremder.

    Zum Buch von Dan Brown steht bei Wikipedia:

    Jesus zur rechten Seite sitze nicht, wie von der Kunstgeschichte allgemein angenommen, der bartlose Jünger Johannes, sondern Maria Magdalena, und zwischen den beiden werde ein mit der Spitze nach unten zeigendes Dreieck angedeutet. Dies sei sowohl das Symbol für den Mutterschoß als auch für das göttlich Weibliche. Die komplementären Farben der Kleidung von Jesus und Maria Magdalena ergänzten sich wie das Männliche und Weibliche. Die Körperhaltung der beiden entspreche ebenfalls der V-Form. Außerdem fehle der Kelch auf dem Bild, weil Maria Magdalena selbst ja der Heilige Gral sei. Eine Verschiebung von Maria Magdalena von der linken auf die rechte Seite Jesu Christi vollende das Werk.

    Ich gebe zu, die Person neben Jesus hat eindeutig weibliche Züge. Dan Brown nutzt das natürlich geschickt für seinen Roman. Und die Suche nach dem „heiligen Gral“ hat schon so manchen Schriftsteller und Drehbuchautoren inspiriert (z.B. Indiana Jones).

    Übrigens: Wie es aussieht hat Johannes (oder Maria Magdalena) doch einen eigenen Kelch mit Wein vor sich, wenn auch Jesus danach greift (er ‚vergreift’ sich eigentlich):

    2 Kelche für Jesus?

    P.S. Schön, wieder etwas von Dir zu lesen. Bis bald …
    Wilfried

  3. Hallo Wilfried,

    dass Jesus sich am „Gefäß“ der Maria aus Magdala vergreift, ist möglicherweise von tiefer Symbolik und sicher Öl auf die Flammen der Brown-Jünger. Jedenfalls hast Du das gut beobachtet.
    Unabhängig von Browns Theorien fällt die Figur des Johannes aus dem Rahmen: Alle übrigen Apostel werden als mehr oder weniger raue Kerle dargestellt. Einzig der Lieblingsjünger wird zart, bartlos, mit hellem Teint, dekolltiertem Kleid und mit feingliedrigen Händen dargestellt. Ich weiß natürlich nicht, was Leonardo uns damit sagen wollte; als Beweis einer ehelichen Partnerschaft zwischen Jesus und Maria reicht mir das nicht (davon abgesehen: Jüdische Rabbiner -also auch Jesus- sind in aller Regel verheiratet). Jedenfalls hatte Leonardo ein Faible für androgyne Gestalten. Auch bei seiner Mona Lisa wurde oder wird diskutiert, ob das Porträt eine Frau oder einen Mann darstellt.

    Bis bald
    Lockwood

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