Kategorie-Archiv: WilliZ Jukebox

Gute Musik kann man immer wiederhören …

Gentle Giant live im Golders Green Hippodrome 1978

Knapp ein Jahr nach dem Auftritt von Jethro Tull 1977 live im Golders Green Hippodrome zu London, trat am 5. Januar 1978 die Gruppe Gentle Giant an gleicher Stelle für die BBC-Sendung Sight & Sound auf.

Seit Anfang dieses Jahres ist nun eine DVD mit Aufnahmen dieses Konzertes auch bei uns in Deutschland erhältlich: Gentle Giant – GG At The GG – Sight And Sound In Concert [UK IMPORT]

Neben diesem Konzert sind weitere Live-Aufnahmen auf dieser DVD enthalten. Hier die einzelnen Menüpunkte:

1.   Original menu music by Kerry Minnear. It uses John Weathers’s recorded drumming, lifted from the band’s multitracks by Dan Bornemark.
2.   The BBC Sight & Sound concert, Golders Green Hippodrome, London, January 5th, 1978:
  1. Two Weeks In Spain
  2. Free Hand
  3. On Reflection
  4. I’m Turning Around
  5. Just The Same
  6. Playing the Game
  7. Memories Of Old Days
  8. Betcha Thought We Couldn’t Do It
  9 JP Weathers presents …
  10. Funny Ways
  11. For Nobody
  12. Mountain Time
3.   ITN House, London, April 24, 1976:
  1. Interview
  2. Give It Back
  3. I Lost My Head
4.   In and around Capitol Studios, Hollywood, Los Angeles, 1978:
  1. Words From The Wise
  2. Thank You
  3. Giant For A Day
5.   The Old Grey Whistle Test, Drury Lane Theater, London, November 26, 1974. It includes "Octopus Medley."
6.   Gallery 1 (live shots and memorabilia from Gary Green’s collection)
7.   Münster, Germany: April 5, 1974: handheld Super 8 footage by Martin Buntrock, filmed at Halle Münsterland.
8.   Gallery 2 (more live shots and memorabilia from Gary Green’s collection)
Bei YouTube gibt es bereits seit einem Jahr sechs Videos von dem Konzert im Golders Green Hippodrome 1978 – viel Spaß beim Lauschen!
 

Gentle Giant live 1978 at Golders Green Hippodrome

 

siehe auch meine Beiträge: Gentle Giant: The Advent of PanurgeMusikvideos: Gentle GiantMeine Lieblingslieder – Teil 1

Zu den Wurzeln des Blues

Mit einer Exkursion in den Bereich der Weltmusik möchte ich meine Beitragsreihe zu Ry Cooder für heute (vorerst) beenden. Ry Cooder ist für mich nicht nur einer der größten Gitarristen, Bewunderung verdient er besonders dadurch, weil er sich abseits des musikalischen Mainstreams der traditionellen Musik Nordamerikas angenommen hat.

So ist auch das Zusammenspiel zwischen Ry Cooder und Ali Farka Touré aus Mali als eine Rückkehr zu den Wurzeln einer der Richtungen der klassischen Musik Amerikas, dem Blues, zu betrachten. Als sich beide vor Jahren trafen, kristallisierte sich in Gesprächen bei beiden Gitarristen die Idee heraus, die Wurzeln bis zum Ansatz zurück zu verfolgen. Resultat ist ein 1994 erschienenes Album mit zeitlosen Kompositionen, deren Vocal-Parts in vier verschiedenen Sprachen (Tamasheck, Songbau, Bambara und Paul) verfasst wurden. Diese vier afrikanischen Sprachstämme sind zugleich die Muttersprachen der Völker, die von Sklavenhändlern einst in das Land der ‚Freiheiten und unbegrenzten Möglichkeiten‘ verschleppt wurden.

Ali Farka Touré & Ry Cooder: Talking Timbuktu

Das gemeinsame Projekt „Talking Timbuktu“ ist eine gelungene Mischung aus klassischen Black-Blues und den folkloristischen Elementen Malis. Interessant ist dabei die instrumentale Mischung aus Gitarre, Percussion und Njarka (einer Art Fidel), ganz besonders die so typische Stimme von Ali Farka Touré, die den Liedern ein ganz besonderes Flair einhaucht. Daraus ist auch deutlich der für Mali typische starke arabische Einfluss zu hören. 1995 bekam die Scheibe „Talking Timbuktu“ den Grammy als Best World Music Album.

Track listing:

1. Bonde
2. Soukora
3. Gomni
4. Sega
5. Amandrai
6. Lasidan
7. Keito
8. Banga
9. Ai Du
10. Diaraby

Hier einige kleine Ausschnitte aus mehreren Stücken des Albums: 2. Soukora – 3. Gomni – 5. Amandrai – 6. Lasidan – 9. Ai Du (jeweils rd. 30 Sekunden lang):


Ali Farka Touré & Ry Cooder: Ausschnitte aus „Talking Timbuktu“ (1994)

weitere Musiksampler aus: „Talking Timbuktu“

siehe hierzu auch meinen Beitrag: Desert Blues – Musikprojekt aus Mali

Ry Cooder als Gastmusiker bei Eric Clapton

Nein, die Wege von Ry Cooder und Eric Clapton kreuzen sich nicht erneut. Es ist über 25 Jahre her, dass sich beide zu der Aufnahme eines Albums von Eric Clapton getroffen hatten: Money and Cigarettes aus dem Jahre 1983.

Leider beschränkte sich die Zusammenarbeit der beiden Gitarristen aufs Musikstudio; es gibt meines Wissens also keine Aufnahmen von Live-Auftritten. Trotzdem möchte ich dieses Zusammentreffen nicht unerwähnt lassen, zumal ich neben dem 1981 erschienenen Clapton-Album Another Ticket eben auch diese 1983 veröffentlichte Scheibe besitze.

Ry Cooder ist immer wieder als Gastmusiker in Erscheinung getreten und spielte so u.a. mit den Rolling Stones (Love in Vain, Sister Morphine), Van Morrison (Full Force Gale), Randy Newman, Steve Ripley (The Tractors), John Lee Hooker u.a. Nebenbei schrieb Ry Cooder die Musik zu rund 20 Filmen.

Aber zurück zur Zusammenarbeit von Cooder und Clapton. Hier zunächst über amazon.de Hörbeispiele zu Money and Cigarettes

Track listing
1. „Everybody Oughta Make A Change“ (Sleepy John Estes) – 3.16
2. „The Shape You’re In“ (Clapton) – 4.08
3. „Ain’t Going Down“ (Clapton) – 4.01
4. „I’ve Got A Rock ‚N‘ Roll Heart“ (Steve Diamond, Troy Seals, Tony Seals, Eddie Setzer) – 3.13
5. „Man Overboard“ (Clapton) – 3.45
6. „Pretty Girl“ (Clapton) – 5.29
7. „Man In Love“ (Clapton) – 2.46
8. „Crosscut Saw“ (R.G. Ford) – 3.30
9. „Slow Down Linda“ (Clapton) – 4.14
10. „Crazy Country Hop“ (Johnny Otis) – 2.46

Produced by : Tim Dowel

Musicians :
· Eric Clapton – slide guitar, electric guitar, vocals
· Ry Cooder – slide guitar, electric guitar
· Donald „Duck“ Dunn – bass
· Roger Hawkins – drums
· Albert Lee – keyboards, acoustic guitar, electric guitar, vocals
· John Sambataro – background vocals
· Chuck Kirkpatrick – background vocals

Hier auch noch ein Titel in voller Länge:


Eric Clapton – Pretty Girl

Das erste Stück des Albums „Everybody Ought to Make a Change“ spielte Eric Clapton am 20. September 1983 live in der Royal Albert Hall in London beim ARMS Wohltätigkeitskonzert. Mit ihm traten viele weitere Größen der Rockmusik auf, u.a. die Stones Bill Wyman und Charlie Watts sowie Chris Stainton, Stevie Winwood, Andy Fairweather-Low, und Ray Cooper (der Perkussionist, nicht Ry Cooder).

Clapton spielt hier die Slide-Gitarre. Vergleicht man seinen Stil mit dem von Ry Cooder, dann wird wohl auch dem Laien klar, warum man Cooder (und nicht Clapton) zu den weltbesten Slide-Gitarristen zählt, oder?


Eric Clapton -„Everybody Oughta Change Sometime“ 1983

Nachtrag zur Grammy-Verleihung 2009

Bei der Grammy-Verleihung 2009 sahnten das Duo Robert Plant (genau der Led Zeppelin-Sänger) & Alison Krauss sowie die Gruppe Coldplay wohl am meisten ab.

Ich bin kein großer Freund von Preisverleihungen und richte bestimmt nicht meinen Geschmack danach aus, obwohl ich mich damals 1989 schon gefreut habe, als Jethro Tull auch einmal einen Grammy bekam (was ich aber erst viel später erfuhr). Und so geht eine entsprechende Grammy-Verleihung eigentlich von mir unbeachtet vorbei.

Aber wie bereits 2008 als Joan Armatrading (Bestes zeitgenössisches Blues-Album), Tom Waits und Ry Cooder (beide: Bestes zeitgenössisches Folk-/Americana-Album), Musiker, die ich sehr schätze, für einen Grammy nominiert waren, wenn auch nicht gewannen, so gab es auch bei der diesjährigen Verleihung zwei Preisanwärter, die mich interessieren.

Im ersten Fall gab es sogar einen Grammy in der Kategorie: Beste Darbietung eines Rockinstrumentals (Best Rock Instrumental Performance): für „Peaches En Regalia“ (siehe Videos bei youtube) von Zappa Plays Zappa. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das der Sohn von Frank Zappa, Dweezil Zappa, leitet und an dem u.a. Musiker wie Steve Vai, Terry Bozzio, Napoleon Murphy Brock u.a. beteiligt sind. Richtig müsste es dann „Dweezil Zappa plays Frank Zappa“ heißen.

Grammy 2009 für (Dweezil) Zappa plays (Frank) Zappa
Dweezil Zappa in der Mitte

Die andere Nominierung war wie ein Jahr zuvor wieder in der Kategorie Bestes zeitgenössisches Folk-/Americana-Album (Best Contemporary Folk/Americana Album) und wieder für Ry Cooder, diesmal für das Album ”I, Flathead”. Ry Cooder, in diesem Blog öfter schon erwähnt, hat bereits mehrere Grammys in der Vitrine zu Hause stehen. Diesmal klappte es allerdings wieder nicht. Das Album „Raising Sand“ von Robert Plant & Alison Krauss, das auch in anderen Kategorien erfolgreich war gewann diesen Grammy.

A flathead one more time

Three o’clock, thismorning, I woke up in a dream.
Thought I heard a flathead motor roar, I thought I smelled gasoline.
A feeling came upon me, that I ain’t had in years.
Something like a hot dry wind, whistling past my ears.
Saying „time, time, time is all you got“.
There’s a memory that’s still burning, way down in my mind.
And that’s why, I’m going out and trying, a flathead one more time.

I ain’t seen my racing buddies in thirty years, or more.
One by one I lost them, out on the dry leaf floor.
We learnt to push those flathead cars as hard as they could go.
Just like old Whiskey Bob, down on Thunder Road.
I hear their voices calling, just accross the finish line.
And that’s why, I’m going out and trying, a flathead one more time.

I’ll get back to you baby, don’t you have no fear.
‚Cos I been there, and I wrecked that, and baby I’m still here.
But I can’t take you with me, when I cross the finish line.
And that’s why, I’m going out and trying, a flathead, one, more, time.

Time, time, time is all you got.

Ein Rennfahrer, ein Mann aus dem Weltraum und ein Mädchen aus Trona, Kalifornien. Mit „I, Flathead“ vollendet RY COODER seine Kalifornien-Trilogie, die er mit „Chavez Ravine“ (2005) begann und „My Name Is Buddy“ (2007) fortführte. Und wieder überrascht der findige Songwriter auf 14 Songs mit einer Fülle von Ideen und einem atmosphärenstarken Gemisch aus Folk, Blues, Mariachi, Western & Country, Rock’n’Roll und Pop.

Hatte „Chávez Ravine“ vom Verlust der Geschichte und der Heimat erzählt und „My Name Is Buddy“ von Solidarität und Zusammenhalt berichtet, beschreibt „I, Flathead“ den Aufbruch der amerikanischen Nachkriegsgeneration in etwas ganz Neues. Eine Do It Yourself-Kultur von Außenseitern, die sich aus alten Kriegsmaterialien sagenhafte Rennmaschinen für den Geschwindigkeitsrausch auf den Salzseen zusammenbasteln und in eine scheinbar grenzenlose Zukunft blicken. Die Songs des Albums sind die Songs Kash Buks, des hartgesottenen Salzebenen-Rennfahrers und Bandleaders, der zugleich die erzählende Hauptfigur der Story ist. Er wird begleitet von seiner Band The Klowns, der 17-jährigen Roxanne und Kashs außerirdischen Kumpel Shakey. Dazu gehört dann noch eine ganze Reihe von Freunden, Feinden, Verliebten und Dragster-Fans, die die Story bevölkern. Sie alle stammen aus RY COODERS Novelle „I, Flathead“, die der streng limitierten Luxus-Edition von „I, Flathead“ praktischerweise beigefügt ist. In dieser errichtet COODER ein Universum, in dem „eigenartige Leute die Norm sind“ und sich aus Science-Fiction- und Motorsport-Magazinen rekrutieren.

Aus: Cooders Biografie bei warnermusic.de

Zum Schluss des Albums, in dem Song „5000 Country Music Songs“ wird endgültig deutlich, dass ein Mann auf ein Leben zurückblickt, dessen Hoffnungen und Träumen in der Desillusion enden. Die besteht aus einem Trailer als Wohnung, zwei verrosteten Cadillacs und ein paar Tausend Liedern, die kein Mensch in der Country-Zentrale Nashville haben will.


Ry Cooder – Waitin‘ For Some Girl

Hörbeispiele bei amazon.de

Und noch mehr aus Wolfgangs Schatzkämmerlein

Aus Wolfgangs musikalischer Schatzkammer (Wolfgang ’s Vault) habe ich erst vor kurzem interessante Konzertaufnahmen vorgestellt; inzwischen gibt es weitere Aufnahmen von frühen Konzerten mir besonders lieber Musiker, die ich auf keinen Fall unterschlagen möchte:

Wolfgang ’s Vault

Dire Straits – Hammersmith Odeon (London, England) – 5/8/1983

Jethro Tull – Stadhalle (Freiberg, Germany) – 4/30/1982

Tracy Chapman – Estadio River Plate (Buenos Aires, Argentina) – 10/15/1988

Ry Cooder – Record Plant (Sausalito, CA) – 07.07.1974
(wird auch für $9.98 zum Download angeboten – (256k mp3))

Weiteres aus Wolfgangs Schatzkämmerlein

Von Wolfgangs musikalischer Schatzkammer (Wolfgang ’s Vault) habe ich bereits öfter berichtet. Dort findet man jede Menge an Konzertaufnahmen, denen man online lauschen kann (die man mit bisschen Geschick sogar über die Soundkarte auch aufnehmen kann).

Wolfgang's Vault

Jetzt habe ich dort einmal wieder vorbeigeschaut und folgende durchaus empfehlenswerte Konzerte gefunden – viel Spaß beim Hören (kostenlose Anmeldung ist erforderlich):

Mahavishnu OrchestraMorris A. Mechanic Theater- 5/9/1973

CreamOakland Coliseum Arena – 10/4/1968

Richie Havens (siehe hierzu Meine Lieblingslieder – Teil 2)Bottom Line – 9/12/1976

Herbie MannBottom Line – 1/21/1978

Emerson, Lake & Palmer – Anaheim Convention Center – 2/2/1974

Meine 10 und mehr größten Gitarristen der Rockgeschichte: Zusammenfassung

Ich denke, ich habe sie zusammen: Meine mindestens 10 besten und damit größten Gitarristen der Rockmusik. Und da ich in meiner Aufzählung nicht nur Rockgitarristen führe, sondern auch grenzüberschreitend Gitarristen des Jazz und der Klassik mit einbezogen habe, sind es am Ende eben auch mehr als zehn (ob es dann wirklich ALLE sind, möchte ich bestreiten, aber es muss genügen).

Wer nun den höchsten Thron besteigt, wer also für mich der beste Gitarrist überhaupt ist, vermag ich nicht zu sagen, weil keiner wirklich mit dem anderen vergleichbar ist. Was der eine an Spieltechnik aufzuweisen hat, macht der andere durch Ausdruck wett. Der eine mag eine Virtuosität besitzen, die ein anderer durch Einfallsreichtum ausgleicht.

Werkzeuge der Gitarrengötter

Hier nun in einer Zusammenfassung meine Gitarrenheroen in der Chronologie meiner bisherigen Beiträge. Beginne ich mit meiner Lieblingsgruppe Jethro Tull. Neben dem Kopf, dem Sänger und Flötisten Ian Anderson, ist es Martin Barre, der Gitarrist, der durch sein Spiel den Stil der Band maßgebend mitgeprägt hat. Sicherlich ist er nicht einer der ganz Großen. Er ist aber groß genug, um mit den Gitarristen anderer großer Bands mithalten zu können.

Von Harry Sacksioni dürften die wenigsten bisher etwas gehört haben. Er ist Niederländer und eigentlich nur als Gitarrist von Herman van Veen bekannt geworden. Ich habe ihn hier aufgeführt, weil er durchaus meisterlich die akustische Gitarre zu handhaben versteht. Und ich liebe die akustische Gitarre.

Die beiden nächsten werden wohl nicht nur von mir zu den ganz Großen gezählt: Jimi Hendrix und Eric Clapton. Was muss ich zu den beiden noch schreiben. Vielleicht ist es Clapton, den man nicht umsonst zum Gitarrengott erhoben hat.

Steve Winwood ist eher bekannt als Sänger und Meister der Tasteninstrumente. Aber er beherrscht auch das Gitarrenspiel im außergewöhnlichen Maße. Auch wenn ich ihn nicht ganz oben sehe, so wollte ich ihn doch nicht unterschlagen, schon deshalb, weil seine Musik mich eine längere Zeit begleitet hat.

Da ich chronologisch vorgehe, kommt David Lindley vor Ry Cooder. Beide sind Meister der Slide-Gitarre und sind sich oft genug im Leben über den Weg gelaufen. Beide schöpfen aus dem Schatz traditioneller amerikanischer Musik – sowohl des Nordens als des Südens.

In den 60-er Jahren war er einer der Großen und wurde in einem Atemzug mit Clapton und anderen Heroen der Bluesgitarre genannt: Peter Green. Leider war er sich selbst im Weg und schaffte es nicht, an der Spitze zu bleiben. Aber auch in späteren Jahren blitzte immer wieder sein Können auf, sodass er für mich hier nicht fehlen darf.

Noch ein Meister der akustischen Gitarre, ob nun klassisch oder folkrockig – zudem mit einem ausgeprägt eigenem Stil: Leo Kottke.

Und wenn wir schon bei akustischen Gitarren sind, dann kommen wir am Flamenco und damit an Paco de Lucia nicht vorbei. Mit ihm bewegen wir uns allerdings schon im Grenzgebiet jenseits der Rockmusik. Fusion lautet da wohl das Zauberwort. Und mit ihm tauchen dann schnell Namen auf wie John McLaughlin, Larry Coryell und Al di Meola, alles Gitarristen, die sich zwar dem Jazz verpflichtet sehen, immer wieder auch die Verbindung zum Rock gesucht haben. Und wenn ich Paco de Lucia nenne und damit in Spanien lande, so möchte ich, wenn es auch mit Rockmusik wenig zu tun hat, Gitarrengrößen der Klassik nicht vergessen, die ihre Heimat eben in Spanien haben: die Meister der klassischen Gitarre, Andrés Segovia, Narciso Yepes und Carlos Motoya – und nur der Vollständigkeit halber hier auch den englischen Gitarristen und Lautisten Julian Bream nennen.

Auch mit meinen beiden nächsten Favoriten bin ich noch ziemlich weit von der Rockmusik entfernt. Zuerst Django Reinhardt, der sich mit seinem Gypsy Jazz auch in Deutschland größerer Popularität erfreute. Dann nochmals Rock in der Verbindung mit Jazz – Terry Smith von der Gruppe „If“ – heute fast vergessen.

Aber komme ich zur Rockmusik zurück. Und in meiner Chronik folgt Mark Knopfler und Dire Straits. Auch er zeichnet sich durch einen eigenen, fast könnte man sagen: eigenwilligen Stil aus. So spielt er die E-Gitarre mit den Fingerkuppen in fast klassischer Manier und zupft dabei die dicke E-Saite mit dem Daumen.

Ry Cooder habe ich bereits erwähnt. Obwohl er eigentlich nie durch spektakuläre Gitarrensoli hervortritt, sein Stil auf der Slidegitarre ist eher prägnant, so ist es der Ausdruck, der besticht. Bei Cooder swingt es.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich u.a. Chris Spedding, der immer wieder mit anderen Rockgrößen zusammengekommen ist. Das wird seinen Grund haben.

Als einzigste Frau hat es Joan Armatrading bei mir in die Gefilde der Gitarrentitanen geschafft. Sie hat von Anfang an versucht, sich auch über ihr Gitarrenspiel auszudrücken; zunächst mit der akustischen (wenn auch elektrisch verstärkt: Ovation), dann mit der elektrischen Gitarre, und hat dabei ihren eigenen Stil geschaffen.

Last not least ein Maestro besonderer Art: Frank Zappa, mit dem ich mich erst in diesen Tagen ausführlicher beschäftigt habe. Auch wenn er sich selbst nicht als Virtuosen sah, so gehörte er ungelogen zu den Gewaltigen des Gitarrenspiels. Okay, manche Soli sind auch für mich etwas zu lang geraten. Aber wie er die volle Breite (und Länge) des Griffbretts nutzt, wie er in seinen Improvisationen experimentiert, das ist ohne Gleichen.

Soll ich es am Ende doch wagen und den größten Gitarristen der Rockmusik küren? Ich denke, dann kämen Eric Clapton und Frank Zappa am ehesten für mich in Frage. Clapton, weil er neben einer hervorragenden Spieltechnik auch sehr viel Ausdruck in sein Spiel zu legen versteht; Zappa für seine musikalischen „Eskapaden“, um seine Experimentierfreudigkeit so zu nennen. Jimi Hendrix, der auch immer wieder genannt wird, wenn es darum geht, den größten Gitarristen zu nennen, war für mich zu abgedreht. John McLaughlin, der sicherlich ein Wahnsinnstechniker ist, wirkt auf mich leider zu steril. Wenn, dann käme noch Paco de Lucia für mich in Frage, aber der gehört ja nicht in den Olymp der Rockmusik.

Siehe auch meinen Beitrag. 100 größten Gitarrensolos der Rockmusik – Plätze 1 – 10

Meine 10 größten Gitarristen der Rockgeschichte: Frank Zappa

Zappa hatten wir hier schon öfter. Und in Meine Lieblingslieder – Teil 2 hatte ich darauf hingewiesen, dass er einer der größten Gitarristen der Rockgeschichte war, womit ich wieder beim Thema bin: Meine 10 größten Gitarristen der Rockgeschichte. Inzwischen dürften es bereits mehr als zehn sein, oder?

Nun bei wikipedia findet sich folgender Eintrag zu Zappa als Gitarristen:

Neben seinen Qualitäten als Komponist, Arrangeur und Bandleader konnte Zappa auf der E-Gitarre auch als Instrumentalist überzeugen. Er selbst sah sich an „als Komponisten, dessen Hauptinstrument eben die Gitarre ist“. Andere zählten ihn zu den talentiertesten und begabtesten Gitarristen seiner Zeit, zu den „echten Gitarrenhelden der Sixties“ oder „zu den eigenwilligsten und kompetentesten Gitarristen der Szene“. Bewundert wurde seine eigenwillige Spielweise.

Typisch für seine Spielweise ist die große Experimentierfreude, mit der Zappa zu Werke ging. Ein Merkmal ist die für die Rockmusik ungewöhnliche Länge seiner Soli. Zappa unterschied sich von vielen anderen Gitarristen auch dadurch, dass er bei seinem Spiel sämtliche Lagen des Griffbrettes einbezog. Seine Spieltechnik, die sich durch mitunter atemberaubende Schnelligkeit auszeichnet, hielt er selbst nicht für herausragend: „Ich bin kein virtuoser Gitarrenspieler. Ein Virtuose kann alles spielen, ich kann das nicht.“ Allerdings sehe er sich durchaus in der Lage das zu spielen, was er kenne und habe dazu eine hinreichend schnelle manuelle Fertigkeit entwickelt. „Wenn ich einen Ton mit der rechten Hand anschlage, spiele ich mit der linken Hand fünf. Ich schlage nicht alle Noten an, die ich spiele.“

Zappa sah sich also selbst nicht als virtuosen Gitarrenspieler? So kann nur einer reden, der an sich und andere höchste musikalische Ansprüche stellt. Und die stellte er wohl …

Erst vor Kurzem habe ich eine Kopie der DVD „Frank Zappa – The Dub Room Special!“ erstanden, die u.a. Live-Aufnahmen aus den Jahren 1974 und 1982 enthält. Von dieser Scheibe habe ich mir das Stück „Cosmik Debris“ herausgefischt, das am 27. August 1974 in den KCET Studios in Los Angeles aufgenommen wurde. Neben Frank Zappa (Guitar, vocals and percussion) finden sich die folgende hervorragende Musiker:

George Duke – Keyboards and vocals
Ruth Underwood – Percussion
Chester Thompson – Drums
Tom Fowler – Bass
Napoleon Murphy Brock – Flute, saxophone and vocals

Cosmik Debris (Anfang des Textes)

The mystery man came over
An’ he said “I’m outta site”
He said for a nominal service charge
I could reach ner-vonna tonite
If I was ready, willing, and able
Topay him his regular fee
He would drop all the rest
Of his pressing affairs
And devote his attention to me
But I said

Look here, brother
Who you jivin’ with that
Cosmik debris?
Look here, brother
Don’t you waste your time
On me

[etc.]

Kosmischer Tinnef (dt. Übersetzung)

Der Mystery Man kam zu mir her
Und er sagte „Ich bin einsame Klasse“
Er sagte, gegen ne nominelle Gebühr
Könnte ich heut’ abend das Nirwana erreichen
Falls ich bereit, willens und fähig wäre
Ihm sein übliches Honorar zu zahlen
Würde er all seine anderen
Dringenden Geschäfte sausen lassen
Und mir seine ganze Aufmerksamkeit widmen
Aber ich sagte

Schau her, Bruder
Wen willst du verarschen mit diesem
Kosmischen Tinnef?
Schau her, Bruder
Bei mir brauchst du dir gar keine
Mühe geben

[etc.]

Aus: Frank Zappa: Plastic People Songbuch – Zweitausendeins 1977 – Deutsch von Carl Weissner

Hier nun endlich das Video dazu. Zappas Gitarrensolo setzt ab 4:48 und ist für seine Verhältnisse äußerst kurz. Aber es zeigt (und lässt hören), warum Zappa, neben seinen weiteren musikalischen Fähigkeiten, eines der besten Gitarristen der Rockgeschichte war (okay, das Video gibt es bei youtube schon, aber ich habe mir erlaubt, es in einer besseren Qualität erneut dort einzustellen):


Frank Zappa: Cosmik Debris (08/27/1974)

Frank Zappa: (Und du bist mein) Sofa No. 2

Wieder habe ich einen Blick in meine alte LP-Sammlung geworfen und dabei einige Zappa-Platten hervorgekramt. Eines meiner Lieblingsscheiben ist dabei Zappas „One Size Fits All“ mit den Mothers Of Invention, die im Juni 1975 auf den Markt kam und mit Frank Zappa (guitar, lead vocals), George Duke (keyboards, synthesizer, lead vocals), Napoleon Murphy Brock (flute, tenor saxophone, vocals), Chester Thompson (drums), Tom Fowler (bass), Ruth Underwood (vibes, marimba, percussion) und Bloodshot Rollin‘ Red (harmonica) eingespielt wurde. Die Scheibe ist textlich wie musikalisch äußerst obskur. Eben Zappa. Hier lässt Zappa seine collagehafte Kompositionstechnik hören mit einer rhythmischen Vielfalt, die Stil-Anleihen aus den Bereichen der E- und U-Musik holt. In den Texten findet man Zappas ausgeprägtes Faible für Dadaismus und das Absurdes.

Frank Zappa & Mothers Of Invention: One Size Fits All (1975)

Ein in dieser Hinsicht bemerkenswertes Stück ist das letzte Lied auf diesem Album: Sofa No. 2, in dem Zappa auch Text auf Deutsch singt. In einem Live-Auftritt 1978 im Circus Krone in München entschuldigt sich Zappa für seine beschissene Aussprache und für die schräge Übersetzung.

Sofa No. 2

I am the heaven
I am the water
Ich bin der Dreck unter deinen Walzen
(Oh no, whip it on me, honey!)
Ich bin dein geheimer Schmutz
Und verlorenes Metallgeld
(Metallgeld)
Ich bin deine Ritze
Ich bin deine Ritze und Schlitze

I am the clouds
I am embroidered

Ich bin der Autor aller Felgen
Und Damast-Paspeln
Ich bin der Chrome Dinette
Ich bin der Chrome Dinette
Ich bin Eier aller Arten

Ich bin alle Tage und Nächte
Ich bin alle Tage und Nächte

Ich bin hier (AIEE-AH!)
Und du bist mein Sofa
Ich bin hier (AIEE-AH!)
Und du bist mein Sofa
Ich bin hier
Und du bist mein Sofa
Yeah-ha-ha-ay
Yah-ha
Yeah, my Sofa
Yeah-ha-hey

I am the heaven
I am the water

I am the dirt beneath your rollers

I am your secret smut
And lost metal money

I am your cracks
I am your cracks & crannies

I am the clouds
I am embroidered

I am the author of all tucks
And damask piping
I am The Chrome Dinette
I am The Chrome Dinette
I am eggs of all persuasions

I am all days & nights
I am all days & nights

I am here
And you are my sofa
I am here
And you are my sofa
I am here
And you are my sofa
(etc.)

Genug geschwafelt. Hier das Lied im Original (von der Scheibe “One Size Fits All“, 1975) und vom Auftritt in München 1978. Viel Spaß!


Frank Zappa: Sofa No. 2 (live in München 1978)

Soulmusik im Chico’s Place, Bremerhaven

Wie ich bereits einmal schrieb (Meine Lieblingslieder – Teil 1), so bin ich früh mit schwarzer Musik in Berührung gekommen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen lebte ich Anfang der 70-er Jahre in Bremen. Und mit Bremerhaven war Bremen nach dem Krieg amerikanische Besatzungszone – wegen der Häfen. Im Norden von Bremerhaven waren viele GIs, also amerikanische Soldaten, stationiert, natürlich auch viele Schwarze. Die 70-er Jahre waren zudem eine Blütezeit der afroamerikanischen Unterhaltungskultur. Neben Soul war es der Film, der Afroamerikaner plötzlich in den Mittelpunkt stellte (ein auch uns bekanntes Beispiel ist der Film Shaft). „Black is beautiful“ – die Schwarzen gewannen ein neues Selbstbewusstsein. Zum anderen kam hinzu, dass in meinem weiteren Verwandtenkreis Kontakte zu Schwarzen gepflegt wurden.

Im Norden von Bremerhaven, im Stadtteil Weddewarden, hatten die US-Amerikaner einen Fliegerhorst übernommen. Und bis etwa Mitte der 90-Jahre waren die amerikanischen Soldaten in der Carl-Schurz-Kaserne untergebracht. Auf halben Weg zwischen Bremen und Bremerhaven, in der Nähe von Osterholz-Scharmbeck, waren ebenfalls viele Amerikaner stationiert. Wegen der für amerikanische Zungen bestehenden Unaussprechlichkeit des Namens, wurde die Stadt auch O-City genannt. Von hier wurde auch ein US-amerikanischer Radiosender ausgestrahlt.

Nun war es so, dass bereits am 01. April 1958 sich zum ersten Mal die Türen eines kleinen Clubs in der Rickmersstraße 51 in Bremerhaven-Lehe öffneten, dessen Name 30 Jahre lang der Garant für heißen Jazz und die neueste Soul-Musik war, und das weit über die Grenzen der Seestadt hinaus. Chico´s Place, benannt nach seinem Eigentümer Chico (Asuquo) Eyo, der 1924 in Calabar (Nigeria) zur Welt kam, wurde schon wenige Jahre nach der Eröffnung zu einer Instanz und zu einer nationalen wie auch internationalen Legende.


Bremerhaven, Rickmersstraße 51

ehemaliges Chico's Place in Bremerhaven
Chico’s Place (jetzt wohl eine russische Disco namens „Euro Beat Club“)

Seit Anfang 1972 machte ich mit meinem Bruder und anderen Anverwandten in einer Band selbst Musik. Wir übten meist am Wochenende gemeinsam unter dem Dachboden eines Hauses in Bremen-Oberneuland (später wechselten wir in den Kellerraum eines Hauses in Oyten in der Nähe von Bremen). Da wir meist am Nachmittag mit unseren Proben begannen, machten wir anschließend oft am Abend bis in die Nacht hinein das Steintor-Ostertorviertel von Bremen unsicher (dort wo u.a. auch Herr Lehmann seinen Giros Pita zu sich nahm). An manchen Abenden machten wir dann aber auch einen Abstecher nach Bremerhaven und besuchten dort, man muss nicht raten, das „Chico’s Place“.

So lernte ich die damals aktuellste schwarze Musik aus den Staaten kennen. Meist spielte keine Band bei unseren Besuchen, sondern es wurden Scheiben aufgelegt. Diese aber immer frisch importiert aus den USA. Das erste Mal hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Die wenigen Weißen konnte man an einer Hand abzählen, sonst war das Lokal übervoll mit Schwarzen. Wir wurden aber freundlich aufgenommen und kamen auch mit dem einen oder anderen Farbigen ins Gespräch. Hauptthema natürlich Musik.

Wie bereits angesprochen, erlebten die Afroamerikaner in diesen Jahren ein neues Selbstbewusstsein, was sich besonders in der Soul-Musik ausdrückte. Und so hörte ich hier im „Chico’s Place“ zum ersten Mal auch Curtis Mayfield, der in den USA gerade groß herausgekommen war.

Und über diesen Curtis Mayfield bin ich in diesen Tagen gestolpert, als ich meine alte Sammlung an Musikkassetten durchstöbert habe. Es ist das Album „Roots”, das 1971 erschienen ist. Ich habe mir einige Stücke erneut angehört. Drei dieser Lieder habe ich auch bei youtube als Video gefunden. Damit man sich ein Bild machen kann, wie es in etwa früher am Anfang der 70-er Jahre in einem kleinen Club wie dem „Chico’s Place“ zuging, hier diese Videos:


Curtis Mayfield – We Got To Have Peace


Curtis Mayfield – Keep On Keeping On


Curtis Mayfield – Get Down

Udo Lindenberg trommelt …

Udo Lindenberg und Hamburg – das ist so ein Thema. Und seine Musik: na ja. Ein allzu großer Fan bin ich nicht von Lindenberg, obwohl ich seine koddrig-frechen Texte ganz witzig finde. Bevor Udo Lindenberg von Rudi Ratlos oder Bodo Ballermann sang, betätigte es sich zwar auch schon gesanglich, nur mit englischen Texten – und er saß in den Jahren 1970/71 an der Schießbude bei keinem Geringeren als Klaus Doldinger, dem Jazz-Saxophonisten, der neben Volker Kriegel und Wolfgang Dauner zu einem der wichtigsten Vertreter der Verbindung zwischen Jazz- und Rockmusik wurde.

1970 war es die Scheibe „Doldinger’s Motherhood“, auf der Lindenberg neben Schlagzeugkünsten seinen damals wie heute unverwechselbaren nasalen Gesang vorstellte. Ich habe in meiner Musikkassettensammlung gekramt und tatsächlich die Aufnahmen des Albums gefunden. Hier eines der Lieder der Zusammenarbeit Doldinger/Lindenberg:


Doldinger’s Motherhood: Song of Dying (1970)

Und bei youtube gibt es auch eine Aufnahme von Doldinger’s Passport aus dem Jahre 1971, die „Uns Udo“ tatsächlich auch am Schlagzeug zeigt:


Klaus Doldinger & Passport – Uranus 1971