Archiv für den Monat: September 2011

Rechtes Schattenland

Am Anfang der Woche erhielt ich folgende Mail aus Buchholz/Nordheide:

Hallo,

in der vorletzten Ausgabe des Nordheide Wochenblattes vom 07.09.2011 wird auf Seite 1 ein redaktioneller Beitrag über EUCH und Ulrich Graß gebracht. Die Aktion gegen rechte Bürger u. Unternehmer ist ziemlich krass und verschärft m.E. nur die politische Auseinandersetzung zwischen rechts und links. Die Auseinandersetzung muss demokratisch und politisch geführt werden ohne den politischen Gegner in das wirtschaftliche AUS zu treiben und ihn abhängig von staatlichen Transferleistungen zu machen. Die Rechten haben genauso wie die Linke das demokratische Recht, Ihre Meinungen zu sagen. Demokratie muss das aushalten. Demokratie lebt von Mehrheiten, die sich bilden und sicher wird sich keine rechte Mehrheit in Deutschland bilden. Oder ist Euer Vertrauen in unsere Demokratie so schlecht?

Gruss …

Es geht hierbei um diesen kleinen Artikel. Ausführlicher wurde übrigens im Hamburger Abendblatt am 20.09.2011 berichtet: Mietklausel soll rechte Läden in Tostedt verhindern – Das Forum für Zivilcourage appelliert an Vermieter. Ein Zusatzparagraf im Mietvertrag soll eine Kündigung in Zukunft erleichtern.

Kreiszeitung Nordheide Wochenblatt Nr. 36 vom 07.09.2011/40. Jg.
Kreiszeitung Nordheide Wochenblatt Nr. 36 vom 07.09.2011/40. Jg.

Ich habe auf die Mail wie folgt geantwortet:

Hallo Herr …,

den Artikel habe ich erst jetzt gelesen und halte die Aktion zwar für legitim, aber auch für ziemlich überzogen. Natürlich muss die Auseinandersetzung mit den Rechten mit rechtstaatliche Mitteln geführt werden. Auch Rechte haben ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Nur sind diffamierende Nazi-Parolen keine Meinungsäußerung mehr. Und der Aufruf zur Gewalt noch weniger. Das gilt übrigens für links wie rechts. Bedenken Sie allerdings auch den Hintergrund: Es geht um Silar und seinen Laden. Hier wird nicht nur verkauft, sondern hier werden Jugendliche rekrutiert und zur Gewalt gegen Andersdenkende angestiftet. Leider hat es die halbherzige Politik nicht geschafft, für eine Schließung des Ladens zu sorgen. Jetzt schafft es die Justiz, wobei ich diesen Kuhhandel mit Herrn Silar alles andere als gut heiße [ein Urteil gegen den Neo-Nazi Silar wg. Landfriedensbruches wurde unter der Auflage, dass er seinen ‚Szeneladen’ schließt, in eine Bewährungsstrafe umgewandelt]. Ich denke, es geht nicht darum, „den politischen Gegner in das wirtschaftliche AUS zu treiben“. Es geht darum, der Gewalt vorzubeugen – notfalls auch mit etwas ‚ungewöhnlichen’ Mitteln.

Gruß
Willi

Warum schreibe ich das? Obwohl ich über die rechte Szene in Tostedt in diesem Block schon öfter berichtete, wunderte es mich schon, dass mir diese Mail zugesandt wurde. So ganz komme ich nicht hinter den Beweggrund des Schreibers. Will hier nur einer ‚auskundschaften’, wie ich zu dieser Aktion des Forums für Zivilcourage in Tostedt stehe (anfangs heißt es dort: „… wird … ein … Beitrag über EUCH … gebracht.“)? Dem widerspricht die Einsicht: „Demokratie lebt von Mehrheiten, die sich bilden und sicher wird sich keine rechte Mehrheit in Deutschland bilden.“

Rechtes Schattenland

Vom Letzteren gehe ich aus. Trotzdem beschäftigt mich die rechte Szene und die Frage, welchen Reiz deren Gedankengut eigentlich auf Menschen hat. In meinem Beitrag über den Massenmord in Norwegen zitierte ich den Terrorismus-Experten des ZDF, Elmar Theveßen, und wiederhole seine Aussage hier noch einmal, in der er von einer Szene spricht, „die in den Krisen und Kriegen dieser Welt den großen Endkampf der Religionen – die Schlacht von Armageddon – wiederzuerkennen glaubt; die den Islam als das Böse und jeden Muslim als Feind ansieht. Und die jeden Europäer, der für Toleranz und Offenheit zwischen den Religionen, den ethnischen Gruppen und gegenüber Zuwanderern eintritt, zum Verräter stempelt, der in der großen Schlacht sterben muss. Die Anhänger dieser Theorien lesen Bücher, in denen der Generalsekretär der Vereinten Nationen der Antichrist ist, spielen christliche Ballerspiele, trainieren ihre Kinder für den Kampf und vernetzen sich quer durch Europa und die USA.“

Ganz so weit ausholen muss man wohl nicht, wenn man die Nazi-Szene in Tostedt betrachtet. Diese geben sich weniger ‚religiös’, dafür nationalistisch-sozialistisch (Ziel ist eine Volksgemeinschaft der Deutschen). Im Wesentlichen begnügt man sich mit Gespött und Denunzierungen des ‚politischen Gegners’, wobei man auch demokratisch Gesinnte bei den Linksextremen einreiht. Und es geht natürlich um Einschüchterungsversuche. Die einschlägigen rechten Blogs (z.B. logr.org/tostedtgegenlinks) werden fernab in den USA gehostet, um dem Zugriff deutscher Behörden zu entgehen. Außer Herrn Silar bleiben die Herrschaften natürlich im Anonymen. Das Ganze wirkt eher spielerisch, wären da nicht die diversen kriminellen Handlungen (Landfriedensbruch, Körperverletzung, Sachbeschädigung). Ich denke, die Herren betrachten sich als eine Art elitärer Geheimbund. Nur will man nicht die ganze Welt, sondern nur ein „Deutschland der Deutschen“ retten. Solch spätpubertäres Verhalten findet sich übrigens viel in rechten Kreisen.

Nun ich habe weiter im Internet recherchiert, das die rechte Szene natürlich zur Genüge für sich ausnutzt. Da gibt es jede Menge selbst ernannte Kreuzzügler und Tempelritter, die uns vor dem Bösen, dem Islam und den ‚Liberalen’ retten wollen. Es ist ein rechtes Schattenland, in dem viele unselige Geister spuken. Man könnte das beängstigend nennen. Ich persönlich finde das nur ‚krank’. Für heute aber genug.

Macht der Gedanken

Die gedankliche Vorstellung eines bestimmten Verhaltens löst messbare Veränderungen der elektrischen Hirnaktivität aus. Beispielsweise führt die Vorstellung, eine Hand oder einen Fuß zu bewegen, zur Aktivierung des motorischen Kortex, eines Bereichs der Großhirnrinde. Stellt man nun eine Verbindung zwischen dem Gehirn und einem Computer durch so genannte Brain Computer Interfaces (BCI) her, so lassen sich solche Gehirnströme aufzeichnen und mit Hilfe von Rechnern analysieren. Je nachdem lassen sich bestimmte Muster erkennen und anhand dieser in Steuersignale umgewandelt. Es ist z.B. inzwischen möglich, durch Gedanken ein Auto zu lenken.

So bedurfte es nicht unbedingt der Entdeckung von seriösen Medizinern, dass die Kraft der Einbildung Herzschlag und Hirnströme beeinflussen kann. Allein durch den Willen kann man Schmerzen ‚wegdenken’ oder im günstigsten Fall gar Krankheiten heilen.

Überhaupt ist man durch konstante positive Beeinflussung seines bewussten Denkens in der Lage, in seinen Gedanken eine dauerhaft konstruktive und optimistische Grundhaltung zu erreichen, die zu einer höheren Zufriedenheit und Lebensqualität führt.

Macht der Gedanken

Die Macht der Gedanken ist gegeben. Warum nutzen wir sie also nicht durchgehend? Es besteht die Gefahr, dass durch eine zu sehr individualistisch ausgerichtete Autosuggestion die soziale Komponente auf der Strecke bleibt. In gewisser Weise stellt positives Denken eine Manipulation des Bewusstseins dar und behindert so natürliche geistig-seelische Entwicklungsprozesse. Bei unkritischen Menschen kann es auch zu einem Realitätsverlust führen.

Wenn ich mich selbst einschätzen sollte, würde ich mich einen Zweckpessimisten nennen. Vieles kann immer schlimmer kommen, als man zunächst denkt. Rechnet man aber im Vorfeld bereits mit dem denkbar Schlimmsten und kommt es dann besser, so ist das ein Grund zur Freude. Eigentlich ist diese Art des Denkens positiv, weil es die kritische Haltung gegenüber der Wirklichkeit nicht vernachlässigt, es besteht aber der Hintergedanken, der besagt, dass alles natürlich auch gut ausgehen kann. Wie so vieles im Leben kommt es auf die richtige ‚Mischung’ an. Positive Einstellung und kritisches Hinterfragen schließen sich nicht unbedingt aus. Und es kommt oft eben auch auf die Situation an und das Umfeld.

Was man unbedingt vermeiden sollte ist, zu sehr auf sich selbst bezogen zu sein – oder zu sehr den, wenn auch positiven, Manipulationen von außen zu vertrauen. Jede mögliche Art von Verklärtheiten und Esoterik ist zu unterlassen. Im Grunde kann man die Macht der Gedanken nur nutzen, wenn man stark und selbstbewusst genug für die positive Selbstbeeinflussung ist. Positives Denken in dieser Form lässt sich nicht durch Automatismen (das Daherbeten allgemein positiv ausgerichteter Sätze wie Mantras) oder mit Gewalt erreichen. Die emotionale Grundeinstellung muss auf diese positive Einflussnahme ausgerichtet sein. Es ist ein Wollen, kein Müssen. Dann kann die Macht positiver Gedanken auch greifen.

Das Ende einer großen Band

Ach, wie werde ich sie vermissen, meine monatliche Jethro Tull-Kolumne. Und obwohl sich Herr Anderson, Mastermind der Gruppe, in Vielem rührig zeigt – mit seinen vielen ‚big surprises’ kam auch noch ein neues Design der Gruppen-Website daher (eigentlich wurde nur mit Farbe gespielt, statt olivgrün jetzt ein bordeauxrot oder so: Hare In The Winecup – auch das Banner wurde ausgetauscht und glänzt jetzt in einem ausgewaschenen Orange-Braun – neben dem Schriftzug des Bandnamens erstrahlt jetzt auch des Meisters Name – dieser hat sich ja nicht nur die Domain www.jethrotull.com gesichert, sondern auch www.iananderson.com).

www.iananderson.com

Nein, trotz aller Rührigkeit: Es ist Schluss mit lustig. Alle wissen es längst: Die Gruppe Jethro Tull ist wie ihr Namensgeber TOT, verstorben – diese an den Querelen zwischen den Herren Musikern. Wer nun wem nicht mehr so ganz gewogen ist, selbst die unendlich vielen Interviews geben keine klare Auskunft. Ich lese so etwas schon nicht mehr. Die bereits sorgfältig geplante Thick As A Brick-Tour 2012 firmiert unter dem Namen Ian Anderson – wie bereits die laufende Tour schon vom Gruppennamen Jethro Tull nichts mehr wissen will.

Ian Anderson hält Wort: Sollte Martin Barre nicht mehr Stage Left an seiner Seite zu finden sein, dann ist Jethro Tull gestorben. Es bleiben uns nur noch einige nette Erinnerungsfotos aus London

Sollte uns nun wirklich nur noch dieser Herr A samt dieser zwei Herren O bleiben: Ian Anderson samt John O’Hara und Florian Opahle?

Ian Anderson Combo 2010 ff.
Ian Anderson Combo 2010 ff.

Was uns erwartet, wenn wir es wagen sollten, im nächsten Jahr die TAAB-Tour zu besuchen, lässt ein Konzertmitschnitt aus der Guildhall in Gloucester vom 04.09. erahnen, der im Internet kursiert. Da versucht sich die IA Combo (oder heißen die jetzt Trio, Band oder gar Ensemble) an der „The Poet & The Painter Sequence“ aus Thick As A Brick. Dass ein Trio nicht diese orchestrale Gewalt eines Sechs-Mann-Klangkörpers (wie ehemals Jethro Tull: neben IA die Gitarre von Martin Barre, Schlagzeug und Bass sowie zwei Mann an den Keyboards) erzeugt, ist verständlich, aber allein schon durchs fehlende Schlagzeug klingt das so, als spielte eine Damenkapelle Altherrenkapelle zum Schwof auf. Überhaupt fehlt die Dynamik in den Stücken. Und ausschweifende Improvisationen mit viel Firlefanz machen die Musik auch nicht besser. Manche Passage ist außerdem schlecht arrangiert. Nein, kein Wort zu dem von Herrn Anderson, das man bei anderen als Gesang bezeichnet. Als Trio aufzutreten spart dem Knauser Personalkosten. Eine Rockband ist das dann aber nicht mehr. Hier ein kurzer Zusammenschnitt:


Ian Anderson: Thick as a Brick (The Poet & The Painter Sequence) / Gloucester 04.09.2011

Es bleibt dabei: Wir erinnern uns gern an alte Zeiten. Das gilt jetzt auch für die Musik von einer wirklich tollen Gruppe namens Jethro Tull. Wie heißt es in einem Abschiedsspruch (von unbekannt): Alles hat seine Zeit, die Zeit der Liebe, der Freude und des Glücks, die Zeit des Sorgens und des Leids. Es ist vorbei. Die Liebe bleibt. – Immerhin …

The Green Hornet

The Green Hornet ist eine US-amerikanische Actionkomödie aus dem Jahre 2011 von Regisseur Michel Gondry mit Seth Rogen in der Hauptrolle. Der Film basiert auf dem aus Radio- und Fernsehproduktionen bekannten, gleichnamigen Superhelden.


The Green Hornet – deutscher Trailer

„Britt Reid (Seth Rogen) denkt als Sohn des legendären Verlegers James Reid (Tom Wilkinson) gar nicht daran, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Stattdessen liegt er vornehmlich auf der faulen Haut herum und bedient sich ansonsten großzügig am Familienvermögen, um das Nachtleben von Los Angeles unsicher zu machen. Doch dann stirbt James Reid an einer allergischen Reaktion auf einen Bienenstich und Britt steht plötzlich mit der Herrschaft über ein Verlagsimperium alleine da. Erst durch die Freundschaft zu Chauffeur Kato (Jay Chou), der sich als genialer Tüftler und schlagkräftiger Martial-Arts-Experte entpuppt, findet der überforderte Millionenerbe wieder in die Spur zurück. Gemeinsam entwickeln die beiden den Plan, fortan das Gesetz zu schützen, indem sie es brechen: Britt will mit der Unterstützung von Kato als mysteriöser Green Hornet für Aufruhr sorgen, um so Gangsterboss Chudnofsky (Christoph Waltz) aus der Deckung zu locken…“

aus: filmstarts.de

Und schon wieder und noch einmal ein Superheldenfilm. Aber bereits der Blick auf die Besetzungsliste lässt Hoffnung walten. Ein Film, in dem Christoph Waltz mitspielt, sollte so schlecht nicht sein. Und er ist wirklich der Clou der Besetzung von „The Green Hornet“, dessen Auftritt als osteuropäischer Bösewicht Benjamin Chudnofsky stark an seine oscargekrönte Performance als Col. Hans Landa in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ erinnert. Chudnofsky-Waltz ist richtig ‚gruselig‘. Damit dürfte Waltz den Durchbruch in Hollywood geschafft haben, kommt aber auch gern nach Europa zurück, um hier seine Schauspielkünste anzubieten.

Und wie Christoph Waltz als Gansterboss so zeigen auch die anderen Hauptdarsteller, Seth Rogen als Britt Reid alias Green Hornet und Jay Chou als sein Chauffeur Kato und Sidekick, jede Menge Selbstironie. Manchmal wird reichlich übertrieben. Und mancher Gag gewht in die Hose. Aber insgesamt ist der Film wirklich witzig. Mit meinem jüngeren Sohn habe ich den Film in unserem kleinen Heimkino im Keller gesehen und selten so gelacht.

Der Film ist sowohl als DVD The Green Hornet als auch Blu-ray The Green Hornet erhältlich. Und wer bereits über das entsprechende Equipment verfügt, dem dürften die drei Blu-rays The Green Hornet (3D Version inkl. 2D Version) gerade richtig sein.

Und noch eins: Kato kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich erinnere mich da an den Gehilfen Cato von Inspektor Jacques Clouseau, der vom Inspektor instruiert ist, ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit anzugreifen, um seine Reflexe zu trainieren. So kommt es auch im Film zu einem Kampf zwischen Britt Reid und Kato, bei dem der Haurat ziemlich in Unordnung gerät – ähnlich wie bei Clouseau und Cato. Sollte Green Hornet auch eine Reverenz gegenüber dem Clouseau’schen Cato sein?

Arbora Kletterwald in Bad Saarow 2011

Wenn man mit zwei jungen Männern wie meine beiden Söhne zusammen Urlaub macht, so muss man denen auch etwas Entsprechendes bieten. Während unseres Urlaubs im Brandenburgischen Bad Saarow besuchten wir so einen Kletterwald: Arbora – Erlebniswelten in der Natur. Arbora ist lateinisch und steht für Baum.

„Draußen sein, Staunen, Herzklopfen. Der ultimative Kletterspaß mit revolutionärem Sicherungssystem. Über 80 Elemente, endlose, rasante Seilrutschen warten auf die Wagemutigen. Lern geheimnisvolle Waldwesen und die Abenteuer unseres Helden Johannes und seiner kleinen Schwester Greta kennen! Einfache, lustige Klettereien für unsere kleinen Helden und luftige Wipfelpfade im Reich der Adler für die Mutigen lassen den Puls rasen. Also komm und trau Dich!“

Gleich ein großes Kompliment an meinen Großen. Obwohl er nicht schwindelfrei ist (das hat er vom Vater), überwandt er sich und wagte sich in luftige Höhen. Meinem Jüngsten machte es weniger aus, er kletterte auch den schweren Parcours. Festes Schuhwerk und sportlich bequeme Kleidung sind für solche Kletterpartien unerlässlich. Mit modernster Sicherheitsausrüstung ist man immer bestens aufgehoben.

Kletterwald Arbora – Abenteuer im Reich der Bäume

Nun meine Söhne haben bereits einige Erfahrung andernorts in solchen Klettereien gesammelt. Der Kletterwald in Bad Saarow ist dabei einer der schönsten Kletteranlagen Deutschlands. Das beginnt mit einer fachkundigen Einweisung durch freundliche Mitarbeiter. Es gibt insgesamt acht Parcours, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufweisen, und nicht unendlich lang sind. Dabei ist die Anlage mit Fantasie und viel Liebe zum Detail angelegt. Wer also einmal in die Nähe von Bad Saarow kommen sollte und Lust auf solche Klettereien hat. Diesen Kletterwald können wir nur wärmstens empfehlen. Übrigens: Meine Frau wagte sich auch. Ich war für die Filmerei zuständig:


Arbora Kletterwald in Bad Saarow 2011

Ernst Deutsch Theater: Friedrich Dürrenmatt – Die Physiker

Es ist schon eine finstere Komödie des finstersten Komödienschreibers (Dürrenmatt über sich selbst): Die Physiker. Eine Komödie in zwei Akten, die noch bis zum 24.09. am Ernst Deutsch Theater läuft.

Ensemble des Ernst Deutsch Theaters (aus dem Programmheft)
Ensemble des Ernst Deutsch Theaters (aus dem Programmheft)

Möbius: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“
(s. 85 – Diogenes – Neufassung 1980 – Copyright 1998)

Das ist wohl die Kernaussage aus Friedrich Dürrenmatts Komödie Die Physiker, die ich am letzten Freitag mit dem älteren meiner Söhne und seinem Freund in Hamburg angeschaut habe (siehe auch meinen Beitrag: Wiederaufgeführte Stücke: Friedrich Dürrenmatt – Die Physiker). Das, was wir wissen, lässt sich nicht mehr aus dieser Welt räumen. Das Wissen um die Atomkraft, das Know-how um den Bau einer Atombombe ist dokumentiert und unwiderrufbar. Gerade durch die Nuklearkatastrophe von Fukushima ist Dürrenmatts Stück wieder aktueller als je zuvor. Neuester ‚Zwischenfall’: Die Explosion eines Ofens für radioaktive Abfälle in der französischen Atomanlage in Marcoule.

Eintrittskarte Ernst Deutsch Theater
Eintrittskarte Ernst Deutsch Theater

Personen (mit den Darstellern vom Ernst Deutsch Theater):

Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd – Irrenärztin (Cornelia Kempers)
Marta Boll – Oberschwester (Karen Friesicke)
Monika Stettler – Krankenschwester (Johanna Freyja Iacono-Sembritzki)
Uwe Sievers – Oberpfleger (Ralph Sporleder)
McArthur – Pfleger (—)
Murillo – Pfleger (Oliver Warsitz)
Herbert Georg Beutler, genannt Newton – Patient (Günter Schaupp)
Ernst Heinrich Ernesti, genannt Einstein – Patient (Konstantin Graudus)
Johann Wilhelm Möbius – Patient (Christoph Tomanek)
Missionar Oskar Rose (Oliver Warsitz)
Frau Missionar Lina Rose (Jessica Kosmalla)
Adolf-Friedrich – Kind von Lina Rose bzw. J. W. Möbius (Ben Münchow)
Wilfried- Kaspar – Kind von Lina Rose bzw. J. W. Möbius (Mischa Warken/Niclas Löwendorf)
Jörg-Lukas – Kind von Lina Rose bzw. J. W. Möbius (Jesko Kosmalla/Simon Friesicke)
Richard Voß – Kriminalinspektor (Hartmut Schories)
Guhl – Polizist (—)
Blocher – Polizist (Pascal Pawlowski)
Gerichtsmediziner (—)

Regie: Wolf-Dietrich Sprenger
Ausstattung: Achim Römer
Musik: Christoph Iacono

Ort: Salon einer bequemen, wenn auch etwas verlotterten Villa des privaten Sanatoriums ‚Les Cerisiers’. – Nähere Umgebung: Zuerst natürliches, dann verbautes Seeufer, später eine mittlere, beinahe kleine Stadt.

aus dem Kladdentext zum Buch:
„Dürrenmatt hat versucht, die paradoxe Situation darzustellen, in die das fortgeschrittenste Wissen, das der Kernphysik, geraten ist. Es gilt uns als Gipfel menschlicher Erkenntnis. Seine Formulierung hat auch die Hinrichtung der Welt möglich gemacht. Was machen die Entdecker, wenn sie Verantwortung für die Welt spüren? Gibt es Bewahrung der Welt vor dem Wissen? Bewahrung des Wissens vor dem Zugriff der Macht? Die Lösung der Frage führt – auf das Theater. Zum Versteckspiel, zur Maskerade.

Dürrenmatts Kernphysiker Möbius, der Entdecker der furchtbaren Formel, flüchtet, seine Familie preisgebend, ins Irrenhaus. Er spielt Irrsinn, er fingiert die Heimsuchung durch den Geist Salomos, um das, was er entdeckte, als Produkt des Irrsinns zu diffamieren. Maskerade wird da zu einem moralischen Akt.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Dürrenmatt führt seine Geschichte mit unerbittlicher Konsequenz zu einem Ende, welches die Türen dieses Irrenhauses aufsprengt, tödlich gefährdenden Explosionsstoff aus den eben noch schützenden Mauern entläßt in eine schutzlos preisgegebene Welt, und kein Zuschauer entzieht sich tiefster Betroffenheit. Was Dürrenmatt hier aus den Maskierungen gewinnt, wie er etwa das Geigenspiel Einsteins einsetzt, wie er die Positionen fortlaufend vertauscht: das ist nicht nur virtuos, es ist einzigartig. Dürrenmatts Komödie ‚Die Physiker’ wird im Theaterleben der Gegenwart Epoche machen.“ Irma Voser / Neue Züricher Zeitung

Die Aufführung der Komödie hat uns übrigens allen drei sehr gut gefallen. In der theatralischen Überspitzung überzeugt das Stück – live auf die Bühne gestellt – mehr als der reine Lesestoff zu Hause.

Was schrieb Dürrenmatt in seinen 21 Punkten zu diesem Stück?
(16) Der Inhalt der Physik geht die Physiker an, die Auswirkungen alle Menschen.
(17) Was alle angeht, können nur alle lösen.

Kommunalwahl 2011 in Niedersachsen

Gestern am 11. September 2011 fanden die Kommunalwahlen in Niedersachsen statt. Trotz Verlusten bleibt die CDU stärkste Kraft im Land: 37,0 Prozent der Wähler stimmten in kreisfreien Städten und in den Landkreisen sowie in der Region Hannover für die Christdemokraten. Vor fünf Jahren waren es mehr als 41 Prozent gewesen. Für die SPD stimmten 34,9 Prozent, 1,7 Prozentpunkte weniger als 2006. Die Grünen legten mit 14,3 Prozent (7,8) deutlich zu, wo hingegen die FDP um 3,3 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent abrutschte. Die Linke konnte mit 1,5 Prozentpunkten einen leichten Zuwachs auf 2,4 Prozent erreichen.

„Ganz überwiegend gibt es sehr viel Licht für die CDU in Niedersachsen“, bewertete CDU-Chef und Ministerpräsident McAllister die Wahl. Das dürften einige Bürgermeisterkandidaten seiner Partei sicherlich anders sehen: Die Oberbürgermeisterwahl in Wolfsburg hat SPD-Kandidat Klaus Dieter Mohrs gewonnen – deutlich vor Mitbewerberin und Ex-Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU).

Erfreulich ist ohne Zweifel die wieder gestiegene Wahlbeteiligung. Hier die Ergebnisse für meinen Wahlkreis, den Landkreis Harburg. Dabei ist zu bedenken, dass es z.B. in meinem Wohnort insgesamt drei Wahlen gab, die zum Gemeinderat, die zum Samtgemeinderat und die zum Kreistag.

Kommunalwahl Landkreis Harburg

Kreistag     Gemeinden  
  2011 2006 2011 2006
CDU 38,0 42,8 34,5 38,0
SPD 30,1 28,7 28,6 27,4
Grüne 16,6 9,3 12,3 6,3
FDP 4,2 9,3 3,3 6,6
Linke 1,9 2,2 1,3  
WG 7,5 7,6 18,4 20,7
Wahlbet. 54,2 49,6 54,5 49,7

Fragwürdig ist die gesetzliche Regelung des Wahlrechts. Danach ist wahlberechtigt u.a. der, der seit mindestens drei Monaten im jeweiligen Wahlgebiet, in dem dieser wählen will, seinen Wohnsitz hat. Mein ältester Sohn lebt nun seit über 16 Jahren in Niedersachsen, durfte aber an dieser Kommunalwahl nicht teilnehmen. Warum? Seit fast einem Jahr wohnt er in Göttingen. Als ersten Wohnsitz hatte er weiterhin Tostedt gemeldet. Nun hat er sich vor zwei Monaten umgemeldet und Göttingen als ersten Wohnsitz gewählt. Es greift die 3-Monatsregelung.

Nachtrag: Einzelergebnisse für Landkreis Harburg mit allen Ergebnissen für Tostedt auf tostedt.de

10 Jahre 9/11

Der 11. September 2001 war ein Dienstag, ein normaler Arbeitstag für mich. Um 9 Uhr gab eine Arbeitskollegin Frühstück zu ihrem Geburtstag aus. Da rief nachmittags, die genaue Uhrzeit weiß ich nicht mehr, die Frau eines Arbeitskollegen an „und berichtet von Nachrichten: in New York sind zwei Flugzeuge ins World Trade Center gerauscht, außerdem ein Brandanschlag aufs Pentagon – das Weiße Haus ist evakuiert – wir gucken im Internet, ARD/ZDF aber schon überlastet, dann Bild.de ‚entsprechende‘ Meldung finden …“.

Gegen 17 Uhr 45 war ich dann zu Hause – der ältere meiner Söhne war zu einer Geburtstagsfeier von einem Freund, meine Frau blieb den Abend zu Hause, da der jüngere unserer Söhne stark erkältet war (außerdem regnete es in einer Tour). Wir guckten am späten Nachmittag Fernsehen, „so auch wg. Terroranschlag in den USA gucken (Dauernachrichten auf fast allen Sendern): die zwei Türme des World Trade Centers und das Pentagon wurden durch entführte Passagiermaschinen regelrecht bombardiert – inzw. sind beide 110 Stocke hohen Türme in sich kollabiert – ganz Manhattan ist in eine riesigen Staubwolke gehüllt – außerdem ist in Pittsburgh eine Passagiermaschine in dem Flughafen gerast (war diese für das Weiße Haus bestimmt?!) – Ausmaß ist nicht absehbar – aber die Toten wird man wohl in Tausenden zählen müssen – außerdem Autobombe gegen das Außenministerium usw.: also eine großangelegte Terroraktion!“

Am nächsten Tag, so notierte ich mir: „Nachrichten gucken wg. Terroranschlag wieder den ganzen Tag … erste Hinweise liegen vor und deuten Richtung Bin Laden.“

9/11

Der 11. September vor zehn Jahren hat die Welt verändert. Natürlich nicht unser persönliches Leben, dafür sind Krieg und Terror zu weit von uns entfernt. Oder auch nicht. Von uns in Tostedt zur TU in Hamburg-Harburg sind es mit dem Auto gut eine halbe Stunde Fahrzeit für die 37 bis 38 km. Dort studierte unter dem Namen Mohamed el-Amir von 1992 bis 1999 ein gewisser Mohammed Atta, einer der führenden Flugzeugentführer vom 11. September.

Politisch hat sich die Welt aber stark verändert. Der Kampf gegen die Achse des Bösen, überhaupt gegen den Terror, brachte George W. Bush weitere fünf Jahre Amtszeit ein. Und manche behaupten, dass Barack Obama heute nicht US-Präsident wäre – ohne den 11. September. Alles wäre anders gekommen …

9/11, nine-eleven – wie man in den USA sagt: Der Tag wird geliebt von Verschwörungstheoretikern. Steckt wirklich Al-Kaida hinter den Anschlägen von 9/11? Oder wurde alles vom CIA inszeniert, der sich auch sonst nicht zimperlich zeigt, wenn es darum geht, die Weltgleichgewichte zugunsten der USA zu richten. Das Verschwörungsdenken hat beängstigende Ausnahme angenommen, dass 2008 sogar jeder Vierte in Deutschland glaubte, die USA oder Israel wären die Drahtzieher des 11. September.

Ich erinnere mich noch an den Tag vor zehn Jahren. Vor dem Entsetzen machten sich zunächst Erstaunen und Ungläubigkeit breit. Wie kann ein Flugzeug in einen Wolkenkratzer stützen? Und dann waren es plötzlich sogar zwei. Und natürlich der Gedanke: Wie gut, dass das nicht bei uns passiert ist. Irgendwie insgeheim dachte man damals auch: Endlich haben die Amerikaner ihren Krieg auch einmal in ihrem eigenen Land …

Bilderserie bei zdf.de: Neues Herz für Manhattan (Ground Zero heute)

Hamburger Theaternacht

Habt Ihr schon gewusst, dass es so viele Bühnen in Hamburg gibt? Vom Allee Theater – Hamburger Kammeroper über Deutsches Schauspielhaus und Hamburger Staatsoper bis hin zu Ernst Deutsch Theater, Ohnsorg-Theater, St- Pauli Theater und zum „Weißen Rausch“. Der Kenner weiß, worauf ich zu sprechen kommen werde: Ja, heute ist wieder die Hamburger Theaternacht angesagt. Für 14 € an der Abendkasse (Eintrittspreis gilt dann natürlich für alle Spielstätten) geht es um 19 Uhr los und endet um Mitternacht – nein, es gibt meist noch eine „Verrückte Stunde“ bis um eins am Sonntag. Man muss sich sputen, um möglichst viel ‚’reinzuziehen’; die Nutzung der Buslinien 400 – 405, die zwischen den Theatern verkehren, des gesamten HVV-Netzes sowie der Alsterschiffe ist im Eintrittspreis inbegriffen.

VVK 11,– /AK 14,–

Hamburger Theaternacht 2011

Weil heute eben die Hamburger Theaternacht stattfindet, musste ich meinen Besuch des Ernst Deutsch Theaters auf den gestrigen Freitag verlegen (dazu später mehr).

Ry Cooder: Pull Up Some Dust And Sit Down

Mit seinen 64 Jahren ist Ry Cooder noch lange nicht in die Jahre gekommen. Im Gegenteil: Cooder hält die Zeit reif für eine andere Art des Protestsongs. Das Resultat ist eine Scheibe mit dem Titel Pull Up Some Dust and Sit Down, die heute auf den deutschen Markt kommt.

„Ry Cooder gilt als einer der besten Gitarristen des Erdballs. Seine Kollaborationen, unter anderem mit Neil Young, Van Morrison und Captain Beefheart, sind legendär. Nach seiner ausufernden Kalifornien-Trilogie mit den Alben ‚Chávez Ravine‘ (2005), ‚My Name Is Buddy‘ (2007) und ‚I, Flathead‘ (2008), die interessante Sichtweisen auf verschiedene Epochen des US-Staates offenbarte, schüttet Cooder mit ‚Pull Up Some Dust And Sit Down‘ seine schelmische Häme nun über die gesamten Vereinigten Staaten aus.“

aus: monstersandcritics.de

Ry Cooder war nie unpolitisch. Er beteiligte sich schon früh an der No-Nukes-Bewegung gegen Atomkraft und versteht sich gewissermaßen als Weltbürger, dem neben der amerikanischer Folk-Traditionen auch die Musik anderer Kontinente (Weltmusik) am Herzen liegt. Zehn Jahre nach 9/11 kreiert Ry Cooder nun den Protestsong neu – und unterlegt seinen Liedern die Musik, von der er im Laufe vieler Jahre beeinflusst wurde: Reggae, Folk, Americana, TexMex, Blues und Rock, Jug Band-Musik und Norteño werden „zu einer frischen Brise Roots-Rock, die unter Mandolinen genauso gut gedeiht wie unter elektrifizierten Slide-Gitarren.“ Und dazu singt Cooder über den Krieg und die US-amerikanische Einwanderungspolitik, über Wall Street und white flight (Wegzug weißer Bewohner aus Gebieten, die mehr und mehr von ethnischen Minderheiten bewohnt werden). Die Botschaften sind so eher düster und trübe, die Musik dagegen ähnelt den „blut-orangenen Sonnenstrahlen eines Südstaaten-Sonnenuntergangs.“

„Das im letzten Jahr veröffentlichte ‚Quicksand‘, eine bitterböse, herrlich schräg-schludrige Southern-Rock-Posse über das Schicksal mexikanischer Einwanderer, die sich durch die Wüste quälen müssen um die südlichen Grenzen der USA zu erreichen, dürfte den Fans bereits bekannt sein. Derzeit tummelt sich ‚No Banker Left Behind‘ auf den einschlägigen Plattformen im Netz, eine derbe Texarkana-Polka-Posse, die die bitteren Auswüchse des liberalisierten Bank-Kapitalismus trefflich in dreieinhalb Minuten in Grund und Boden dichtet.

Das fast schon gespenstische ‚John Lee Hooker For President‘ spricht für sich – man kann es beinahe plastisch greifen, wie die vor zehn Jahren verstorbene Blues-Legende mit rollenden Augen den Delta-Blues performt. So abenteuerlich die Stil-Vielfalt der 13 Songs auch ist – die extrem unterhaltsamen Texte und die fantastische Gitarrenarbeit Cooders machen ‚Pull Up Some Dust And Sit Down‘ so oder so zu einem großen Hörerlebnis.“

aus: monstersandcritics.de

„Es war einmal … – so könnten viele Beschreibungen der Alben von Ry Cooder anfangen. Als Eingeborener von Los Angeles hat sich das gitarristische Universaltalent oft um die alten, umgangssprachlichen Musik-Idiome seines und anderer Länder gekümmert. Und sie verbunden mit der Moderne – auf der Suche nach einer authentischen Fortschreibung des zeitlos guten ‚Alten’. Doch Cooder ist kein Märchenonkel, er wirft mit wachem Auge und heißem Herzen einen Blick auf die aktuelle Lage in ‚God’s Own Country’. Und die könnte – zehn Jahre nach 9/11 – besser sein. ‚Man fühlt sich frustriert und im Stich gelassen’, sagt Cooder. ‚Hilflos und zornig. Aber man darf dabei nicht bleiben, es ist schlecht für die Gesundheit.’ – Die Lösung? Neue Songs und neue Musik. Mit ‚No Banker Left Behind’, einem ironischen Song über die Raubritter der Finanzbranche, eröffnet Cooder sein neues Album. Und sieht sich dabei in der Tradition des alten Banjospielers Uncle Dave Macon, der zu Zeiten der ersten Großen Depression vor achtzig Jahren Songs sang, die komplexe Dinge für einfache Menschen verständlich machten. Das ganze mit viel Humor, so auch bei Cooder: die Banker verlassen mit der Eisenbahn und all dem eingeheimsten Geld die Stadt. Alle anderen bleiben zurück und wundern sich: Wie konnte das bloß passieren?

John Lee Hooker for President

Auch den alten Outlaw Jesse James lässt Cooder zurück kommen. Jesse beobachtet aus himmlischer Perspektive das wüste Treiben an der Wall Street und denkt, die Dinge in alter Manier mit einer Waffe richten zu können. Doch Jesse James war ein naiver Typ, sagt Cooder. Das klappt so nicht mehr…. Dazu erklingt ein Corrido, die alte Form musikalischer Nachrichtenübermittlung aus Mexiko. Einer von vielen Stilen zwischen Folk und Funk, Blues und Gospel auf diesem Album. Und auch den Bluesmann John Lee Hooker lässt Cooder zurückkehren in die Gegenwart. Der alte Mann aus Mississippi bewirbt sich um das Präsidentenamt. Ry Cooder hat ein musikalisch vielseitiges und konzeptionell gewichtiges Album gemacht. Ein Album mit ironischen Protestsongs, in denen indirekt die alte Seele eines guten Amerika beschworen wird. Das Ganze mit einer basisdemokratischen Perspektive ‚von unten’ und Songs, in denen Cooder in Rollen singt: als Flüchtling aus Mexiko, als Zimmermädchen eines reichen Mannes, als junge Frau bei der Armee. Ry Cooder als ‚nationalen Schatz’ seines Landes zu bezeichnen ist durchaus legitim. Ein Künstler, der weitermacht, obwohl es schwerer wird, neue Ideen und neue Inspiration zu entwickeln. Doch nichts anderes kommt für Ry Cooder in Frage. Seine neue Musik ist eine amerikanische Inspiration für harte Zeiten. Zehn Jahre nach 9/11.“

aus: radiobremen.de

Playlist des Albums:

1. No Banker Left Behind 3:34

My telephone rang one evening, my buddy called for me
Said the bankers are all leavin‘, you better come round and see
It started revelation, they robbed the nation blind,
They’re all down at the station, no banker left behind.
No banker, no banker, no banker could I find.
They were all down at the station, no banker left behind

Well the bankers called a meetin‘, to the whitehouse they went one day
They was going to call one the president, in a quiet and a sociable way
The afternoon was sunny and the weather it was fine
They counted all our money and no banker was left behind

No banker, no banker, no banker could I find.
They were all down at the white house, no banker was left behind
Well I hear the whistle blowin, it plays a happy tune
The conductor is calling „all abort“, we’ll be leavin soon
With champagne and shrimp cocktails and that’s not all you’ll find
There’s a billion dollar bonus and no banker left behind

No banker, no banker, no banker could I find.
When the train pulled out next mornin‘, no banker was left behind
No banker, no banker, no banker could I find.
When the train pulled out next mornin‘, no banker was left behind

No banker, no banker, no banker could I find.
They were all down at the station, no banker left behind
No banker, no banker, no banker could I find.
When the train pulled out next mornin‘, no banker was left behind


Ry Cooder: No banker was left behind

2. El Corrido de Jesse James 4:14
3. Quick Sand 3:13

I left my home in Tamaulipas
In Sonoyta I came across
Just six of us when we started
Walking behind thc coyote boss
The old man said let me go there with you
Yes I’m old but I’m mighty tough
I know the foad maybe I can help you
I got good shoes I won’t hold you up

But up on Tinajas Altas he stumbled and he feil
He begged and pleaded we had to leave him
Lying on Camino Diablo Trail

Quick sand I think we lost direct ion
Quick sand now we’re losing ground
Quick sand nobody ’round to help us
Quick sand now we’re sinking down

Thought we was getting close to Yuma
I heard it’s an unfriendly town
We just need a cool drink of water
Even Yuma can’t turn a poor boy down
Then a Dodge Ram truck drove down on us
Saying I’m your Arizona vigilante man
I’m here to say you ain’t welcome in Yuma
l’m taking you out just as hard as I can

I saw mi madre crying in her rocking chair alone
I saw La Llorona flying please take a message back home

Quick sand I think we lost direction
Quick sand now we’re losing ground
Quick sand nobody ’round to help us
Quick sand now we’re sinking down


Ry Cooder: Quick Sand

4. Dirty Chateau 5:27
5. Humpty Dumpty World 4:16
6. Christmas Time This Year 2:46
7. Baby Joined the Army 6:34
8. Lord Tell Me Why 3:00

Lord tell me why a white man ain’t worth nothing in this world no more
Lord tell me how you ‚spect me to stand up tall and proud
I did just what you told I done everything you said
But the way I’m doing lately I could have stood in bed
So Lord tell me why a white man ain’t worth nothing in this world no more

Lord tell me when a white man’s gonna be all right again
Please fix it Lord they took back everything we been working for
When the riots tore our city I stood watch outside our home
My kids crying daddy why can’t they leave us alone
Split level in Valencia where the cops reside
We had to walk away and leave old memories inside
Lord tell me why a white man ain’t worth nothing in this world no more

You can walk across the silvery moon and get back home all right
But it ain’t safe to walk the streets of your home town at night
I’m a Lord man from the Lord land
But a Lord man ain ‚t worth nothing in this world no more

9. I Want My Crown 2:36
10. John Lee Hooker for President 6:06
11. Dreamer 5:04
12. Simple Tools 5:04
13. If There’s a God 3:05
14. No Hard Feelings 5:52

Texte zu diesem Album bei rycooder.nl

Digital HD Video Camera Recorder (2)

Medion (Samsung) MD 9035n PAL

Meine erste digitale Filmkamera kaufte ich mir im Mai 2002 für satte 699 € bei Medion (Hersteller ist Samsung), ein digitaler Stereo MiniDV Camcorder mit TFT-2,5“-Farbmonitor, also mit MiniDV, ebenfalls kleinen Magnetbandkassetten zum Speichern der Aufnahmen. Die Kamera hat eine 800 k Pixel CCD Auflösung mit 22x optischen und 500x digitalen Zoom – Typenbezeichnung: Medion Digital Camcorder MD 9035n PAL. Über die FireWire-Schnittstelle (auch bekannt als i.Link oder IEEE 1394) konnte ich so die Videos auch am Rechner bearbeiten. Da mein späterer Rechner über eine TV-Karte verfügte, nutzte ich diese zum Übertragen der Videos. Das Bildformat entspricht im Seitenverhältnis 4:3 und hat DVD-Qualität (Auflösung 720×576 im PAL-System mit MPEG-2-Komprimierung). Hier ein Video unseres Schottland-Urlaubs 2005, das mit dieser Kamera aufgenommen wurde (eingespielt im kleinen VCD-Format – 352 × 288 Bildpunkte mit 25 Bildern pro Sekunde):


AlbinZ in Scotland 2005

Inzwischen hat sich auf dem Markt – auch bei Videokameras, heute überwiegend Camcorder genannt -, einiges getan. Das beginnt mit den Speichermedien. Da gibt es Camcorder mit eingebauten Festplatten und/oder mit Speicherkarten, meist SD-Karten (secure digital). Neben der Komprimierung der Daten mit dem MPEG2-Codec tritt ab 2007 AVCHD (Advanced Video Codec High Definition) hinzu, das mit einer noch stärkeren Kompression nach MPEG-4 (H.264/MPEG-4 AVC-Codec) arbeitet und damit kleinere Dateigrößen bei gleicher Bildqualität wie MPEG-2 bietet. Und natürlich gibt es inzwischen preiswerte Camcorder, die die höchste heute für den Konsumbereich angebotene HD-Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln aufzeichnen können (im Seitenverhältnis 16:9 in Blu-ray-Auflösung). Zum Brennen und Abspielen der aufgezeichneten Videos in Full HD benötigt man dann natürlich die entsprechenden Brenn- und Abspielgeräte (Blu-ray-Player usw.).

Während man die Qualität der Aufnahmen meiner ersten Kamera heute als bescheiden ansehen muss, waren die der ersten MiniDV-Videokamera schon wesentlich besser, aber natürlich nicht wirklich zufriedenstellend. So habe ich lange überlegt, ob ich mir endlich nach über neun Jahren eine neue zulege. Folgende Kriterien waren dabei für mich wichtig: Sie sollte einen größeren internen Speicher haben. Neben der Aufnahme in Full HD sollte sie auch eine Auflösung in DVD-Auflösung von 720 x 576 (STD: 720 x 576/50i) zulassen, möglichst größeren optischen Zoom haben und Weitwinkel. Schön wäre Dolby® Digital 5.1-Kanal-Ton neben Stereo-Ton. Die Ausgänge sollten auch alte Anschlüsse (AV-Kabel) unterstützen. Die Handhabung sollte nicht zu kompliziert sein, trotzdem die Möglichkeit geben, die Kamera auch manuell zu steuern. Wichtig natürlich auch, dass selbst Aufnahmen bei schlechter Beleuchtung noch etwas werden und keine grobkörnigen, unscharfen Bilder aufnehmen.

Nimmt man besonders den Wunsch nach einer größeren integrierten Festplatte als OK-Kriterium, dann bleiben nicht mehr allzu viele Kameras für einen vernünftigen Preis übrig. Nun kam das so, dass sich ein Arbeitskollege, der technisch versiert ist, eine neue Videokamera zulegte, die eigentlich meinen Vorstellungen entspricht.. Preis rund 600 €. Er hatte sie für 550 € bekommen. Nachteil: die Kamera ist von Sony. Nicht das ich denke, Sony stellt schlechte Geräte her, im Gegenteil: es ist u.a. Sony’s Marktstrategie, die mir nicht passt.

Immerhin hatte ich jetzt eine klare Vorstellung von dem, was ich haben wollte – samt Preis. Am Ende aber bin ich dann doch immer wieder über die Sony HDR-XR160E gestolpert, eine Kamera mit einer 160-GB-Festplatte (für bis zu 67 Std. Full HD), Weitwinkelobjektiv, 30fach optischer Zoom, 3,3 MP Foto und 7,5 cm/3″ LCD Touchscreen. Die Formate:

Video: HD (High Definition): MPEG4-AVC/H.264 AVCHD™ kompatibel (1080/50p: Originalformat), STD (Standard Definition): MPEG2-PS
Audio: Dolby® Digital 5.1-Kanal

Sony HDR-XR 160e

So habe ich mir die Videokamera dann Ende Juli zugelegt und mit zusätzlichem Akku (den sollte man schon haben), Tasche und einer 8 GB-SDHC-Speicherkarte etwas mehr als 580 € gezahlt. Der Preis für die Kamera allein war ein echtes Schnäppchen, wohl weil es sich um so genannte EU-Ware handelt. So gab es kein Handbuch auf Deutsch (lässt sich aber im Internet herunterladen), die Bedienung der Kamera selbst lässt sich aber in Deutsch konfigurieren. Einzigster Nachteil: Der Stromstecker für das Ladegerät ist für den angelsächsischen Markt, ist also kein Eurostecker. Aber die richtige Steckverbindung habe ich ja massenweise zu Hause liegen.

Hier die Angebote bei amazon.de mit der Kamera für den deutschen Markt: Sony HDR-XR160E

Zusätzlich habe ich mir auch gleich die passende Videobearbeitungssoftware gekauft: Corel VideoStudio Pro X4

Dabei handelt es sich um die Nachfolgesoftware vom Ulead VideoStudio, das ich in erweiterter Version als Ulead MediaStudio Pro 8 besitze, die allerdings nur das HD-Format mit HDV auf Basis von MPEG2 (u.a. HDV 1080/50i mit 1440×1080 Pixel, 25fs, 16:9 bei einer Bitrate von 25.000 kbps) unterstützt, das weitgehend von AVCHD verdrängt wurde. Da ich mangels Blu-ray-Brenner und Blu-ray-Player noch keine Full HD-Formate bei mir zu Hause in Einsatz bringen kann, filme ich zz. noch in DVD-Auflösung und kann auch diese alte Software voll nutzen. Nur zur Info: Ulead wurde von Corel übernommen.

Apropos Full HD und AVCHD: Das Bearbeiten von Videos mit AVCHD ist sehr rechnerintensiv. Da mein jetziger Rechner im November bereits 8 Jahre (in Worten: acht Jahre) alt wird und der Kauf eines neuen Rechners zwar eingeplant, aber noch nicht realisiert ist (so lange die alte Gurke noch läuft und das macht, was ich von ihm verlange, so lange lasse ich ihn laufen), warte ich mit dem Umstieg auf Full HD noch ein Weilchen. Dann benötige ich natürlich auch die anderen Endgeräte wie Blue-ray-Player und Full HD-Fernseher.

Zurück zur Kamera: Die Handhabung ist äußerst einfach und selbst für Neueinsteiger unproblematisch. Aufnahme- und Zoomfunktionen lassen sich wie bei üblichen Kameras über Tasten steuern – oder über den Touchscreen, was die Handhabung durchaus erleichtert. Über entsprechende Kabel kann man die Aufnahmen am Fernsehgerät anschauen, über das USB-Kabel und der mitgelieferten Software PMB (Picture Motion Browser) Portable auf den Rechner überspielen und dort sogar kleinere Bearbeitungen vornehmen. Die Qualität (bei mir noch in DVD-Auflösung 720×576 Pixel) ist wirklich gut. Und da ich die Video auch noch direkt z.B. an einen Analog-Fernseher anschließen kann, auch dort ‚sehenswert’, also bestens.

die ‚handliche’ Sony HDR-XR 160e mit größerem Akku

Gemessen an der Qualität der Aufnahmen mit meinen alten Kameras ist die Bildqualität mit dieser Kamera das, was man einen Quantensprung zu nennen pflegt. Ich bin richtig zufrieden. Und endlich keine Bandkassetten mehr. Die ‚nackte’ Kamera – mehr braucht es nicht (natürlich immer auch einen Ersatzakku dabei). Und von der Größe her entspricht der Camcorder eher einem Fotoapparat (fast schon ‚unhandlich’ klein). Hier eine erste kleine Aufnahme mit der Kamera (4:3 – im DVD-Format mit hohem Zoom-Faktor aufgenommen, die Wiedergabe bei YouTube entspricht natürlich nicht diesem Format):


Arbora Kletterwald in Bad Saarow 2011

Zuletzt noch einmal alle vier Kameras, die ich besitze, im Überblick. Man bedenke, dass sich nicht nur in der Größe im Laufe von über 20 Jahren vieles getan hat:

WilliZ Videokamera-/Camcorder-Sammlung
WilliZ Videokamera-/Camcorder-Sammlung