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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Doping in Deutschland

Einst schrieb ich hier: Sport und Doping – fast wäre ich geneigt zu sagen: das gehört zusammen wie Brot und Butter (und wer mag schon Trockenbrot). Das Problem Doping, also die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, war, ist und bleibt unmittelbar verbunden mit dem Sport. Da ich mich für Sport interessiere, so bin auch ich nie um dieses Thema herumgekommen.

Noch bevor die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013, die vom 10. bis 18. August 2013 in Moskau stattfinden, begonnen haben, sind diese durch diverse Doping-Skandale überschattet. So hat erst jetzt der türkische Leichtathletik-Verband (TAF) Konsequenzen aus seinem Dopingskandal gezogen und 31 Sportler für zwei Jahre gesperrt. Aber allem voran sind es Jamaikas Sprint-Star Asafa Powell, der US-Amerikaner Tyson Gay und noch einige mehr, die in diesen Tagen des Dopings überführt wurden. Allein Usain Bolt (Jamaika), der Weltrekordinhaber über die 100 Meter in 9,58 Sek. (2009 aufgestellt) scheint ‚clean’ zu sein.

    Höher, schneller, weiter – mit Hilfe von Doping?

Der Radsport, hier besonders die Tour de France, steht bereits unter Generalverdacht. In der Leichtathletik, im Skilanglauf samt Biathlon, ja, selbst im Reitsport (die Pferde) werden immer wieder Dopingfälle aufgedeckt. Und dass auch im Fußball gedopt wird, sollte angenommen werden.

Studien belegen, dass besonders in den ehemaligen Ostblock-Ländern, allen voran in der DDR, was durch Stasi-Akten hinreichend dokumentiert ist, systematisch gedopt wurde. So durften bei der Olympia 1972 in München Schwimmerinnen aus der DDR grundsätzlich keine Interviews mit westlichen Journalisten geben – durch die Einnahme u.a. von Testosteron hatten sie etwas sehr tiefe Stimmen.

Nun ist endlich eine Studie in Auftrag gegeben worden, die aufzeigt, dass auch in Westdeutschland Doping durch Wissenschaft und Politik gefördert wurde. Die Studie mit dem Titel „Doping in Deutschland 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“ ist nach langem Hin und Her nun endlich veröffentlicht worden. Allerdings ist die Studie anonymisiert worden, es fehlen z.B. die Namen von einflussreichen Politikern.

Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), forderte inzwischen, die Namen der Betroffenen bekanntzugeben. Im Wege der Aufarbeitung und Transparenz müssten „auch im Westen die Namen veröffentlicht werden, insbesondere von Personen, die noch einen Posten im Sport bekleiden“.

Die Studie war vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) 2008 initiiert und vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), das dem Bundesinnenministerium (BMI) untersteht, mit rund 525.000 Euro bezuschusst. Genau dieses BISp hatte „vor den Olympischen Spielen 1972 in München Versuche zur leistungsfördernden Wirkung von Anabolika in Freiburg bezuschusst […]. Zudem habe es auch mit Steuergeldern unterstützte Forschungen mit 15 Versuchspersonen zur Wirkung von Insulin und Wachstumshormonen gegeben. Dies sei aus Akten im Koblenzer Bundesarchiv hervorgegangen. Das Besondere dabei: Die Belege wären die ersten offiziellen Dokumente zur staatlichen Dopingförderung in den 70er-Jahren. Dass es in der alten Bundesrepublik systematisches Doping gab – wenn auch nicht so ausgeklügelt wie in der DDR -, hatte auch die Projektgruppe der Studie ‚Doping in Deutschland’ schon vor zwei Jahren festgestellt. Damals hatten die Wissenschaftler unter Leitung von Professor Giselher Spitzer von ‚staatlich subventionierten Anabolika-Forschungen’ gesprochen, die in Freiburg ‚konzentriert’ waren.“

„Gemäß des Namens und des Studien-Auftrages hätte sich in den Bericht der Historiker auch eine dritte Phase, von 1990 bis heute, wiederfinden sollen. ‚In der letzten Phase des Projektes wurde die Finanzierung eingestellt vom Auftraggeber, so dass diese Phase nicht abgeschlossen werden konnte’, sagte Spitzer im ZDF-Interview. Ob die Forscher denn überhaupt Dokumente für die Zeit bis zur Gegenwart gefunden hätten? Im Bundesinstitut für Sportwissenschaft wohl nicht. ‚Im Vorfeld der Erteilung dieses Forschungsauftrages sind offensichtlich alle Doping-bezogenen Unterlagen im Bundesinstitut für Sportwissenschaft vernichtet worden. Das ist für mich ein Skandal’, berichtete Spitzer.“ (Quelle: sportschau.de)

Finanzierung für die dritte Phase (1990 bis heute) eingestellt, Unterlagen verschwunden? Allem Anschein nach sitzen da heute noch Funktionäre und Beamte in Gremium und Behörden, die ihre Finger beim Doping im Spiel haben und versucht sind, ihre Spuren zu beseitigen. Ines Geipel, Vorsitzende des Dopingopfer Hilfevereins DOH, hinterfragte auch die Rolle des IOC-Präsidentschaftskandidaten Bach und jetzigen Chefs des Deutschen Olympischen Sportbunds: „Inwieweit ist zum Beispiel auch Thomas Bach involviert? Wenn keine Namen genannt werden, bleibt alles anonym.“ (Quelle: zdfsport.de)

Sport und Doping gehören zusammen wie Brot und Butter. Auch in Westdeutschland. Es ist wirklich Zeit geworden, dass die deutsche Sportgeschichte neu geschrieben wird. Da wird noch so manch heikles Detail ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Doping selbst, da bin ich mir sicher, lässt sich auch weiterhin nicht verhindern. Da hilft auch kein Anti-Doping-Gesetz. So lange die olympische Devise „Höher, schneller, weiter“ gilt und wir in einer Gesellschaft leben, die ohne Spektakel nicht auskommt, wird es Sportler geben, die versuchen werden, auch mit unerlaubten Mitteln und Methoden ihre Leistung zu steigern.

The same Procedure …

Déjà-vuTäglich grüßt das MurmeltierThe same procedure as every year: Man kann es nennen, wie man will … Wieder spielte der SV Werder Bremen im DFB-Pokal in der ersten Runde gegen einen Drittligisten – und wieder verloren die Bremer und schieden damit aus diesem Wettbewerb aus – und das zum 3. Mal in Folge. Erst 2011 gegen den 1. FC Heidenheim (2:1), letztes Jahr gegen Preußen Münster (4:2 n.V.), gestern nun gegen den 1. FC Saarbrücken 3:1 n.V.

Es ist nur ein schwacher Trost, dass sich Borussia Dortmund, 1. FSV Mainz 05, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und der FC Freiburg sehr schwer taten, um die nächste Runde zu erreichen, neben Werder auch Bundesligisten wie Borussia Mönchengladbach, Eintracht Braunschweig und der 1. FC Nürnberg gegen unterklassige Vereine ausschieden. Der DBF-Pokal hat nun einmal eigene Gesetze. Aber spätestens nach dem verbru(z)zzelter Saisonauftakt des letzten Jahres hätte man damit rechen müssen, dass sich die Bremer voll und ganz auf dieses erste Pflichtspiel der Saison konzentrieren. Fehlanzeige!

    SV Werder Bremen: Umbruch oder Schiffbruch?

Natürlich sitzt dieser Schock erst einmal tief! Geschäftsführer Thomas Eichin sprach deutliche Worte nach der Partie: „Wir müssen nichts schönreden, in der ersten Runde gegen einen Drittligisten auszuscheiden ist eine Blamage. Zum dritten Mal nacheinander ist eine noch größere Blamage.“ Und damit ist wieder einmal eine wichtige Geldquelle versiegt.

3000 mitgereiste Werder-Fans erlebten eine Woche vor dem Bundesliga-Start eklatante Schwächen in allen Mannschaftsteilen. Vieles deutet daraufhin, dass die Mannschaft mit dem neuformierten 4-3-3 Spielsystem (teilweise auch als 4-4-2, wobei Aaron Hunt zwischen Mittelfeld und Angriff rochierte) noch nicht klarkommen. Spieler und Trainer mussten die sicherlich zurecht aufgebrachten Fans beruhigen. Für Werders Bundesligastart am Samstag um 18 Uhr 30 in Braunschweig gegen den Aufsteiger Eintracht schwant vielen nichts Gutes. Verlieren die Bremer das Spiel, dann ist der Kurs erst einmal klar: Es geht wieder einmal nur gegen den Abstieg!

Hier die Aufstellung der Gurkentruppe von gestern in Saarbrücken:

Mielitz – Fritz, Prödl, Caldirola, Gebre Selassie (107. Hartherz), Makiadi, Ekici (82. Yildirim), Junuzovic, Hunt, Füllkrug (46. Arnautovic), Petersen

In der Schlacht: Geborgen trotz Not und Gefahr

Es sind Shakespeare’sche Geister, mit denen uns Javier Marías zu kämpfen aufgibt, die uns ‚ermahnen’, an sie zu denken in der alltägliche Schlacht: Morgen in der Schlacht denk an mich

    Javier Marías: Morgen in der Schlacht denk an mich

Aber dann sind es auch wieder nur alltägliche Geister, die uns bedrücken, die uns diffuse Gefühle eingeben, irgendetwas zwischen Unsicherheit und Scham: ein seelisches Unwohlsein. Die Ursache liegt in der Situation. Es ist Nacht oder es stürmt. Es überkommt uns eine Ängstlichkeit, die begründet scheint – und es vielleicht ist oder auch nicht. „… und ich kann nicht einmal etwas dagegen tun“. Javier Marías beschreibt es wie folgt:

Das ist es, was panische Angst bewirkt und jene ins Verderben führt, die sie erleiden: Sie macht sie glauben, daß sie inmitten von Not und Gefahr trotz allem in ihr geborgen sind. Der Soldat, der fast ohne zu atmen und ganz still in seinem Schützengraben bleibt, obwohl er weiß, daß dieser schon bald angegriffen wird; der Passant, der nicht wegrennen will, als er spätnachts in einer dunklen, verlassenen Straße hinter sich Schritte hört; die Hure, die nicht um Hilfe ruft, nachdem sie in ein Auto gestiegen ist, dessen Türverriegelung sich automatisch schließt, und der klar wird, daß sie niemals zu diesem Kerl mit so großen Händen hätte einsteigen dürfen (vielleicht ruft sie nicht um Hilfe, weil sie meint, daß sie kein Anrecht darauf hat); der Fremde, der den vom Blitz gespaltenen Baum auf seinen Kopf niedergehen sieht und nicht ausweicht, sondern zuschaut, wie er langsam auf die große Allee fällt; der Mann, der einen anderen mit einem Messer auf seinen Tisch zukommen sieht und sich weder rührt noch verteidigt, weil er glaubt, daß ihm so etwas eigentlich nicht passieren kann und daß dieses Messer sich nicht in seinen Bauch bohren wird, das Messer kann nicht seine Haut und Eingeweide zum Ziel haben; oder der Pilot, der gesehen hat, wie das feindliche Jagdflugzeug es geschafft hat, hinter ihn zu gelangen, und der keinen letzten Versuch mehr unternommen hat, durch ein akrobatisches Manöver aus der Schußlinie zu kommen, in der Gewißheit, daß der andere, obwohl er alle Trümpfe in der Hand hielt, das Ziel verfehlen würde, weil diesmal er das Ziel war. ‚Morgen in der Schlacht denk an mich, und falle dein Schwert ohne Schneide.’

[…] es geht also alles weiter, und ich kann nicht einmal etwas dagegen tun […]

dieser Mann mit so großen Händen streichelt mir den Hals und drückt noch nicht zu: er streichelt mich zwar grob und tut mir ein bißchen weh, aber ich spüre weiter seine plumpen, harten Finger auf meinen Wangenknochen und Schläfen, meinen armen Schläfen – seine Finger sind wie Tasten; und ich höre noch die Schritte dieses Menschen, der mich im Dunkeln ausrauben will, oder womöglich täusche ich mich und es sind die eines harmlosen Menschen, der nicht schneller gehen und mich überholen kann, vielleicht sollte ich ihm die Gelegenheit dazu geben, indem ich meine Brille herausziehe und stehenbleibe, um eine Auslage zu betrachten, aber es kann sein, daß ich sie dann nicht mehr höre, und was mich rettet, ist, daß ich sie weiterhin höre; und immer noch bin ich hier in meinem Schützengraben mit gefälltem Bajonett, von dem ich bald werde Gebrauch machen müssen, wenn ich nicht von dem meines Feindes durchbohrt werden will: aber noch nicht, noch nicht, und solange dieses Noch-nicht gilt, verbirgt und bewahrt mich der Schützengraben, obwohl wir auf offenem Feld sind und ich die Kälte an den Ohren spüre, die der Helm nicht bedeckt; und das Messer dort, das in einer Faust näher kommt, hat sein Ziel noch nicht erreicht, und ich sitze weiter an meinem Tisch, und nichts wird aufgeschlitzt, und trotzdem werde ich noch einen Schluck von meinem Bier trinken, und noch einen und noch einen; so wie der Baum da drüben noch nicht umgestützt ist und nicht umstützen wird, obwohl er abgebrochen ist und kippt, aber nicht auf mich, und seine Äste mir nicht den Kopf abtrennen werden, das ist nicht möglich, denn ich bin nur auf Durchreise in dieser Stadt und in dieser Allee, und ebensogut könnte ich nicht hier sein; und ich sehe die Welt weiter aus der Höhe, von meiner Supermarine Spitfire aus, und noch habe ich nicht das Gefühl von Sinken und Schwere und Schwindel, von Stürzen und Schwerkraft und Gewicht, das ich haben werde, sobald die Messerschmitt, die mir im Genick sitzt und mich im Visier hat, das Feuer eröffnet und mich trifft: aber noch nicht, noch nicht, und solange dieses Noch-nicht gilt, kann ich weiter an die Schlacht denken und die Landschaft betrachten und Zukunftspläne schmieden; … (S. 37 ff.)

Ich kenne das Beispiel vom Verfolgtem in einer bitterkalten Winternacht, der durchfroren Unterschlupf in einem warmen Heim in verlassener Gegend findet. Und dort vor dem wärmenden Ofen bleibt er hocken, obwohl er weiß, dass die Häscher ihm so nahe sind.

Aber solange es ‚weitergeht’, solange wir noch spüren, noch hören, noch sitzen und trinken, die Landschaft betrachten und Zukunftspläne schmieden, solange mag die Angst bestehen, aber solange leben wir auch noch.

Joan Armatrading: Joan Armatrading (1976)

Nach ihren ersten beiden Alben Whatever’s for us (1972) mit Pam Nestor und Back to the Night (1975) veröffentlichte Joan Armatrading 1976 ein Album nur unter ihren Namen: Joan Armatrading.

Produzent des Albums war Glyn Johns, der zuvor und dann auch später mit vielen Größen der Rockmusik gearbeitet hat, von den Beatles über die Rolling Stones bis hin zu Joe Satriani und Fairport Convention. Es sollte nicht die letzte Zusammenarbeit zwischen ihm und Joan Armatrading sein.

Bei dem Aufnahmen zu dem Album im September 1976 im Olympic Studios in London kam Joan Armatrading auch mit einigen Musikern aus dem Jethro Tull-Umfeld wie Dave Mattacks (Live-Album A Little Light Music, 1992) und Jerry Donahue (Fairport Convention) zusammen – sowie mit Dave Markee, der u.a. von diversen Alben von Eric Clapton bekannt wurde.

    Joan Armatrading - Joan Armatrading (1976)

Die Arbeit von Glyn Johns hinterließ deutliche Spuren. Sicherlich würde man das Album heute etwas anders arrangieren. Mehr noch als seine Vorgänger war es wie aus einem Guß. Dabei glänzte das Album Joan Armatrading besonders auch durch seine stilistische Vielfalt. Für mich ist es der erste große Wurf der Joan Armatrading. Ein Album mit zehn schönen Lieder, die einmal besonders melodiös, dann eher rhythmisch hervorgehoben sind. Und es wurde für eine Musikerin wie Joan Armatrading zu einem durchaus respektablen Erfolg: Platz 12 in den UK Album Charts, Platz 67 immerhin schon in den fernen USA:

Das Album beginnt mit Down to Zero, ein Lied, das sie dann auch als Opener längere Zeit bei ihren Konzerten benutzte. Zu ihrer Live-Band gehörten damals Red Young (Keyboards), Rick(ie) Hirsch (Guitar), Richie Hayward bzw. Art Rodriguez (Drums), Bill Bodine (Bass) und Lon Price (Saxophone). Das Lied wurde dann auch später öfter gecovert, u.a. von der amerikanischen Sängerin Melissa Etheridge, die das Lied in den 80er Jahren bei Konzerten in Musikclubs von Kalifornien vortrug – übrigens nur eines von vielen Joan Armatrading-Liedern.


Joan Armatrading: Down to Zero

Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert)

1. „Down to Zero“ – 3:51
2. „Help Yourself“ – 4:04
3. „Water With the Wine“ – 2:48
4. „Love and Affection“ – 4:28
5. „Save Me“ – 3:35
6. „Join the Boys“ – 4:48
7. „People“ – 3:30
8. „Somebody Who Loves You“ – 3:33
9. „Like Fire“ – 5:12
10. „Tall in the Saddle“ – 5:43


Joan Armatrading: Help yourself

Zu ihrem Gitarrenstil äußerte sich Joan Armatrading einmal im Magazin Guitar Player und nannte sich eine ‚Hitterin’, also eine, die kräftig in die Saiten schlägt. Dabei spielt sie Bass, Harmonie und Melodie quasi synchron. Das war dann auch der Grund, weshalb sie die elektrisch verstärkte Akustikgitarre der Marke Ovation bevorzugte, die gut an ihren gewölbte Korpus zu erkennen ist. Besonders eindrucksvoll präsentiert sie diesen Stil auf dem Stück Like Fire.

Eines ihrer bekanntesten Lieder ist ohne Zweifel Love and Affection, nicht nur, weil es oft gecovert wurde, sondern es war Joan Armatradings erster Chart-Erfolg und erreichte im November 1976 Platz 10 der britischen Singles-Chart. Background-Sänger (mit tiefem Bass) ist Clarke Peters.


Joan Armatrading: Love and Affection (The Old Grey Whistle Test 1976)

Den Abschluss des Albums bildet ein Lied, das mir immer noch besonders gefällt: Tall in the Saddle. Besonders der Gitarrist Rick Hirsch ist mir mit seinem einzigartigen Gitarrensolo von den damaligen Live-Auftritten in bester Erinnerung geblieben.


Joan Armatrading: Tall in the Saddle

Javier Marías: Morgen in der Schlacht denk an mich

    Meine jetzt so unübersehbare Präsenz wird schon morgen durch eine Kopfbewegung und einen aufgedrehten Wasserhahn geleugnet werden, und für sie wird es sein, als wäre ich nicht gekommen, und ich werde nicht gekommen sein, denn sogar die Zeit, die sich zu verrinnen sträubt, verrinnt schließlich und entschwindet durch den Abfluß, und ich brauche mir nur den Tagesanbruch auszumalen, um mich bereits außerhalb dieses Hauses zu sehen, vielleicht werde ich schon sehr bald draußen sein, noch in dieser Nacht … (S. 29)

Von Javier Marías habe ich vor über zwei Jahren an dieser Stelle den Roman Mein Herz so weiß (dazu auch noch den Beitrag I have done the deed) vorgestellt. Jetzt habe ich den darauf folgenden Roman Morgen in der Schlacht denk an mich (Klett-Cotta – Deutscher Taschenbuch Verlag, München – dtv 12637 – Juni 1999) erneut gelesen – Original: “Mañana en la batalla piensa en mi”, Editorial Anagrama S. A., Barcelona, 1994 – Deutsch von Carina von Enzenberg und Hartmut Zahn.

    Javier Marías: Morgen in der Schlacht denk an mich

Wie schon vom Roman ‚Mein Herz so weiß’ so geht auch von diesem Roman eine ungewöhnliche Suggestion aus. Dabei ist der Anfang lapidar und trocken:

„Niemand denkt je daran, daß er irgendwann eine Tote in den Armen halten könnte und daß er nicht mehr ihr Gesicht sehen wird, an dessen Namen er sich erinnert. Niemand denkt je daran, daß jemand im unpassendsten Augenblick sterben könnte, obwohl dies die ganze Zeit passiert, und wir glauben, dass niemand, dem dies nicht bestimmt ist, in unserem Beisein wird sterben müssen.“

Aber bekanntlich kommt der Schrecken oft auf leisen Füßen.

„In ‚Mein Herz so weiß’ brauchte Javier Marías noch eine Seite, bis er uns hatte. Dieses Mal reicht ihm ein Satz, der rätselhafte erste seines neuen Romans: ‚Niemand denkt je daran, daß er irgendwann eine Tote in den Armen halten könnte …’“ (Andreas Isenschmid im ‚Tages-Anzeiger’, Zürich)

„Sie ist noch nicht dreiunddreißig, hat sowohl Mann als auch zweijährigen Sohn sowie ein außereheliches Verhältnis. Als Marta Téllez’ Mann Eduardo Deán für ein paar Tage in London ist, lädt Marta Víctor Francés, unseren Ich-Erzähler, in ihre Wohnung ein. Noch bevor sie beide vollständig entkleidet sind, stirbt Marta unvermittelt in Víctors Armen. Das Zögern, den Ehemann zu benachrichtigen, die Furcht, die Tote und den kleinen Jungen einfach so in der Wohnung zu lassen, die Scham, Martas Ruf durch seine Existenz zu beschädigen – Víctor ist überfordert und flüchtet. Bewußt kann er sich der Sache nicht stellen, unbewußt aber schafft er Verhältnisse, die ihn letztlich zwingen, alles aufzuklären …“
(aus dem Klappentext)

Zurück zur angesprochenen Suggestion. Es ist so, dass man sich als Leser vom Geschriebenen beeinflusst fühlt, als wolle es einem etwas einflüstern. Es ist ein diffuses Gefühl, ein seelisches Unwohlsein. Marías spielt förmlich mit Wörtern wie Angst, Verdacht und Erwartung – und schmiedet Sätze, die sich wie Nebel auf die Seele legen:

„Das Zutagetreten von Angst bringt den, der angst macht oder dazu imstande ist, auf bestimmte Gedanken, Vorbeugung gegen das, was noch nicht geschehen ist, ruft das Ereignis auf den Plan, Verdacht entscheidet über das, was noch nicht feststand, und setzt es in Gang, bange Vorahnung und Erwartung zwingen dazu, die Hohlräume auszufüllen, die sie entstehen lassen und vertiefen, etwas muß geschehen, wenn wir wollen, daß sich die Angst verflüchtigt, und das beste ist es, dafür zu sorgen, daß sie sich erfüllt.“ (S. 19 f.)

Zum Inhaltlichen verweise ich auf eine Rezension von dieterwunderlich.de. Es ist ein merkwürdiger Stoff, und der Roman endet anders als man es je erwarten konnte (auch hier spielt Marías, diesmal mit der Erhaltungswartung des Lesers), als Víctor, der Erzähler, sich mit Eduardo, dem Mann der verstorbenen Frau, zu einem Gespräch trifft.

„Morgen in der Schlacht denk an mich, und es falle dein Schwert ohne Schneide. Morgen in der Schlacht denk an mich, als ich sterblich war, und es falle rostig deine Lanze. Möge ich morgen auf deiner Seele lasten, möge ich Blei sein in deiner Brust, und mögen deine Tage enden in blutiger Schlacht. Morgen in der Schlacht denk an mich, verzag und stirb.“ (S. 210)

Es sind die Geister, die König Richard III. in Shakespeares Drama heimsuchen. Genauso wird Víctor vom ‚Geist’ der toten Marta heimgesucht. Die Erinnerung nistet sich bei ihm ein: „Ewig herumspuken, nie ganz verschwinden, nie ganz vergehen und uns nie ganz verlassen, sondern in unserem Kopf hausen.“ Die Liebe als Spuk: Er muß seine Schuld begleichen und seine Erzählung vor der Welt abladen. Nur so kann er den Geist der Toten bannen und den bösen Zauber brechen, unter dem er steht und der ihn selber verhext zu einer Art Spukgestalt.

„… aus dem Halbdunkel herauszutreten und nicht länger ein Geheimnis bewahren oder von einem Mysterium umgeben sein zu müssen, vielleicht sehne ich mich manchmal genauso nach Klarheit und wahrscheinlich sogar nach Harmonie. Ich erzählte und erzählte. Und beim Erzählen hatte ich zwar nicht das Gefühl, mich von meinem bösen Zauber zu befreien, von dem ich mich noch nicht befreit hatte und mich vielleicht nie befreien würde, aber mir kam es so vor, als würde ich ihn mit einem anderen, weniger hartnäckigen und gutwilligeren vermischen. Wer erzählt, weiß die Dinge gewöhnlich gut zu erklären, und er weiß sich selber zu erklären, erzählen ist dasselbe wie überzeugen oder sich verständlich oder etwas sichtbar machen, und so kann alles verstanden werden, sogar das Infamste, kann alles verziehen werden, wenn es etwas zu verzeihen gibt, kann über etwas hinweggegangen oder etwas verarbeitet und sogar mit durchlitten werden, eben dies ist geschehen, und sobald wir erst wissen, daß es so war, müssen wir damit leben, in unserem Bewußtsein und unserem Gedächtnis einen Platz dafür suchen, der uns nicht am Weiterleben hindert, weil es passiert ist und wir es wissen. Das Geschehene ist daher immer weit weniger schlimm als die Ängste und Annahmen, die Mutmaßungen und bildhaften Vorstellungen und bösen Träume, die wir in Wahrheit nicht in unser Wissen eingliedern, sondern die wir verwerfen, nachdem wir sie über uns haben ergehen lassen oder sie zeitweilig in Betracht gezogen haben, und darum erfüllen sie uns weiterhin mit Schrecken, im Gegensatz zu den Ereignissen, die allein schon wegen ihrer Natur, also weil sie Tatsachen sind, geringeres Gewicht haben: Da es nun mal passiert ist und ich es weiß und es nicht rückgängig zu machen ist, sagen wir uns dann, muß ich es mir erklären und es mir zu eigen machen oder dafür sorgen, daß jemand anderer es mir erklärt, und am besten wäre, wenn es mir genau derjenige erzählt, der es übernommen hat, es zu tun, weil er es ist, der Bescheid weiß. Aber beim Erzählen kann man sogar Gnade finden, das ist die Gefahr. Die Eindringlichkeit der Darstellung, nehme ich an: Deshalb gibt es Angeklagte, deshalb gibt es Feinde, die man umbringt oder hinrichtet oder lyncht, ohne sie ein Wort sagen zu lassen – deshalb gibt es Freunde, die man mit den Worten verstößt: ‚Ich kenne dich nicht’ oder deren Briefe man nicht beantwortet -, damit sie sich nicht erklären und unversehens Gnade finden können, und da sie reden, verleumden sie mich, und es ist besser, wenn sie nicht reden, obwohl sie mich nicht verteidigen, wenn sie schweigen.“ (S. 309 f.)

Beide Romane, ‚Mein Herz so weiß’ wie auch dieser hier – man müsste sie Shakespeare-Romane nennen, gehören zusammen wie zwei Tafeln eines Diptychons – korrespondierend, doch einander nicht imitierend. Beide beginnen mit dem unerklärlichen Tod einer jungen Frau und enden mit dem vorsätzlichen Mord an einer andern. Beide spielen mit den gleichen Motiven und operieren mit den gleichen Strukturprinzipien. Beide sind Ehe- und Familienromane und handeln von den leisen Fiaskos und den blutigen Debakeln in den Beziehungen zwischen Mann und Frau, den Täuschungen und Selbsttäuschungen in der Liebe, den Mühseligkeiten, Ungewißheiten und komplexen Waghalsigkeiten beim heutigen Versuch, eine Ehe zu führen. Beide erzählen von Verdacht, Betrug und Verrat in bürgerlichen Verhältnissen.

Frontbesuch in Tostedt

Die Auseinandersetzungen um den Neubau einer Kindertagesstätte/eines Kinderhortes in Tostedt sind weiterhin nicht ausgestanden. Inzwischen schlägt dieser Streit in den Medien auch bundesweit Wellen. So gab es gestern in der ZDF-Sendung drehscheibe Deutschland einen kurzen, daher leider auch wenig aussagekräftigen Beitrag: Dorf wehrt sich gegen Kita-Neubau. Ausführlicher ist dagegen ein Artikel in der taz vom 25.07.2013 zum Thema Rechtsanspruch auf Kita-Plätze mit dem Titel: Der Kampf um den Ortskern. Der Artikel beginnt wie folgt:

„Wir sind nicht gegen Kitas“, sagt Nadja Weippert, die selbst ein Kind hat. Sie ist nur gegen diese Kita, an dieser Stelle. Ein Frontbesuch in Tostedt.

Ja, ein Frontbesuch …, denn die Fronten sind weiterhin verhärtet. In Lüneburg ist noch eine Klage anhängig. Sicherlich kann man diesen Streit aus vielerlei Sicht sehen. Der taz-Artikel hilft vielleicht einwenig für eine klarere Sicht, denn er ist durchaus objektiv verfasst. So oder so bleibt viel Porzellan zerschlagen, weil manchmal leider auch mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde. Hier zunächst der Ausschnitt aus der ZDF-drehscheibe von gestern:


ZDF-drehscheibe am 30. Juli 2013: Tostedt wehrt sich gegen Kita-Neubau

Über Twitter ist dann auch der taz-Artikel einsehbar:

siehe zum KiTa-Streit auch meine weiteren Beiträge:
Seltsame Methoden
Tostedter Politposse
Der Sieg der Gleichgültigkeit

Filmklassiker: Dressed to Kill (1980)

Es gibt Filme, die wollte ich immer schon einmal gesehen haben. Aber dann ‚verliert’ man sie wieder aus den Augen … So ging es mir mit A Clockwork Orange aus dem Jahr 1971, den ich endlich nach über 40 Jahren zusammen mit meine Söhnen betrachtete. Und da ich gerade bei Stanley Kubrick bin – für den noch etwas älteren Film von ihm 2001: Odyssee im Weltraum (1968) brauchte ich 45 Jahre, bis ich den vor einigen Tagen sah (dazu aber später mehr).

Den Film Dressed to Kill, einen US-amerikanischer Psychothriller des Regisseurs Brian De Palma aus dem Jahr 1980, kannte ich allerdings dann doch schon. So bin ich jetzt nicht nur über Hitchcock, dessen Œuvre im Juni im Fernsehen auf arte ausführlich vorgestellt wurde, so auch über De Palma und diesen Film gestolpert. Denn De Palma erweist mit diesem Spielfilm seinem Vorbild Alfred Hitchcock seine ganz besondere Reverenz.

Hitchcock verbinden wir oft mit dem Begriff Nervenkitzel. Er galt als der Meister des Suspense. In seine Fußstapfen trat Brian De Palma, denn in sehr vielen seiner Filme bezieht er „sich auf Alfred Hitchcock. So orientiert sich de Palma in seinen Thrillern an Grundthemen und Motiven von Hitchcock-Filmen, zitiert Szenen und greift auf viele Strategien der filmischen Erzählung wie Plansequenzen und Nahaufnahmen in ähnlicher Weise wie Hitchcock zurück. Die Zitierung wird besonders in de Palmas Thrillern wie ‚Schwarzer Engel’ (1976), ‚Dressed to Kill’ (1980) und ‚Der Tod kommt zweimal’ deutlich, in denen er nicht nur die Grunderzählung und Filmstruktur von Filmen Hitchcocks übernimmt (in Reihenfolge: ‚Vertigo – Aus dem Reich der Toten’ (1958), ‚Psycho’ (1960), ‚Das Fenster zum Hof’ (1954)) sondern auch Filmszenen dieser und weiterer Filme deutlich zitiert.“

In seinen Filmen geht De Palma Themen wie Spannung, Mord, Besessenheit und psychischen Störungen nach. Immer wiederkehrende Themen und Motive in seinen Filmen sind Voyeurismus und Überwachung, Doppelgänger, multiple Persönlichkeiten und Gewalt.

Brian De Palma - Dressed to Kill (1980)

Am Wochenende habe ich mir nun den Film Dressed to Kill in ungekürzter Fassung angeschaut. Dieser Film ist also gewissermaßen das Pendant zu Hitchcocks ‚Psycho’ aus dem Jahre 1960.

Kate Miller (Angie Dickinson) ist eine sexuell frustrierte Hausfrau und Mutter mittleren Alters. Sie sucht regelmäßig ihren New Yorker Psychiater Dr. Robert Elliott (Michael Caine) auf, um mit ihm über Lösungen für ihr unbefriedigendes Liebesleben zu sprechen. Als sie kurze Zeit nach ihrer letzten Sitzung einem ihr völlig fremdem Mann in einem Museum begegnet, lässt sie sich in einem nahegelegenen Hotel unvermittelt auf ein sexuelles Intermezzo mit ihm ein. Doch als sie das Hotel verlassen will, wird sie im Fahrstuhl von einer blonden Frau mit Sonnenbrille brutal ermordet. Die Prostituierte Liz (Nancy Allen) wird durch Zufall Zeuge des Mordes und berichtet der Polizei von den Vorkommnissen. Doch anstatt ihr zu glauben, richtet sich der Verdacht der Beamten gegen Liz selbst, da sie als Einzige Person am Tatort gesehen wurde und gedankenlos die Tatwaffe aufgehoben hatte. Mithilfe des Sohnes der Toten (Keith Gordon) kann sie ihre Unschuld beweisen und begibt sich zu Dr. Elliott, um mit ihm über die ermordete Kate zu sprechen. Schon bald darauf wird auch Liz von einer unbekannten Person verfolgt…

aus: filmstarts.de


Dressed to Kill (1980) – englischer Trailer

Wie bei Hitchcock so spielt auch bei De Palma die Musik eine nicht unwesentliche Rolle. So beginnt der Film unter den romantischen Klängen von Pino Donaggios Musik und zeigt eine Frau in den Vierzigern, wie sie unter der Dusche steht, alles voller Dampf und diffusem Licht, und masturbiert, während sie ihren Mann beobachtet, der sich rasiert. De Palma zeigt viel nackte Haut und teils überraschend intime Aufnahmen, sodass das Ganze ein wenig wie ein sehr schick gefilmter Soft-Porno wirkt: der pure Edel-Kitsch. Man wähnt sich im falschem Film.

Der weitere Aufbau des Films ist äußerst behutsam. Wir folgen Kate Miller, einer sexuell frustrierten Ehefrau, die scheinbar in einer tiefen Midlife-Crisis steckt. Sie ist bei dem Psychiater Dr. Elliott in Behandlung und nach einem Gespräch, das ihr unzufriedenstellendes Sexualleben mit ihrem Ehemann betrifft, geht Kate ins Museum. Dort inszeniert De Palma eine seiner großartigsten Sequenzen, die minutenlang mit rein visuellen Mitteln Kates Katz- und Mausspiel mit einem für sie attraktiven Fremden zeigt. Das ist virtuose Filmkunst, die De Palma auf der Höhe seines Schaffens präsentiert. Die beiden landen in seinem Appartement, haben Sex. Dann macht Kate eine schreckliche Entdeckung, verlässt die Wohnung und jetzt passiert das im Fahrstuhl, was bei Hitchcock in der Duschkabine geschieht.

Spätestens hier ändert sich „Dressed to Kill“ schlagartig und zeigt sich in der zweiten Hälfte als ganz anderer Film. Was folgt ist Hitchcock im New York der 80er Jahre. De Palma manipuliert dabei die Zuschauer ähnlich wie der Altmeister und präsentiert eine lustvoll-sadistisch, manchmal aber auch durchaus augenzwinkernde Inszenierung. De Palma inszeniert hier keine Realität, sondern eine filmische, traumartige Zwischenwelt, die nicht auf Logik, sondern auf Atmosphäre und puren cineastischen Genuss aus ist. Was mich eben doch sehr erstaunte, ist, wie nah Da Palma dabei seinem Vorbild Alfred Hitchcock kam. Übrigens über Hitchcock mit Sir Anthony Hopkins in der Titelrolle und seinen Film „Psycho“ als Hintergrund gibt es ‚endlich’ auch einen Film: Demnächst in diesem Theater!

Wohin geht die Reise?

Am Sonntag, den 4. August, beginnt für den Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen mit dem DFB-Pokal-Spiel beim 1. FC Saarbrücken die neue Saison. Am 10. August spielen dann die Bremer beim Aufsteiger Eintracht Braunschweig. Gestern feierte die Mannschaft bei bestem Wetter mit seinen Anhängern den „Tag der Fans“. „Die Stimmungslage im grün-weißen Lager ist gedämpft optimistisch. So ganz genau weiß im Moment niemand, was er von Werder in der neuen Saison erwarten darf. Fest steht: Mehr denn je wirbt Werder um Verständnis und die Geduld der Fans.“ (Quelle: weser-kurier.de)

Neustart beim SV Werder Bremen mit Robin Dutt und Thomas Eichin

Ja, so recht weiß man noch nicht, wohin die Reise geht. Die Vorbereitung auf die neue Saison lief oft nicht rund. Nach vier Niederlagen in Folge gab es zum Abschluss immerhin noch zwei Siege: das 6:0 gegen den Drittligisten Rot-Weiß Erfurt und gestern das 1:0 gegen den FC Fulham aus der englischen Premier League. Vorgaben für die neue Saison gibt es nicht, außer die: besser abzuschneiden als in der letzten Saison, also besser zu sein als Platz 14 in der Bundesliga – und die 1. Runde im DFB-Pokal ungeschadet zu überstehen. Robin Dutt, Werders neuer Trainer, formuliert es so: „Wir wollen einen attraktiven Stil prägen und weniger Gegentore kriegen. Dann steht man automatisch weiter oben.“

Im Kader gab es nur wenige Änderungen. Stürmer Niels Petersen hat jetzt einen festen Vertrag. Für die bisherigen Leistungsträger Sokratis in der Innenverteidigung und Kevin de Bruyne im Mittelfeld kamen Luca Caldorola und Cedrick Makiadi. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Lukas Schmitz (24, Fußwurzelbruch) könnte noch ein Linksverteidiger (Markus Suttner von Austria Wien ist im Gespräch) sowie ein Stürmer oder offensiver Mittelfeldspieler zu den Grün-Weißen stoßen. Transferschluss ist der 31. August.

Werder Bremen: Wohin geht die Reise?

Wie könnte nun die Stammelf aussehen – und mit welchem System wird Werder antreten? Das gestrige Spiel gab da sicherlich erste Aufschlüsse: Vor Torwart Sebastian Mielitz verteidigten in der Viererkette Clemens Fritz, Sebastian Prödl, Luca Caldirola und Theodor Gebre Selassie. Die Doppel-Sechs bildeten Cedrick Makiadi und Mehmet Ekici, die von Zlatko Junuzovic unterstützt wurden. Für die Bremer Offensivabteilung waren Eljero Elia, Aaron Hunt und Nils Petersen zuständig. Aber auch Fritz und Gebre Selassie schalteten sich immer wieder mit nach vorne ein. Das sieht nach einem 4-2-3-1-System aus.

Welche taktischen Finessen Robin Dutt in Zukunft einsetzen wird, ließ er bisher noch offen. Die alte Werder-Raute soll aber ausgedient haben. Ein gänzlich neues Werder-System soll her – auch wenn das mit Sicherheit viel Zeit braucht.

Warum soll es den Bremern besser gehen als den Bayern mit Guardiola? Die mussten ihre erste Pleite hinnehmen (2:4 gegen Borussia Dortmund im Supercup). Hoffen wir, das Werders Pflichtspielstart erfolgreicher verläuft. Gute Ansätze sind erkennbar. Nur muss der Angriff effektiver und die Abwehr noch etwas stabiler werden. Wann und wie dann die neue Werder-Taktik kommt, ist ohne Zweifel abhängig von der bisherigen Erfolgsquote.

Gedämpft optimistisch ist also die Stimmung an der Weser. Vielleicht ganz gut so, denn wer zuviel erwartet, kann schnell enttäuscht werden. Mit Zweckpessimismus ist die Freude dann auch schon bei kleinen Erfolgen um so größer.

Heute Ruhetag (38): William Shakespeare – Richard III.

„Richard, Herzog von Gloucester – hässlich und missgebildet – kündigt an, er wolle ein Bösewicht werden. Um die Königskrone zu erlangen, müssen zunächst seine beiden Brüder: der regierende König Edward IV. und George, der Herzog von Clarence, beseitigt werden. Richard hat keine Hemmungen, da auch seine Rivalen durch Mord und Gewalt an die Macht gekommen sind. Er verleumdet Clarence beim König, dieser sperrt den Unschuldigen in den Tower. Wenig später wird Clarence von zwei Mördern im Auftrag Richards umgebracht. Inzwischen wirbt dieser um Prinzessin Anne, die aber auf sein Ansinnen empört reagiert, da sie davon ausgeht, dass Richard ihren Gatten, Prinz Edward und dessen Vater, König Heinrich VI. getötet hat. Richard macht Anne inmitten des Trauerzuges für den ermordeten König einen Heiratsantrag. Um ihr seine Liebe zu beweisen, entblößt Richard seine Brust und bietet Anne sein Schwert an. Sie zielt nach ihm, lässt das Schwert dann fallen.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Und so geht es dann weiter … Nichts als Mord und Totschlag in der eigenen Familie. Ja, der Shakespeare.

Ich komme aus einem ganz bestimmten Grund auf dieses Königsdrama in 5 Akten zu sprechen, das um 1593 entstand und an Heinrich VI., Teil 3 anschließt und damit der letzte Teil der York-Tetralogie ist.

Vor kurzer Zeit las von Javier Marías den Roman Morgen in der Schlacht denk an mich (dazu später mehr), dessen Titel sich auf dieses Drama bezieht:

„Morgen in der Schlacht denk an mich, und es falle dein Schwert ohne Scheide. Morgen in der Schlacht denk an mich, als ich sterblich war, es falle rostig deine Lanze. Möge ich morgen auf deiner Seele lasten, möge ich Blei sein in deiner Brust, und mögen deine Tage enden in blutiger Schlacht. Morgen in der Schlacht denk an mich, verzag und stirb“, heißt es im Roman (S. 210).

In Shakespeares Original lautet das u.a.:
“To-morrow in the battle think on me,
And fall thy edgeless sword. Despair and die!“

In der Übersetzung von Schlegel (siehe unten):
Denk in der Schlacht an mich, und fallen laß
Dein abgestumpftes Schwert! Verzweifl‘ und stirb!

So spricht der Geist des Clarence (George Plantagenet, Herzog von Clarence, Bruder des späteren Königs – beide aus dem Hause York). Und es treten weitere Geister auf, so auch der der Anne, die den Spruch wiederholt. – Als die Geister verschwinden, erwacht König Richard und sagt bzw. erkennt:

Ein andres Pferd! verbindet meine Wunden!
Erbarmen, Jesus! – Still, ich träumte nur.

[kurz darauf]:

Ich muß verzweifeln. – Kein Geschöpfe liebt mich,
Und sterb ich, wird sich keine Seel‘ erbarmen.
Ja, warum sollten’s andre? Find ich selbst
In mir doch kein Erbarmen mit mir selbst.
Mir schien’s, die Seelen all, die ich ermordet,
Kämen ins Zelt, und ihrer jede drohte
Mit Rache morgen auf das Haupt des Richard.

Vor vielen Jahren habe ich übrigens Wolfgang Kieling in der Rolle des Richard III. im Fernsehen gesehen.

Heute Ruhetag = Lesetag!

(Der Geist des Prinzen Eduard, Sohnes Heinrichs des Sechsten, steigt zwischen den beiden Zelten auf.)

Geist (zu König Richard).
Schwer mög‘ ich morgen deine Seele lasten!
Denk, wie du mich erstachst in meiner Blüte,
Zu Tewkesbury: verzweifle drum und stirb! –

(Zu Richmond.)
Sei freudig, Richmond, denn gekränkte Seelen
Erwürgter Prinzen streiten dir zum Schutz:
Dich tröstet, Richmond, König Heinrichs Sohn.

(Der Geist König Heinrichs des Sechsten steigt auf.)

Geist (zu König Richard).
Du bohrtest mir, da ich noch sterblich war,
Voll Todeswunden den gesalbten Leib;
Denk an den Turm und mich; verzweifl‘ und stirb!
Heinrich der Sechste ruft: verzweifl‘ und stirb!

(Zu Richmond.)
Heilig und tugendhaft, sei Sieger du!
Heinrich, der prophezeit, du werdest König,
Kommt, dich im Schlaf zu trösten: leb und blühe!

(Der Geist des Clarence steigt auf.)

Geist (zu König Richard).
Schwer mög‘ ich morgen deine Seele lasten!
Ich, totgebadet einst in ekelm Wein,
Der arme Clarence, den dein Trug verriet!
Denk in der Schlacht an mich, und fallen laß
Dein abgestumpftes Schwert! Verzweifl‘ und stirb!

(Zu Richmond.)
Du Sprößling aus dem Hause Lancaster,
Es beten für dich Yorks gekränkte Erben.
Dich schirm‘ ein guter Engel! Leb und blühe!

aus: FÜNFTER AUFZUG – Dritte Szene

Signatur: William Shakespeare

William Shakespeare: Richard III.

Joan Armatrading: Starlight (2012)

    „Daß einem etwas einfällt, was einem früher nicht hätte einfallen können.“
    Martin Walser – nach dem Alter gefragt

Nachdem ich vorhabe, mich hier in diesem Weblog nach und nach etwas ausführlicher zu Joan Armatrading zu äußern (so habe ich begonnen, ihre Studioalben zu präsentieren – beginnend mit Joan Armatrading & Pam Nestor: Whatever’s for us (1972) und Joan Armatrading: Back to the Night (1975)), möchte ich nun doch erst einmal (und endlich) ihr bisher letztes Album Starlight vorstellen.

    Joan Armatrading: Starlight (2012)

Wenn ich richtig gezählt habe, dann ist es ihr 19. Studioalbum. „Starlight“ aus dem Jahr 2012 markiert den Abschluss einer Trilogie die mit Into The Blues 2007 begann und mit This Charming Life 2010 fortgeführt wurde. Nach Blues und Rock ist dieses Album auf Jazz fokussiert. Und damit begannen für mich die Schwierigkeiten. Nicht, dass ich Jazz nicht mag. Aber Jazz hat eine enorme Bandbreite. Fusion aus Jazz und Rock gefällt mir durchaus, z.B. Zappa, Colosseum oder Mahavishnu Orchestra. Und auch Ry Cooder hat sich 1978 hörenswert mit Ragtimes und anderen archaischen Jazz-Stilen beschäftigt. Aber Joan und Jazz?

Nun ich habe die Scheibe oft genug gehört. Und von Mal zu Mal gefiel sie mir besser. Es ist nicht so ganz mein Ding, aber dadurch, dass Joan Armatrading dieses Album mit einer außergewöhnlichen Dynamik entwickelt hat, die ‚irgendwie’ ansteckend ist, kann ich gut damit leben. Überall auf der CD swingt und groovt es und es ist dabei entspannt und in sich geschlossen. Mit dieser Platte erweitert Joan Armatrading ihre Stilvielfalt um ein weiteres Genre.

Zudem hat sie die Lieder selber geschrieben, arrangiert, abgemischt und als Multi-Instrumentalistin (Gitarren, Bass, Keyboards, Gesang, Schlagzeugprogrammierung), eingespielt sowie produziert. „Das war bereits auf den vier vorausgegangenen Platten der Fall“, berichtet sie. Gemastert hat Tim Young (siehe auch: Rocktimes.de)


Joan Armatrading: Starlight

„Joan Armatrading scheint im Alter eine neue Form der Emotionalität gefunden zu haben, sowohl in ihren Texten als auch in ihrer Musik. Unverblümt erzählt sie von ihrem Alltag und steht dazu, sich immer noch zu verlieben: ‚It’s not the first time that I’ve been kissed / but I’ve never been kissed like this before’ singt sie in ‚Close to me’, und die Freude ist ihr an der Stimme deutlich anzumerken. Das sagt sie gern, das macht ihr Spaß, und sie will es nicht für sich behalten. Mit ihrer vollen Stimme und den jazzigen, mitunter auch funky ausgeklügelten Arrangements reißt sie alle Zuhörer mit, die ihren Musikgeschmack teilen. ‚Single Life’ hat einen progressiven Touch, der im Refrain gar an die alten Gentle Giant oder Frank Zappa erinnert, ‚Close To me’, ‚Back On Track’ und ‚Starlight’ sind chartfähiger Pop, ‚The Way I Think Of You’ atmet traditionellen Jazz. Bei allem tritt sie als Komponistin und Sängerin unkompliziert auf, die ihre Songs mit einem Fingerschnippen zu schreiben scheint und jeden Ton trotz ihres fortgeschrittenen Alters mühelos trifft. Mit jedem Song strahlt sie eine so positive Munterkeit aus, dass es beim Hörer ansteckend wirkt und man die Scheibe als Medikament gegen depressive Verstimmungen verschreiben möchte. Nicht jeder mag Jazz, Funk, Folk, Rock und Pop in einem Topf – aber wenn Mama Joan diesen Eintopf kocht, wird doch fast jeder mit der Zunge schnalzen. Ehrlich, positiv, musikalisch hochgradig und leicht anhörbar – ein seltenes Juwel!“

Nun ihrer Stimme merkt man inzwischen schon das ‚fortgeschrittenen Alter’ an, denn diese klingt leicht belegt, fast etwas heiser. Aber den Stücken dieses Albums kommt das eher zugute. Erstaunlich ist auf jeden Fall die Vehemenz mit der sie singt. Damit kann sie sogar jeden Rapper an die Wand singen.

Single Life

Single life is not what it appears to be

You can eat cake and even ice cream
And you can stay out really late
And you can bring home someone
To make you feel special
But it’s for a few hours
Then they go away.

Deutsche Übersetzung: Leben als Single

„Das Leben ohne Partner ist nicht so, wie es von außen scheint: du kannst alles futtern, was du willst – und dir manchmal jemand mit nach Hause nehmen – sie geben dir das Gefühl, dass du was Besonderes bist, aber nur für ein paar Stunden, bevor sie wieder abhauen…“.


Joan Armatrading: Tell Me

Nun nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich mich mit dem Album ‚Starlight’ versöhnt. „Daß einem etwas einfällt, was einem früher nicht hätte einfallen können.“, sagte Martin Walser. Da gilt auch für Joan Armatrading. Mit ihren gut 62 Jahren lässt sie sich immer noch etwas Neues einfallen.

Starlight bei allmusic.com bzw. rdio.com als Stream

Albert Camus: Die Pest

    Das Böse in der Welt rührt fast immer von der Unwissenheit her, und der gute Wille kann so viel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgeklärt ist. (S. 86)

Und weiter heißt es bei Camus: Die Menschen sind eher gut als böse, und in Wahrheit dreht es sich gar nicht um diese Frage. Aber sie sind mehr oder weniger unwissend, und das nennt man dann Tugend oder Laster. Das trostloseste Laster ist die Unwissenheit, die alles zu wissen glaubt und sich deshalb das Recht anmaßt zu töten. (S. 86f.)

Es ist wohl das bekannteste Werk des Romanciers und Philosophen Albert Camus, dem ich mich in diesem Weblog schon öfter gewidmet habe. Gemeint ist der Roman Die Pest, das ich in folgender Ausgabe habe: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg – rororo 15 – 829.-853. Tausend März 1979 (Original: La Peste, 1947 Librairie Gallimard, Paris)

Albert Camus: Die Pest

Camus war der Philosoph des Absurden, der meinte, dass man dem Leid und Elend in der Welt keinen Sinn abgewinnen kann. Der Mensch fühlt, wie „fremd“ alles ist, die Außenwelt und ihre Sinnlosigkeit bringen ihn wegen seines Strebens nach Sinn in existentielle Konflikte. In diesem Roman nun führte Camus das Element der ständigen Revolte gegen die Sinnlosigkeit der Welt ein, wie sie in seinem Essay „Der Mensch in der Revolte“ („l’homme révolté“, 1958) später voll entwickelt wird. Insbesondere kommen aber die Werte Solidarität, Freundschaft und Liebe als möglicher Ausweg hinzu, wenn auch die Absurdität nie ganz aufgehoben werden kann.

In der nordafrikanischen Stadt Oran bricht eine furchtbare Seuche aus, die längst aus zivilisierten Regionen verbannt schien. Die sich unerbittlich ausbreitende mörderische Epidemie bestimmt allmählich das gesamte Leben der von der Außenwelt abgeschnittenen Stadt und verändert es. Außerordentlich wirklichkeitsnah, ist das Werk zugleich ein großartiges Sinnbild des apokalyptischen Grauens, das den Einzelmenschen angesichts der maßlosen kollektiven Verhängnisse unserer Zeit befällt. Doch nimmt der Leser die Gewißheit mit, daß Mut, Willenskraft und Nächstenliebe auch ein scheinbar unabwendbares Schicksal meistern können.
(aus dem Klappentext)


Oran/Algerien

In seinen Tagebücher (Albert Camus, Tagebücher 1935 – 1951) schrieb Camus dazu: „Ich will mit der Pest das Ersticken ausdrücken, an dem wir alle gelitten haben, und die Atmosphäre der Bedrohung und des Verbanntseins, in der wir gelebt haben. Ich will zugleich diese Deutung auf das Dasein überhaupt ausdehnen. Die Pest wird das Bild jener Menschen wiedergeben, denen in diesem Krieg das Nachdenken zufiel, das Schweigen – und auch das seelische Leiden.“

Personen:

Bernard Rieux, Arzt und Verfasser des Berichts
Frau Rieux (†)
Mutter Rieux

M. Michel, Hauswart († – 1. Opfer)
M. Othon, Untersuchungsrichter (†)

Raymond Rambert, Journalist
Jean Tarrou, junger Mann, Tagebuchschreiber († – das letzte Opfer)
Pater Paneloux († – zweifelhafter Fall)
Joseph Grand, Angestellter der Stadtverwaltung (erkrankt) -> Liebe zu Jeanne
M. Cottard (Selbstmordversuch) -> Verhaftung

Dr. Richard, Sekretär des Ärzteverbandes (†)
Dr. Castel (stellt Serum her)

Schmuggler und Menschenschieber
Garcia / Raoul / Gonzales / Marcel & Louis

Präfekt
Asthmaischer Spanier
männlicher Katzenbespucker

u.a.

Der Roman „Die Pest“ ist als Parabel der französischen Widerstandsbewegung Résistance ein Plädoyer für die Solidarität der Menschen im Kampf gegen Tod und Tyrannei und damit „gleichzeitig eine Chronik der Kriegszeit. Die von Albert Camus gewählte Stadt Oran steht stellvertretend für das von Nazideutschland besetzte Frankreich. Durch den Ausbruch der Pest wurde Oran zu einer hässlichen von der Außenwelt abgeschlossenen Stadt. Der Arzt Rieux, der der Erzähler der Geschehnisse ist, und Tarrou machen Aufzeichnungen von den Ereignissen, auf die die Bewohner nicht vorbereitet waren. Nicht nur Rieux, sondern ebenso die anderen Hauptpersonen machen es sich nach und nach zur Aufgabe, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Pest und ihre verheerenden Folgen für die Bevölkerung vorzugehen und sich den von Tarrou aufgestellten Sanitätstrupps [Widerstandsgruppen] anzuschließen. Auch der Jesuitenpater Paneloux meldet sich als freiwilliger Helfer und sieht es als seine Pflicht an, in der vordersten Reihe seinen Dienst zu tun. Der Roman ‚Die Pest’ besitzt wie der Roman ‚Der Fremde’ eine soziale und eine metaphysische Ebene. In mehreren Gesprächen zwischen Rieux und Pater Paneloux, sowie zwischen Rieux und Tarrou wird die Frage nach dem Leid in der Welt erörtert. In seiner ersten Predigt spricht der Pater von der Pest als einer Geißel Gottes, dieser Standpunkt wird von Rieux vehement abgelehnt. Jedoch sucht Pater Paneloux in seiner zweiten Predigt nicht mehr nach einer Erklärung für das Leid. Er hat seinen Zuhörern keine Belehrungen mehr zu geben und spricht sie daher mit ‚wir’ und nicht wie in seiner ersten Predigt mit ‚ihr’ an.“ (siehe weiter: Albert Camus: das Absurde – die Wahrheit – die Revolte – Die Pest).

Der Roman endet mit einer eindringlichen Mahnung:

Während Rieux den Freudenschreiben lauschte, die aus der Stadt empordrangen, erinnerte er sich nämlich daran, daß diese Fröhlichkeit ständig bedroht war. Denn er wußte, was dieser frohen Menge unbekannt war und was in den Büchern zu lesen steht: daß der Pestbazillus niemals ausstirbt oder verschwindet, sondern jahrzehntelang in den Möbeln und der Wäsche schlummern kann, daß er in den Zimmern, den Kellern, den Koffern, den Taschentüchern und den Bündeln alter Papiere geduldig wartet und daß vielleicht der Tag kommen wird, an dem die Pest zum Unglück und zur Belehrung der Menschen ihre Ratten wecken und erneut aussenden wird, damit sie in einer glücklichen Stadt sterben. (S. 202)